Fußballgucken außer Haus
In 23 Tagen beginnt die Zeit, in der sich plötzlich wieder für vier Wochen jeder für Fußball interessiert. Frauen tragen öffentlich Schminke in den Deutschlandfarben und schwarz-rot-goldene Textilblumenketten und Männer depperte Kopfbedeckungen. Am 11. Juni startet die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika, und weil die wenigsten Interessierten die Spiele live im knapp 10.000 Kilometer entfernten Veranstaltungsland verfolgen werden, gibt es wieder zahlreiche “Public Viewing”-Angebote. 16vor stellt die Orte in Trier mit der größten Kapazität vor.
TRIER. Wenn man einem Amerikaner erzählt, dass man zum “Public Viewing” gehe, kann es sein, dass dieser einem kondoliert. Genauso wenig wie “Handy” die englische Bezeichnung für “Mobiltelefon” ist, hat “Public Viewing” übersetzt etwas mit öffentlichem Fernsehgucken zu tun. In Großbritannien kennt man den Begriff gar nicht, in Amerika bedeutet er “öffentliche Leichenschau”. Ein Schuft, wer dabei an das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft denkt.
2006 war die Geburtsstunde des “Public Viewings”. Bei der WM in Deutschland verfolgten allein auf der Fanmeile vor dem Brandenburger Tor in Berlin mehrere Hunderttausend Menschen die Spiele der Deutschen. Ob in diesem Jahr das Bedürfnis, seine Emotionen mit Hunderten oder Tausenden anderer Leute zu teilen, ebenso groß ist wie vor vier Jahren, bleibt abzuwarten. Eine entscheidende Rolle spielt, wie weit das Team von Joachim Löw kommt. Und natürlich das Wetter.
Im “Romikulum” in der Metternichstraße, wir arbeiten uns jetzt von Anbieter zu Anbieter langsam ins Stadtinnere vor, will man erst gar nichts riskieren. Die Großbildleinwand steht im “Romikulum Eventzelt”. Auf ihr werden alle Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft und alle Spiele ab dem Viertelfinale gezeigt.
Wer sich vor der WM schon mal auf “Public Viewing” einstimmen will, kann sich bereits am kommenden Samstag auf dem Vorplatz der Arena das Champions-League-Finale auf einer 20 Quadradmeter großen LED-Videowall angucken. Ab dem 11. Juni zeigen die Arena und die “Laola Sportsbar” vor der Halle dann alle WM-Spiele. 6000 Zuschauer sollen dort Platz finden. Ex-Eintracht-Stadionsprecher “Hoffi” moderiert vor den Partien und leitet auch die ein oder andere Fußballtalkrunde. Falls es regnet, bieten die Veranstalter die größte Indoor-Ausstattung Triers. Im “Laola” laufen die Spiele auf drei Leinwänden und sieben Flatscreens, in der Halle auf zwei Videowalls und zwei Leinwänden.
Leinwände gehören natürlich auch in die Europäische Kunstakademie in der Aachener Straße. Aber auf nur einer (6 mal 3,5 Meter) wird Fußball zu sehen sein. Und zwar das Eröffnungsspiel, alle Spiele der deutschen Elf und alle Begegnungen ab dem Viertelfinale. Zudem wird ein Rahmenprogramm zum Thema “Afrika” geboten, unter anderem mit Workshops zu afrikanischer Kunst und Musik. Im Mittelpunkt steht das Projekt “ballkünstler2010 – fairspielt”, bei dem Fußballschuhe gestaltet und ausgestellt werden.
Der größte “Public Viewing”-Platz ist der Viehmarkt. Allerdings werden die Spiele dort erst ab dem letzten Gruppenspiel der Deutschen gegen Ghana übertragen (23. Juni). Denn die 24 Quadratmeter große LED-Wall wird erst zum Altstadtfest am darauffolgenden Wochenende aufgebaut. Während der WM findet auf dem Viehmarkt ein “Menschen-Kicker-Cup” statt, zu dem man sich unter anderem im “Louisiana“, dessen Betreiber Eric Naunheim in dieser Zeit für das gesamte Programm zwischen Ungers-Vitrine und Stresemannstraße verantwortlich zeichnet, bewerben kann. Vom 4. bis zum 9. Juli zeigt der Filmclub Le Septième Art e.V. an den spielfreien Abenden Kurz- und Animationsfilme von Filmhochschulen aus Deutschland und Nachbarländern.
Spiele der WM sind zudem in und vor zahlreichen Kneipen zu sehen. Besonders gemütlich war dies bisher auf der Terrasse des Handelshofes – einem der schönsten Biergärten in Trier – in der Lorenz-Kellner-Straße. Allerdings laufen dort gerade noch Renovierungsarbeiten, sodass noch nicht sicher ist, ob wieder eine Leinwand aufgebaut wird. Alleine zuhause gucken muss man aber auf jeden Fall nicht.





19. Mai 2010 (09:43 Uhr)
“…2006 war die Geburtsstunde des “Public Viewings”
das gabs 2002 schon, spontan erinnere ich mich an das Halbfinale Deutschland-Südkorea vor der Pochta mit Milliune Blaumacher.
Hach, wird das wieder schön, mit sooooo vielen “Fussballkennern” gemeinsam Fussball gucken. Aber jetzt, wo Ballack verletzt ist, verlieren wir eh direkt das erste Spiel und müssen sofort nach Hause fahren….jaja, so sieht das nun mal aus.
19. Mai 2010 (16:09 Uhr)
Wenn schon Werbung, dann aber auch für alle:
Der schönste Biergarten der Stadt befindet sich für mich bei der Sportsbar Cheers (ehemals Godots) in der Antoniusstraße, in der Nähe des Theaters. Dort wird es dieses Jahr auch wieder eine Leinwand geben. Gleichzeitig wird drinnen auf mehreren Flatscreens übertragen.
19. Mai 2010 (19:09 Uhr)
“2006 war die Geburtsstunde des “Public Viewings””
@Experte
Ich will ja den Finger nicht immer in die gleiche Wunde legen, aber ich biete mehr:
Ich habe schon 1978 Argentinien “public” Weltmeister werden “geviewt”…
…unter alten Kastanien im ohne jeden Zweifel schönsten Biergarten der Stadt: dem der Löwenbrauerei!
19. Mai 2010 (21:02 Uhr)
Gibt`s was Wichtigeres bei 16vor?
20. Mai 2010 (02:40 Uhr)
Haben denn auch alle Veranstalter brav bei der fifa nachgefragt? ;)
http://www.ftd.de/sport/wm2010/:fussball-wm-fifa-verbietet-public-viewing/50104424.html
20. Mai 2010 (11:56 Uhr)
Na, vergesst mal den Stockplatz nicht. Da kann man auch sehr gemütlich sitzen und alle Spiele werden auch draußen übertragen.
20. Mai 2010 (22:39 Uhr)
@julius
Gute Frage. Die meisten Konzepte dienen doch eh nur der Steigerung des Getränkeumsatzes. da lobe ich mir die Initiative der Kunstakademie, die nicht nur eine Riesenleinwand samt Riesen-Sitztribüne in ihrer Riesenhalle aufbauen, sondern eben auch ein spannendes kulturelles Rahmen-programm:http://www.ballkuenstler2010.de
Übrigens unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Fußballverbands Rheinland, und mit dem guten Zweck der Unterstützung Ruandas (Beach-Soccer etc etc etc). Natürlich alles bei freiem Eintritt.
22. Mai 2010 (00:15 Uhr)
Warum machen eigentlich die einzig wahren Public Viewing Macher der letzten EMund WM in Zurlauben mit weit über 10000 Zuschauern dieses Jahr keine Veranstaltung ?Hat man es ihnen verboten? Ist ja schließlich städtisches Gelände,und hier entscheidet ja das Bauverwaltungsamt der Stadt ob dieses Gelände genutzt werden darf, oder waren die Veranstaltungen in der Vergangenheit zu defizitär?ich hoffe beides nicht und wir können uns wieder auf dieses unvergessliche Event am Moselufer freuen.
29. Mai 2010 (18:09 Uhr)
Also, bei der EM- 2008 waren wir im Cheers Biergarten(hinter dem Theater Trier)
Da war ne Super Stimmung, die Spiele wurden auf ner grossen leinwand gezeigt & es wurde gegrillt. Es war herrlich!!
Ich weiss nicht, ob die bei der WM auch wieder was machen??? weiss da einer was?
11. Juli 2010 (10:09 Uhr)
hallo spanier wo guck ihr heute das finale spanien-holland in trier?