Minimalziel erreicht

Seit 2007 heißt der Gewinner des Rheinlandpokals Eintracht Trier. Gestern Abend konnte der SVE zum dritten Mal in Folge den Titel verteidigen. Gegen den zwei Klassen tiefer spielenden Rheinlandligisten Spvgg Burgbrohl siegten die Trierer nach Toren von Josef Cinar und Michael Dingels mit 2:1. Die Eintracht war bis zum Anschlusstreffer in der 76. Minute die klar überlegene Mannschaft, tat aber zu wenig dafür, die Führung auszubauen. Trier ist nun für die Teilnahme am DFB-Pokal qualifiziert und kann sich schon mal über Einnahmen von über 100.000 Euro freuen.

EMMELSHAUSEN. 75 Minuten lang deutete nichts darauf hin, dass es zwischen Eintracht Trier und der Spvgg Burgbrohl noch einmal spannend werden, der Sieg des SVE gar in Gefahr geraten könnte. Während manche Trierer Spieler wohl in Gedanken schon den Pokal küssten, erzielte Burgbrohl den Anschlusstreffer. Der eingewechselte Co-Trainer Dinko Bicvic schlug einen Freistoß in der eigenen Hälfte in den gegnerischen Strafraum, wo Jörg Jenke zum 1:2 einköpfte (76.).

Dadurch wurde es hektisch in der Schlussphase. Der sehr defensiv eingestellte Rheinlandligist legte seine Angst ab und brachte die auf einmal nervöse Trierer Hintermannschaft mehrmals in Nöte. Durch diesen Offensivdrang ergaben sich jedoch auch gute Konterchancen für die Eintracht. So rannte in der Nachspielzeit Sahr Senesie alleine aufs Tor zu, scheiterte aber an Burgbrohls Keeper Michael Berg (92.). Fünf Minuten zuvor schoss der Trierer Stürmer, dessen Zukunft bei der Eintracht noch offen ist, einen Freistoß aus 17 Metern knapp über den Kasten. So blieb es beim 2:1.

“Auch wenn es am Schluss eng geworden ist, haben wir aufgrund der vielen Chancen verdient gewonnen”, so Roland Seitz nach der Partie. Dem schloss sich Bicvic an. “Der Sieg geht in Ordnung. Wir standen im Finale, das ist schon ein Riesenerfolg.” Allerdings weiß der Torvorbereiter auch, dass für seine Mannschaft mehr drin gewesen wäre. “Wir waren nicht nur nervös, sondern auch zu feige.”

Die Nervosität war in der Anfangsphase vor allem dem Burgbrohler Schlussmann anzumerken. Einen harmlosen Schuss von Senesie kann er erst im Nachgreifen festhalten (4.). Die zaghaften, fast ausschließlich über die rechte Seite erfolgenden Angriffsbemühungen der Sportvereinigung, die nur mit einer Spitze auflief, endeten schon weit vor dem Trierer Strafraum. Burgbrohl ließ sich von Beginn an in die eigene Hälfte drängen.

Die Unsicherheit wuchs nach dem frühen Führungstreffer der Eintracht. Eine Ecke von Erwin Bradasch landet am langen Pfosten bei Josef Cinar, der mühelos einschiebt (10.). Vier Minuten später, hätte der Kapitän in einer fast identischen Situation auf 2:0 erhöhen können, doch der Ball geht übers Tor.

Dann dauerte es eine Viertelstunde bis zur nächsten Chance der Trierer. Thomas Kempny versucht es mangels Abspielmöglichkeiten mit einem Fernschuss aus der Drehung, der jedoch nur das Außennetz zum Vibrieren bringt (29.). Im Gegenzug gab es dann zum ersten und einzigen Mal in der ersten Halbzeit Aufregung im Trierer Strafraum. Kronholm lässt sich bei einer Ballannahme von Roland Augst provozieren und zu einem leichten Schubser verleiten, dessen Folgen der Burgbrohler Stürmer etwas zu dramatisch wiedergibt. Nach einer längeren Beratung des Schiedsrichters Florian Fochs mit seinem Assistenten bleibt die Aktion ohne Konsequenzen.

Trier ist die klar überlegene Mannschaft, souverän tritt sie jedoch nicht auf. Die 1188 Zuschauer in Emmelshausen bekommen kein schönes Spiel geboten. Immer häufiger sind die Abspiele der Trierer ungenau oder landen direkt beim Gegner. Obwohl Burgbrohl die Eintracht spielen lässt, schöpft diese daraus kein Selbstbewusstsein. Drei oder vier Tore hätte die Mannschaft von Roland Seitz in der ersten Hälfte schon schießen können, doch bei Triers bestem Knipser Wilko Risser, der überraschend in der Startelf stand, fehlte der Mumm und die Aggressivität und bei Senesie das Glück. Kurz vor dem Halbzeitpfiff lieferte er sich ab der Mittellinie ein Laufduell mit seinem Gegenspieler, das er an der Strafraumgrenze gewinnen konnte. Doch wie auch zum Ende des Spiels scheitert er am entgegenstürzenden Schlussmann Berg.

Direkt nach Wiederanpfiff hatte Trier weitere Möglichkeiten, den Sieg klar zu machen. Berg kann jedoch erneut einen Schuss von Senesie entschärfen, den ein Freistoß von Bradasch erreicht hatte. Die darauffolgende Ecke verpasst Risser knapp (47.).

Knapp zehn Minuten später konnten die Trierer Fans dennoch ein zweites Mal jubeln. Senesie legt auf Michael Dingels ab, der per Direktabnahme die Kugel aus 18 Metern im rechten unteren Eck versenkt (56.). Für diesen sehenswerten Treffer und seine insgesamt solide Leistung wurde er nach dem Spiel von den anwesenden Journalisten einhellig zum “Spieler des Tages” gekürt. Bis zum Anschlusstreffer hatte auch Senesie noch mehrfach die Chance gehabt, diesen Titel zu bekommen.

Von der Trierer Mannschaft, die Anfang August die erste Runde im DFB-Pokal bestreitet, werden nicht mehr viele dabei sein, die gestern auf dem Rasen standen. Gustav Schulz, Gilles Bettmer, Yannick Salem und Kevin Lacroix wurden bereits vor dem Spiel aussortiert, mehr als diese vier werden noch folgen.

Mit dem Sieg des Bitburger-Rheinlandpokals hat die Eintracht das Minimalziel der Saison, die sie als Tabellenletzter abgeschlossen hat, erreicht. Für den DFB-Pokal wünscht der Präsident des Fußballverbandes Rheinland Walter Desch dem SVE nun einen Gegner, “der attraktiv, aber schlecht ist”. Gegen wen Trier antreten muss, wird am Samstag im “Aktuellen Sportstudio” ausgelost.

Eintracht Trier: Kronholm – Dingels, Kühne, Cinar, Rakic (90.+3 Orth) – Kempny, Bachl-Staudinger, Bradasch (58. Fuhs), Wagner – Senesie, Risser (74.Makiadi).

Spvgg Burgbrohl: Berg – Lauermann – Schäfer, Jenke – Zerwas (46. Auer), Rausch (67. Bicvic), Oster, Krämer, Lanser – Wirtz (67. Herschbach), Augst.

Tore: 1:0 Cinar (10.), 2:0 Dingels (56.), 2:1 Jenke (76.).

Schiedsrichter: Florian Fochs

1188 Zuschauer

Print Friendly

von

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Unterstützen

In Evernote merken