Brian oder nicht Brian?
Eine derart emotionsgeladene Pressekonferenz dürfte Trier lange nicht mehr erlebt haben. Wie TBB-Aufsichtsratschef Dr. Ralph P. Moog am Freitagnachmittag bekanntgab, wurde der bisherige Geschäftsführer Lothar Hermeling im Zuge des Vorwurfs um eine angeblich gefälschte Spieler-Unterschrift mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Von Vereinsseite sicherte Moog der bevorstehenden Einleitung staatsanwaltschaftlicher Maßnahmen seine “ausdrückliche Unterstützung” zu. Doch damit nicht genug: Moog nutzte die Gelegenheit, dem Trierischen Volksfreund in einer emotionalen Rede vorzuwerfen, “handwerklich grob verkehrt” über den Verein zu berichten.
TRIER. Alles andere als schlecht gelaunt wirkte der Aufsichtsratsvorsitzende der TBB, als er am Freitag zur Pressekonferenz erschien. Ebenso eigenhändig wie fröhlich grinsend kümmerte sich Dr. Ralph P. Moog um die Getränkeversorgung der anwesenden Medienvertreter. Dass dies aber auch schon das einzige gewesen sein musste, was Moog an diesem Nachmittag an Nettigkeiten zu vergeben hatte, erschloss sich schon aus der Tatsache, dass der Stuhl von Geschäftsführer Lothar Hermeling leer blieb.
Gleich nachdem TBB-Pressesprecher Tom Rüdell die Veranstaltung eröffnet hatte, verkündete Moog dann auch die Meldung des Tages. Demnach habe Hermeling den Aufsichtsrat gebeten, “ihn bis auf Weiteres von seinen Pflichten als Vorstand der Treveri Basketball AG freizustellen”.
Grund seien jene Vorwürfe, die in der deutschen Basketballszene derzeit hohe Wellen schlagen. Konkret geht es dabei um eine Unterschrift des ehemaligen Spielers Brian Brown, die gefälscht worden sein soll, um die wirtschaftliche Lage des Vereins im Verfahren um die Lizenzvergabe zu schönen. Im vergangenen Dezember soll für alle Mitarbeiter ein Gehaltsverzicht (“paycut”) um zehn Prozent für sechs Monate, später um zwanzig Prozent für drei Monate vereinbart worden sein, um die laufende Saison zu Ende spielen zu können. Moog, damals noch als “strategischer Berater” für den Verein tätig, begründete diese Maßnahme im Dezember des vergangenen Jahres mit der Lizenzübernahme der Treveri AG von der TBB GmbH.
Die Basketball-Bundesliga (BBL) forderte vom Verein bis zum 15. Januar umfassende Informationen zur finanziellen Situation des Vereins, zu der auch eine schriftliche Bestätigung der Gehaltskürzungen zählte. Da dem Verband die bis dahin vorgelegten Unterlagen nicht genügten, reichte der Club entsprechend unterzeichnete Erklärungen aller Mitarbeiter nach. Brian Brown, der mittlerweile nach Lugano in die Schweiz gewechselt ist, bestreitet allerdings vehement, diesem Agreement jemals per Unterschrift zugestimmt zu haben. Das zumindest berichtete der Trierische Volksfreund am 23. Juli unter Berufung auf den Spieler und dessen Berater, der seinerseits zu wissen angab, dass die Unterschrift gefälscht sei und er auch wisse, von wem. Träfe dies zu, so hätte sich die TBB der Urkundenfälschung schuldig gemacht.
Dankbar zeigte sich Moog, dass die Vorwürfe an die Öffentlichkeit gelangt seien und versicherte von Vereinsseite eine “bestmögliche Aufklärung der ungeheuerlichen Vorgänge”. Man könne sich derzeit allerdings noch kein einheitliches Bild von der Sache machen, weil “viele Informationen nur vom Hörensagen bekannt werden, aus der Zeitung zu entnehmen sind oder sich auf vagabundierende Dokumente beziehen, die uns nicht vorliegen”. Lothar Hermeling jedenfalls habe dem Aufsichtsratsboss persönlich versichert, dass Brown die paycut-Vereinbarung unterschrieben habe. Darüber hinaus kündigte der geschasste Vorstand laut Moog an, mit seinem Rechtsanwalt “zeitnah einen lückenlosen Nachweis über die Vorgänge vorzulegen”. Die Beurlaubung Hermelings erfolge “ausschließlich, um das Image des Vereins und den Erfolg des gesamten Projektes Treveri Basketball AG nicht mit der Fortführung der Diskussion zu belasten”.
Moog selbst gab zu, bereits Anfang des Jahres erstmals gerüchteweise erfahren zu haben, dass Brian Brown die paycut-Vereinbarung eventuell gar nicht selbst unterzeichnet habe. Eine Behauptung, die der Agent des Spielers in Umlauf gebracht haben soll. Genau das habe Moog stutzig gemacht: “Ich ging seinerzeit davon aus, dass die Behauptung abwegig und eine verhandlungstechnische Position des Agenten sei, um seinen Klienten in der laufenden Saison bei einem Bundesligakonkurrenten unterbringen zu können”. Ein Spieler, der die paycut-Vereinbarung nicht unterschrieben hätte, wäre frei auf dem Transfermarkt verfügbar und ein Auflösungsvertrag nicht nötig gewesen, wie er am 22. Januar auf Wunsch des Spielers zustande kam.
Im zweiten Teil des Pressegesprächs, das wesentlich mehr Zeit einnahm, ergriff erneut Rüdell das Wort, um die aus Sicht der TBB “diskussionswürdige” Berichterstattung in der Lokalzeitung anzuprangern. So sei über spektakuläre Neuverpflichtungen oder andere positive Coups der vergangenen Monate kaum berichtet worden, während spekulative Aussagen ganze Seiten im Sportteil erhielten. Zudem sei ein kritikreiches Interview mit Ex-Kapitän James Gillingham erst zwei Monate nach dem Gespräch passend zur Veröffentlichung der Vorwürfe publiziert und an anderer Stelle Zitate Moogs aus dem Zusammenhang gerissen worden.
Auch der Aufsichtsratschef mokierte sich anschließend in einem ausdauernden und emotionsgeladenen Monolog über die seiner Meinung nach “handwerklich grob verkehrt” operierenden TV-Journalisten und gab unterschwellig zu verstehen, dass er eine systematische Kampagne gegen seinen Verein wittert, die weitere ökonomische Unannehmlichkeiten nach sich ziehen könne: “Die Sponsoren sind in höchstem Maße verunsichert.”
Nach dem zweifellos denkwürdigen Auftritt des Aufsichtsratsvorsitzenden ist jedoch auch klar, dass nicht nur die Sponsoren verunsichert sind. Zumal die turbulenten Tage bei der TBB erst der Anfang sein könnten. Die Ausführungen Moogs lassen nicht unbedingt den Schluss zu, als halte er den Vorwurf der Unterschriftsfälschung für völlig abwegig.
von Christian Baron



31. Juli 2010 (01:20 Uhr)
nicht andere beschimpfenwie moogly dies gerne tut sondern aufklären,aber jede wette es gibt kein weihnachnachtsgeld mehr bei der tbb oder wie heisst es jetzt treveri AG!
31. Juli 2010 (01:28 Uhr)
was macht ihr eigentlich mit den altschulden der tbb ? gehen dfie gläubiger leer aus, weil ihr die einzigen aktiva des vereins, hier die lizenz, einfach auf eine neue unterfinanzierte gesellschaft übertragen habt?eine hochbrisante frage der man unbedingt nachgehen sollte, nötigenfalls mit der staatsanwaltschaft .
31. Juli 2010 (13:40 Uhr)
Mir fällt auf, dass Dr. Moog sehr offen mit dem Problem der verzerrten Berichterstattung im TV umgegangen ist. Ich würde keinen Grund sehen, warum er die Unwahrheit gesagt haben soll.
Ganz anders die heutige Berichterstattung im TV – das ist Zensur pur. Für mich persönlich ziehe ich die Konsequenz, dass ich keinen TV mehr lesen werde. Es muss davon ausgegangen werden, dass der TV bei seiner Berichterstattung auch in anderen Bereichen sehr selektiv und damit sehr manipulativ vorgeht.
…das möchte ich nicht!
2. August 2010 (01:06 Uhr)
Schon kurios das 16 VOR dieses Thema nicht entsprechend berücksichtet,hängt das etwa mit dem MEDIENDIREKTOR der TREVERI AG zusammen der seinerzeit Mitarbeiter bei 16VOR war? Dies wäre sehr traurig. Wenn dieses Medium auch nur noch Gefälligkeitsjournalismus betrteibt dann gute nacht Trier