Wasser auf die Denkmühlen
Seit den 70ern, sprich: seit den Gründungsjahren der Hochschule, gestaltete sich das Arbeiten in Triers Universitätsbibliothek nicht selten als recht trockene Angelegenheit. Dafür sorgte auch ein Getränkemitbringverbot, mit dem die Leitung der Uni-Bib den Bücherbestand vor Beschädigungen schützen wollte. Nun wurde das Verbot für drei Monate und unter Auflagen außer Kraft gesetzt. Nutzer der Einrichtung dürfen nun wieder Wasser mitbringen, doch müssen sie sich an bestimmte Regeln halten.
TRIER. Eine Bibliothek hat auch die Aufgabe, zu bewahren, zu archivieren, zu schützen. Die Bibliothek der Universität Trier bewahrt, archiviert und schützt derzeit 1,6 Millionen gedruckte Werke. Kaum vorzustellen, was passieren würde, wenn Hunderte von Studenten auf einmal mit Wasserflaschen die Einrichtung stürmen würden. Beschädigte Bücher, zerstörte PCs, Schäden an Mobiliar und Teppichen wurden von Seiten der Bibliotheksleitung befürchtet.
Doch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) und nicht wenige Hochschüler lagen den Verantwortlichen schon seit Jahren in den Ohren, das Wasserverbot aufzuheben. Ihnen spielte auch die Medizin in die Hände, denn regelmäßiges und ausreichendes Trinken wird bekanntlich mit Nachdruck propagiert. Vor diesem Hintergrund wurden von Seiten der Universität mehrere Szenarien angedacht. “Wir hatten überlegt, eine Art Trinkbrunnen zu installieren oder einen mobilen Wasserspender aufzustellen. Beide Möglichkeiten erwiesen sich aber als zu teuer”, sagt Dr. Hildegard Müller, seit 1998 Direktorin der Uni-Bib.
Dennoch gab man dem Druck nun nach und setzte das Wasserflaschenverbot zum 1. April für drei Monate probeweise außer Kraft. Eine einschneidende Neuerung, schließlich bestand das Verbot schon seit den 70er-Jahren, gehörte also quasi zur Gründungsausstattung der Bibliothek. Die Bedenken seitens der Bib-Leitung seien natürlich nicht auf einmal verschwunden, räumt Hildegard Müller ein, aber nun setze man auf das Verantwortungsbewusstsein der Studenten.
Und die scheinen ganz begeistert von der neuen Toleranz. Wer einmal bei 30 Grad und ohne Wasser in der Bücherei über staubtrockenen Aufsätzen gebrütet hat, wird dies nachvollziehen können. Nicht nur gerüchteweise sollen insbesondere Studentinnen des Öfteren dehydriert aus den Lesesälen geschwankt sein. Auch die Verfasserin dieser Zeilen hatte mit gelegentlichen Schwindelanfällen zu kämpfen.
Auch wenn das totale Verbot nun außer Kraft gesetzt wurde – auch in Zukunft und während der Probezeit gelten Regeln: So darf nur Wasser in durchsichtigen Flaschen mitgebracht werden, und diese sind auf dem Boden, nicht auf den Tischen abzustellen. Wie man nun aber Wasser von Wodka oder Selbstgebrannten unterscheiden kann, sei noch nicht geklärt. Geruchs- oder Geschmackstests würden nicht durchgeführt, heißt es. “Allerdings ist mir auch noch kein Student mit einer Schnapsfahne entgegen gekommen”, zerstreut Hildegard Müller derartige Befürchtungen.
Auch sonst zeigt sich die Bib-Direktorin zuversichtlich: “Die Studenten halten sich an die Regeln. Wenn das so bleibt, dann steht einer Verlängerung und später einer Änderung der Bibliotheksordnung eigentlich nichts im Weg”.
Eine weitere Neuerung soll es in dieser Woche geben: Im Eingangsbereich der Bibliothek wird ein Ohrstöpselautomat aufgestellt. Dieser wurde von zwei Studenten in Wien entwickelt, die Universitätsbibliotheken in Köln, Heidelberg und Tübingen gehören bereits zu ihrem Kundenstamm. Dem geruhsamen Mittagsschläfchen zwischen den Bücherregalen steht nun ebenfalls nichts mehr im Weg.
von Simone Dürmuth





19. April 2010 (10:03 Uhr)
Herrliche Zeiten brechen für die Nutzer der BIB an! Es ist sehr zu begrüßen, daß die Leitung der Bibliothek jetzt sukzessive auf mehr Wohlfühl-Ambiente setzt. Erst die längeren Öffnungszeiten, dann die tolle Idee des Cafée Soirée (man kann jetzt bis 22 Uhr leckere Schnitzel, Kaffee und mehr genießen!) und jetzt das Wasserflaschen-Verbot.
Und daß jetzt Alkoholiker ihren Vodka als Wasser getarnt einschmuggeln könnten, diese Befürchtung teile ich nicht – es sei denn, die Mensa-UG-Party würde künftig zur Magazin-UG-Party umgewandelt werden. Kompliment an Frau Müller, Rüge an Herrn Jöricke: Sein Foto vermutlich gestelltes Foto zeigt direkt einen Verstoß gegen die neuen Wasserflaschen-Aufbewahrungsregeln an. Na na na…
19. April 2010 (21:17 Uhr)
Wer mal versucht hat in der Bib zu lernen, dürfte eigentlich wissen, dass man Ohrenstöpsel nicht für den Mittagsschlaf braucht..
11. Mai 2010 (22:41 Uhr)
Ich finde die bisherigen Neuerungen in der UB toll!
Die verlängerten Öffnungszeiten, das Café Soiree sowie die Erlaubins, Wasserflaschen mit hinein nehmen zu dürfen. Das wird wahrscheinlich viele diesen Sommer retten -wenn wir dieses Jahr sowas wie einen Sommer überhaupt haben.
Das einzige, was ich unnötig und lächerlich finde, ist dieser Ohrstöpselautomat.
Wozu soll der gut sein?! Es ist doch nichts weiteres als eine Legitimation der sich in der UB laut (oder normal laut) unterhaltenden Studierender! Und dazu -zum Unterhalten- ist die Ub garantiert nicht da. Macht den Automaten weg, sag ich. Sonst reden unsere Kommilitonen, die sich die UB als “Arbeits”platz ausgesucht haben, noch lauter: “Kauf dir doch Ohrenstöpsel!”