Vereine setzen verstärkt auf den Nachwuchs
“Wer arm ist, muss klug sein”, sagte Sportdezernentin Angelika Birk bei der Podiumsdiskussion “Sportstadt Trier – Zukunft für Spitzensport und Breitensport” im Rahmen des Kreisparteitages der CDU Trier in der Europäischen Akademie des rheinland-pfälzischen Sports. Will heißen: Die geringen Mittel, die der Stadt zur Sportförderung zur Verfügung stehen, müssen mit Bedacht eingesetzt werden. Was das für die Bürgermeisterin bedeutet, sagt sie klar: “Wir sanieren keinen Sportplatz weniger, um einen Profiverein zu unterstützen.”
TRIER-NORD. Als der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Bernhard Kaster bei der Begrüßung der Bürgermeisterin einen kurzen Moment zögerte, weil ihm statt “Angelika” der ähnlich klingende Vorname seiner Bundesvorsitzenden auf der Zunge lag, zeigte die Uhr nur noch knapp anderthalb Stunden bis zum Anpfiff des WM-Spiels Deutschland gegen Ghana. Bis dahin wollte man die Podiumsdiskussion zum Thema “Sportstadt Trier – Zukunft für Spitzensport und Breitensport” beendet haben. Bei sieben Teilnehmern war deshalb von Anfang an klar, dass die Gesprächsrunde nicht allzu sehr in die Tiefe gehen konnte.
Vertreter von fünf Vereinen nutzten die Gelegenheit, der Bürgermeisterin und Sportdezernentin Angelika Birk, die seit vier Monaten im Amt ist, die Situation ihrer Clubs zu schildern. Harry Thiele vom Vorstand der Eintracht, machte mit seiner ironisch gemeinten Äußerung, dass es schön sei, Frau Birk endlich mal kennenzulernen, deutlich, dass er sich einen früheren Kontakt gewünscht hätte. Zum Beispiel, um über Sanierungsmaßnahmen im Moselstadion zu sprechen, die gerade im Gange sind. Als Birk sagte, dass man sich nicht schämen müsse, was Trierer Sportstätten angehe – und dabei wohl vor allem an die Arena und das neue Südbad dachte –, hatte Thiele Mühe, an sich zu halten. “Die Zustände im Moselstadion sind katastrophal”, kritisierte er.
Die TBB und die Miezen, die in der schmucken Arena ihre Heimspiele austragen, haben andere Sorgen. Weil das Geld fehle, um hochkarätige Spieler und Spielerinnen zu verpflichten, müsse verstärkt auf Nachwuchsförderung gesetzt werden. “Wir möchten unser Konzept mit möglichst vielen deutschen Spielern umsetzen”, sagt Lothar Hermeling von der TBB. “Und unser neuer Trainer Henrik Rödl steht für konsequente Jugendarbeit.”
Trotz dieses Vorsatzes werden aufgrund der starken Konkurrenz aus Amerika heimische Basketballspieler auch in Zukunft bei der TBB in der Minderzahl bleiben. Anders als bei den Miezen. Bei der DJK/MJC Trier schafften in den vergangenen Jahren mehrere Talente den Sprung in Junioren-Nationalmannschafen. Im Januar 2008 erhielt der Verein die Auszeichnung zum Leistungsstützpunkt des Deutschen Handballbundes. Es sei jedoch schwer, Talente zu halten, so Martin Rommel vom Management. Zum einen, weil die Spielerinnen “nicht mehr so pflegeleicht” seien, zum anderen wegen mangelnder finanzieller Mittel. “Uns fehlt nach wie vor ein Hauptsponsor.”
Wenn es den Miezen gelänge, mit Spielerinnen aus der eigenen Jugend die Identifikation des Publikums mit dem Verein zu erhöhen, käme als Geldgeber vielleicht die Sektkellerei “Schloss Wachenheim” in Betracht. “Der Standort Trier ist schwierig, auch wenn man erstklassig ist”, sagt deren Vorstandsvorsitzender Nick Reh. “Man erwartet eine Gegenleistung, wenn man 10.000, 50.000 oder 100.000 Euro gibt. Was haben wir davon, wenn die Identifikation in der Bevölkerung fehlt.” Viel mehr Spaß mache es, wenn man den Breitensport unterstütze. “Dort wird das Geld eins zu eins für junge Leute ausgegeben.”
Für den Bereich “Breitensport” nahmen Jörg Elsen vom TSC Pfalzel und Bert Welter vom Postsportverein Trier (PST), dem mitgliederstärksten Verein in Trier, an der Diskussionsrunde teil. Während Elsen die Eigeninitiative der Mitglieder beispielsweise bei Baumaßnahmen hervorhob, konzentrierte sich Welter auf die Vereinsentwicklung. “Der PST stand in der Vergangenheit in erster Linie für Breitensport”, sagt dessen Präsident. In der Leichtathletik gehöre man jedoch schon zur Spitze. Zudem wachse in diesem Bereich ein “ganz hervorragender Nachwuchs” heran.
“Ich bin froh, dass alle in Jugendarbeit investieren”, so Birk. Und wenn es den Profivereinen an finanziellen Mitteln mangele, um Spieler zu halten, müsse man eben ein Klima schaffen, dass die Leute gerne in Trier blieben, empfiehlt die Sportdezernentin. “Wir sanieren jedenfalls keinen Sportplatz weniger, um einen Profiverein zu unterstützen.” Die wenigen Mittel, die der Stadt zur Sportförderung zur Verfügung stünden, müssten klug eingesetzt werden. So empfiehlt Birk unter anderem, dafür einen Sportentwicklungsplan aufzustellen. “Man kann von einer ‘Sportstadt Trier’ sprechen. Dieses Image müssen wir erhalten.”





25. Juni 2010 (12:09 Uhr)
“Wir sanieren jedenfalls keinen Sportplatz weniger, um einen Profiverein zu unterstützen.”
Der Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube, insbesondere wenn man an die 300 TEUR- Geschenk der Stadt an unseren Traditionsclub denkt…aber das war ja aus der Ära VOR Frau Birk.
Also, dann endlich ran an die Sportstätten z.B. in Feyen und anderswo, wo hunderte jugendlicher Fußballspieler sich im Training und bei Spielen verletzen und die Lust am Sport verlieren, und KEINEN Cent ins Moselstadion !!
Herr Thiele und Kollegen sollten (fußballlerisch) “die Bälle ganz flach halten”, denn immerhinhaben sie die Finanzen dieses Clubs mit der Vertragsgestaltung zu verantworten…und wenn diese mehr möchten: Geldschatulle auf und selber zahlen! Ich brauche keinen abgestiegenen Fünftklässler, der sich als Zweitklässler fühlt.
Frau Birk, meine Unterstützung und die zahlreicher Eltern sportbegeisterter Kinder ist Ihnen sicher !!
25. Juni 2010 (15:35 Uhr)
“…man kann von einer Sportstadt sprechen”
kann ist schon richtig. Muss man aber nicht. Mit diesen Worten sind wir aber rumgeiert, Frau Birk
Hallen die keiner braucht, weil schlecht konzipiert (Moselauen) etc etc etc, in die Welt setzen und Geld verballern,
aber die einzige “Schlechtwetter”-Anlage, die von Oktober bis April vielen Kids eine Bewegungstechnisch höchst anspruchsvolle Möglichkeit gegeben hat, zu Grunde richten.
Dunkel ist der Rede Sinn ……..
noch ein schönes Wochenende
S. Wiltschek