Triers “Monopol” weicht “Vinum”

Aus “Monopol” wird “Vinum”: Im Dezember öffnet am Bahnhofsplatz Triers erstes Integrationshotel. Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach erwarb das weitgehend leerstehende Gebäude und will nun einen siebenstelligen Betrag in das Projekt investieren. Das 60 Betten zählende Hotel wird nicht nur über mehrere behindertengerechte Zimmer verfügen – die Hälfte der Belegschaft soll zudem von Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen gestellt werden. Darüber freut sich auch der Kreisverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA)

TRIER. Vor einiger Zeit verlor Trier sein “Monopol”: Der Pächter des Traditionsbetriebs gab auf, im letzten schönen Gebäude am Bahnhofsplatz machte sich Tristesse breit. So gesehen passte sich das Haus, das um die vorvergangene Jahrhundertwende errichtet wurde, seiner unmittelbaren Umgebung an. Über Monate zeichnete sich keine Lösung ab, manch potenzieller Investor verlor wieder sein Interesse an der Immobilie, ein Ende des Leerstands schien zunächst nicht in Sicht.

Bis kürzlich der Eigentümer wechselte: Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach erwarb das alte “Monopol”. Über den Kaufpreis schwieg sich der stellvertretende Geschäftsführer des Diakonischen Werks, Jürgen Etzel, am Dienstag zwar aus, doch kündigte er an, dass die gemeinnützige GmbH einen siebenstelligen Betrag in das Projekt investieren wird. Die Aktion Mensch habe bereits eine “Impulsförderung” von 250.000 Euro zugesagt, außerdem wolle die Landesregierung 135.000 Euro beisteuern, berichtete Etzel weiter.

Dass man beim Diakonischen Werk mit diesen Mitteln rechnen kann, ist auf das für die Moselstadt neuartige Konzept zurückzuführen. Denn das “Monopol”, das ab Dezember als “Vinum” firmiert, soll Triers erstes Integrationshotel werden. In dem 28 Zimmer und 60 Betten zählenden Haus wird die Hälfte der zwölfköpfigen Belegschaft von Menschen mit körperlichen, psychischen oder geistigen Beeinträchtigungen gestellt. Die eigenen Erfahrungen aus der Arbeit mit und für Menschen mit einer Behinderung, deren Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt immer schwieriger werde, seien Auslöser gewesen, auch auf dem Gebiet der Beschäftigung tätig zu werden, berichtet Etzel. Bernd Baumgarten, Geschäftsführer des Diakonischen Werks, wird deutlicher: “Ausgehend von radikalen gesellschaftlichen Veränderungen wird es für eine immer größer werdende Anzahl erwerbsfähiger Menschen unmöglich, eine Arbeitsstelle zu erlangen”. Besonders betroffen seien hierbei Menschen mit einer Behinderung. Ihre berufliche und soziale Integration sei eine “wichtige Aufgabe unseres Gemeinwesens”, so Baumgarten weiter.

Zuschüsse für Integrationskonzept

Mit dem Hotelprojekt “Vinum” sollen nun Lösungswege aufgezeigt und Arbeitsplätze für Menschen mit einer Behinderung geschaffen werden. Dies werde “Hand in Hand” geschehen, kündigte Baumgarten an. Soll heißen: Behinderte und nicht behinderte Menschen werden in dem neuen Hotel zusammenarbeiten und ihre unterschiedlichen Lebenswelten einander näher bringen. Doch auch die Besucher werden mit den zum Teil beeinträchtigten Menschen stärker konfrontiert und können so eventuell noch vorhandene Berührungsängste abbauen. “Wir haben das know-how, um mit behinderten Menschen arbeiten und sie entsprechend schulen zu können”, erklärt Baumgarten.

Etzel betont, dass das “Vinum” in gewisser Hinsicht dennoch ein “Hotel wie jedes andere auch” werden soll. Das Angebot richte sich denn auch an alle Gäste der Stadt, zudem wolle man mit dem Haus schwarze Zahlen schreiben. Mehrere Berater hätten dem Diakonischen Werk bescheinigt, dass sich das Hotel wirtschaftlich betreiben lasse. Wobei bei diesen Kalkulationen auch berücksichtigt wurde, dass der Betreiber für seine sechs behinderten Beschäftigten einen Ausgleich für deren Minderleistung in Form eines Gehaltszuschusses erhalten wird.

Helmut Scheuering, Kreisverbandschef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA), kann den “Vinum”-Plänen einiges abgewinnen. Ein Integrationshotel eröffne Menschen mit Behinderungen berufliche Perspektiven und damit auch neue Lebensinhalte, lobte er. Gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe gebe es eine Reihe von Tätigkeiten, die auch von Menschen mit Beeinträchtigungen ausgeübt werden könnten, so Scheuering weiter. Was die Kapazitäten auf Triers Hotelmarkt anbelangt, so gebe es durchaus noch Kapazität im Segment der 2- und 3-Sterne-Häuser.

Derzeit läuft der behindertengerechte Umbau des alten “Monopol”, voraussichtlich drei der 28 Zimmer werden barrierefrei sein. Am 1. Dezember wird das neue Hotel eröffnen, dann soll sich das Thema Wein nicht nur in der Einrichtung wiederfinden – geplant ist auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Moselwinzer Mathias Löwen aus Detzem. Neben dem Frühstück wird es zunächst allerdings keine gastronomischen Angebote geben. Das “Vinum” wird Teil des Verbunds “Embrace”, in dem sich fast zwei Dutzend Hotels aus dem gesamten Bundesgebiet zusammengeschlossen haben. “Am Anfang von Embrace steht die Idee, die Welt nicht in Gewinner und Verlierer zu teilen”, heißt es in der Selbstdarstellung.

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Tamara Breitbach schreibt:

    Ein spannendes Projekt, dessen “Geburt” ich weiter wohlwollend verfolgen werde.

    Und, ja, ich bin Mitglied der Trierer SPD, die sich auch für die Integration

    behinderter und benachteiligter Menschen einsetzt.

    Viel Erfolg für einen guten Start!

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