London, Rom, Vancouver, Trier…

Mehr als 800 Fairtrade-Städte gibt es weltweit, darunter Metropolen wie London, Rom oder San Francisco, oder Kommunen wie Castrop-Rauxel, Sonthofen und Rumbach in der Pfalz. In Deutschland kam am Samstag eine weitere hinzu: OB Klaus Jensen nahm im Rahmen des Weltbürgerfrühstücks auf dem Kornmarkt die Urkunde des Vereins “Transfair e.V.” entgegen, damit darf sich nun auch Trier offiziell “Fairtrade-Town” nennen, als bundesweit 16. Kommune. Im Gegenzug verpflichtete sich die Stadt, den fairen Handel zu fördern und bei städtischen Veranstaltungen nur noch fair gehandelten Kaffee zu kredenzen.

TRIER. So schließt sich der Kreis: Als im Januar 1980 der erst wenige Jahre zuvor vom Niederrhein an die Mosel gezogene Klaus Jensen gemeinsam mit Gleichgesinnten in der Jüdemer Straße Triers ersten “Dritte-Welt-Laden” eröffnete, da betrat er noch Neuland. “Man musste schon sehr solidarisch sein”, amüsierte sich Jensen am Samstag über den bitteren Geschmack des Kaffees aus Nicaragua. Das Jugendstilhaus in der Jüdemer Straße existiert längst nicht mehr, der Laden musste dem Sparkassenneubau weichen. Nach der Palaststraße ist der “Weltladen” vor einigen Jahren in der Pfützenstraße sesshaft geworden.

Doch fair gehandelte Produkte gibt es längst nicht mehr nur in Weltläden oder auf dem Weltbürgerfrühstück, das am Samstag zum vierten Mal auf dem Kornmarkt stattfand und wieder zahlreiche Menschen anzog; Tee, Kaffee, Schokolade und auch Kakao sind heute in zahlreichen Trierer Geschäften und Supermärkten sowie in gastronomischen Betrieben erhältlich, so auch in der Uni-Mensa oder im Brüderkrankenhaus.

Um offiziell den Titel “Fairtrade-Town” tragen zu dürfen, müssen fünf Kriterien erfüllt werden. Unter anderem muss die Stadt gemessen an ihrer Einwohnerzahl mindestens 22 Geschäfte und 11 Gastronomiebetriebe, in denen der faire Handel Einzug gehalten hat, vorweisen können. Diesen Nachweis habe man erbringen können, berichtet Weltbürgerfrühstück-Initiatorin Sabine Mock, wobei sie auch einräumt, dass man noch keinen abschließenden Überblick habe, wie viele Betriebe tatsächlich bereits Fairtrade-Produkte im Sortiment oder auf der Karte führen. Mit Beschluss des Stadtrats vom März diesen Jahres hat sich die Verwaltung zudem dazu verpflichtet, bei Sitzungen der Ausschüsse und des Rats sowie im OB-Büro nur noch fair gehandelten Kaffee auszuschenken. Darüber hinaus musste eine lokale Steuerungsgruppe gebildet werden, was auch zwischenzeitlich geschehen ist.

Claudia Brück vom Verein “Transfair e.V.” sieht jeden Trierer in der Pflicht: “Wenn Sie ins nächste Café gehen, fragen Sie doch einfach mal, warum Sie nicht einen fair gehandelten Kaffee haben können”, schlug Brück am Samstag den Besuchern des Weltbürgerfrühstücks vor. Man dürfe das Thema “nicht nur im Kopf haben, sondern muss es auch leben”, verlangte sie und unterstrich die Verantwortung eines jeden Einzelnen, mitzuhelfen, dass die Produzenten in den Herkunftsländern mehr Geld für ihre Arbeit erhalten.

OB Klaus Jensen will das Thema jedoch nicht nur im globalen Maßstab verstanden wissen. Im Gegenteil: Fairer Handel beginne auch schon vor Ort, in der Region, erklärte der Stadtchef. So müssten beispielsweise Bauern für ihre Produkte einen fairen Preis erhalten. Jensen dankte Mock und Agenda-Geschäftsführerin Charlotte Kleinwächter für ihre “Hartnäckigkeit” – ohne diese wäre Trier wohl nie Fairtrade-Stadt geworden, meinte er. Dass sich der Stadtrat “in großer Einmütigkeit” hinter das Vorhaben gestellt habe, zeige, “was für ein Geist herrscht in dieser Stadt”.

Auf dem Kornmarkt herrschte am Samstagmittag vor allem Trubel: Mehrere Verbände und Initiativen, aber auch Schulen und Umweltgruppen präsentierten ihre Arbeit. Vertreten waren aber auch Gäste aus Metz, Luxemburg und Saarbrücken. Die saarländische Landeshauptstadt war die erste Fairtrade-Kommune Deutschlands. OB Jensen gab gleich ein weiteres Ziel aus: Gemeinsam könne das Städtenetz “Quattropole” das erste länderübergreifende Fairtrade-Netzwerk der Welt bilden.

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