Warten auf den Durchbruch
Er soll eine “leistungsfähige Achse zwischen Autobahn und Innenstadt” schaffen und zahlreiche, bislang stark befahrene Straßen spürbar entlasten – der so genannte Moselbahndurchbruch zwischen Kürenzer Straße und Metternichstraße. Bereits vor acht Jahren leitete die Stadt eine hierfür notwendige Änderung des Flächennutzungsplans ein, seit einem halben Jahrzehnt befinden sich die benötigten Flächen nun schon in städtischem Besitz. Doch die Realisierung des Vorhabens lässt auf sich warten, und auch im nächsten Jahr ist nicht mit einem Durchbruch zu rechnen, heißt es aus dem Rathaus. Tatsächlich birgt das Vorhaben auch Probleme, vor allem im Bahnhofsumfeld dürfte es zu neuen Engpässen kommen, sollte die Trasse tatsächlich realisiert werden.
TRIER. Man wähnt sich im Niemandsland, verloren und verlassen, abseits von Wohnbebauung und direkt am Bahndamm. Viel Sand und noch mehr Grün haben das Areal westlich der Gleise in Beschlag genommen, ein paar Fahrzeuge stehen in der Landschaft. Wer das ehemalige Moselbahngelände im Nordosten der Stadt passiert, ist froh, wenn er rasch wieder festen Boden unter die Füße bekommt.
Mit der unwirklichen Ruhe auf der Brache könnte es allerdings dereinst vorbei sein – wenn denn die seit beinahe einem Jahrzehnt diskutierten Pläne Wirklichkeit werden. Die Verwaltung und auch eine Mehrheit der früheren Stadträte haben sich wiederholt dafür ausgesprochen, mit dem “Moselbahndurchbruch” eine Verbindung zwischen Kürenzer Straße und Metternichstraße zu schaffen. Statt wie bisher über Franz-Georg-Straße und Parkstraße könnten Autofahrer dann auf direktem Wege zur Autobahn gelangen. Einige Wohngebiete im Norden der Stadt würden entlastet, ebenso der Verkehr auf mancher Einfall- und Ausfallstraße.
“Der Moselbahndurchbruch ist ein Baustein der Gesamtverkehrsachse vom Hauptbahnhof (Knotenpunkt Balduinsbrunnen) bis zur Autobahn A 602. Mit seiner Realisierung würde eine zweite leistungsfähige Achse zwischen Autobahn und Innenstadt entstehen, mit der sowohl die Zurmaiener Straße als auch die Achse Parkstraße – Franz-Georg-Straße mit den angrenzenden Wohngebieten und auch die Paulinstraße entlastet werden könnten”, ist man im Rathaus überzeugt. Auch in Teilen des Alleenrings sei mit Verkehrsverlagerungen zu rechnen, hoffen die städtischen Verkehrsplaner und führen noch ein vermeintlich schlagendes Argument für die geplante Trasse ins Feld: “Aufgrund der Tatsache, dass die neue Achse keinerlei Wohngebiete tangiert, könnte hiermit eine sehr umfeldverträgliche Verkehrsführung realisiert werden”.
Die Sache hat indes nicht nur einen Haken: So ist bislang überhaupt nicht absehbar, ob und wann das Vorhaben realisiert werden kann. Zu viele Fragen scheinen noch ungelöst, und selbst fünf Jahre nach dem Erwerb des benötigten Betriebshofgrundstücks der Moselbahn in der Schönbornstraße nebst Bahngleisstrecke von der Trans Regio Deutsche Regionalbahn GmbH, existiert offenbar nicht viel mehr als eine grobe Planung: “Die Stadt hat im Haushalt 2010 Mittel eingestellt, um erste Untersuchungen zur Ausgestaltung der Straßen und Leistungsfähigkeiten der angrenzenden Knoten durchzuführen. Diese sind Voraussetzungen für die Planentwürfe der Straße, die dann wiederum die Basis für das Bebauungsplanverfahren darstellen”, teilte Jürgen Backes vom Presseamt der Stadt auf Anfrage gegenüber 16vor mit.
“In 2011 wird auf jeden Fall nicht gebaut”
Backes widerspricht dem Eindruck, das Vorhaben könnte einen stillen Tod gestorben sein: “Das Projekt wird weiter verfolgt, jedoch sind zuerst einige planerische Grundlagen zu erarbeiten, bevor die Umsetzung der Maßnahme weiter vorangetrieben werden kann.” Auch für die Erstellung der planerischen Grundlagen würden Finanzierungsmittel benötigt, die “sukzessive im städtischen Haushalt mit eingeplant werden müssten”, erläutert der Rathaussprecher weiter.
Offenbar herrscht im Rathaus aber bislang nur eine vage Vorstellung davon, wie das Projekt umgesetzt werden könnte. Laut Backes ist derzeit lediglich klar, “dass in 2011 auf keinen Fall mit dem Bau begonnen werden kann, sondern bevor gebaut wird, muss weitergehend geplant werden”. Auch die voraussichtliche Höhe der benötigen Mittel ist nach wie vor völlig offen: “Die Kosten hängen wesentlich davon ab, wieweit der erste Bauabschnitt definiert wird und was an Anpassungsmaßnahmen im vorhandenen Straßennetz notwendig ist. Erst anhand der Planentwürfe ist es dann möglich ungefähre Kosten zu ermitteln”.
Tatsächlich kann sich die Stadt bei dem Vorhaben nicht allein auf den Bau der neuen Trasse auf dem alten Moselbahngelände beschränken – zumindest an einer umfassenden Sanierung der völlig maroden und vor allem für Radfahrer und ÖPNV-Nutzer mehr als nur unkomfortablen Kürenzer Straße würde kein Weg mehr vorbei führen. Und auch für den Bereich der Dasbachstraße in Trier-Nord müsste eine Lösung gefunden werden. Zudem könnte der Moselbahndurchbruch im unmittelbaren Bahnhofsfeld ein Verkehrschaos provozieren – zumindest dann, wenn auch an dem ursprünglichen Plan festgehalten werden sollte, die Straße An der Reichsabtei vom Durchgangsverkehr zu befreien.
Dieses Ziel wird sich nach der vorgesehenen Ansiedlung des neuen Polizeipräsidiums auf dem Gelände der Post wohl kaum mehr umsetzen lassen, doch ursprünglich vorgesehen war auch, Franz-Georg- sowie Parkstraße aus dem Netz der Hauptverkehrsstraßen herauszunehmen. Stattdessen sollen künftig Metternichstraße und die neue Trasse über das Moselbahngelände die Hauptlast des Verkehrs in Richtung Hauptbahnhof tragen. Wie der Verkehr, der weiter über die Kürenzer Straße geführt würde, dann am Hauptbahnhof neu verteilt werden kann, scheint indes noch eines der großen Rätsel. Klar ist: Bei einer Weiterführung der zu erwartenden Automassen über die Moltke- und die Roonstraße wäre das Chaos wohl programmiert.
von Marcus Stölb





26. Juli 2010 (00:45 Uhr)
Gäbe es in Trier eine Citymaut – kombiniert mit deutlich mehr und günstigerem Öffentlichem Personen NahVerkehr und besserer Radinfrastruktur wären teure Vorhaben wie diese Planung für die Stadtplanung absolut hinfällig!
26. Juli 2010 (04:41 Uhr)
“leistungsfähige Achse zwischen Autobahn und Innenstadt”
welche Änderungen sind denn dann am Ende Dasbachstraße/ Verteilerkreis geplant um die Strecke attraktiv zu machen?
26. Juli 2010 (10:39 Uhr)
Ein ziemlich bizarres Projekt, das einfach die Tatsache wegträumen will, dass zu einem Bahnhofsvorplatz Phänomene wie Parksuchverkehr, Busbahnhof, Taxistände und nicht zuletzt jede Menge Fußgänger gehören. Das funktioniert im Falle des Trierer Hauptbahnhofs jetzt schon mehr schlecht als recht.
Wie man durch diese Szenerie einen Autobahnabfluss hindurch leiten will, ist keine marginale Frage, die man dann irgendwann später mal löst, sondern bei realistischer Betrachtung der Punkt, an dem man sagen muss: Ok, vergessen wir das Ganze – das KANN nicht funktionieren.
26. Juli 2010 (12:59 Uhr)
Auch hier gilt:
Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten!
Die Verantwortlichen im Rathaus sollten überlegen, wie der immer stärker werdende Verkehrsfluss eingedämmt werden kann. Eine zusätzliche Einfallstraße in die Stadt erhöht ja nicht deren Aufnahmefähigkeit.
Und angeblich soll ja das – in meinen Augen unsägliche – Bahnhofsumfeld umgestaltet und aufgewertet werden. Ob das aber mit einer Art Autobahnzubringer gelingt, würde ich mal als mehr als fraglich bezeichnen.
26. Juli 2010 (18:52 Uhr)
Das Bahnhof-Problem ist mit Sicherheit das größte Hindernis an der Sache. Auf der anderen Seite muss man bedenken, dass, sofern ich es richtig verstehe, die Zurmaiener-Str. und auch Paulinstr./Herzogenbuscherstr. befahrbar bleiben. Es werden dann doch nicht alle Autofahrer über die Metternichstraße kommen, sondern wer sein Ziel/Ausgang im Süden hat, wird weiter über Zurmaiener-Str. fahren. Ohne mich genau mit dem Thema beschäftigt zu haben, nehme ich an, dass sich dann der Verkehr einfach aufteilen wird und das wäre ja in jedem Fall zu begrüßen. Grundsätzlich finde ich, entgegen der Meinung der hier Schreibenden, ist das eine gute Lösung, da sich aktuell doch viel auf den wenigen (teils umständlichen) Zufahrtsmöglichkeiten zur Autobahn staut. Natürlich muss man dann das Problem am Bahnhof in Griff bekommen.
Dass dann der Verkehr ansich wesentlich anwachsen würde, halte ich hingegen nicht für stichhaft. Größere Städte verfügen teils über eine viel bessere Infrastruktur, die viel größere Mengen an Verkehr schneller – und für das Umfeld deutlich schonender – bewältigen können. Die Trierer Infrastruktur empfinde ich als Zugezogener einfach so schlecht wie sonst eigentlich nirgendwo. Und das über die gesamte Breite. Da sollte schon was getan werden.
In anderen Städten wird sich darum auch in höherem Maße gekümmert. Da dort teils auch saubere Lösungen und keine Zwischenlösungen gesucht, gefunden und realisiert werden, herrscht dann auch mal für ein paar Jahrzehnte Ruhe – im wahrsten Sinne des Wortes.
26. Juli 2010 (23:09 Uhr)
@C.Z.M.
“Größere Städte verfügen teils über eine viel bessere Infrastruktur, die viel größere Mengen an Verkehr schneller – und für das Umfeld deutlich schonender – bewältigen können.”
Da würden mich jetzt mal Beispiele interessieren. Wenn möglich, zumindest mit Andeutungen, wie diese Lösungen aussehen.
Dass Trier eine “viel größere Menge” an (Auto)verkehr, als momentan vorhanden “schneller” (flüssiger?) und “für das Umfeld schonender” bewältigen könnte, halte ich jedenfalls für völlig ausgeschlossen. Und wir reden doch von der Menge an Verkehr, bezogen auf die Größe der Stadt, oder?
Wieso? Nun hierzu ein Zitat vielleicht am besten ein Zitat aus Kommentar No. 4 von Schnasel: “Eine zusätzliche Einfallstraße in die Stadt erhöht ja nicht deren Aufnahmefähigkeit.”
7. August 2010 (11:11 Uhr)
Wer nur saugt und nicht investiert erfährt früher oder später ein Problem.
Es fehlt an Parkraum für Besucher der Stadt, die uns nicht wenig finanzieren und es wurde versäumt Wege zu bauen, damit LKW nicht durch die Wohnzimmer der Mitbürger (kölnerstr, Pacelliufer etc) fahren müssen. Ein besseres ÖPNV System als des Busses, scheint mir in Trier schwierig. Mit der derzeitigen Stadtführung bekommen wir bestenfalls geänderte Ampelschaltzeiten und ein paar Radwege die niemand nutzt, da diese im Nichts enden.