Tage des Güterbahnhofs sind gezählt

Triers ehemaliger Güterbahnhof im Osten der Stadt dürfte schon bald Geschichte sein. Die Backsteingebäude entlang der Güterstraße sollen in den nächsten Wochen fast ausnahmslos abgerissen werden und Platz schaffen für einen “Zustellstützpunkt” der Deutschen Post AG. Die Triwo AG als Projektentwickler will das Vorhaben bis Anfang 2011 realisieren, die Baugenehmigung scheint nur noch Formsache. Noch vor einem Jahr hatten Sprecher aller Ratsfraktionen entschiedenen Widerstand gegen das Projekt angekündigt: “Das will niemand”, lautete damals der Parteien übergreifende Tenor. Zwischenzeitlich jedoch soll der zuständige Dezernatsausschuss in nichtöffentlicher Sitzung “Grünes Licht” für das Zentrum gegeben haben.

TRIER. Unter Triers Schandflecken rangiert das großflächige Areal auf der Ostseite des Hauptbahnhofs seit vielen Jahren ganz weit oben. Bauunternehmern diente ein Teil des Geländes noch bis vor kurzem als Baustofflager, Dutzende Anwohner der Güterstraße nutzten die Brache als Parkplatz. Städtebaulich tat sich nichts, bis vor etwas mehr als einem Jahr bekannt wurde, dass der Verwaltung eine Bauvoranfrage für ein Briefverteil- und Paketzentrum vorlag. Die Reaktionen im Stadtrat waren heftig, durch die Bank kündigten die Fraktionen Widerstand an (wir berichteten).

“Die Thematik sei im Ausschuss in aller Ausführlichkeit besprochen worden und dort sei auch in aller Deutlichkeit zum Ausdruck gekommen, dass ein Frachtzentrum dort nicht gewünscht sei”, zitiert das offizielle Protokoll der Stadtratssitzung vom 30. Juni 2009 den Christdemokraten Thomas Albrecht. Der damalige SPD-Fraktionschef Friedel Jaeger schlug in der Diskussion um die erneute Aufstellung des Bebauungsplans BK 24 “Zwischen Schönbornstraße und Güterstraße” sogar vor, den Bau eines Frachtzentrums förmlich auszuschließen. Und sein Genosse Rainer Lehnart meinte, das Vorhaben sei “absolut stadt- und wohnquartierunverträglich”.

Doch dann wurde es ruhig um die Pläne. Dabei verfolgte der Investor sein Projekt unbeirrt weiter. Offenkundig mit Erfolg, denn wie die Stadt nun auf Anfrage bestätigte, “liegt ein Bauantrag zur Errichtung eine Zustellstützpunktes für die Deutsche Post zur Prüfung vor”. Eine Genehmigung sei zwar “bis dato noch nicht erteilt, da das Prüfungsverfahren noch nicht abgeschlossen” sei, teilte ein Sprecher des Rathauses mit. Doch zugleich betonte er, dass die “bauplanungsrechtliche Genehmigungsfähigkeit (…) aber als gegeben anzusehen” sei. Im Klartext: Die Baugenehmigung scheint nur noch Formsache. Am Augustinerhof rechnet man auch nicht mehr mit politischem Widerstand. Nach Informationen von 16vor fand das Vorhaben der Triwo AG inzwischen die Zustimmung einer Mehrheit des zuständigen Dezernatsausschusses. Einzig Bündnis 90/Die Grünen sollen das Projekt weiter abgelehnt haben.

Keine nennenswerte Mehrbelastung?

Bei der Triwo würde man lieber heute als morgen mit dem Abriss des alten Güterbahnhofs beginnen. “Baldmöglichst” wolle man mit den Arbeiten starten, teilte das Unternehmen am Montag auf Anfrage mit, die notwendige Abrissgenehmigung durch das Eisenbahnbundesamt liege bereits vor. Im 1. Quartal 2011 soll das Paket- und Briefverteilzentrum, das die Triwo an die Deutsche Post AG vermieten wird, in Betrieb gehen. Es soll als Ersatz dienen für den jetzigen Standort auf der anderen Seite der Gleise, zwischen Kürenzer Straße und der Straße An der Reichsabtei. An der Stelle des bisherigen Güterbahnhofs soll ein Stahlskelettbau entstehen. Fragen nach den Dimensionen des “Zustellstützpunkts” wollte die Triwo gestern ausdrücklich nicht beantworten.

Im Rathaus sieht man offenbar keinerlei Gründe, die noch gegen die Realisierung des Zentrums stehen. So hält man auch die zusätzlichen Belastungen für Zugangsstraßen und Anwohner für vertretbar: “Die schalltechnischen Auswirkungen des Bauvorhabens wurden in einem ‘Schalltechnischen Gutachten’ beurteilt und ergeben aufgrund der Gebietskategorie der angrenzenden Bereiche keine Überschreitung der Grenzwerte. Aufgrund der Anzahl der zu erwartenden Fahrbeziehungen ergibt sich keine nennenswerte Belastungserhöhung im öffentlichen Straßenraum”. Nach Angaben der Stadt sieht die mit dem Bauantrag eingereichte “Betriebsbeschreibung” vor, dass die Betriebszeiten des “Zustellstützpunkts” zwischen 5.30 und 19.30 Uhr liegen. “Ab 19.30 Uhr bis 4.30 Uhr herrscht absolute Betriebsruhe!”, versichert man und ergänzt: “In der Zeit von 4.30 Uhr bis 6.00 Uhr wird das Gelände von maximal 4 LKW angefahren”. Während der Tagzeit erfolge dann die Zustellung der Brief- und Paketpost in die Zustellbezirke mit insgesamt 24 kleineren Sprinterfahrzeugen.

Hinzu kommen aber noch die Verkehrsbewegungen von rund 60 Mitarbeitern, die im Paket- und Briefverteilzentrum arbeiten werden. Doch vor allem in den Morgen- und Nachmittagsstunden bildet die Güterstraße in ihrem südlichen Abschnitt Richtung Gartenfeldstraße schon jetzt einen Engpass, oft kommen die Fahrzeuge auf der engen Trasse kaum noch aneinander vorbei. Im Rathaus verteidigt man gleichwohl das Projekt der Triwo AG, die auch für den Bau des Alleencenters auf der anderen Seite der Bahngleise verantwortlich zeichnete: Das Bauvorhaben füge sich “in seiner Ausprägung in die beabsichtigten Nutzungsmöglichkeiten des Bebauungsplanes ein und wurde zusätzlich mit einem städtebaulichen Vertrag zwischen Stadt und Investor manifestiert”.

Zum selben Thema: “Das will niemand!”

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7 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Kritischer Student schreibt:

    “Die schalltechnischen Auswirkungen des Bauvorhabens wurden in einem ‘Schalltechnischen Gutachten’ beurteilt und ergeben aufgrund der Gebietskategorie der angrenzenden Bereiche keine Überschreitung der Grenzwerte. Aufgrund der Anzahl der zu erwartenden Fahrbeziehungen ergibt sich keine nennenswerte Belastungserhöhung im öffentlichen Straßenraum”.

    Hmm, dann hoffe ich für alle Anwohner der direkt gegenüber liegenden Moselresidenz, dass dieses Gutachten eine deutlich höhere Qualität aufweist als das Gutachten der SWT bezüglich des Petrisbergaufstieges vom April 2009.

    Atemberaubend… Getreu dem Motto “bad publicity is better than no publicity”!

  2. erik schreibt:

    Nun wurde fast jahrzehntelang über die Nähe Schroers zur Triwo gemault und kaum ist die Ampel am Start gehts weiter wie immer oder gar noch doller…

    Triwos Sündenliste ist wohl immer noch nicht lang genug. Triwosibirsk in Castelforte, Ostalleecenter, Löwenbrauereimurks, von Triwos Chefbunker (Führerbunker würde passen, ist aber vorbelastet) an der Sickingentraße ganz zu schweigen.

    “Stahlskelettbau”: ich hoffe, der Leser und vor allem die Entscheider in der Stadtverwaltung wissen, wie so etwas (normalerweise) aussieht und ahnen wie so etwas bei Triwo (noch schlimmer) aussehen kann. Industriebauhalle, Blech- oder Leichtbetonverkleidet – fertig. Billig, billig drangekommen.

    Das “schalltechnische Gutachten” würde ich allzugerne lesen. Ich bin leider auf dem Gebiet zu sehr Experte, weiß also leider, dass solche Berechnungen mit Unmengen an Imponderablien gefüllt werden – die seeeehr dehnbar sind. Leider weiss ich auch, dass in der Stadtverwaltung / Hochbauamt niemand sitzt, der ein solches Gutachten überhaupt prüfen kann. Unabhängig von allen gedehnten Annahmen, Konklusion des Gutachtens wird sein: Das Faß “Güterstraße” ist eh übergelaufen, da macht ein wenig mehr (Verkehr) nichts mehr aus.

    Ich kann leider nicht soviel essen, wie ich vor Wut gerade kotzen könnte!

  3. Langschläfer schreibt:

    Immerhin bis 4.30 Uhr “absolute Betriebsruhe” und dann alle halbe Stunde LKW-Lärm bis 6 Uhr, da braucht man dann keinen Wecker mehr als Anwohner und überhaupt: der frühe Vogel fängt den Wurm. Danke dafür….

  4. Stefan Wolff schreibt:

    Supergut. Uns schöner Trier. Ich freu mich. Wir hams einfach drauf. Wir machens einfach. Güterstraße! Ha! Heisst ja schon so. Da kann man garnix schönes bauen. Dann werde ich bald noch von ganz vielen Postautos geschnitten und gegen den Bordstein gedrängt, wenn ich versuche aus Kürenz per Fahrrad in die Stadt zu kommen. In der Paulinstraße ist übrigens gerade auch ein Grundstück frei – zum Glück wurde da so ein ganz fieses, olles Haus abgerissen und jetzt kann was Tolles hin. Vielliecht ein Klärwerk, oder ein Hochofen ooooooooooooooder vielleicht setzen wir hier einfach die Treviris-Passage hin (hat den Vorteil, dass dann in der Innenstadt Platz für was anderes tolles ist) und stapeln da Sch****e drin – is’ ja genug von da. Ach nee, die soll ja in die Unterführung an der Porta. Oder wars die Riveris Siedlung, die damit verputzt werden soll. Egal, Hauptsache, die Trier Galerie funktioniert. Tut sie doch, oder?

    Ich versuch jetzt mal soviel zu kotzen wie ich vor Wut gegessen hab.

  5. Stephan Jäger schreibt:

    @Stefan Wolff

    “Güterstraße! Ha! Heisst ja schon so.”

    Naja. Der Komparativ von “gut” ist “besser”…

    …aber ansonsten hast Du wohl leider recht.

  6. Klartexter schreibt:

    Bei der Entscheidung über die künftige Geländenutzung müssen zwei Aspekte berücksichtigt werden: Die Anwohner dürfen nicht belästigt werden (was sich bei hunderten Postautos schwerlich vermeiden ließe) und zudem muß endlich eine Verbindung zwischen Güterstraße und Bahnhof geschaffen werden, ober- oder unterirdisch. An diesen beiden Kriterien muß sich die Stadt bei ihrer Entscheidung messen lassen.

  7. Betrachter schreibt:

    Ich hoffe die Triwo ist so schlau, auch eine Laderampe an der Rückseite (Bahnseite) zu bauen und so die Möglichkeit zurück zur Bahnpost zu schaffen, damit würde sie innovativ auffallen.

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