Weichen für Energiewende gestellt
Einiges deutet darauf hin, dass nun auch in Trier die Weichen für eine Wende in der lokalen Energiepolitik gestellt sind. Während die Stadtwerke verstärkt in Sonnenstrom und Windkraft investieren und der Stadtrat grundsätzlich sein grünes Licht gab für großflächige Photovoltaikanlagen auf dem Dach der Arena Trier sowie auf dem Petrisberg, schließen sich immer mehr Menschen zusammen, um unter Federführung des Vereins Lokale Agenda 21 gemeinsam Bürgerkraftwerke zu realisieren. Eine dieser Anlagen versorgt seit kurzem studentische Wohnungen an der Universität.
TRIER. Else Fichter ist eine Pionierin in Sachen Bürgerkraftwerke in Trier. Die 83-Jährige finanzierte vor etwa acht Jahren mit 48 weiteren spendablen Bürgern ein rund 25.000 Euro teures Solarkraftwerk auf dem Dach der Handwerkskammer, das 4,9 Kilowattstunden produziert. “Damals wurde ich noch von vielen belächelt, heute ist das Thema in der Gesellschaft angekommen”, weist die ehemalige Deutsch- und Erdkundelehrerin auf die inzwischen veränderte gesellschaftliche Akzeptanz des Themas hin. Diese Entwicklung hat sich auch bei ihr persönlich vollzogen: “Früher habe ich extra in Saarburg gearbeitet, um Auto fahren zu können. Dann habe ich es verschenkt und engagiere mich heute für den Umweltschutz”.
“Unisol” ist nun das dritte von insgesamt fünf Bürgerkraftwerken, die in Trier bis Mitte des Jahres fertiggestellt werden sollen. Bei der Installation auf dem Haus IV der Studierendenwohnungen an der Uni handelt es sich um eine Photovoltaikanlage, die 17,86 Kilowattpeak (kWp) erzeugt. Die Initiatoren sind der Verein Lokale Agenda 21 mit seiner Projektgruppe Energie sowie das Studierendenwerk, welches die Dächer zur Verfügung stellt. Darüber hinaus finanzierte das SWT aus seinen Rücklagen eine eigene Photovoltaikanlage, die Ende Februar ans Netz ging: “Die Entscheidung dafür war eine der unkomplizierteren im Verwaltungsrat”, berichtet Andreas Wagner, Geschäftsführer des Studierendenwerks und betont damit die Prämisse, auf nachhaltige Energien umzustellen. Beide Anlagen können in Zukunft zusammen acht bis neun Vier-Personen-Haushalte ganzjährig mit Strom versorgen – wobei die vom SWT betriebene Dachkonstruktion bereits Module der zweiten Generation enthält und dadurch einen höheren Wirkungsgrad erzielt.
Der Verein Lokale Agenda 21 verfolgt mit seinem Engagement die längerfristige Strategie, die Energiepolitik vor Ort von unten aufzumischen. Deshalb betreut sie die Gründung von Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR), die eine Art Fonds für die Finanzierung neuer Solar- oder Photovoltaikanlagen darstellen. In diesen Fonds kann jeder Bürger einen Mindestbetrag von 1.000 Euro einzahlen, die Beteiligten erwartet eine jährliche Rendite, die sich an der jeweils für die Anlage gültigen Einspeisevergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) orientiert. “Unser Ziel ist es, dass Trier im Jahr 2040 komplett energieautark wirtschaftet”, fasst Herbert Kronenberg, Geschäftsführer von “Unisol”, seine Vision zusammen. Dafür bedarf es weiterer Projekte wie jenes am Schulzentrum Mäusheckerweg in Pfalzel, das nach Angaben der Konstrukteure bis Ende Juni dieses Jahres in Betrieb gehen und fast die fünffache Leistungsfähigkeit der beiden Anlagen in Tarforst aufweisen wird.
Auch beim Studierendenwerk reiht sich die nun fertiggestellte Anlage in eine Art Masterplan ein, der eine sukzessive Energie- und Kosteneinsparung vorsieht. Dafür spricht unter anderem ein Rückgang des Stromverbrauchs in den letzten vier Jahren um 326 Megawattstunden, was in etwa der Versorgung von 90 Vier-Personen-Haushalten entspricht. Möglich wurden diese Einsparungen durch technische Veränderungen wie die Installation einer neuen Lüftungsanlage oder eine kostensparendere Programmierung der Heizkörper. Außerdem verfolgt das Studierendenwerk den Ansatz, die Mieter zu energiesparendem Verhalten anzuregen, beispielsweise mithilfe eines geplanten Energiesparwettbewerbs. Eine Machbarkeitsstudie aus dem letzen Jahr bewog den Verwaltungsrat zusätzlich, in insgesamt vier Solaranlagen zu investieren, die bis September dieses Jahres ans Netz gehen und die konventionelle Warmwassergenerierung ersetzen sollen. Die Investitionskosten dafür betragen 224.000 Euro, wobei ein Teil durch Subventionen der Landesregierung abgedeckt werden kann.
Die Heizkosten an den Studierendenwohnheimen sollen sich dadurch um mehr als 226.000 Euro und der CO2-Ausstoß um 50 Tonnen jährlich verringern. Aufgrund der ambitionierten Pläne zeigen sich die Akteure denn auch optimistisch, die lokale Energiewende herbeizuführen. Dieter Buch, zuständig für die Umsetzung der Anlage des Studierendenwerks: “Sie müssen sich nur eins vorstellen: Vier Sonnenstunden reichen aus, um den Jahresenergieverbrauch auf der Welt zu decken. Deswegen gibt es keine Alternative zu dieser Energiequelle!”.
von Volker Haaß





31. März 2010 (09:41 Uhr)
…und die SWT lassen gerade ein Kohlekraftwerk bauen
- und gegen Atomkraft haben sie auch nichts
- im Gegensatz zu 150 anderen Stadtwerken die wissen dass damit Investitionen in erneurbare blockiert und die Vormachtstellung der großen wie RWE gefestigt wird zum Schaden einer Enrgiewende – die ght nunmal nur dezentral und gegen die großen Atom-und Kohlekonzerne. Weg von RWE das fehlt in Treir noch für eine glaubhafte Energiewende. Solange müssen die Bürger (danke an die LA 21 u.a. Aktive!) das wohl selbst in die Hand nehmen. Erneuerbare unterstützen, zu echten Ökostromanbietern wechseln, die nicht wie SWT mit RWE verbandelt sind.
31. März 2010 (12:34 Uhr)
Ich finde es wieder äusserst verwirrend, die Abkürzung SWT zu benutzen, da man nie sicher ist, ob jetzt ob SWT (Studiwerk Trier) oder SWT (Stadtwerke Trier) gemeint ist..
1. April 2010 (10:17 Uhr)
Eigentlich wollte ich grad einen Stromwechselaufruf schreiben, allerdings ist mir Richard zuvorgekommen. Ich habe seinen Ausführungen nichts hinzuzufügen. Frohe Ostern an alle!