Von Warhol bis Welthandel
Dass Kinder die Zukunft sind, darauf können sich vom Philosophen bis zum Politiker alle einigen. Damit die Jüngsten auch erfahren, dass sie die Gesellschaft mitgestalten können, veranstaltet der Verein “Lokale Agenda 21 Trier e. V.” zum siebten Mal die Veranstaltungsreihe “Zukunfts-Diplom”: Bei mehr als 100 Veranstaltungen wird Kindern ab Mai die Gelegenheit geboten, sich spielerisch mit Themen wie Ökologie, sozialer Gerechtigkeit oder Politik auseinanderzusetzen. Zudem wird es erstmals eine Zukunftskonferenz geben. Zukünftig erhofft man sich im Verein, stärker als bislang auch Jungen und Mädchen aus so genannten bildungsfernen Schichten zu erreichen.
TRIER. “Wir wollen den Kindern Kompetenzen vermitteln, damit sie selbstbewusst ins Leben gehen können”, beschreibt Charlotte Kleinwächter das übergeordnete Ziel des “Zukunfts-Diploms”. Die Geschäftsführerin der Lokalen Agenda hat das Projekt 2004 ins Leben gerufen, um im Rahmen der Arbeit des Vereins Kindern ein speziell auf sie zugeschnittenes Angebot machen zu können. Das Konzept verbindet spielerische und pädagogische Aspekte: Aus einer Fülle von Themen und Veranstaltungsarten wählen die Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren selbstständig aus, was sie interessiert. Wer an einer Veranstaltung teilgenommen hat, bekommt einen Stempel in seinen Zukunfts-Pass, wer sechs Stempel vorweisen kann, hat sich sein “Zukunfts-Diplom” verdient, das dann in der Abschlussveranstaltung als Urkunde ausgegeben wird.
“Da wir dieses Jahr wieder etwa die Hälfte der Angebote zum ersten Mal im Programm haben, bleibt das Projekt auch für Kinder interessant, die in den letzten Jahren schon teilgenommen haben”, ist Kleinwächter überzeugt. Tatsächlich stehen nicht weniger als 113 Veranstaltungen auf dem Programm – ein neuer Rekord. Die Themen reichen von “‘Bienengeheimnisse’. Bienen – Märchen – Umweltbildung” bis “Holz – ein nachwachsender Rohstoff”, und sollen die Bedeutung von Tier- und Umweltschutz vermitteln. Beim “Steinzeittag in der Teufelsschlucht” und in der “Forschungswerkstatt: Energie” wird es um Geschichte und nachhaltige Energieversorgung gehen, während “Die Fußball-WM und die Eine Welt” den Bogen vom Sport zum Welthandel spannen soll und “American Dreams – Andy Warhol meets Elvis” Kunst und Kultur garantiert.
Dabei sollen die Kinder nicht einfach nur zuhören, sondern aktiv und mit Spaß lernen: Sie schöpfen Papier, basteln, trommeln im Workshop, beantworten Quizfragen oder wandern in der Natur. Neben Seminaren und Führungen gibt es auch Filmvorstellungen, Exkursionen und Wettkämpfe. Die Veranstalter der einzelnen Angebote sind Unternehmen und Institutionen aus Trier, wie beispielsweise das Rheinische Landesmuseum, die Stadtwerke oder das Tierheim, aber auch Freiberufler, die Interesse daran haben, Kindern Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein auf unterhaltsame Weise zu vermitteln.
Erstmals zweitägige Zukunftskonferenz
Darüber hinaus integriert die “Lokale Agenda” Veranstaltungen aus ihrem üblichen Repertoire in das Programm, wie beispielsweise das Weltbürgerfrühstück oder den Besuch des QuattroPole-Tages, der dieses Jahr in Metz stattfinden wird. Eine Neuerung ist die Zukunftskonferenz, die zu Beginn der Sommerferien an zwei Tagen in der Volkshochschule stattfinden wird. Unter Anleitung von Organisatoren und in Zusammenarbeit mit einer Erwachsenenbegleitgruppe von Experten aus den Bereichen Umwelt, Verkehrsplanung, Kultur oder Medien sollen die Kinder Ideen entwickeln, wie sich ihr eigenes Leben in Zukunft verbessern ließe. Beispielsweise wird die Frage, wann welche Laternen auf dem Schulweg der Kinder brennen müssen, mit einem Stadtplaner besprochen.
Kerstin Hach vom Kooperationspartner “mobile Spielaktion e. V.” erhofft sich von der Konferenz einen Wissenszuwachs auf beiden Seiten. Der Austausch soll auch in die Arbeit der Erwachsenen einfließen: “Wir wollen versuchen, möglichst auch einige Ideen umzusetzen”. Susanne Schmitz von der Stadtjugendpflege unterstützt diesen Gedanken: “Wir sollten die Kinder als Experten in eigener Sache begreifen und ihre Ideen ernst nehmen.”
Um auch Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen die Teilnahme am “Zukunfts-Diplom” zu ermöglichen, habe man für Einrichtungen wie Schulen, Tagesstätten und Horte bei einigen Veranstaltungen die Möglichkeit vorgesehen, separate Termine für die ganze Gruppe zu buchen. Charlotte Kleinwächter räumt aber ein, dass auch auf diesem Wege kaum zu garantieren sei, dass das Angebot auch Kinder aus so genannten bildungsfernen Schichten erreicht: “Leider können wir wenig mehr tun, als die Zugänglichkeit des ‘Zukunftsdiploms’ zu verbessern”.
Die Veranstaltungen des Zukunfts-Diploms finden zwischen Mai und September 2010 statt. Anmelden kann sich bei den jeweiligen Veranstaltern der einzelnen Angebote, die im Terminkalender angegeben sind, der unter http://www.zukunftsdiplom.de/ zum Download bereit steht. Ein Großteil der Veranstaltungen ist kostenfrei, teilweise werden geringe Kostenbeiträge erhoben.




