Designer geben Messe-Debüt in der Tufa
“Kookbooks”, “Zukkaschnekke”, “Maedchenwahn” – rund zwei Dutzend Vertreter der Designbranche präsentieren sich am zweiten Maiwochenende in der Tuchfabrik. Die Palette der käuflichen Exponate reicht von Büchern über Kleidung bis hin zu Accessoires, vom faltbaren Taschenaltar bis zum Brautring. Mit “DesignersInc.”, der ersten Trierer Design-Messe, wollen die Veranstalter all jenen Zeitgenossen ein Angebot machen, denen der Sinn weniger nach Massengeschmack und Fließbandware denn nach unverwechselbaren Kreationen steht. Glückt die Premiere, könnte es schon im nächsten Jahr eine Fortsetzung geben.
TRIER. “Ich bin froh, dass ich meinen Stil noch nicht gefunden habe, ich würde mich zu Tode langweilen”, soll der französische Maler Edgar Degas einmal gesagt haben. Langeweile soll nicht aufkommen, wenn am 8. und 9. Mai in der Tufa das Debüt der “DesignersInc.”, der ersten Trierer Design-Messe, über die Bühne gehen wird. Angesagt haben sich Aussteller aus ganz Deutschland, von Berlin bis Bad Schönborn, von Mannheim bis München. Allen Produkten ist gemein, dass sie einzigartig sind – oder sich zumindest abheben sollen von jenen Sortimenten, die man allenthalben im Filialisteneinerlei deutscher Fußgängerzonen antrifft.
Die Idee zu der für Trier neuartigen Veranstaltung hatten Julia Schwab und Kathrin Greve, Diplom-Modedesignerinnen und Inhaberinnen von “Fräulein Prusselise”, einem Label samt eigenem Atelier in der Neustraße. Rund 14.000 arbeitslose Modedesigner gibt es in Deutschland, beziffert die Bundesagentur für Arbeit. Und Trier ist – nett ausgedrückt – nicht eben das Mekka für angehende Modeschaffende. Julia Schwab und Kathrin Greve haben seit 2004 ihr Diplom in der Tasche, statt das Weite zu suchen, mieteten sie sich erst einmal einen Laden. “Anfangs hielten uns unsere Freunde für bescheuert, aber als sie gemerkt haben, dass wir es wirklich ernst meinen, haben sie uns unterstützt”, erinnern sie sich an die Anfänge ihres Projekts, das sich längst zu einem lukrativen Geschäft gemausert hat. Vertragspartner aus ganz Deutschland und der Schweiz verkaufen die farbenfrohen Kleidungsstücke, ab und an hüpft auch mal eine Viva-Moderatorin im Prusselise-Outfit durchs Bild.
Ein solcher Start ist nicht die Regel – aber ein Beispiel dafür, dass man als Modedesigner auch in Trier seine Nische finden kann. Für viele Absolventen ist die Moselstadt gleichwohl kaum mehr als eine Zwischenstation auf ihrem Werdegang; die meisten kehren Trier nach Abschluss ihres Studiums rasch den Rücken. Greve und Schwab finden es bedauerlich, dass der Stadt mit den Jung-Designern auch kreatives Potenzial abhanden kommt. Glaubt man den Beiden, dann ist der Standort für selbstständige Designer gar nicht so übel: In Luxemburg, dem Saarland und natürlich auch in der Region Trier gebe es schließlich ein ansehnliches Kundenpotenzial. “Es ist schade, dass alle immer weggehen. Trier wird unterschätzt”, sagen die Unternehmerinnen unisono. Ein wesentliches Problem sei, “dass es fast keine Impulse zur Außendarstellung gibt”, findet Kathrin Greve, die die Bringschuld dabei weniger bei den Studierenden als beim Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule sieht. Abgesehen von der jährlichen Diplom-Modenschau gebe es kaum Bemühungen, den Inhalten eine Öffentlichkeit zu verschaffen. Nicht zuletzt daran liege es auch, “dass man in Trier noch immer schief angeschaut wird, wenn man bunte Socken trägt”, ergänzt Julia Schwab.
Mehr als einen Impuls zur Außendarstellung soll nun die “Designers.Inc.” geben. Am 8. und 9. Mai präsentieren sich die Aussteller in einem “Kaufhaus für Design und Schönes”. Kathrin Greve und Julia Schwab haben in den letzten Jahren viel gesehen von den Kreativ-Szenen anderer Städte. “Wenn man ein eigenes Modelabel hat, ist man ständig auf Messen unterwegs, präsentiert seine Produkte und knüpft Kontakte”. Dieser Austausch und die Offenheit, das fehle ihnen bislang in Trier. Auch deshalb sind sie aktiv geworden und auf potenzielle Aussteller zugetreten. Nachdem man zwei Dutzend Interessenten zusammen hatte, war die vorgesehene Fläche in der Tufa auch schon ausgebucht. Wobei Kathrin Greve klar stellt, dass die Messe im Mai erst der Auftakt sein soll. Ob sich die “Designers.Inc” etabliert, darüber wird auch die Resonanz auf das Debüt entscheiden.
Greven und Schwab sind zuversichtlich, dass die Premiere glücken wird, doch wollen sie die Anzahl der Besucher nicht zum alleinigen Maßstab für Erfolg oder Misserfolg ihres Vorhabens machen. Klar hoffe man auf einigen Andrang, sagen sie, aber wichtig sei auch, dass das Konzept als solches aufgehe. “Wir haben das Gefühl, dass hier etwas fehlt, woran ein Interesse besteht”, berichtet Julia Schwab und erzählt von Kunden, die sich enttäuscht davon gezeigt hätten, dass man in Trier so wenig Designware kaufen könne. Neben zufriedenen Kunden könne die Messe aber noch mehr leisten, sind die Beiden überzeugt: das Geschehen in der Designerszene bekannter machen, Austausch ermöglichen und Neues entdecken. (ks/mst)
Weitere Informationen über die Messe finden Sie auf folgender Homepage.
von 16vor





9. April 2010 (09:10 Uhr)
Ist die Tufa, selbst ein eV, nicht ein Zusammenschluss von gemeinnützigen Vereinen? Mir fehlt der Hinweis, welcher der Tufa-Vereine hier Pseudo-Veranstalter bzw -Ausrichter ist. Entnehme dem Artikel nur, dass es sich um die Betreiber eines kommerziellen Gewerbebetriebs handelt. Dann ist demnächst wohl in diesem Rahmen eine Präsentation der Tischler-Innung mit schnuckligen Beistelltischchen zu erwarten – oder der Trierer Metzgergesellen unter dem Titel “Die Kunst des Wurstmachens”. Eine Messe ist halt eine Messe, dafür gibts in Trier eine Halle.
9. April 2010 (11:28 Uhr)
@fraglich: Nein, nein, da müssen Sie sich keine Sorgen machen- denn die Tischler- und Metzgerinnung wären ja böser, böser Mainstream! Und hier findet man nur alles, was so kreativ, hip, crazy und eigenständig ist, daß man gar nicht mehr nachfragen muss….
(N.B.: Nichts gegen die beiden Damen und ihr durchaus gelungenes Geschäftsmodell- aber welche Reaktion wäre hier wohl gekommen, wenn alteingesessene und mit der City-Initiative verbundene Modehäuser so etwas veranstaltet hätten? )
9. April 2010 (12:37 Uhr)
Guten Tag “fraglich”,
warum denn so übellaunig?
Folgt man dem im Artikel zweimal angegebenen Link, lässt sich mit einem Click herausfinden, wer der Veranstalter ist.
Die Tufa ist auch ein Gebäude, in dem Räumlichkeiten gemietet werden können. Vermieter ist dann der TUFA eV.
Dass der TUFA eV per Vermietung “Fräulein Prusseliese” ermöglicht, diese (kleine) Messe dort abzuhalten, finde ich nicht nur “in Ordnung”, sondern sogar löblich (Gründe hierfür gehen aus dem Artikel hervor). Sollten bei dieser Premiere einige Tausend Besucher kommen und daraufhin bei nächstmaliger Ausrichtung einige Hundert Austeller-Anfragen vorliegen, sollte man jedoch in der Tat in den Messepark umziehen. *zwinker*
Freundliche Grüße im sonnigen Frühling!
9. April 2010 (14:07 Uhr)
Lieber “mattheisenmüller”,
Verzeihung, aber was wollen Sie denn eigentlich? Die “alteingesessenen Modehäuser” könnten so etwas gar nicht veranstalten, weil sie i. d. R. keine eigenen Schnitte anfertigen.
Also grundsätzlich mehr “Mainstream” in der Tufa? Aber was meinen Sie denn damit? Karel Gott, die Rolling Stones, Anna Netrebko, die Kastelruther Spatzen? Eigentlich egal: Denn bei den Gagen, die da gefordert werden, müssten die Eintrittspreise dreistellig werden, um bei ausverkaufter Tufa kostendeckend zu sein.
Oder ist Ihnen das Programm der TUFA generell zu “kreativ, hip, crazy und eigenständig”?
Oder stört es Sie, das dieses Ihnen anscheinend nicht genehme Programm öffentlich gefördert wird (wie vieles Andere auch)?
Zu Letzterem kann ich nichts sagen, ohne die große Diskussion über “Kulturförderung durch die öffentliche Hand” aufzumachen, was wiederum den Rahmen eines solchen Leserbriefs völlig sprengen würde.
Jedenfalls – diese Bemerkung kann ich mir nicht verkneifen – galt J. S. Bachs “Wohltemperiertes Klavier” zu seiner Zeit auch als avantgardistisch .
9. April 2010 (18:25 Uhr)
obwohl ich als gebürtiger trierer immernoch in trier lebe und mich mittlerweile auch mit diesem schicksal ausgesöhnt habe – verstehen kann ich die trierer manchmal nach wie vor einfach nicht…
ich persönlich jedenfalls wünsche den damen nur das beste – viel erfolg (nicht nur kommerziell bzw. gemessen an besucherzahlen), damit diese idee eine chance hat, sich zu etablieren in unserer relativ einseitigen kultur-stadt…
eben jene kultur hat heute viele facetten: nicht nur antikenfestspiele oder mozartdarbietungen, nicht nur rembrandt oder da vinci, nicht nur metropolis oder jenseits von afrika, nicht nur frankenturm und historischer hauptmarkt – kultur ist zeitlos, vielseitig, ansprechend!
auch house und techno, auch von hagens und beuys, auch barbie und tarantino, auch zeitgenössische architektur und eben kreative mode sollten platz haben in einer traditionell kulturellen stadt (bzw. der quattropole)…
ach, und was im übrigen definitiv fehl am platz ist, ist diese übliche trierer jammerei, hier wäre nix los, trier wäre ein nest – kein angebot, hier kann man nicht vernünftig shoppen, wo soll man denn abends hin gehen? aber auf der anderen seite denen, die machen, statt jammern, die ideen umsetzen, statt zu palavern schon im vorfeld den erfolg abgsprechen… sehr sinnvoll!?!
9. April 2010 (19:13 Uhr)
Lieber Matthias Braun, lieber “mattheisenmüller”,
Sie werden es nicht gern hören, doch Sie sind Brüder im Geiste.
Zwar bewerten Sie die Designers Inc unterschiedlich – mattheisenmüller beklagt, dass die öffentliche Hand mal wieder jene bevorzuge, die “kreativ, hip, crazy und eigenständig” seien, und Matthias Braun findet genau das gut – doch Ihre Grundannahme ist die gleiche: Dass eine solche Veranstaltung KEIN Mainstream sei.
Das Gegenteil ist richtig: Die Designers Inc ist Mainstream. So Mainstream wie der Prenzlauer Berg in Berlin. So Mainstream wie die Neustraße in Trier. Denn jene Käufer, die die kleinen feinen Mode- und Kunsthandwerkläden in der Neustraße aufsuchen, sind ja keine Aussteiger oder Hipster, sondern ganz normale besserverdienende Bürger, die ihr “Sophisticated”-Sein auch im Design (und sei es dem des Baby-Stramplers) ausdrücken wollen.
Guter Geschmack ist eben doch eine Geldfrage. Dass die Designers Inc in der Tuchfabrik stattfindet, ist daher nur konsequent: Auch die Tufa ist Mainstream – das kulturelle Äquivalent zur Neustraße. Denn ihr Programm richtet sich an genau jene Menschen, die sich dem Massengeschmack zu verweigern glauben und dabei nicht bemerken, dass sie längst eine Masse bilden.
9. April 2010 (20:32 Uhr)
Als ehemaliger Tufa-Vorstand neige ich zu der einen Meinung von “fraglich” – weil ich mich dunkel an die Satzung erinnere. Auf der anderen Seite ist es durchaus positiv, junge Kreative in die Tufa zu holen.
Nur stellt sich dabei heraus, dass diese die Tufa längst überholt haben: sie benötigen eben keinen kreativen Tummelplatz mehr, keinen vereinsrechtlichen Spielaum, sondern eröffnen lieber sofort ein eigenes Label, einen eigenen Laden. Spätestens dann wäre aber eine Überprüfung der Zeitgemässheit besagter Tufa-Satzung notwendig.
Bitteschön: die Vereinsmeierei der 80er kann heute nicht mehr als gesellschaftliches Abbild oder Modell dienen. In der Tufa sollte es die Möglichkeit geben, auch ausserhalb eines “Vereins”, auch angedockt an Kommerz-Strukturen, auch als Einzelner Freiräume und Möglichkeiten zu bekommen – nur müsste dazu dann eben die Satzung angepasst werden.
Eine interessante Prüfung wäre schon Folgendes: welcher der im Tufa-Programmheft aufgeführten, kulturtreibenden, gemeinnützigen “Vereine” denn heute noch als solcher (und nicht nur als Steuer- oder Existenzmodell) im Sinn der Erfinder “aktiv” sind. Zu meiner Zeit waren es von 18 nicht einmal mehr die Hälfte. Das bedeutete: über 70 % sämtlicher Tufa-Inhalte wurden und werden von der Geschäftsführung (städtisch angestellt) eingekauft (auf Kleinkunstmessen etc), heutzutage inkl der Konzerte sich einmietender Veranstalter.. Mit lokaler Kultur hat das nur noch sehr bedingt zu tun, mit Kultur”szene” noch weniger…
Das ist ja alles OK. Die Frage muss aber erlaubt sein, weshalb studentische Kulturmacher (Poetry Slam, Karussell etc) die Tufa scheuen und lieber in alternativen Leerständen ihr eigenes Ding machen. Das hat viele Ursachen. ZB: Sie müssen den refinanzierenden Getränkeverkauf nicht zu Fixkonditionen abwickeln, die ihnen keinerlei Einkünfte garantieren. Oder/Und: die Tufa ist nicht nur nicht mehr bekannt, sondern auch nicht mehr präsent – jenseits der acht “Kulturnägel”. Und so weiter. Fazit: das Modell als solches müsste auf den Prüftand, besonders hinsichtlich eines echten, neuen Profils.
9. April 2010 (21:55 Uhr)
@ Mathias Braun: Möglicherweise habe ich mich missverständlich ausgedrückt, aber ich will versuchen, es deutlich zu machen: Gegen diese Veranstaltung und ihre Förderung habe ich nichts einzuwenden. Nur stört mich der hier allzu oft bemerkbare “antietablierte” Tonfall, der alles, was neu, hip und crazy ist AUTOMATISCH als wunderbar, große kulturelle Bereicherung, revolutionäres und uneigennütziges Engagement eines Robin Hoods der Trierer Kultur-, Bildungs-, Handels- oder Sozialszene darzustellen versucht. Ähnlich wie mancher (und als einen solchen schätzen Sie mich offenbar irrtümlich ein), alles das älter ist als 100 Jahre, ebenso automatisch als unverrückbares Kulturgut ansieht.
Die Frage nach der Qualität sollte man unabhängig davon stellen: Nicht jeder, der sich als Künstler bezeichnet, malt auch gute Bilder und nicht jeder, der in den Räumlichkeiten eines gemeinnützigen Vereins tätig ist, hat keinerlei eigene, finanzielle Interessen und ist nur dem Gemeinwohl und der Belebung der Kulturszene verpflichtet.
Und auch die vermeintlichen Underdogs verfügen nur allzu oft über gut organisierte Netzwerke, die es mit den “Etablierten” aufnehmen können: Ob ich die Huldigung nun hier hineinsetzen oder in der örtlichen Tageszeitung drucken lasse, ist dabei letztlich egal.