Draußen zeigen, was drinnen passiert

In diesem Jahr feiert die Tuchfabrik 25-jähriges Bestehen. Viele sind froh, dass es die Einrichtung gibt, manche wundern sich, dass es sie immer noch gibt und einige wissen gar nicht, warum es sie gibt. Darum will die Tufa zum Jubiläum jetzt allen da draußen zeigen, was drinnen passiert. Unter dem Motto “Die Tufa geht raus – Neue Konzepte, frisch ausgepackt” möchte das Trierer Kulturzentrum beweisen, dass es noch nicht in die Jahre gekommen ist und für viele Zielgruppen etwas zu bieten hat.

TRIER. Das geht ja gut los. Da heißt das Jubiläumsmotto “Neue Konzepte, frisch ausgepackt” und was macht die Tufa: packt erstmal ein. Sich. Ende Juni wird damit begonnen, das Gebäude zu verhüllen. Bis zum 3. Juli sollen die 2700 Quadratmeter Außenmauern – wie vor 15 Jahren der Reichstag – komplett mit Gewebebahnen verkleidet sein, denn dann wird das Projekt “TUFA undercover” mit einer Strandparty auf dem bis dahin mit Sand, Palmen und Liegestühlen ausgestatteten Parkplatz an der Wechselstraße eröffnet.

Die Verhüllung soll laut Geschäftsführerin Teneka Beckers die Frage evozieren: “Was wäre, wenn die Tufa nicht da wäre?”. Intern mit den fast zwei Dutzend Mitgliedsvereinen und extern über die eigene Facebook-Seite soll in den nächsten Monaten über das Konzept des Hauses diskutiert werden. Konstruktive Anmerkungen und Vorschläge werden auf den Außenstoff projiziert. Zudem können Passanten nachts die Tufa in unterschiedlichen Farben erstrahlen lassen. Bewegungsmelder starten bunte Leuchten.

Zum Sommerfest am 20. August (Hauptereignis: das progessive Bläserensemble “Blassportgruppe Südwest”) wird das Kulturzentrum wieder enthüllt. Die Sicht der Trierer auf die Tufa soll sich dann verändert haben. “Wir wünschen uns, dass ein Bruch in der Wahrnehmung passiert”, sagt die Projektleiterin Christina Biundo. Das Image des Reichstages habe sich nach der Verhüllung durch das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude auch gewandelt.

Die Frage, was mit der brachliegenden Fläche hinter der Tufa geschieht, ist zumindest für den Zeitraum vom 4. bis zum 23. Juli geklärt. Nicht weniger als ein ganz neues Land soll in den knapp drei Wochen dort entstehen. In drei Workshops können Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 14 Jahren mit den Künstlern Mauricio Escobar, Britta Deutsch und Sebastian Böhm Hütten bauen, Wege anlegen, dekorieren und streichen. In einem “feierlichen Staatsakt” wird König Jerry I. (der luxemburgische Künstler Jerry Frantz) “Tufatopia” am 4. Juli um 11 Uhr eröffnen. “Die Staatsgründung wird sehr, sehr lustig”, kündigt Biundo an.

Wer lieber mit dem Kopf arbeitet, kann sich dem Autor Dorian Steinhoff anschließen. Gemeinsam werden eine Verfassung, eine Nationalhymne und eine Chronik verfasst. Katharina Bihler und Stefan Scheib verfolgen das Kunstprojekt mit dem Mikrofon und fertigen daraus zum Abschlussfest am 23. Juli eine Soundcollage. Was im Anschluss mit “Tufatopia” passiert, ist laut Teneka Beckers noch offen.

Auch Erwachsene bekommen im Rahmen des Jubiläums etwas geboten. Schließlich will die Tufa eine Einrichtung sein, die jede Altersgruppe anspricht. So zeigt das Pfälzer “Chawwerusch-Theater”, das in diesem Jahr ebenfalls seinen 25. Geburtstag feiert, am 22. Juli im “Lotto-Forum” auf dem Petrisberg die Komödie “Trabi auf Touren”.

Wesentlich unkonventioneller geht es bei “TUFA unlimited” zu. Hierbei stellen sich die Mitgliedsvereine vor. Gemäß des Mottos natürlich nicht in ihrer traditionellen Umgebung. Vom Palastgarten aus geht es an vier Tagen (28. August, 4. September, 30. und 31. Oktober) in Fünfergruppen alle fünf Minuten zu verschieden Orten in der Innenstadt, wo die Arbeitsgemeinschaft Frieden, die édition trèves, der Frauennotruf, die Kulturwerkstatt, der Tufa Tanz e.V. und andere in unterschiedlicher Form ihr Angebot und ihre Arbeit präsentieren. “Vor zehn Jahren gab es schon etwas ähnliches”, so Beckers. “Das ist sehr gut angekommen.”

Zum offiziellen Geburtstag am 7. November wird reingefeiert. Am Tag zuvor findet eine Party statt, mit der die Reihe “TUFA gala” eingeläutet wird. Den ganzen November lang gastieren Jubilare im Großen Saal: Das Jazz-Label “Portabile Musik Trier” (Festival am 12. November) begeht in diesem Jahr den fünften Geburtstag, der Kabarettist Jürgen Becker (16. November) steht seit 30 Jahren auf der Bühne, das Modern String Quartet (19. November) besteht seit 25 Jahren und die Electro-Pionierin Anne Clark (20. November) wurde im Mai 50.

Zum Abschluss zeigt die Einrichtung die Ausstellung “Mail Art”. Seit März sind Künstler und Kunstinteressierte eingeladen, selbstgestaltete Kunstwerke auf Postkarten an die Tufa zu schicken (16vor berichtete). Über 300 Karten aus aller Welt sind schon eingegangen. Vom 13. November bis zum 19. Dezember werden die Stücke ausgestellt. “Die Präsentationsform wird eine Herausforderung werden”, sagt Beckers. Noch bis zum 30. Juni kann man sich an der Aktion beteiligen.

Weitere Informationen und Anmeldung für die “Tufatopia”-Workshops (für einkommensschwache Familien kann die Gebühr von Projektpaten übernommen werden) unter www.tufa.de.

http://www.16vor.de/index.php/2010/03/24/frankierte-kunst/
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6 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. bei aller Liebe schreibt:

    “Neue Konzepte” =
    - eine Verhüllung wie der Reichstag vor 15 Jahren
    - TUFA unlimited wie vor 10 Jahren – weil es damals schon so gut angekommen ist
    - und die Mail-Art ist auch nicht mehr ganz neu

    Ah ja!

    Ich bin gespannt auf das Programm – aber mit “Neue Konzepte frisch ausgepackt” will die TUFA ihr Publikum wohl ein bisschen verschaukeln!

  2. fraglich wofür schreibt:

    Bei allerLiebe, aber du hast recht. Die erwähnten Mitstreiter sind alle schon seit X-Jahren dabei. Wenn sie in der Lage sind, neues Publikum anzulocken, um so schöner. Man glaubts nur nicht. Die Tufa könnte ein Trierer Juwel sein, ein Leuchtturm im Herzen der Stadt – sie dümpelt aber im Brackwasser anderer kultureller, aber kommerzieller Angebote dahin, die sie längst an Breitenwirkung und Studi-Resonanz überholt haben.

  3. schrumpelknurps schreibt:

    Man muss ja um jede Kultureinrichtung in Trier froh sein, aber die Tufa hat den Charme und die Innovationskraft der “brachliegenden Fläche” nebenan. Sehr schade das.
    Und der Autor des Artikels kann dem Jubiläumsprogramm ja scheinbar auch nichts abgewinnen.

  4. KK schreibt:

    Ja… und die Leute, die ursprünglich wirklich mal was in der Tufa gerissen haben, sind schon wech.

  5. Erstaunter schreibt:

    und auch hier wieder nur Kommentare von Leuten, die über die Tufa meckern müssen.
    Klingt so, also ob es ein, zwei Leute gibt, die der Tufa den frischen Wind nicht gönnen, der durch Teneka Beckers in der Tufa eingezogen ist.
    Klar, hier kommt nichts, was es nicht schon mal irgendwo gegeben hätte. Aber das behauptet ja auch keiner. Ich kann da nur schmunzeln, wenn ich mir vorstelle, dass die Tufa die gleiche Ehre wie der Berliner Reichstag bekommt. Und auch der Rest klingt mir so, als wenn es ziemlich viel Spaß machen könnte, das Tufatopia!
    Altbacken sind nur die bisherigen Kommentare.
    Das Programm von Tufatopia klingt wie ein wichtiger Schritt in Richtung: Tufa, ein Leuchtturm im Herzen der Stadt!

  6. Sandra Karl schreibt:

    Die Tufa ist nach wie vor ein innovativer Ort, an dem alles möglich ist. Wo in Trier können Künstler so frei arbeiten???? Es gibt immer Neider, Mißversteher und Kritiker…Kunst liegt im Auge des Betrachters und alle kann man nicht gleichermaßen froh machen…..Die Tufa mit steht aber ganz bestimmt nicht im Brackwasser, sie muss noch nicht mal ums Überleben kämpfen, wie andere Einrichtungen, sie ist nicht im Einheitsbrei anderer Kunsteinrichtungen versunken, genau deshalb wollen auch immer wieder neue Künstler rein….die, die mit dem hier entstehenden nichts anfangen können, empflehle ich die kommerzielleren Orte, an denen sie durchweg nur konsomieren können, ohne selbst zu machen….Tufa ist mehr, als ein Veranstaltungsort, hier kann sich jeder einbringen und mit verändern…..aber kritisieren ist immer leichter, als selbst zu machen…..

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