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Nach UWZ jetzt EIC: Kammern schalten Kripo ein

Im gemeinsam von Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer getragenen Europa- und Innovationscentre Trier (EIC) ist es offenbar zu größeren Unregelmäßigkeiten gekommen. IHK-Hauptgeschäftsführer Arne Rössel zieht bereits Parallelen zu den seit 2007 aufgedeckten Vorgängen im Umweltzentrum der HWK. Die Kripo wurde eingeschaltet, heute soll auch die für Wirtschaftsstrafsachen zuständige Staatsanwaltschaft Koblenz informiert werden.

TRIER. “EIC unter neuer Leitung” ist die Meldung überschrieben, die beide Kammern am Mittwochmorgen an die Medien der Region verschickten. Zu Geschäftsführern des Europa- und Innovationscentre habe man Diplom-Kauffrau Christina Grewe (IHK) sowie Diplom-Kaufmann Karel Kriz (HWK) bestellt, heißt es in der recht kurzen Mitteilung. Die bisherige Geschäftsführerin, die Romanistin Silke Brüggebors, die dem EIC mehr als 20 Jahre angehörte, habe “eine neue berufliche Herausforderung angenommen”.

Einer neuen Herausforderung sehen sich nun auch die Spitzen der Trierer Kammern gegenüber, denn im gemeinsam von ihnen betriebenen EIC spielten sich offenbar Vorgänge ab, wie sie über Jahre auch im Umweltzentrum der HWK geherrscht haben müssen: “Im Zuge des Wechsels auf die neuen Geschäftsführer hat sich gezeigt, dass es im EIC Unregelmäßigkeiten gab, die ähnlich gelagert sind wie die seit 2007 aufgedeckten Vorkommnisse in der Handwerkskammer”, räumen die Träger des EIC offen ein. So seien bei einigen Förderprojekten Stunden abgerechnet worden, die nicht erbracht wurden. “Nach den von der HWK seinerzeit ergriffenen Maßnahmen hat inzwischen auch die IHK personalrechtliche Konsequenzen gezogen”, heißt es weiter.

Auf Nachfrage wollte sich Arne Rössel weder zur voraussichtlichen Höhe der erschlichenen Fördergelder äußern, noch zu den personellen Konsequenzen, die gezogen wurden. Auch ob der Wechsel in der Geschäftsführung, der bereits zum 1. Mai vollzogen wurde, unmittelbar mit den zwischenzeitlich aufgedeckten Unregelmäßigkeiten zusammenhängt, wollte Rössel mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen. Nur soviel: Bislang waren im EIC neun Personen beschäftigt, aktuell zählt die Einrichtung nur noch sieben Mitarbeiter.

UWZ-Affäre noch nicht ausgestanden

Man habe den “derzeitigen Ermittlungsstand” der Kriminalpolizei übermittelt, so Rössel, noch im Laufe des Mittwochs werde man auch die bei der Staatsanwaltschaft in Koblenz angesiedelte Zentralstelle für Wirtschaftsstrafsachen einschalten. Dabei ist man dort noch immer mit der UWZ-Affäre beschäftigt: “Die Ermittlungen dauern noch an. Aufgrund des Umfangs ist zur Zeit nicht absehbar, wann die Ermittlungen mit welchem Ergebnis abgeschlossen sein werden”, teilte Oberstaatsanwalt Hans-Peter Gandner zuletzt Mitte April auf Anfrage gegnüber 16vor mit. Die Koblenzer ermitteln unter anderem gegen den ehemaligen HWK-Hauptgeschäftsführer und seinen damaligen Vize.

Nun also das EIC, das kleinere und mittlere Betriebe bei Fragen im Zusammenhang mit grenzüberschreitenden Aktivitäten innerhalb des europäischen Binnenmarkts berät. “IHK und HWK wollen weiter gemeinsam ermitteln und auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse die notwendigen Schritte einleiten. IHK- und HWK-Vollversammlung sollen in ihren nächsten Sitzungen informiert werden”, teilte die Spitzen der Kammern weiter mit.

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5 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. kammeropfer schreibt:

    Da kann man nur hoffen, dass die Kripo die Ermittlungen auch gründlich durchführt und nicht von politischen Freunden der Kammern wieder zurückgepfiffen werden. Das die Kammern in die Offensive gehen bedeutet ja lediglich, dass sie das betrügerische Gemauschel nicht mehr unter den Tisch kehren können.
    Wir Unternehmer müssen diesen Club aushalten und erhalten im Gegenzug nur Betrug und Korruption. Die einzige Funktion die die Kammer noch hatt ist die Meinungsgleichschaltung für die Politik von der sie auch eingesetzt wurde. Jeder der diese Institution noch unterstüzt ist wie die Kammern und ihre Mitarbeiter selbst eine Schande für die Unternehmer in diesem Land.

  2. Lora Kammer schreibt:

    Ist ja toll, dass die Vollversammlungen informiert werden. Und das schon bei der nächsten Versammlung. So verhindert man, dass sich die Mitglieder der Vollversammlung ohne Aufsicht der Präsidien über das Thema unterhalten und andere Beschlüsse als die vorgelegten fassen.
    Bis zur Sitzung bleiben die “höchsten” Gremien der Kammern also im dunkeln gehalten.

  3. Schneider schreibt:

    Es ist schon erstaunlich zu lesen was unsere Kammern da unter den Tischen kehren. Sie sind immer schnell zur Stelle wenn es gilt der Stadt oder den Parteien vorzuschreiben wie man alles besser machen kann, doch bei sich selbst scheinen andere Maßstäbe angesetzt zu werden. Es ist untragbar! sowohl die IHK wie auch die HWK sollten mal von Externen gründlich durchleuchtet werden. Mal sehen was dann für ein Bodensatz an das Tageslicht kommt. Oder müssen wir nach Debakel mit dem Umweltzentrum und nun das EIC in anderhalb Jahren auf den nächsten “Ausrutscher” warten.
    Bitte so nicht mehr weitermachen!!!

  4. Der Beobachter schreibt:

    Kammern wie IHK und HWK sind auslaufende Modelle, die niemand braucht und niemandem etwas nützen, ausser denen, die dort ihr Geld verdienen und Pöstchen bekleiden. Aus Unternehmensicht sind die Kammern übeflüssig wie ein Kropf. Amerikaner lachen sich tot, wenn die von sowas hören. IHK und HWK gehören abgeschafft, je schneller, desto besser.
    Ich habe fertig.

  5. Betroffener schreibt:

    Schön, dass es nun also wieder mal einer Richtigen an den Kragen geht. Bleibt zu hoffen, dass Justitia angemessene Urteile fällt.:)

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