Die Achillesferse des Campus
Ein “Campus der kurzen Wege” will die Trierer Uni sein. Tatsächlich mussten viele Studenten in den vergangenen Wochen wieder Umwege in Kauf nehmen. Der Grund: Die Brücke entlang der Universitätsbibliothek, die das B-Gebäude mit dem Mensa-Vorplatz verbindet, war gesperrt. Wieder einmal, denn mit unschöner Regelmäßigkeit musste das Bauwerk in den vergangenen Jahren saniert werden. Die Maßnahme schien sich zur teuren Never-Ending-Story zu entwickeln. Nun ist die Brücke wieder begehbar – fragt sich nur, für wie lange?
TRIER. Achilles ist einer der Helden in der griechischen Troja-Mythologie. Nachdem ihn seine Mutter Thetis bei der Geburt ins Feuer des Hephaistos und ins Wasser des Styx tauchte, scheint er unverwundbar – außer an der Ferse, wo ihn die Mutter während der Feuertaufe festhält. Diese wird im späteren Kampf mit Paris sein Todesschicksal besiegeln.
Auch der Campus I der Universität hat einen wunden Punkt: die Brücke entlang der Bibliothek, die das B-Gebäude mit dem Mensavorplatz verbindet. Seit dem Beginn der Sanierungsarbeiten im Jahr 2007 sperrten die Verantwortlichen die Anlage kürzlich erneut, was bei vielen Studenten für längere Wege zwischen den Veranstaltungsorten und bei einigen auch für mächtig Frust sorgte. Stellt sich die Frage, wie die Brücke zum neuralgischen Punkt der Hochschule avancieren konnte.
Ende 2007 begann eine Grundsanierung des Bauwerks. Diese war nötig geworden, weil sich an den Eisenstützen Korrosion zeigte und diese auf Dauer nicht mehr tragfähig gewesen wären. Nachdem die Untersuchungen abgeschlossen und die Brücke eingerüstet war, konnten die Bauarbeiten starten. Doch die dauerten mit Unterbrechungen fast drei Jahre und kosteten am Ende rund 277.000 Euro, wie der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) auf Nachfrage mitteilte. Immer wieder musste etwas anderes an der Konstruktion erneuert oder ausgebessert werden; beispielsweise die Anbringung einer neuen Fluchttreppe im Sommer letzten Jahres. Anschließend präsentierte sich die Brücke mit Betonpfeilern sowie einer neuen Auflage und einer versiegelten Beschichtung.
Mehr als eine Viertelmillion für Sanierung
Eigentlich war sie damit auch wieder begehbar, doch schon ein halbes Jahr nach Abschluss der Arbeiten ging die Sanierung in eine weitere Runde. Ursache war dieses Mal, dass die Oberfläche bei Feuchtigkeit immer wieder rutschig wurde. Somit war diese während der gesamten Winterzeit kaum begehbar, was manchen Studenten und Campus-Beschäftigten zur Weißglut getrieben haben soll. Einige widersetzten sich auch der Sperrung und nahmen trotzdem den direkten Weg zum B-Gebäude. Da die Beschichtung nur bei 5 bis 8 Grad Celsius zum Trocknen kommt, verschob man die Ausbesserungsarbeiten auf die wärmeren Monate. Zwischendurch musste bei Regenwetter immer wieder eine erneute Sperrung erfolgen.
Von Seiten der zuständigen Firma Seitz Stahl- und Metallgestaltung & Co. KG heißt es, dass eine Chemikalie die Versiegelung beschädigt habe. Hierdurch sei die Beschichtung abgeblättert und habe sie ihrer Rutschfestigkeit beraubt, so die Theorie. Wie die schädigende Chemikalie auf die Beschichtung gekommen sein soll, dafür hat die Firma keine Erklärung. Trotzdem habe man sich bereit erklärt, für die entstandenen Schäden im Rahmen der Gewährleistung aufzukommen, sodass dem Steuerzahler nun keine weiteren Kosten entstehen sollen. In den vergangenen Wochen wurde nun eine neue Einstreuung vorgenommen und hierbei auf eine Versiegelung verzichtet. Ab sofort laufen Studenten und Uni-Bedienstete über eine Sandbeschichtung. Seit Dienstag ist die Brücke wieder begehbar, und Udo Ostermann von Seitz Stahl- und Metallgestaltung verspricht: “Eine weitere Mängelbeseitigung wird nach den erfolgten Arbeiten nicht nötig sein”.
von Volker Haaß





8. Juli 2010 (01:59 Uhr)
Höchstens ZWEI (2!) Minuten Umweg und “manche [...] Studenten und Campus-Beschäftigten [wurden] zur Weißglut getrieben.”
Lächerlich. Angesichts der dringenderen Probleme auch eins der Berichterstattung.
Und: Ein bisschen Auslauf kann uns studentischen Drehstuhlpupsern auch nicht schaden.
8. Juli 2010 (08:39 Uhr)
Auslauf ist gut. Allerdings sind es jedesmal zwei Minuten Umweg. Wenn man mehrere Veranstaltungen am Tag hat, wovon ich mal bei einigermaßen fleißigen Studis so ausgehe, und die ungünstig gelegt sind, und das mehrmals die Woche, dreht es sich um Zeiträume, in denen man bequem sonst ein Stammessen zu sich nehmen könnte, ohne zu schlingen (übrigens auch nicht gesund, liebe Kinder!).
In anderen Worten: Wir haben doch keine Zeit!
8. Juli 2010 (09:00 Uhr)
Die zwei Minuten Umweg sind wohl das kleinere Problem. Schlimmer ist, dass bei der Mammutsanierung der letzten Jahre die Qualität ziemlich oft nicht stimmt. Beispiele sind die neuen Teppichböden in der Bibliothek (schon jetzt Verschleiß sichtbar, die alten hielten über 30 Jahre!), die Fußbödenbeläge auf Campus 2 (sehen auch schon verschlissen aus), die berühmte Brücke, die Lackierarbeiten der Treppengeländer im Gebäude A/B (Farbe ohne zu schleifen einfach übergestrichen, blättert natürlich wieder ab), Klimaanlage im neuen Gebäude P (im Sommer Affenhitze, wie in den alten Containern), die Fußgängerbrücke zum Parkplatz (vor Jahren saniert, jetzt abgerissen und Neuaufbau)…. Und nicht alle Schäden werden auf Kulanz “nachgebessert”.
8. Juli 2010 (09:54 Uhr)
Da kann ich nur zustimmen, Karl-Werner.
Die zwei Minütchen Umweg sind doch lächerlich. Viel trauriger ist, dass viel Geld in solche Sachen gesteckt wird und das Ergebnis häufig unbefriedigend ist. Die vielen missglückten Sanierungen und die Fehlinvestitionen, wie z.B. der Kauf der gefühlten 400.000 Magnettafeln, sind die eigentlichen Ärgernisse. Sich über den zwei Minuten Umweg aufzuregen wirkt für mich geradezu lächerlich im Anbetracht der vielen geistigen Aussetzer der Uni-Verwaltung in den letzten Jahren.
Von mir aus kann die Brücke gesperrt bleiben. Ich brauch keine fünfte Möglichkeit und ins AB-Gebäude zu kommen. Mehr Bücher und Sitzmöglichkeiten im Winter brauch ich. Dann gehe ich auch von mir aus jeden Tag maximal (!) zwei Minuten Umweg mehr…
8. Juli 2010 (10:21 Uhr)
Wenn ich mich recht erinnere war während der ersten Bauphase auch noch ein LKW gegen die Brücke gerammt. Tja, gut Ding will wohl Weil haben…
8. Juli 2010 (10:54 Uhr)
Da möchte ich direkt einhaken, Karl-Werner, und die Geldverschwendung für die neuen Böden im A/B-Gebäude und die Neuasphaltierung sämtlicher Wege und Parkplätze auf dem Uni-Gelände erwähnen. Beides unnötig, da absolut in Ordnung und noch 10 Jahre haltbar. Es kann nicht sein, dass intaktke Straßen abgefräßt und neu asphalteirt werden, während die Kürenzer Straße den Ruf einer “Schwangerschaftsabbruchstraße” hat.
8. Juli 2010 (11:21 Uhr)
Das mag daran liegen, dass der LBB in manchen Gegenden offenbar nach dem Motto “Geiz ist geil” verfährt. Nicht immer ist billiger aber besser, Qualität kostet eben Geld, hält aber (meist) auch länger.
8. Juli 2010 (11:50 Uhr)
Was in dem Bericht leider nicht erwähnt wurde: Bis es endlich zur Sanierung kam, haben haben einige Benutzer der Brücke gefährliche Stürze aus Parkett gelegt – und das auch zu Zeiten, an denen die Brücke durch die Unileitung “freigegeben” war. Dass dabei niemand schwer verletzt wurde, war reine Glückssache.
Übrigens: Die neue Sandbeschichtung weist im Eingangsbereich des B-Gebäudes erhebliche Lücken auf, die beim nächsten Regen genau so glatt – und gefährlich – sein werden wie früher.
8. Juli 2010 (12:27 Uhr)
Es stimmt doch so einiges nicht in unserer schönen Alma Mater. Karl-Werner hat schon einige Mißstände aufgezeigt. Erst vor wenigen Jahren mußte der gesamte 1. Stock des A-Gebäudes umziehen, weil der komplette Fußboden erneuert wurde. Kein Mensch hat damals verstanden, warum das nötig sein sollte, denn der alte Boden war in einem guten Zustand. Aber anscheinend war noch Geld in den entsprechenden Töpfen, das man nicht verfallen lassen wollte. Ein Heidengeld ist auch in die unsägliche Drehtür an der Mensa geflossen. In vielen organisatorischen Dingen zeigt sich die Universitätsverwaltung schlichtweg überfordert, weshalb es sinnvoll wäre, bestimmte Management-Befugnisse in externe, professionelle Hände zu vergeben.
8. Juli 2010 (22:58 Uhr)
Besagte Drehtür findet sogar hier Erwähnung: http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_universal
9. Juli 2010 (20:14 Uhr)
Das tollste an der Uni ist immernoch der LCD-Flatscreen im AB-Foyer, auf dem Tag und Nacht angezeigt wird wieviel Energie die Uni gerade spart durch Solar und Co. Sinnvolle Investition und untermauert den Energiespar-Gedanken ungemein :D
9. Juli 2010 (21:29 Uhr)
Die neue Beschichtung fühlt sich an wie ein Skateboard. Habe Angst, meine schönen Sneaker auf dem Weg zur Uni wegzuschmirgeln.
12. Juli 2010 (10:41 Uhr)
@Alexander K.: Ja, das ist richtig, aber wenn uns die Leute vorrechnen können, dass Energiesparlampen und Leuchtstofflampen trotz 15-fach höherer Quecksilberkonzentration pro Lampe angeblich weniger Schwermetalle in die Umgebung abgeben, weil sie (komplett virtuelle) Quecksilberemissionen aus Kohleverbrennung “sparen”, dann darf auch ein LCD-Bildschirm an sein.
Ob da nun ein Bildschirm läuft, oder nicht. Der erfüllt immerhin einen informativen Zweck. Wer von den hier Anwesenden hat denn schon daheim konsequent alle Standby-Stromfresser vom Netz getrennt? Hm?
12. Juli 2010 (14:05 Uhr)
@ Metallkopf: Klar tut er das. Vor allem, wenn statt des aktuellen Verbrauchs eine 404-Fehlermeldung angezeigt wird!
12. Juli 2010 (17:38 Uhr)
Was allerdings vermutlich weniger ein Energieproblem ist, als ein IT-Problem. :)