Von Gewaltverbrechern bis Pippi Langstrumpf

Anekdoten über die Marx Brothers, Auszüge aus der Autobiographie von Jacques Mesrine, Gedichte von Francois Villon – Claude-Oliver Rudolph stellte am Freitagabend in der “Nacht der Rebellen” seine Lieblingsnonkonformisten aus der Kultur- und der Unterwelt vor. Begleitet wurde er bei seiner Lesung in der Tufa von der inzwischen auf einen Gitarristen geschrumpften “Rebellenband”.

TRIER. Bekannt wurde Claude-Oliver Rudolph durch seine Rolle als Heizer Ario in “Das Boot” (1981). In den 80ern und 90ern gab es wohl keinen Rotlicht-Krimi, in dem der bullige Ex-Kampfsportler nicht mitwirkte. Letzter Höhepunkt als Schauspieler war eine Nebenrolle im Bond-Film “Die Welt ist nicht genug” (1999). In den vergangenen Jahren sorgte der Schauspieler dann vor allem für Schlagzeilen, weil er in der Realität mit dem Gesetz in Konflikt kam. Nicht geleistete Unterhaltszahlungen und offene Rechnungen sowie unglückliche Äußerungen über den S-Bahn-Toten Dominik Brunner sind jedoch selbst dem Image eines TV-Bösewichts abträglich. Vielleicht lockte Rudolph deshalb auch nur ein paar Dutzend Interessierte in die Tufa.

“Die Nacht der Rebellen” wird auf der gleichnamigen “MySpace”-Seite als “aufregende Mischung aus Lesung, Konzert und medialer Vorführung” beworben. Es ist allerdings gerade die Mischung, die die Veranstaltung wenig aufregend macht. Während die dezente Gitarrenbegleitung während der Lesung zumindest nicht stört, schadet die Diashow der Atmosphäre. In einer Schleife werden knapp zwei Stunden lang Bilder von mehr oder weniger ausgewiesenen Rebellen wie Shakespeare, Hans Albers, Iggy Pop, Jacques Mesrines, Heinrich Heine, Johnny Cash, Charles Bukowski, den Marx Brothers, Jim Morrison, Bert Brecht und Lee Marvin gezeigt. Zwar tauchen fast alle auch in irgendeiner Form in der Lesung auf, doch besteht meist eine Diskrepanz zwischen den Einblendungen und dem Vortrag. Gelungener wäre es, die Gemälde und Fotos nur an den entsprechenden Stellen zu zeigen.

Am besten hätte Claude-Oliver Rudolph jedoch ganz auf das ablenkende Beiwerk verzichtet, denn allein durch seine einfühlsame Vortragsweise entfalten die Texte ihre Wirkung. Die Texte, das sind “Dichter und Literatur, die nicht unbedingt Mainstream sind”. Bei Villons “Ballade von den allgemeinen Redensarten” und “Eine kleine Liebesballade” ahmt er gekonnt Klaus Kinski nach, bei Passagen von Hans Albers spricht er mit leichtem Hamburger Dialekt und beim “Räuber Kneißl”, der bei der Verkündung seines Todesurteils meinte: “De Woch fangt scho guat o”, wechselt er ins Bayrische.

Die Autoren stellt Deutschlands bekanntester Sonnenbrillenträger kurz und salopp vor, zu manchen Rebellen wie den Marx Brothers oder Hans Albers erzählt er nur ein paar Anekdoten und ein roter Faden bei der Auswahl der Texte ist nicht zu erkennen. Und obwohl er sich auf dem Weg zu seinem schwach beleuchteten Lesetisch bewegt wie der Betreiber eines Freudenhauses an seinem Geburtstag, ist sein Auftritt sympathisch, weil er sofort Nähe zum Publikum aufbaut, indem er die Besucher die angedeuteten Autoren raten lässt, weil er die Zuhörer auch zum Lachen bringen will, und weil in seinen Rebellenportaits stets Bewunderung mitschwingt. Kritische Worte, wie sie im Falle der Mörder Mathias Kneißl und Jacques Mesrine angebracht wären, darf man deshalb jedoch nicht erwarten.

Obwohl sich Claude-Oliver Rudolph in der Öffentlichkeit meist gebärdet wie eine Kiezgröße, ist davon auszugehen, dass er – trotz der Anzeigen gegen ihn in den vergangenen Jahren – auch oft in eine Rolle schlüpft, die man von ihm erwartet. Sensibilität und vor allem Selbstironie werden spätestens in seinem letzten Beitrag deutlich. Mit verstellter Stimme und offensichtlich viel Vergnügen präsentiert er die einzige Rebellin des Abends: Pippi Langstrumpf.

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