Frisch aus der Folkküche

Es gibt Bücher, bei denen man mit dem ersten Satz mitten im Geschehen, mitten in der Geschichte ist. Man taucht unvermittelt ein, es besteht eine eigentümliche Vertrautheit. Nicht anders geht es dem Hörer mit “Air”, der ersten CD des Trierer Folkduos “You can say you to me“, das vor wenigen Tagen sein Debütalbum einem begeisterten Publikum im “Chrome” vorstellte.

TRIER. Dominik Lermen (Gitarre, Piano, Percussions) sagt über die musikalische Zusammenarbeit mit Tac Buchannon (Gesang, Gitarre, Mundharmonika): “Es passt einfach.” Die sympathischen Jungs machen wenig Aufhebens um ihre Person, ihr Auftreten ist so unkompliziert und geerdet wie ihre Musik. Das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass beide fest im Berufsleben stehen und nach eigenem Bekunden keine allzu großen Ambitionen haben, jetzt noch eine musikalische Karriere zu starten.

Talent und Ideen gäbe es dazu allerdings ausreichend. Insgesamt mehr als vierzig Lieder hat Buchannon, der erst im Alter von 20 Jahren, dann aber gleich kreativ zur Gitarre kam, “inspiriert von Trash-Fernsehprogrammen bis zur Tochter” in den vergangenen Jahren geschrieben. Gemeinsame Proben fanden “spontan und mit wenig Aufwand” lange Zeit in Lermens Küche statt, dem vor allem ein klarer, gitarrenlastiger Klang wichtig ist. Das wurde im “Gästezimmer Studio” von Boris Thome bei der Produktion der CD gekonnt aufgegriffen. Wenn auch gelegentlich der Gesang etwas von dieser gitarristischen Begeisterung überlagert ist, haben sich hier doch zwei Musiker gefunden, die mit unaufdringlicher Spielfreude den Zuhörer für sich gewinnen.

Die CD Release Party bestreiten die beiden anders als auf dem Album, das auch gelegentliche Klavier- und Percussionparts (letztere von Stefan Recktenwald) enthält, lediglich mit zwei Gitarren und Gesang. Das tut dem Sound jedoch keinen Abbruch – druckvoll und einnehmend überzeugen sie (nach anfänglichen Mikro-Problemen) klanglich wie stimmlich vom ersten Ton an. Der Einfluss von Beatles, Dylan oder Elliott Smith ist deutlich, ohne jedoch wie kopiert zu wirken. Ausgefeiltes Folkpicking und häufige Akkordwechsel nehmen den Klang der 60er in einen eigenen, stark rhythmischen Stil auf und werden durch Buchannons Stimme abgerundet, die von fröhlich-leicht bis progressiv an Indie und Grunge erinnert. Auf der Bühne wie auf der CD vermisst man einzig das ein oder andre Gitarrensolo, das den Stücken den letzten Schliff verpassen und die Aussage der Harmonien noch unterstützen würde.

“Stimmungsvoll” lässt sich ein Kommentar aus dem Publikum vernehmen, und tatsächlich wäre man in einer Küche, in der so lässig und unprätentiös bei Wein und Zigaretten Folk komponiert und einstudiert wird, gerne einmal Gast. Das abwechslungsreiche und dabei doch harmonisch angelegte Album macht es möglich, die Stimmung von “Air” in die eigenen vier Wände zu holen, einen lauschigen Sommerabend oder relaxten Frühlingsmorgen zu untermalen. Der Song “Fun in the sun” ist dabei mit seiner eigentümlichen Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie programmatisch für das Gesamtkonzept.

Mit dem verspielten “Mamma mia”, das sich von einzeln, präzise gesetzten Tönen zu einer optimistisch-lakonischen Klangfarbe ausweitet, verabschiedet das Debütalbum nach acht Songs den Zuhörer in die Vorfreude auf die bereits geplante zweite CD. Lermen und Buchannon planen zudem regelmäßige Auftritte, deren erster möglichst bald im Lübke Sounds zu erleben sein soll.

Zur eigenen Meinungsbildung und Gestaltung einer sehr schönen, wenn auch viel zu kurzen knappen halben Stunde sei die CD empfohlen, die im “Tante Guerilla Shop” in der Fleischstraße 44 für acht Euro erhältlich ist.

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Tac Buchannon schreibt:

    Vielen Dank für die Blumen, freut uns, dass es gefallen hat…..

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