Die Rocky Horror Midsummer Night’s Dream Show
William Shakespeares vielgespielte Komödie “A Midsummer Night’s Dream” bietet Regisseuren zahlreiche Ansätze für eine Inszenierung. Bei der von Christoph Nonn steht schräge Unterhaltung im Vordergrund. Seine English Drama Group Trier zeigt in der Tufa eine moderne Version der Liebesgeschichte, die in einer bizarren Zauberwelt spielt. Vor allem Victoria Bützler als Puck und Manuel Anghel als Bottom machen das Drama mit ihrer Spielfreude und ihrem komödiantischen Können zu einem prächtigen Vergnügen. Dazu trägt auch das ein oder andere unkonventionelle Kostüm bei.
TRIER. Hermia liebt Lysander und umgekehrt. Egea möchte ihre Tochter aber lieber mit Demetrius verkuppeln, der einst Helena liebte, sich nun aber Hermia zugewandt hat. Bürgermeister Theseus, der kurz vor der Hochzeit mit Hippolyta steht, soll Egeas Wunsch durchsetzen. Das versucht er auch, indem er Hermia vor die Wahl stellt, entweder Demetrius zu heiraten oder ins Kloster oder in den Tod zu gehen. Lysander und Hermia beschließen, in den Wald und damit aus dem Einflussgebiet Theseus’ zu fliehen, weihen aber Helena in ihrem Plan ein. Aus Liebe zu Demetrius erzählt sie ihm davon, der sofort die Verfolgung der Verliebten aufnimmt.
Im Wald herrschen übernatürliche Mächte. Elfenkönig Oberon hat Streit mit der Elfenkönigin Titania und beauftragt deshalb seine Dienerin Puck, ihr im Schlaf eine Liebesdroge zu verabreichen, um sie lächerlich zu machen. Zudem soll sie das Mittel bei Demetrius anwenden, den er beim Streit mit der unglücklich verliebten Helena beobachtet hat. Die Droge wirkt so, dass der Verzauberte dauerhaft der Person verfällt, die er nach dem Aufwachen zuerst erblickt.
Wie sich das in Shakespeares (und auch heute noch in den meisten) Komödien gehört, kommt es nun Missverständnissen. Puck verwechselt die beiden mit Lysander und Hermia und Lysander bekommt das Wundermittel. Tragischerweise wird er von Helena geweckt, der er nun seine Liebe schwört. Hermia lässt er schlafend zurück.
Im Wald probt auch eine Laienschauspielgruppe für Theseus’ Hochzeit. Die stets zu Streichen aufgelegte Puck zaubert dem allürenhaften Hauptdarsteller Bottom Eselsohren an, was die anderen Darsteller in die Flucht treibt. Anziehend wirkt er hingegen auf die mit der Liebesdroge behandelten Titania und ihre Gefolgschaft, die ihn anbeten und über ihn herfallen. Als Oberon und Puck den Irrtum bei den Liebespaaren feststellen, beschließen sie, wieder den Original- beziehungsweise den Idealzustand herzustellen, sodass es ein Happy End geben kann.
Von den patriarchalischen Herrschaftsverhältnissen der Vorlage ist in der verkürzten, modernen Version der English Drama Group nicht mehr viel übrig. Bürgermeister Theseus (Lukas Tillmann) verfügt zwar über politische Macht, ist aber ein Pantoffelheld, anstatt Hermias Vater ist es ihre Mutter (Elke Nonn), die einen anderen Partner für sie vorsieht, und Peter Quince heißt in der Aufführung der Uni-Truppe Petra Quince (Caroline Schröter).
Am stärksten vom Original weicht Regisseur Christoph Nonn, der auch einen sehr coolen Erzähler auf der Bühne gibt, bei der Darstellung Oberons ab. Das Publikum tobt vor Vergnügen, als Bernd Elzer in der Rolle des Elfenkönigs seinen Umhang fallen lässt und ein goldglänzender Slip, Strapse und Korsage zum Vorschein kommen.
Wer sich jetzt fragt, ob Frank N. Furter aus der “Rocky Horror Show” in einen Märchenwald mit Elfen passt, muss wissen, dass auch diese wie das Bühnenpersonal im Moulin Rouge gewandet sind und mehr wie Amazonen wirken. Zudem stiftet Frank (wie Oberon) ja auch reichlich Unruhe zwischen einem Liebespaar. Und schließlich findet man bereits in der Originalvorlage homoerotische Elemente.
Auch verschiedene andere Interpretationsangebote in “A Midsummer Night’s Dream” zu Themen wie Geschlechterkonflikte oder die Beständigkeit von Liebe greift Nonn in seiner Inszenierung auf und überspitzt sie, sodass die Komik in den Vordergrund rückt. Angesichts des nicht leicht zu verstehenden Textes ist die Herangehensweise, das Stück “bloß” als eine schräge Liebeskomödie in einer bizarren Zauberwelt darzustellen, begrüßenswert.
Dass die Aufführung trotz unterschiedlich guter schauspielerischer Leistungen ein großes Vergnügen ist, liegt vor allem aber an der Spielfreude und dem komödiantischen Können von Manuel Anghel (Bottom) und Victoria Bützler (Puck), die in dieser Inszenierung vorerst leider zum letzten Mal zu sehen ist, weil sie Trier verlässt. Nicht nur wegen ihres sexy Outfits zieht Bützler die Blicke auch dann noch auf sich, wenn sie im Hintergrund steht, sondern auch, weil sie stets mit einer passenden Mimik und Gestik zum Geschehen beiträgt. Es macht große Freude zu sehen, wie viel Spaß sie an ihrer Rolle hat und mit welcher Leichtigkeit und Natürlichkeit sie diese ausfüllt. Das gleiche trifft auch auf Jennifer Lewandowski als leidenschaftliche Löwin und Julia Petry als schüchterne, nervöse “Wand” im “Stück im Stück” zu.
Nicht nur in der Aufführung, die die Laientruppe zur Massenhochzeit im letzten Akt zeigt, ist Bottom der Star. Dessen Darsteller Manuel Anghel bietet – zumindest von den männlichen Schauspielern – auch in “A Midsummer Night’s Dream” den stärksten Auftritt. Schon in der vorherigen Inszenierung im Wintersemester (“All in the Timing”) hinterließ er einen bleibenden Eindruck. Das liegt weniger an seiner enormen Körpergröße (obwohl die Regie und die für die herrlichen Kostüme verantwortliche Elke Nonn auch mit seinem Äußeren spielen, indem sie ihn beispielsweise in eine viel zu kleine Römerrüstung stecken) als an seinem exzellenten Gespür für Komik. Obwohl seine Rolle als eitler, wenig gescheiter Amateurschauspieler ihn dazu verleiten könnte, rutscht Anghel nie ins Klamaukhafte ab.
Das kann man nicht von allen Darstellern behaupten, dennoch erntet das Ensemble zur Pause und zum Schluss der zweistündigen Aufführung zu Recht lautstarken Beifall. Dass die Gruppe zum ersten Mal nicht mehr im Kleinen Saal der Tufa, sondern im Großen Saal auftritt, ist wegen der großen Nachfrage eine gute Entscheidung. Wegen der teils schlechteren Sichtverhältnisse sollte sie jedoch darauf achten, nicht zu viele Szenen im Liegen oder Sitzen zu spielen.
Die heutige Aufführung ist bereits ausverkauft. Karten gibt es noch für den 1. und den 3. Juli. Tickets sind erhältlich an der Uni vor der A/B-Caféteria zwischen 11.45 Uhr und 14.15 Uhr oder beim Regie-Ehepaar Nonn unter 06581/3082.




