Trier soll mehr Toleranz zeigen
Viel war am Dienstagabend von Toleranz die Rede im Stadtrat, denn in gleich zwei Anträgen wurde die tatsächliche oder vermeintliche Weltoffenheit der Moselstadt zur Diskussion gestellt. Am Ende sprach sich eine Mehrheit für die Kampagne “Für ein tolerantes und weltoffenes Trier” aus, und am Christopher Street Day soll künftig die Regenbogenflagge wehen – allerdings nicht vor dem Rathaus, sondern lediglich “an markanten Orten der Stadt Trier”. Diese Änderung des Antragstextes ebnete schließlich auch den Liberalen den Weg zur Zustimmung. Dass die Freidemokraten die Forderung der Bündnispartner SPD und Grüne nicht auf Anhieb mittragen wollten, sei “keine rote Karte für die Ampel”, so FDP-Fraktionschef Gilles.
TRIER. Es war eine eher ungewöhnliche Konstellation, die sich da zusammen gefunden hatte: Mit Unterstützung der beiden hoffnungslos zerstrittenen Linken brachten SPD, Grüne und FWG gemeinsam einen Antrag ein, der mit “Toleranz konsequent umsetzen” überschrieben war (wir berichteten). Gleich zu Beginn seines Redebeitrags erklärte CDU-Fraktionschef Berti Adams, er sei ja nun einmal gespannt, wie tolerant denn die Kollegen der anderen Fraktionen auf seine Argumentation reagieren.
Der Unionsmann erneuerte noch einmal seine grundsätzliche Kritik: Eine Kampagne gegen Rechts sei aus Sicht seiner Fraktion “kontraproduktiv”, solche Aktionen könnten “leicht in Aktionismus enden”. Nur durch solide Arbeit seien auch die wenigen Trierer, die extremistischen Parteien zuneigten, davon zu überzeugen, beim nächten Mal demokratische Kräfte zu wählen. “Deshalb setzen wir unsere Freizeit zum Wohle der Stadt ein”, so Adams, der im Übrigen “auf den Verstand unserer Mitbürger” zählt.
Vor Adams hatte SPD-Ratsmitglied Markus Nöhl den Antrag begründet und darauf verwiesen, dass auch in Trier Menschen mit “extremistischen und anderen ausgrenzenden Ideologien” ihr Unwesen trieben und es deshalb darauf ankomme, dem entschlossen entgegen zu treten. Das sieht auch Richard Leuckefeld (Bündnis 90/Die Grünen) so, der mahnte, dass Ignorieren schlicht nicht ausreiche. Leuckefeld stellte zugleich unmissverständlich klar, dass aus seinen Reihen niemand die Union in die rechte Ecke stellen wolle – das wäre ja “vollkommener Unsinn”. Als einziger Redner wurde der Grüne auch halbwegs konkret, welche Ideen im Rahmen einer solchen Kampagne umgesetzt werden könnten. So schlug er vor, dass die Eintracht auf Bannern deutlich macht, dass rechtsradikale und rassistische Sprüche im Moselstadion nichts verloren haben. Auch Diskothekenbetreiber und Einzelhändler könnten, beispielsweise durch einen Hinweis am Eingang, deutlich machen, dass ausländerfeindliche Besucher und Kunden draußen zu bleiben haben.
“Richtungsneutral gegen jede Form von Extremismus”
Als einzige Bündnisfraktion trugen die Liberalen den Antrag nicht mit: “Wir wollten richtungsneutral gegen jede Form von Extremismus vorgehen”, erklärte Fraktionschef Gilles. FWG-Chef Professor Hermann Kleber betonte daraufhin: “Es geht nicht nur gegen Rechts, es geht um die Formierung der Zivilgesellschaft”. Katrin Werner kritisierte unterdessen die Union: “Ignorieren ist keine Lösung”, meinte die Linke, die der Union vorwarf, bis heute einen konstruktiven Vorschlag schuldig geblieben zu sein, wie den rechtsradikalen Aktionen Einhalt geboten werden könnte.
Der, um den es an diesem Abend unausgesprochen ging, griff vor allem Leuckefeld an – der Grüne sei schließlich Anfang der 1970er Jahre Mitglied einer linksextremistischen Gruppierung gewesen, ereiferte sich der NPD-Vertreter, der zugleich deutlich machte, dass er einer Kampagne gegen Rechts einiges abgewinnen könne: “Keine Aktion gegen uns läuft ohne uns”. Leuckefeld griff die Kritik auf und konterte, er habe seinerzeit gelernt, dass Extremismus die eigene Sichtweise derart verenge, dass man sich für unfehlbar halte. Das nehme dann “fast pathologische Züge” an, wisse er aus eigener Erfahrung, und genau diese Züge nehme er heute auch bei den Rechtsextremen wahr. Im Übrigen habe sich die Gruppierung, der er einmal angehörte, nicht ohne Grund schon 1978 selbst aufgelöst; gleiches empfehle er auch der NPD, meinte Leuckefeld unter dem Beifall des Rates, der dem Antrag mehrheitlich folgte.
Auch die Forderung von SPD und Grünen, am Christopher Street Day in Trier die Regenbogenflagge zu hissen, fand gestern Abend eine deutliche Mehrheit im Rat. Vorangegangen war allerdings eine nicht ganz unwesentliche Änderung des Antragstextes: Hatten SPD und Grüne zunächst noch gefordert, die Fahne vor dem Rathaus zu hissen, so war nun nur noch von “markanten Orten in der Stadt Trier” die Rede.
Klare Mehrheit für Flaggenantrag
CDU-Ratsmitglied Thomas Albrecht lehnte indes auch den veränderten Antrag ab. Jede Form von Homophobie gelte es zu bekämpfen, betonte er, und wenn man auf die rechtliche Lage hinweise, der habe noch lange nichts gegen Homosexuelle, so der Unionsmann. Die Ablehnung seiner Fraktion sei denn auch grundsätzlicher Natur: “Normalität heißt aber auch, dass man das Anderssein nicht besonders herausstellt”. Christiane Wendler hielt den Kritikern des Antrags vor, “nur Scheinargumente” zu liefern. Auch hierzulande mangele es nach wie vor an Toleranz, und der Gesetzgeber benachteilige nach wie vor Homosexuelle, beispielsweise wenn es um das Adoptionsrecht für homosexuelle Lebenspartnerschaften gehe, beklagte die Grüne. Für FWG-Ratsfrau Margret Pfeiffer-Erdel, deren Fraktion sich enthielt, ist Trier “schon jetzt eine weltoffene Stadt”.
Dass seine Fraktion den Antrag der Bündnispartner SPD und Grüne nicht mit eingebracht hat, sei keinesfalls als “rote Karte gegen die Ampel” zu werten, griff FDP-Fraktionschef Gilles möglichen Spekulationen schon mal vor. Nachdem der Antragstext geändert wurde, könne man das Vorhaben auch mittragen, so Gilles, dessen Fraktion bei einer Beflaggung vor dem Rathaus einen Präzedenzfall befürchtet hatte, auf den sich dann auch andere Gruppierungen hätten berufen können. Mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP, FWG, den Linken und einigen Christdemokraten wurde der Antrag schließlich angenommen.
von Marcus Stölb




12. Mai 2010 (11:00 Uhr)
zitat: “Normalität heißt aber auch, dass man das Anderssein nicht besonders herausstellt”.
welch ein komisches verständnis eines juristen, die wahrnehmung der eigenen rechte (wozu auch das öffentliche bekunden des eigenen lebensstiles gehört), zu einem problem zu erklären. nach der devise: sei ruhig anders, aber störe meine kreise, meine eigene lebensweise nicht? hätte bloß noch bei dem kommentar von herrn albrecht gefehlt – wie man es öfters ließt -, daß er sagt “agressive zurschaustellung”. wenngleich, dieses wörtchen “besonders” geht ja schon ein wenig in die richtung…
es ist doch aufgabe der engstirnigen und verbohrten, ihren horizont zu erweitern. und nicht die aufagbe der “andersartigen”, die “normalen” gefälligst nicht zu stören in ihrer ruhe und scheinsicherheit.
denn genau anders herum wird ein passender schuh d’raus: normalität würde verlangen, daß das zeigen der eigenen andersartigkeit für niemanden ein problem darstellt.
warum fühlen sich menschen gestört, ja angegriffen sogar, nur weil sie in der realität auf andere lebenskonzepte stoßen? wenn sie ehrlich wären, dann doch wohl nur deswegen, weil es ihrem wertekanon widerspricht, z.b knutschende kerle zu erblicken, verschleierte frauen, langhaarige hippies, minarette die höher sind als der eigene kirchturm… vielleicht sind diese wertevorstellungen ja sogar berechtigt – aber diesen konflikt hinter scheinargumenten (mit recht von chr. wendler so genannt) zu verstecken, ist doch recht feige und verbessert nichts in der gesellschaft.
12. Mai 2010 (11:25 Uhr)
“Gleich zu Beginn seines Redebeitrags erklärte CDU-Fraktionschef Berti Adams, er sei ja nun einmal gespannt, wie tolerant denn die Kollegen der anderen Fraktionen auf seine Argumentation reagieren.”
Autsch! Versucht Herr Adams tatsächlich, die Konservativen im Allgemeinen oder die CDU im Speziellen als Opfer von Diskriminierung darzustellen? Ein bißchen mehr Takt wäre angebracht. Toleranz heißt doch nicht, dem zustimmen, was einer sagt, Herr Adams, sondern eine Lebensweise oder Einstellung, die einer hat, nicht anzugreifen oder zu verurteilen. Wann ist Ihnen das zum letzten Mal passiert?
“solche Aktionen könnten “leicht in Aktionismus enden””
…immerhin DIESE Gefahr besteht bei der CDU ja in keinster Weise…
“Nur durch solide Arbeit seien auch die wenigen Trierer, die extremistischen Parteien zuneigten, davon zu überzeugen, beim nächten Mal demokratische Kräfte zu wählen”
Heißt das, Herr Adams möchte demnächst in Mariahof über die Vorzüge der Demokratie predigen und erklären, warum Ausländerhass falsch ist? Ich würde es begrüßen!
“Auch Diskothekenbetreiber und Einzelhändler könnten, beispielsweise durch einen Hinweis am Eingang, deutlich machen, dass ausländerfeindliche Besucher und Kunden draußen zu bleiben haben.”
Ob das mit dem Anti-Diskriminierungs-Gesetz vereinbar ist, wage ich zu bezweifeln. Das wäre ja ein klassischer Fall von Diskriminierung aufgrund der politischen Einstellung – was würde man sagen, wenn ein Einzelhändler keine Mitglieder der Linkspartei mehr bedienen will? Im Übrigen gab es da glaube ich schon das ein oder andere Gerichtsurteil, so einfach ist das gar nicht.
“Normalität heißt aber auch, dass man das Anderssein nicht besonders herausstellt”.
Wäre die notwendige Konsequenz daraus nicht, den CSD komplett zu verbieten?
12. Mai 2010 (11:26 Uhr)
Zitat “allerdings nicht vor dem Rathaus, sondern lediglich “an markanten Orten der Stadt Trier”.
Dazu kann ich nur sagen, dass mehr Besucher und Mitbewohner unserer Stadt an Porta, Basilika und Viehmarkt vorbei kommen, als am Rathaus.
Somit ist diese Alternative in meinen Augen die bessere Wahl.
Petra Kewes, Ratsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen
12. Mai 2010 (11:41 Uhr)
“Trier ist schon jetzt eine weltoffene Stadt.” – in welchen Kreisen bewegt sich denn die Dame, die zu diesem Sülz-Urteil kommt? Und woher stammen die Mitglieder der Trierer Stadtverwaltung?
Eine Regenbogenflagge am Rathaus ist auch ein Signal in die Verwaltung hinein. Skandalös ist, dass in über 50 deutschen Städten das mitunter durchaus “schwarze” Rathaus entsprechend beflaggt wird, und man dort stillschweigend gegen die entsprechenden Verordnungen “verstösst”. Ist Trier wieder päpstlicher als der Papst? Verhindert genau jene Geisteshaltung innerhalb desRathauses, gegen die eine solche Flagge anwirken will, dessen Beflaggung? Es scheint so. Da sind noch dickere Bretter zu bohren, die Hinterzimmer sind immer noch fett zu gemauert..
12. Mai 2010 (11:54 Uhr)
…und einigen Christdemokraten. Schau an, schau an! :)
12. Mai 2010 (16:21 Uhr)
Toleranz beginnt da, wo man wohnt, – Wenn ich von meinem Nachbarn höre, ja der trommelt so laut (nie nach 22.00), der pöbelt mich an, weil ich mein Altoel aus meinem lecken Auto einfach auf die Speestraße laufen lasse, der andere sagt, ja im Hinterhaus sieht der mir direkt auf den küchentisch und er mir,sogar ins Bett, da fängt Toleranz an. Sich darüber zu unterhalten ist anscheinend sogar hohen Agenda- 21 Funktionsträgern in Trier nicht möglich, weil das”" Liebesnest”einen höheren Stellenwert besitzt als das ganze Geschwätz von Toleranz.- Richard Leuckefeld hat mutig gekontert. Gegen die Intoleranz.
12. Mai 2010 (16:27 Uhr)
zitat: “Normalität heißt aber auch, dass man das Anderssein nicht besonders herausstellt”.
ach so. für mich sind die heterosexuellen menschen “die anderen”. wieso dürfen die ihr anderssein so öffentlich ausleben?
eine regenbogenflagge am rathaus geht nicht. ein heterosexuelles hochzeitspaar, dass vor dem rathaus mit reis und schleier und gedöns seine heterosexualität propagiert geht doch.
komische welt!
12. Mai 2010 (16:43 Uhr)
“Normalität heißt aber auch, dass man das Anderssein nicht besonders herausstellt.”
Solange heterosexuelle Menschen jeden Tag ihr, für mich als Anderssein empfundenes, Liebesleben offen und ohne jede Einschränkung ausleben und herausstellen dürfen, solange darf ich auch erwarten, dass mein Anderssein herausgestellt werden darf.
Wer fragt denn mich, ob ich andauernd knutschende Heteros in der Stadt sehen möchte?
Wer fragt mich, ob ich das ewig lange Gehupe hören möchte, das Heteropaare mit ihrem Autokorso in der ganzen Stadt veranstalten, nur weil sie geheiratet haben?
Wer fragt mich, ob ich vorm Rathaus in einen Reisregen geraten möchte, weil Heteros ihre Liebe feiern und “herausstellen” müssen?
Sorry, aber solange die einen “herausstellen” dürfen, was die anderen bitteschön fein unterm Teppich halten sollen, solange können wir definitiv nicht von Normalität reden.
Mich würde mal interessieren, wie die Schwulen und Lesben, die in dieser Verwaltung arbeiten müssen, das empfinden. Oder sitzen die alle noch im Schrank, weil es mit der Toleranz in Trier doch nicht so weit her ist?
12. Mai 2010 (18:58 Uhr)
Herrschaftszeiten, es geht doch nicht darum, dass die Homo-Flagge nicht gehisst wird. Auch eine Blümchen-, 24-Stunden-Rennen- oder Bifi-Flagge geht nicht. Die Nicht-Flaggen-hissen-Aktion geht doch nicht gegen Schwule oder Lesben. Lasst doch bitte einmal die Kirche im Dorf.
Flagge hissen geht nun einmal nur unter bestimmten Umständen – und Regenbogenflagge geht nun einmal nicht. Unabhängig vom Hintergrund.
Und, Heike, wer hält dich davon ab, als Lesbe dir das selbe heraus zu nehmen, wie Heteropaare. Wer sagt, dass du deine zwischenmenschliche Präferenz unter dem Teppich halten sollst. Ich jedenfalls nicht!!! Und das Flaggenverbot sagt das auch nicht aus!
12. Mai 2010 (19:54 Uhr)
Ich erlaube mir hier die Reaktion des SCHMIT-Z e.V. zu kopieren:
Die Stadt Trier beschließt anlässlich des Trierer CSD die Regenbogenfahne zu hissen. Sie setzt dabei ein sichtbares Zeichen der Solidarität mit den homo-, trans- und bisexuellen Bürgerinnen und Bürgern. Damit unterstreicht sie die Idee des CSD: Schwule und Lesben brauchen sich wegen ihrer sexuellen Identität aus Angst vor Verfolgung nie wieder zu verstecken. Sie sollen dabei weder ignoriert noch besonders hervorgehoben, sondern als gleichberechtigt behandelt werden. Die Feier des CSD soll Schwulen und Lesben in ihrem Selbstbewusstsein stärken und gesellschaftlicher Homophobie und Antidiskriminierung entgegentreten.
Auch wenn die Beflaggung am Rathaus aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist, ist der Stadtratsbeschluss, die Flagge an offiziellen Plätzen zu hissen, ein wichtiges Signal: Trier möchte eine weltoffene und tolerante Stadt sein. Dies zeigt sie nun auch offiziell und unterstützt damit das Engagement und den Mut der unterschiedlichen Gruppen und Privatpersonen, die den CSD mitgestalten.
Begrüßenswert und wichtig ist auch die große fraktionsübergreifende Mehrheit, die sich im Stadtrat dafür ausgesprochen hat, gerade angesichts einer ganzen Reihe von negativen Leserbriefen im Internet. Letztere zeigen, wie notwendig der CSD und darüber hinaus Informations- und Aufklärungsarbeit ist, um Vorurteile gegenüber Schwule und Lesben abzubauen und zu lernen, im gegenseitigen Respekt der unterschiedlichen Lebens- und Liebesformen miteinander umzugehen.
13. Mai 2010 (18:56 Uhr)
Toleranz gibt es nicht umsonst, auch nicht “richtungsneutral”. Tolerant zu sein bedeutet immer auch Mut und Kraft. Nehme ich als Mieter gelbe, schwarze, grüne oder blaue Menschen im Haus meiner gutbürgerlichen Straße? Schaue ich weg, wenn ich jeden Abend mein Fahrrad auf einem großen Ölflecken plaziere, weil das ja der Parkplatz meines Vermieters ist? Die Wegschaukultur ist bequemer, die berühmten ” 3 Affen”. Da geht ein ehemaliger Richter an den Ölflecken direkt vor seinem Haus vorbei, weil man ja keinen Nachbarschaftsstreit riskieren will. Ein netter Polizist will natürlich zu Hause seine Ruhe haben. – Ich selbst bin Umwelt- und Friedensaktivist. Das definiert meine Toleranzen. – Bei uns in der Straße machen manche schon gar nicht mehr ihre Rolläden hoch und lassen im Hochsommer tagsüber das Licht brennen. Nichts sehen und nicht gesehenwerden. Mein lieber Herr Gesangsverein. Aber auch der ist dann wieder zulaut.
13. Mai 2010 (21:23 Uhr)
Toleranz sollte eigentlich
nur eine vorübergehende Gesinnung sein:
sie muss zur Anerkennung führen.
Dulden heisst beleidigen.
Zitat: Johann Wolfgang v. Goethe ( Nachlass )
Eine interessante Beurteilung, die Goethe uns da zum Thema Toleranz mitgibt.
Nicht alles können oder sollten wir tolerieren. Toleranz hat auch ihre Grenzen.
Wenn wir aber etwas tolerieren, können wir dann ein Leben lang tolerieren?
Nur tolerieren?
Sagen wir nicht damit, ich finde es nicht gut, ich will es nicht, aber nunja, ich toleriere es.
Dieses ” es” kann natürlich auch durch ein ich will “dich” nicht ersetzt werden.
Ist es wirklich tolerant, wenn es bei der Toleranz des anderen, der Andersdartigkeit bleibt?
Für immer.
Wenn dieses andere nur geduldet wird.
Ausgegrenzt als nicht dazugehörig, nicht wirklich berechtigt angesehen wird.
Sagen wir damit nicht, es ist falsch, aber ich toleriere es.
Beleidigen wir damit wirklich, wenn wir Ausländer, Einwanderer, Homosexuelle, etc. “nur” toelerieren?
Irgendwie schon, glaube ich.
Denn wir sagen damit gleichzeitig, es ist falsch, nicht vollwertig, anders. Aber wir sind ja tolerant, so tolerieren wir es.
Vollwertig und “ebenbürtig würde es erst werden, wenn wir es nicht nur tolerieren, sondern auch anerkennen.
Da wird Goethe wohl recht haben.
Denn welcher Mensch will schon sein Leben lang nur oder allerhöchstens toleriert werden? Ohne jemals als dazugehörig, als Teil, als Ganzes anerkannt zu werden.
Für immer und ewig, auf Dauer nur der tolerierte Aussenseiter zu sein.
Ein bisschen mehr Toleranz.;-)