Positiver Verfolgungswahn
Kultur im Fünf-Minuten-Takt: Das verspricht die Kulturreise “TUFA unlimited” im Rahmen des Jubiläumsprogramms “Die TUFA geht raus – Neue Konzepte, frisch ausgepackt”. An zehn Stationen warten rund hundert mitwirkende Künstler auf die Teilnehmergruppen aus sechs Personen. Die erste Gruppe startet am 28. August um 14 Uhr an der Europäischen Rechtsakademie.
TRIER. Aller guten Dinge sind drei. Teneka Beckers, die Geschäftsführerin der Tuchfabrik, verspricht nach diesem Motto etwas “Besonderes, das die Grenzen der TUFA sprengt”. “TUFA unlimited” sei – neben “TUFAtopia” und “TUFA undercover” – die erste Idee gewesen. “Das andere Programm des 25. Jubiläums wurde drum herum gestrickt”.
Ganz neu ist die Idee jedoch nicht. Das Planungsteam um Projektleiter Karsten Müller hat sich dabei von der Aktion “TUFAntasie” aus dem Jahr 2000 inspirieren lassen, die nach dem selben System funktionierte und durchgehend auf positives Feedback stieß.
In einem Potpourri aus Bildender Kunst, Literatur, Pantomime, Tanz und Theater überraschen die beteiligten TUFA-Vereine und deren Gäste die Besucher auf einem Stadtrundgang. Startpunkt ist die Europäische Rechtsakademie. Von hier aus führen die Akteure eine Gruppe von sechs Personen im Fünf-Minuten-Takt zu zehn Stationen in der Innenstadt. Wo genau sich die Zwischenstationen befinden, will Karsten Müller nicht verraten: “Das Ziel wird die TUFA sein, soviel kann ich sagen. Zwischendurch warten Orte, an denen man die Kultur nicht erwarten würde.”
Auf ihrem zweistündigen Rundgang treffen die Menschen Schauspieler, die ihre Rollen bis zum letzten Detail einstudiert haben. Jeder Satz sitzt perfekt und wird genau an einer bestimmten Stelle gesprochen. Falls überhaupt gesprochen wird, schließlich gehören auch Pantomimen wie Martin Gesthuisen zu den Darstellern, von denen nicht immer alle als Beteiligte zu erkennen sind. Da während der fünf Minuten zwischen den Stationen ebenfalls Akteure auf die Gruppen treffen, sind die Teilnehmer stets unsicher, was echt und was gespielt ist. “Das ist keine typische Erlebnisführung”, so Müller. “Wir erzeugen quasi eine Art positiven Verfolgungswahn.”
Die Kostüme für die beteiligten TUFA-Vereine und den Gästen aus dem Palais e.V., der Erlebniswerkstatt Saar und dem Stelzentheater Circolo entwerfen zwei Modedesignstudentinnen der Fachhochschule. Birsen Ercins und Darja Noschenko hüllen sich – ebenso wie die restlichen Beteiligten – in Schweigen, wenn es um Details geht. Lediglich die Figur einer “Außerirdischen Ameise” erläutert Noschenko etwas näher: “Das Kostüm für einen Artist auf Stelzen verbildlicht den Vergleich der Gesellschaft mit dem emsigen Treiben im Ameisenbau. Das Kostüm ist dabei weniger naturgetreu als gruselig und überraschend.”
Ein Highlight der ganz anderen Art stellt das so genannte Conference Bike dar. Dies ist eine Art Tandem für sechs Personen. Viele kennen dieses Gefährt vielleicht schon aus anderen Großstädten der Republik, auf Triers Straßen ist es jedoch ein Novum.
Durch die kleinen Gruppen und den “Verfolgungswahn” entsteht ein “sehr starker Zusammenhalt zwischen den Zuschauern, die interaktiv ins Geschehen eingebunden sind”, erklärt Produktionsleiterin Sandra Karl. Damit die Darsteller die zahlenden Gäste von schaulustigen Passanten unterscheiden können, erhalten diese beim Start kleine Bändchen, die am Ellenbogen getragen werden.
Die kleinen Gruppen und die Fünf-Minuten-Taktung der Startzeiten sorgen dafür, dass “TUFA unlimited” beim Kartenvorverkauf auf ticket-regional.de mit 200 Vorstellungen eingetragen ist. Da jeder einzelne Schritt bis ins letzte Detail durchplant ist, müssen die Gäste unbedingt pünktlich am Start sein, da ein Nacheinlass nicht möglich ist.
Die Erstaufführung von “TUFA unlimited” findet am 28. August statt. Weitere Vorführungen sind am 4.September, am 30. Oktober und am 31. Oktober. An allen Tagen starten die Gruppen von 14 Uhr bis 18.20 Uhr alle fünf Minuten (am 31.10. von 13 Uhr bis 16.20 Uhr). Karten sind ausschließlich im Vorverkauf erhältlich.
Johannes Friedrich





25. Juli 2010 (13:36 Uhr)
Doch nicht etwa der Landesgartenschau-Müller? Haben wir dem nicht die Rundgänge zu Beginn der LGS zu verdanken: a la nachgemachtes Märchenland? Die waren schon so wenig besucht, weils so schrecklich war: Stelzenläufer und Feuerschlucker, Feen und Zasuberer. Gähn. Das ist weder alternativ, noch Kultur. Das ist Regression. Also mehr was für Kleinkinder. Trierer Pents aber sind schlauer: sie sparen sich die 15 Euronen pro Rundgang und schlappen einfach so mit, ohne Bändel am Arm. Anschliessend lachen sie sich tot über die Erwachsenen, die noch nicht in der Jetztzeit angekommen sind.
26. Juli 2010 (13:21 Uhr)
Aus dem Kommentar meines Vorredners kann man mal wieder sehen, wie sehr Kunst im Auge des Betrachters liegt.
Ich persönlich fand die künstlerischen Darbietungen auf der LGS hervorragend und mehr als beeindruckend. Karsten Müller steht durchaus für Perfomance, in denen Realität mit Fiktion verschmelzen. Doch was ist daran so falsch oder langweilig.? Sind denn die kommerziellen Beiträge in unserer schnellebigen Zeit wirklich spannender…..was gibt es denn an Traumwelten und Märchen für Erwachsene auszusetzen? Wenn das wirklich langweilig wäre, warum geben sich denn dann im Kino Phantasiefilme wir z.B. “Pan´s Labyrinth” oder “Biss” die Klinke in die Hand? Weil keiner mehr Lust darauf hat, sich verzaubern zu lassen? Zumal Karsten Müller durchaus Töne anzuschlagen weiß, die dem Zuschauer auch mal den Lacher im Halse stecken läßt, die nachdenklich machen.
Man kann nun mal nicht erwarten, dass alle Menschen den gleichen Geschmack haben, deshalb ist es ja auch jedem freigestellt, sich das Spektakel anzusehen….zwei Stunden Kunst für 15 Euro…das ist ok…da muss ich mich nicht anschleichen und schnorren, was preisleisungsmäßig eh schon günstig ist.
Ach…und nur mal zur Erinnerung…..die kulturellen Beiträge der LGS waren hervorragend besucht….allein TraumWandelWald hatte in 4 Tagen 10.000 Besucher. So freue ich mich auf “Unlimited”….und bin sicher, dass ich jede Menge spannende Dinge gezeigt bekomme…..die Tufa geht raus und zeigt ihre buntes Angebot…..ein schönes Angebot eines Hauses, welches interaktiv mit mir als Zuschauer ihr Jubiläum begeht…..Danke an die Verantwortlichen und danke auch an Karsten Müller!
26. Juli 2010 (17:38 Uhr)
Warum so bösartig? Und kein Mumm mit Ihrem Namen zu Ihrer Meinung zu stehen?
Was haben Sie gegen mystische Figuren und Feuerschlucker? Ich fand den Traumwandelwald auf der LGS total toll, faszinierend, großartig und auch mit politischer Message – und soviel ich mitgekriegt habe, nicht wenig, sondern sehr sehr gut besucht.
Tufa unlimited hört sich auch super an, ein Kultur-Event (klar ist das Kultur!). Hab schon Karten bestellt.
26. Juli 2010 (22:27 Uhr)
….die Karten kosten übrigens keine 15, sondern nur 12 Euro. Da kann man wirklich nicht meckern.
27. Juli 2010 (09:00 Uhr)
Super, dass Karsten Müller wieder da ist!!! Mutig und vielleicht gegen den schnelllebigen Zeitgeist inszeniert er spannende und sehr ungewöhnliche Events.
So etwas wie Traum-Wandel-Wald – eine geniale nächtliche Inszenierung im Wald auf dem Gelände der Landesgartenschau – bleibt einem im Gedächnis haften. Da war für jeden etwas dabei. Der intelektuell Anspruchsvolle konnte sich auf hohem Niveau mit der Entstehung der 4 Elemente auseinandersetzen. Kinder kamen aufgrund der nächtlichen Aktivität, der bunten Kostüme und der Effekte ins Schwärmen. Ich war gleich mehrere Male da und habe Menschen auf
der Straße und im Bus wochenlang über diese beeindruckende Reise durch die 4 Elemente reden hören. Die Kostüme der Darsteller waren einfach atemberaubend und das Engagement der ich weiß nicht wie vielen Darsteller großartig.
Im Übrigen habe ich auch bei der ersten Stadtführung der besonderen Art “TUFantasie” vor vielen Jahren teilgenommen. Auch dafür zeichnete Karsten Müller verantwortlich! Auch hier wieder etwas völlig Ungewöhnliches, ein vor Fantasie und Einfallsreichtum strotzendes Erlebnis! Und das tolle bei den Inszenierungen finde ich immer wieder die Verquickung von gesellschaftskritischen Töne und “wunderbarem” Erleben. Ich freue mich auf “Unlimited” und kann nur empfehlen, dieses Event nich zu verpassen!
Schade, dass das Internet für so niveaulose Beiträge wie dem des ersten Redners missbraucht wird. So eine unqualifizierte Kritik loszulassen Bedarf einer großen Schwäche! Hier fehlt es an Respekt vor unterschiedlichen Kunstauffasssungen und es ist eine große Beleidigung für alle beteiligten Künstler, Techniker, Kostümbildner…!
27. Juli 2010 (16:33 Uhr)
Sorry, aber als ehemaliger Tufa-Vorsitzender kann ich obiges Urteil nur teilen: die Tufa ist noch nicht im neuen Jahrtausend angekommen. Oder anders gesagt: irgendwie schon – in dem der Kinder: Harry Potter, Tintenherz, etc pp.
“wie bedauerlich” schreibt anonym: …”Sind denn die kommerziellen Beiträge in unserer schnellebigen Zeit wirklich spannender?”….
Verzeihung, aber gerade DIESE Art von regressiver Phantasie ist doch die Ausgeburt des Kommerzes, siehe Avatar, Potter, Vampire usw usw.
Oder kennen Sie einen Verein, der aus Spass an der Freud Stelzenlauf als Kultur betreibt? ? Nein – denn das sind alles Eventagenturen, die auf Kleinstadt-Stadtteilfesten auftreten. Gegen Honorar natürlich.
Nicht kommerziell dagegen sind zeitgenössische kulturelle Erscheinungen wie Chatroulette-Konzerte, Demo-Scene-Gatherings, Machinima, Flashmobs und und und – eben das, womit sich der Mensch heutzutage unter 25 beschäftigt, und wie er vorzieht, mit Gleichaltrigen zu interagieren. Und da braucht er kein Fahrrad für 8 Personen dafür, übrigens auch kein selbstspielendes Klavier.
Feuerschlucker dagegen sind gaaaanz alt, vielleicht Mittelalter, eher noch älter. Gaukler und Hofnarren für die Herrschenden. Und: garantiert sinnfreies Spektakel.
Das ist sonstwo sonstwas von OUT. Und es bringt fatal die Haltung zum Ausdruck: für das hinterwäldlerische Trier ist’s gerade noch gut genug. Diese Haltung verrät viel, viel vom Selbstverständnis und viel vom Interesse am Rest der Welt, an der Gegenwart.
Nein, mit den Inhalten der Tufa hat das doch wenig zu tun. Da hätte ich mir eine nächtlich mit Medienkunst illuminierte Römerbrücke gewünscht, mit einer Live-Aufführung der Schmit-Z Family auf der Brücken-Bühne. Das ist auch Fantasia-Land, aber eben komplett anders. Dazu 18 Stände der 18 aktiven Tufa-Vereine…. :-)
27. Juli 2010 (16:40 Uhr)
@ Steffi Morgen / Wie
Ihr Eindruck täuscht. Die Kulturveranstaltungen auf der Landesgartenschau waren fast durch die Bank lausig besucht. Wenn sich mal mehr als 100 Leute zu einem Konzert oder “Event” verirrten, wurde dies schon als “Erfolg” verbucht.
Der Grund für den Flop: “Traumwelten für Erwachsene” sprechen eben doch nur eine Minderheit an. Dies zeigt sich nun auch beim Tufa-Jubiläum, das weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.
Passend dazu: eine Tourismus-Studie, bei der 1000 Studenten befragt wurden, wo sie ihre Freizeit verbrächten. Das Ergebnis war für die Tuchfabrik niederschmetternd – man schaffte es nicht einmal unter die Top 20.
Aber das interessiert die Tufa-Verantwortlichen wahrscheinlich nicht – die träumen lieber.
28. Juli 2010 (12:16 Uhr)
“Und das tolle bei den Inszenierungen finde ich immer wieder die Verquickung von gesellschaftskritischen Töne und “wunderbarem” Erleben. ”
???
Ja klar: ein selbstspielendes Klavier in einer Kuppel, kein Pianist: der “gesellschaftkritische Unterton” dabei ist wahrscheinlich: aufpassen, bald werden Pianisten überflüssig werden…
Ja klar: ein Fahrrad für 6 Personen: der gesellschaftskritische Unterton dabei ist wahrscheinlich: aufpassen, man muss sich schon absprechen, wenn man geimensam ein Ziel verfolgen will….
Ja, klar: eine “Ausserirdische Ameise auf Stelzen”: der gesellschaftskritische Unterton dabei ist: aufpassen, wir zerstören unsere Erde so schlimm, dass sie bald von ausserirdischen Ameisen übernommen wird….
Toll.
29. August 2010 (12:10 Uhr)
Hallo,
ich habe gestern bei der Premiere als Akteur teilgenommen, an einer der letzten Stationen. Die Kommentare des Publikums waren sehr positiv, was ich im Vorfeld nicht erwartet habe. Ich war skeptisch bei dem Konzept, denke aber, dass es aufgegangen ist (s. Gästebuch).
Kultur in Trier ist immer sehr schwer. es ist egal was es ist, Kunst, Musik, etc… Wenn eine Band in Trier und Lux. spielt ist Lux. immer besser von Trierern besucht als das Konzert hier. Dann wird sich auf die Schulter geklopft und einstimmig festgestellt, dass Trier, was Kultur anbelangt, noch weniger als eine Wüste ist.
Aber wenn man möchte gibt es sehr viel in Trier, auch wenn ich das ein oder andere Mal auch Abstriche (qualitativ) mache. Aber es dorf ja alles auch nichts kosten.
Schönes Wochenende!