“Bitburger”-Ausbau in der Warteschleife
Im März letzten Jahres beschloss der Stadtrat mit klarer Mehrheit die Einrichtung einer dritten Fahrspur auf der B 51 “Bitburger” im Bereich der Napoleonsbrücke. Eigentlich sollten die Baumaßnahmen schon im Sommer 2009 beginnen, doch bis heute ist nichts geschehen. Aus gutem Grund, denn das Vorhaben lässt sich nicht wie geplant realisieren. Die Ergebnisse erneuter Untersuchungen haben ergeben, dass ein Gehweg, über den künftig eine Fahrbahn führen soll, der Mehrbelastung durch den Verkehr nicht standhalten würde. Die Konsequenz: Mehrkosten in bislang unbekannter Höhe, und weitere Verzögerungen. Die Verwaltungsspitze will an der Verbreiterung festhalten.
TRIER. Der Plan schien in trockenen Tüchern, der Baubeginn nur eine Frage von Monaten: Als der Stadtrat im Frühjahr 2009 mit großer Mehrheit und gegen die Stimmen von Bündnis 90/Die Grünen beschloss, die “Bitburger” im Bereich der Napoleonsbrücke von zwei auf drei Spuren zu verbreitern, kalkulierte man im Rathaus mit Kosten von rund 356.000 Euro. Diese Zahl dürfte inzwischen Makulatur sein, denn auch ein Teil der Planungen ist längst hinfällig. Die Verwaltung bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, dass das Vorhaben definitiv teurer wird, weil sich bei weiteren Untersuchungen neue Probleme auftaten.
Kernstück der geplanten Maßnahme ist die Umwandlung des talseitigen Gehwegs vom Anschluss Mühlenweg bis rund 40 Meter vor Beginn der jetzigen Busspur. Im Gegenzug soll auf der gegenüber liegenden Seite ein neuer, zwei Meter breiter Gehweg geschaffen werden. Der alte Gehweg wird bis auf einen etwa 30 Zentimeter vor der Brüstung liegenden Schrammbord künftig als Fahrbahn genutzt. Um Platz für den neuen Gehweg entlang der stadtauswärts führenden Fahrbahn zu schaffen, will die Stadt ab dem unweit der Straße gelegenen gelben Haus auf einer Länge von rund 30 Metern einen Felsvorsprung abtragen.
Das will sie auch immer noch, doch inzwischen ist sicher: So einfach wird es nicht gehen. “In Fahrtrichtung Innenstadt auf der rechten Seite befindet sich in einem Teilbereich ein auskragender Gehweg. Dieses Bauwerk kann die Mehrbelastung bei Verbreiterung der Fahrbahn und Verschiebung des Fahrbahnrandes ohne Verstärkung nicht aufnehmen”, bestätigte das Baudezernat gestern. Auf die Frage, welche Konsequenzen dies nun für die Planungen hat, hieß es: “Es gibt zwei Lösungsmöglichkeiten zur Behebung dieses Problems: Zum einen kann das vorhandene Bauwerk ertüchtigt werden, zum anderen besteht die Möglichkeit, dass der Eingriff in den Fels vergrößert wird , um die Trasse in Richtung Fels zu verschieben”.
Stadtspitze hält an Vorhaben fest
Welchen Weg man nun einschlagen wird, scheint noch nicht ausgemacht. Auf Eis legen will man das Vorhaben jedoch nicht: “Die Verwaltung befürwortet nach wie vor die Umsetzung des Projektes”, betonte Ralf Frühauf, Sprecher der Stadt. Das Problem führe zwar zu einer Erhöhung der Baukosten, “die jedoch als nicht unverhältnismäßig zu bezeichnen sind”. Von welchen Mehrkosten für die beiden Varianten man am Augustinerhof konkret ausgeht, war nicht zu erfahren. Schon jetzt entfällt das Gros der geplanten Ausgaben auf Umwandlung und Bau von Gehwegen, vor allem aber auf das Abtragen des Felsvorsprungs. Für die dringend notwendige Sanierung der Napoleonsbrücke waren bislang lediglich 23.000 Euro veranschlagt.
Man werde die gesamte Maßnahme nach der Sommerpause in den städtischen Gremien wieder “umfassend vorstellen” und hierbei die Planung “insbesondere in Hinblick auf die erfolgten Untersuchungen, den aktualisierten Kostenrahmen und die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen” erläutern, kündigt die Verwaltung an. Der Stadtrat muss also erneut entscheiden, doch sicher scheint: Auch in diesem Jahr wird es nichts mit der Verbreiterung der “Bitburger”, die täglich von mehr als 21.000 Fahrzeugen passiert wird. Denn laut Verwaltung müssen aufwändigere Arbeiten wie der Felsabtrag und die Asphaltdeckenarbeiten in verkehrsarmen Zeiten unter Vollsperrung der B 51 ausgeführt werden. Mit der verkehrsarmen Zeit wird es nach der Sommerpause erst einmal ein Ende haben, an eine Vollsperrung der “Bitburger” ist dann vorerst nicht zu denken.
von Marcus Stölb





15. Juli 2010 (10:40 Uhr)
Die erhöhten und sich mit aller Wahrscheinlichkeit noch wesentlich erhöhenden kosten könnten bei einer Vollsperrung problemlos gedeckt werden: die steile Kurve/Rampe hin zur Moselbrücke im Winter absperren, vereisen und als temporäre Rodelbahn vermieten.
15. Juli 2010 (10:51 Uhr)
Ein weiteres Strassenprojekt das auf den St. Nimmerleinstag verschoben wurde wie zb die Kürenzer Umgehung , die neue Brücke zur Weismark und viele andere Projekte von denen groß berichtet wurde und die dann im Verwaltungslabyrinth veschwanden.
15. Juli 2010 (17:18 Uhr)
Warum machen wir nicht einfach alle Natur platt und alles voller Straßen, damit noch mehr Auto fahren können – Bädong ist äscht ätzend!
16. Juli 2010 (01:37 Uhr)
Der Glaube, die Verbreiterung der Bitburger Straße würde Verkehrsprobleme lösen und Staus verringern, ist ein Trugschluss. Sie schaffen neue!
Die Machbarkeitsstudie, die seinerzeit im Ausschuss vorgestellt wurde, bezog sich allein auf die Fahrbahnverbreiterung. Unsere Fragen sind weiterhin unbeantwortet:
- Wurde untersucht, wie sich die Verkehrsströme verändern und welche Auswirkungen sich für die Bonner und Aachener Straße hinsichtlich der Verkehrs- und Lärmbelastung ergeben?
- Müssen im Stadtgebiet weitere Straßen verbreitert und Ampelanlagen aufgestellt bzw. erneuert werden, um den Verkehrsfluss aufnehmen zu können?
- Entstehen dadurch Folgekosten und in welcher Höhe?
Wir haben in der Stadtratssitzung der Verbreiterung der Bitburger Straße nicht zugestimmt. Wir bezweifeln, dass diese Baumaßnahme eine echte Verbesserung bringt. Der Stau sowie die Lärm- und Verkehrsbelastung werden nach unserer Auffassung lediglich verlagert – von der Bitburger Straße in Stadtteile, in denen Menschen wohnen und jetzt schon leiden.
Genauso sah es der Ortsbeirat Trier-West-Pallien, der dieses Vorhaben abgelehnt hat: „Nutznießer der Fahrbahnverbreiterung wären ausschließlich die Verkehrteilnehmer, die nicht über die Kaiser-Wilhelm-Brücke, sondern geradeaus in Richtung Trier-West oder Biewer fahren“. Dem widersprach in der Stadtratssitzung Thomas Albrecht als verkehrspolitischer Sprecher der CDU vehement. Er vertrat die Auffassung, dass der meiste Verkehr weiterhin über die Brücke gelenkt wird. Wie dies aber bei einer einspurigen Fahrbahn auf der Brücke in Richtung Innenstadt funktionieren soll, ist mir nach wie vor ein Rätsel.
Dominik Heinrich, Mitglied der Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
16. Juli 2010 (09:14 Uhr)
Man sollte sich schleunigst von diesem unsinnigen Projekt verabschieden. Der Stau würde nämlich nur verlagert werden in Richtung Pallien/Trier-West mit dem Unterschied , dass dann die Anwohner die Abgase unmittelbar vor der Haustür haben.
Derweil man mit dieser Planung hier Zeit und Geld verschwendet, warten die Hausaufgaben: Die Sanierung maroder Straßen in allen Stadtteilen wie zum Beispiel Berliner Allee, die Instandsetzung maroder Brücken wie zum Beispiel in der Hermesstraße, der Ausbau des Radwegenetzes und vieles mehr.
Peter Spang, Mitglied der SPD-Ratsfraktion
16. Juli 2010 (09:57 Uhr)
Nicht nur Bündnis 90 / Die Grünen, sondern auch der Ortsbeirat Trier-West / Pallien hatte sich einstimmig gegen den unsinnigen Ausbau der “Bitburger” in diesem Bereich ausgesprochen. Die völlige Mißachtung dieses Beschlusses führte sogar zum Austritt eines Mitgliedes des Ortsbeirates aus der Partei.
24. Juli 2010 (11:45 Uhr)
Ich halte von einem weiteren Festhalten an dem Stadtratsbeschluß unter diesen
Gegebenheiten und angesichts der nicht mehr vorhandenen Haushaltsmittel nichts mehr. Weitere Planungskosten einzusetzen ist jetzt unverantwortlich.
Die Stadt hat wichtigere Baustellen und Maßnahmen zu schultern, die den Bürgerinnen und Bürgern direkt zu Gute kämen. In den letzten Jahrzehnten kamen immer wieder die Stadtteile zu kurz. Man sollte künftig die Schwerpunkte in die die Umsetzung der Stadtteilrahmenpläne und auch in vernünftige Maßnahmen aus dem Bürgerhaushalt setzen.
Das Problem der Erreichbarkeit von Trier über die B 51 ließe sich auch über einen Buszubringer eines längst geforderten P + R – Parkplatzes im Industriegebiet
Trierweiler-Sirzenich zumindest abfedern. Die Busspur ist ja bereits vorhanden.
Hans-Willi Triesch, Mitglied der SPD-Ratsfraktion aus Zewen