Städte wollen wieder ans Wasser

Viel Wasser scheint noch die Mosel hinab fließen zu müssen, bevor das von Klaus Jensen im OB-Wahlkampf 2006 mit viel Verve propagierte Projekt “Stadt am Fluss” Konturen annimmt. Andernorts geht man mit wesentlich mehr Elan an die Sache, so auch im nahen Saarbrücken oder in Heidelberg. An Saar und Neckar hegt man zwar deutlich ambitioniertere Pläne, deren Finanzierung zum Teil noch völlig unklar ist. Dennoch könnte man sich am Augustinerhof auch ein Beispiel an den beiden Städten nehmen, die unter anderem vormachen, wie ein “Jahrhundertprojekt” auch in punkto Bürgerinformation angegangen werden sollte.

SAARBRÜCKEN/HEIDELBERG. Saarbrücken kommt nicht zur Ruhe. Nicht in diesen Tagen und Wochen und schon gar nicht an dieser Stelle. Von der Luisenbrücke schweift der Blick über die Saar, hinüber zur “Berliner Promenade”, einem mehrere hundert Meter langen Halbrund aus Büro- und Geschäftshäusern. Baufahrzeuge dominieren das Geschehen, ein paar Schaulustige verfolgen das Treiben zwischen Ufer und Wasser, derweil von der anderen Seite der Saar ohne Unterlass Lärm hinüber schallt. Rund 95.000 Fahrzeuge passieren täglich die Saarbrücker Stadtautobahn, ein Teilstück der A 620. Die Trasse ist ein unschönes Beispiel für die mancherorts anzutreffenden Auswüchse einer allzu autogerechten Stadtplanung. Längst gilt der Verlauf der Autobahn als verkehrsplanerisches Fiasko, verbaut doch die Straße eine städtebaulich qualitätsvolle Entwicklung der saarländischen Landeshauptstadt.

Noch, denn im Rathaus hegt man ambitionierte Pläne, und ein Teil der neuen “Stadtmitte am Fluss” nimmt bereits Konturen an: Derzeit wird die “Berliner Promenade” zwischen Luisenbrücke und Wilhelm-Heinrich-Brücke auf einer Länge von rund 300 Metern zu einer Flaniermeile umgewandelt. Der Promenadensteg wird saniert, das Ufer mit einer “harten Kante” versehen. Mehrere Treppen, darunter eine großzügige Freitreppe, werden künftig die beiden Ebenen miteinander verbinden. Eine Baumreihe sowie Flächen für Feste und Freizeitgestaltung sollen Leben in die bislang herrschende Tristesse bringen. Einige Eigentümer der schmucklosen Fassaden hätten angekündigt, ihre Häuserfronten im Zuge der Neugestaltung der Promenade auf Vordermann zu bringen, berichtet Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz frohgemut.

25 Millionen für neue Promenade

Tatsächlich bedarf es noch einiger Phantasie sich vorzustellen, dass dieser Ort ab 2012 zum Verweilen einladen soll. Schließlich wird die “Berliner Promenade” auch in Zukunft von wenig einladender Büro- und Geschäftshausarchitektur gesäumt. Vor allem aber lärmt weiterhin der Verkehr von der gegenüber liegenden Autobahn. In Saarbrücken weiß man, dass die Trasse unter Tage muss, soll sich die neue Stadtmitte wirklich zu einem Ort mit Aufenthaltsqualität entwickeln.

Stadtchefin Britz und Baudezernentin Dr. Rena Wandel-Hoeferein plädieren deshalb für ein Projekt, dessen Dimensionen manchem Kritiker regelrecht größenwahnsinnig erscheinen müssen. So soll ein etwa eineinhalb Kilometer langes Teilstück der A 620 zwischen Bismarck- und Luisenbrücke in einem Tunnel verschwinden. Kostenpunkt: Mehr als 350 Millionen Euro. Viel Geld, vor allem für die Kapitale des hoch verschuldeten Saarlands. In der Bürgerschaft regt sich deshalb Protest, viele fürchten, dass unter dem prestigeträchtigen Projekt andere Maßnahmen leiden könnten und die Stadt über Jahre vollends im Verkehrschaos versinken wird.

Im Rathaus versucht man solche Bedenken zu zerstreuen, spricht von einem “Sonderprojekt, dessen zusätzliche Finanzierung in engem Schulterschluss mit der Landesregierung vorrangig durch Bund und EU zu sichern ist”. Zwar halten Stadt und Land offiziell an dem Tunnelplänen fest, doch Oberbürgermeisterin Britz erklärte kürzlich, dass eine definitive Entscheidung nicht vor 2013 fallen wird. Tatsächlich weiß in Saarbrücken niemand, wer die enormen Kosten stemmen könnte. Die neue “Stadtmitte am Fluss” soll deshalb schrittweise kommen, zunächst mit der Umwandlung der “Berliner Promenade”. Auch die kostet mindestens 25 Millionen Euro, doch fließt das Geld zur Hälfte aus Brüssel, aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung. Bund, Land und Stadt teilen sich den Restbetrag, auf Saarbrückens Stadtsäckel kommen nach derzeitigem Stand vier bis fünf Millionen Euro zu.

An die Möglichkeit, die Uferstraße zu untertunneln, mag man im Trierer Rathaus erst gar nicht denken. Seit OB Klaus Jensen 2006 mit dem Projekt “Stadt am Fluss” in den Wahlkampf zog, hat sich am Moselufer wenig bis nichts getan. Zwar präsentierte die Verwaltung vor fast eineinhalb Jahren einen Sachstandsbericht, der fünf “Leuchtturmprojekte” und viele kleinere Maßnahmen vorschlug, um das Flussufer attraktiver zu gestalten. Doch abgesehen von einer besseren Pflege der Grünanlagen entlang der Mosel lassen sich bislang keinerlei Verbesserungen ausmachen. Und auch wenn der OB, wie zuletzt im Interview mit 16vor im März, auf Nachfrage regelmäßig versichert, dass das Projekt nicht aufgegeben werde – es drängt sich doch der Eindruck auf, als laufe das Vorhaben nur noch unter ferner liefen. Eine halbwegs regelmäßige Information der Bürgerschaft findet nicht statt, von einer projektbezogenen Öffentlichkeitsarbeit ganz zu schweigen. Dabei zeigen Saarbrücken und vor allem Heidelberg auf ihren Webseiten, wie man ein “Jahrhundertprojekt”mit einer professionellen Bürgerinformation begleitet.

Regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit

Beispiel Heidelberg: Stadt und Fluss werden hier durch den Verlauf der Bundesstraße B 37 getrennt. Auf der Trasse verkehren laut Stadtverwaltung täglich rund 20.000 Fahrzeuge. Das ist gemessen an der Saarbrücker Stadtautobahn wenig, und doch mehr als ausreichend, um Passanten jede Aufenthaltsqualität am Ufer zu verleiden. Auch am Neckar hegt man Pläne für einen Tunnel, auf etwa zwei Kilometern Länge soll die Bundesstraße von der Oberfläche verschwinden. Damit will man die Voraussetzungen schaffen für eine neue Uferpromenade, mit deren Bau 2016 begonnen werden soll. Rund 180 Millionen Euro würde das Vorhaben kosten, und anders als in Saarbrücken steht und fällt das Projekt ” Stadt an den Fluss” mit der Realisierung dieses Tunnels. OB Eckart Würzner ist zuversichtlich, dass das Geld fließen wird und im übernächsten Jahr mit dem Bau begonnen werden kann. Derweil informiert sein Presseamt umfassend im rathauseigenen Stadtblatt sowie online über das Großprojekt. Vor einem Jahr richtete die Stadt auch einen Erlebnistag auf der B 37 aus, in dessen Rahmen über die Tunnelpläne informiert und für sie geworben wurde.

Trier ist nicht Saarbrücken und auch nicht Heidelberg. Doch im Vergleich zu den Städten an Neckar und Saar nehmen sich die vorgeschlagenen “Leuchtturmprojekte” beinahe bescheiden aus. Obendrein sind die Herausforderungen am Moselufer nicht annähernd so hoch und kostspielig wie etwa entlang der Saarbrücker Stadtautobahn – in Trier ließe sich mit relativ wenig schon viel ausrichten, beispielsweise mit einem angemessen breiten Fuß- und Radweg zwischen den drei Moselbrücken, oder mit zusätzlichen Aufenthaltsmöglichkeiten entlang des Ufers. Doch nichts dergleichen scheint in den nächsten beiden Jahren zu erwarten. Dem Rathaus fehlt es an Personal und Geld – und offenbar auch am Elan und politischen Willen, dem Projekt “Stadt am Fluss” jenen Stellenwert zu verschaffen, den die Vorhaben ” Stadtmitte am Fluss” und “Stadt an den Fluss” in Saarbrücken und Heidelberg längst genießen.

Weitere Informationen zum Thema “Stadt am Fluss” in Trier:

Zwischen Barcelona und Brennesseln und Stadt am Fluss wartet auf bessere Zeiten

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7 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Stephan Jäger schreibt:

    “Seit OB Klaus Jensen 2006 mit dem Projekt “Stadt am Fluss” in den Wahlkampf zog, hat sich am Moselufer wenig bis nichts getan.”

    Das ist so nicht ganz richtig! Inzwischen gibt es keine Bit Sun Beach mehr. Und – von wenigen “höchst illegalen” privat organisierten Mini-Events

    youtube.com/watch?v=rQbS7-7Dir0

    einmal abgesehen – auch nichts Vergleichbares.

  2. A. S. Tils schreibt:

    Als Ex-Trierer, seit anderthalb Jahren Neuheidelberger, Neckaruferpromenadenanwohner und täglicher 16vor-Leser komme ich nicht umhin mich zu den Gegebenheiten zu äußern.

    Nein, man kann Heidelberg und Trier und deren Flusslagen nur schwerlcih vergleichen.
    Hier eine aus Platzgründen direkt am Fluss gewachsene romantische Altstadt mit einer stark befahrenen Promenade, an der jedoch täglich tausende Touristen flanieren, glücklich ob der täglich gereinigten und unter hohem Kostaufwand gepflegten Neckarwiesen (hier kein Großverkehr, stattdessen gutbetuchtes mit Feinkostläden gesäumtes Bürgerviertel), mit Spielanlagen, Kiosken, mehreren breiten Fuß- und Radfahrerwegen und künstlichem Bachlauf für die Kleinen. Hundekacke natürlich tabu.

    Den Vergleich insb. zur rechten Trierer Msoelseite möge jeder selber ziehen.

    Heidelberg verfügt als über mehr als zwei Kilometer über eine Fläche, direkt am Fluss gelegen, in einem Ambiente, von dem die meisten anderen Städte nur träumen können.

    Bei der Untertunnelung geht es um die Passage in direkter Anliegerschaft direkt vor der Altstadt. Eine steinige Promenade für Flanuere und Radfahrer. Natürlich würde ich mich als Anwohner über etwas mehr Ruhe freuen, denke mir aber auch immer, dass das nunmal der Preis ist, den man für solch eine Aussicht zahlen muss, aber das ist ja persönliches Gusto.

    Allein die Planungspahse für den Tunnelbau in HD hat bislang mit einem zweistelligen Millionenbetrag eingeschlagen, der nicht in die 180 Millionen eingerechnet war, genau wie die rund 20 Millionen Zinsen, für die die Stadt in Vorkasse treten muss, bis das Land 2019 zahlen würde.

    Aber will das Land überhaupt? Nachdem dieser Tage bekannt wurde, dass BW mehr als 900 Millionen Euro mehr (bislang) für Stuttgart 21 erbringen muss, erscheint dies mehr als fraglich.

    An dieser Stelle nicht unerwähnt lassen sollte man, dass sich die Heidelberger Bürgerschaft am letzten Sonntag in einem Entscheid gegen die Erweiterung der Stadthalle am Neckarufer aussprach (aus Glas und Stahl zwischen weltgerühmten Bundsandstein), die Herzstück der Promenade werden sollte.

    Es ist scheint bei der breiten Masse angekommen zu sein, dass es in Zeiten zunehmender kommunaler Verschuldung wichtigeres als lokale Renomméprojekte gibt.

    Möchte Herr Jensen nicht änlich Schiffbruch erleiden, wie sein Heidelberger Kollege Würzner, sollte er sich auf das wesentliche berufen.

    Ich bin sicher, dass viele schon glücklich wären, wenn das Gras an der Mosel kürzer und weniger Fäkalienbelastet wäre, sowie der Rad/Fußweg einen Meter breiter.

    Bei allem anderen wäre es schön, wenn man etwas mehr über seinen persönlichen Schatten springen würde und sich zivil engagieren würde und statt nur zu jammern, schauen würde, wie man durch Feste o.ä. vielleicht Geld zur AUfwertung zusammen bekäme. So noch nicht geschehen.

    Beste Grüße aus der Ferne!

  3. Klartexter schreibt:

    Was wir in Trier nicht brauchen, sind große Renommierprojekte, ich denke, da sind sich alle einig. Wir brauchen aber dringend breitere Multifunktionswege an der Mosel, denn die bisherigen Wege werden ihrer Nutzung durch Radfahrer, Jogger, Skater und Fußgänger nicht mehr gerecht. Es wäre wünschenswert und sicher nicht so gigantisch teuer, wenn die Stadt die Wege verbreitern würde – oder noch besser: Einfach die bisherigen, bestehenden Teerwege zu Rad- und Skaterwegen deklarieren würde und für Fußgänger und Joggfer einen 1 Meter breiten Zusatzstreifen anfügen würde. Dieser Zusatzstreifen muß ja nicht aus Pflasterstein oder Teer sein, es können ja durchaus etwas günstigere, leichtere Materialien sein, die auch wesentlich angenehmer für Läufer wären. Etwas Phantasie ist gefragt. Wenn man dann auch noch die Wege regelmäßig mäht, bin ich zufrieden.

    Und wir brauchen dringend eine Anbindung des Moselradweges ab Ratio hin zum Ruwerradweg, das ist ein Chaos, nicht mal für Trierer ist es ersichtlich, wie man dort einigermaßen sinnvoll weiterkommen soll. Von Touris ganz zu schweigen.

    Dritte Forderung: Einen Platz wie den von Sun Beach brauchen wir wesentlich näher an der Stadt, Richtung Römerbrücke, eine Art Stadtstrand.

  4. Allrounder schreibt:

    Warum wurde den Betreibern des BitSunBeach das Leben so schwer gemacht?

    Einerseits gab es vor kurzem von Plänen zu lesen, die auf Höhe des Norbad´s einen Zugang zur Mosel mit Strand und Schwimmöglichkeiten vorsahen.
    Andererseits wurde der Zugang zur Mosel, den Betreibern des SunBeach verweigert.

    Anstatt nun in Zusammenarbeit eine attraktive Lösung für beide Seiten und für die Stadt zu finden, gibt es nun nichts mehr… (außer das marode Norbad natürlich. passt ja auch zu Trier)

    Was wird nun mit dem Gelände der Seilbahn? Das der ganze Kasten in der jetzigen Form wirtschaftlich untragbar ist, ist nunmal ein Fakt. Auch hier gibt es keine Bestrebungen sich mit Betreibern und möglichen Investoren zusammen zu setzen. An dieser Stelle könnte man zusätzlich einige Anleger auch für kleinere Boote setzen, die auf der “Durchreise” sind und ein paar Tage in Trier genießen möchten. Ebenfalls wäre eine Aufwertung des Weishauswald “Wildgehege”?? zu einem Attraktiveren Park oder gar Tierpark/Freizeitpark mit Investoren durchaus umsetzbar und für eine Stadt wie Trier auch Standesgemäß. aber ok. Wir sind ja immer noch in Trier.

    Römerbrücke und die alten Moselkräne sind trotz Weltkulturerbe, touristisches Brachland. auch hier sollte sich mit wenigen Mitteln ein kulturell / informativer Abschnitt umsetzen lassen.

    “Lückenschluss” zwischen Römerbrücke und Kaiser Wilhelm Brücke. Mit einigen großzügigen und lichten Zugängen zum Wasser, vielleicht auch eingegrenzte flache Bereiche die zum Barfuß laufen oder plantschen einladen und am Rand mal ein paar Standbetreiber mit Eisverkäufern, Sitzgelegenheiten, guten alten Imbiß (den man in Trier ohnehin vermisst) und am liebsten auch noch ein kühles Blondes mit leckerer Bedienung und dabei die Schiffe und das Treiben beobachten :-) sollte alles in allem auch günstig zu realisieren sein.

    Der i-Tupfen auf dem ganzen wäre natürlich noch eine kleine Fußgängerbrücke zur Insel mit Spielmöglichkeiten für Kinder… aber ok. Hier haben ja bereits die Tiere das Recht auf Natur gepachtet.

    Alles in allem. Mit sehr wenig Steuergeld, würden sich unheimlich viele Betreiber finden lassen, die eine solche Umsetzung sicherlich gerne angehen würden. Aber es ist nunmal wie es ist. Wir sind immer noch in Trier und geht eben nix ! Schade!

  5. Stephan Jäger schreibt:

    @Allrounder

    Zumindest im Hinblick auf die Seilbahn naht “Rettung”: In 9 Monaten läuft sie entweder wieder oder das Gelände fällt zurück an die Stadt und sie wird (theoretisch) abgerissen. Theoretisch deshalb, weil die Stadt PRAKTISCH auch dafür wahrscheinlich kein Geld haben wird.

    http://www.volksfreund.de/totallokal/mosel/aktuell/art671,2503247

  6. Ross schreibt:

    @Allrounder

    Sie nennen einige gute Ideen, aber das Wildgehege im Weishauswald zu einem Freizeitpark umzugestalten finde ich keine gute Idee. Nachher müsste dort noch Eintritt bezahlt werden. Das Wildgehege dort ist schön so wie es ist.

  7. Jörg aus Trier schreibt:

    Sorry, aber OB Jensen hat doch kaum mehr das Geld die Belegschaft zu zahlen. Der Haushaltsplan 2011 benötigt weitere 64 Mio Euro Schulden, also jede Woche 1,23 Mio mehr an Ausgaben als Ertrag erzielt wird. Da rückt die Stadt am Fluß in weite ferne.

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