Mehr Gitarren
John Fogerty hat das Flanellhemd gegen ein schlichtes einfarbiges Hemd getauscht, die Lederjeans gegen eine schwarze Stoffhose und den Prinz-Eisenherz-Haarschnitt gegen eine längere Fönfrisur. Ansonsten ist nahezu alles beim Alten geblieben. Fast Zweidrittel der Stücke, die er mit seiner sechsköpfigen Band am Mittwochabend in der Arena spielte, stammen aus seiner Zeit als Frontmann von Creedence Clearwater Revival. 15 der insgesamt zwei Dutzend Songs wurden von 1968 bis 1970 veröffentlicht. Obwohl keine andere Band in dieser Zeit erfolgreicher war, nimmt es deshalb nicht wunder, dass die Mehrzahl der 2500 Besucher in Trier schon ein paar Jahre zuvor geboren wurde.
TRIER. Wer jünger als 50 ist, keine Oldie-Sender hört, sich nicht für die Geschichte der Rockmusik interessiert, sondern nur das kennt, was er musikalisch seit seiner Jugend wahrgenommen hat, dem dürfte Creedence Clearwater Revival und erst recht John Fogerty nichts sagen. Neben dem Umstand, dass sich die Gruppe 1972 auflöste und John Fogerty als Solosänger nicht mehr ganz an deren Erfolge anknüpfen konnte, dürfte das Hauptproblem des geringen Bekanntheitsgrades heute der sperrige Bandname sein. Fans benutzen deshalb der Einfachheit halber meist das Akronym “CCR”.
Bei denjenigen, die bei CCR, Creedence Clearwater Revival und John Fogerty die Schultern zucken, fällt meist der Groschen, wenn man den Refrain eines ihrer zahlreichen Hits anstimmt. Zum Beispiel von diesen: “Big wheel keep on turnin’ / Proud Mary keep on burning / Rollin’, rollin’, rollin’ on the river” (“Proud Mary”), “I see the bad moon arising / I see trouble on the way” (“Bad moon rising”), “Down on the corner / out in the street / Willy and the Poorboys are playin’ / bring a nickel, tap your feet” (“Down on the corner”) oder “Tambourines and elephants are playing in the band / Won’t you take a ride on the flying spoon / Doot, doot, doo / Bother me tomorrow, today I buy no sorrows / Doo, doo, doo, lookin’ out my back door” (“Lookin’ out my back door”). Dies sind alles Stücke, bei denen man im Auto sofort beginnt, mit dem Daumen aufs Lenkrad zu tippen. Oder bei Konzerten mindestens mitwippt.
John Fogerty hat so viele gute Rocksongs geschrieben, dass er nichts für den Schluss aufheben muss. Der Kalifornier, der so gut gelaunt ist, dass er während des Konzertes ausnahmsweise auch ein paar Worte ans Publikum richtet, eröffnet die Show mit der kraftvollen Rock-Nummer “Up around the bend”, dem bluesigen Swamp-Rock-Klassiker “Susie Q” (Original von Dale Hawkins) und der Ballade “Who’ll stop the rain” (“And I wonder, still I wonder, who’ll stop the rain”).
Obwohl der Aufhänger der Tour das Jubiläum von Fogertys 1985 erschienenem Solo-Album “Centerfield” ist, spielt er davon nur die Country-Nummer “Big train (from Memphis)”, den Midtempo-Titel “Centerfield” und das sehr rhythmische Blues-Stück “The Old man down the road”. Von den Solo-Platten “Blue ridge rangers” (1972), “Eye of the zombie” (1986), “Deja vu” (2004) und “Blue ridge rangers rides again” (2009) steht kein einziger Song auf der Setlist. Die meisten Stücke stammen von den ersten fünf CCR-Alben. Das Publikum bekommt also fast ausschließlich Kracher geboten.
Umso mehr überraschen zwei Coversongs in der Mitte des Konzertes. Mit Roy Orbisons “Pretty Woman” und Eddie Cochrans “Summertime Blues” begibt er sich in eine Zeit, die noch vor CCR lag. Obwohl beide Stücke lupenrein vorgetragen werden, klagt die Hallennachbarin des Autors, dass sie stattdessen lieber “Have you ever seen the rain” (hat auch Bonnie Tyler und Rod Steward gesungen) gehört hätte.
Der Perfektionist Fogerty, der fast jedes Stück mit einer anderen Gitarre spielt (bei “Centerfield” mit einem besaiteten Baseballschläger), wird von sechs Musikern begleitet, von denen der starke Schlagzeuger Kenny Aronoff und der Multi-Instrumentalist Jason Mowery, der sich in “Big train” ein beeindruckendes Geigen-Gitarren-Duell mit seinem Chef liefert, hervorzuheben sind. Zur Band gehören außerdem zwei Rhythmusgitarristen, ein Keyboarder und ein Bassist. Bei “The Old man down the road” spielen sogar noch Mowery und der Tastenmusiker Gitarre – also insgesamt fünf. Wesentlich satter klingt der Sound dadurch aber nicht. Der Sänger einer gerade aufgelösten Trierer Hardpolka-Band mutmaßt, dass es sich bei den entbehrlichen Gitarristen um Freunde Fogertys handele, die Geld brauchten.
Fogerty wurde vor wenigen Wochen 65. Obwohl sein Auftreten bieder wirkt, hat er kaum von seiner Energie, seinen gesanglichen Fähigkeiten und seiner Fingerfertigkeit eingebüßt. Nach knapp zwei Stunden verabschiedet er sich mit “Rockin’ all over the world”, das einer der größten Hits von Status Quo wurde, und “Proud Mary”. So viele Ohrwürmer hat man schon lange nicht mehr an einem Abend in der Arena gehört. Mehr Gitarren auch nicht.





23. Juli 2010 (11:08 Uhr)
Passt alles.
Auch der Name James Mowrey passt (hier hat der TV einen anderen Namen recherchiert).
Die Facts sind sauber recherchiert und zusammengetragen.
Den Song Centerfield spielte Fogerty beim vorletzten Konzert dieser Tour erstmalig. Dazu auf der eigens für diesen Song angefertigten Gitarre, die einem Baseballschläger ähnlich sieht.
Was Fogertys Band angeht kann ich nur sagen, dass sich Fogerty keine Musiker zur Seite nimmt, die seinen perfektionistischen Ansprüchen nur halbwegs genügen. Finanzielle Gründe spielen da keine Rolle.
James Mowrey ist ein Beispiel dafür. Auch Kenny Aronoff ist ein anerkannter Drummer.
O.Plewka, Trier
Fogerty bräuchte nicht auf fremdes Songmaterial (Pretty Woman, Summertime Blues) zurückzugreifen, dass er nicht auf seinem Platten hat. Da wäre das eine und andere sicherlich besser gewesen und man würde nicht dieses “Kirmes-Feeling” bekommen (hier muss ich dem TV aber Recht geben).
Wer sich nicht zu den 2.500 Besuchern zählen kann, hat was verpasst.
1. August 2010 (11:16 Uhr)
Ganz großes Konzert von einer absoluten ROCK LEGENDE!
Kann der Stadt Trier, bzw. dem Veranstalter nur gratulieren, dass sie diesen Ausnahme Künstler zu Gast hatten und alle bedauern, die nicht dabei waren!!
Uwe Terzenbach, Sarbrücken