“Mit der Entwicklung als Truppe sehr, sehr zufrieden”
Am Sonntag um 14 Uhr startet Eintracht Trier bei den Amateuren vom 1. FC Kaiserslautern in die neue Regionalligasaison. Nach der enttäuschenden Entwicklung in der vergangenen Spielzeit musste fast die komplette Mannschaft gehen, und ein Dutzend neue Spieler wurde verpflichtet. Keine leichte Aufgabe für Trainer Roland Seitz, daraus ein Team zu formen. 16vor sprach mit dem 45-jährigen Oberpfälzer über die Vorbereitung, über Dialekte und sein Verhältnis zu Trier.
16vor: Sie sind jetzt ein bisschen länger hier als bei ihrem ersten Trainergastspiel im Sommer 2006…
Roland Seitz: Ist das so?
16vor: Ja, ein paar Wochen.
Seitz: Immerhin.
16vor: Haben Sie inzwischen einen Eindruck von der Stadt?
Seitz: Den hatte ich damals schon. Dadurch, dass ich im Ramada-Hotel gewohnt habe, habe ich mich tagtäglich mitten in der Stadt aufgehalten und Trier deswegen schon gut kennengelernt. In den ersten Wochen war ich auch wieder in diesem Hotel. Das es eine schöne Stadt ist, und man sich hier wohlfühlt, ist kein Geheimnis. Wir sind zwar zum Arbeiten hier, aber es ist trotzdem angenehm, hier zu leben.
16vor: Was gefällt Ihnen gut?
Seitz: Das ganze Leben in der Stadt. Alles, was da dazugehört. Ob das die Sehenswürdigkeiten sind oder die Leute – es ist immer was los. Im Sommer gibt es ein Fest nach dem anderen, da kann man sich schon wohlfühlen.
16vor: Besuchen Sie auch gerne Feste oder sitzen Sie lieber irgendwo gemütlich?
Seitz: Das Zweite. Ich habe es lieber ruhiger. Lieber in Ruhe irgendwo gut essen oder ein Bierchen trinken. Nichtsdestotrotz habe ich keine Berührungsängste, in die Stadt zu gehen und irgendwo dabei zu sein. Ich bin aber eher froh, wenn ich meine Ruhe habe.
16vor: Spielt für Sie die Attraktivität einer Stadt eine Rolle, wenn Sie eine Mannschaft übernehmen sollen?
Seitz: Das ist eher zweitrangig. Das Wichtigste ist der Job. Entscheidend ist, welche Philosophie der Verein hat, was er erreichen will, wie man dort arbeiten kann. Das Wohlfühlen sind dann nochmal zehn Prozent. Aber es gibt wohl wenig Trainer, die sagen: “Ich gehe nach Trier, weil es eine super Stadt ist. Der Verein ist mir egal.”
16vor: In der Vorbereitung wurden alle Testspiele gewonnen. Können Sie daraus irgendwelche Schlüsse ziehen?
Seitz: Wenn man die Leistung sieht, die wir in den letzten Wochen gebracht haben, ist es schwer einzuschätzen, wie gut oder schlecht wir sind. Die Gegner waren von der Rangordnung nicht so schlecht: der Erste und der Dritte von Luxemburg, Schaffhausen, eine gute Zweitligamannschaft (Anm. d. Red.: in der Schweiz), gut, Darmstadt war zu früh und deshalb kein aussagekräftiger Test… Ich kann es Ihnen nicht sagen. Wir fragen uns alle: “Sind wir so gut oder waren die Gegner zu diesem Zeitpunkt so schlecht?” Ich sage mal so: Wir haben einen Schuss Qualität, sonst hätten wir diese Ergebnisse nicht erreicht. Ich bin aber Realist genug, um zu wissen, dass wir a.) noch viel Arbeit haben und es b.) nicht leicht wird. Nach ein paar Spielen können wir das besser beurteilen.
16vor: Eintracht Trier hat für die nächste Saison enorm viele Spieler verpflichtet. Wie wollen Sie aus zwölf Neuzugängen eine Mannschaft formen?
Seitz: Ich habe in den Gesprächen mit den Spielern und den Beratern viel herausgefiltert. Ich habe mich über jeden Einzelnen genau informiert, um herauszufinden, ob er nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich zu uns passt. Nach dem, was man so in den vergangenen sechs Wochen gesehen hat, habe ich wohl eine vernünftige Wahl getroffen. Ohne damit zu sagen, dass alles richtig war. Das wird sich erst herauskristallisieren, wenn die Startelf steht. Bisher bin ich mit der Entwicklung der Truppe, was das Zusammensein betrifft, sehr, sehr zufrieden. Im Wettkampf, wenn es mal Niederlagen gibt oder der Trainer mal draufhaut oder ausmistet, muss man sehen, ob die Jungs dann immer noch so fröhlich sind. Momentan passt die Chemie. Die Mannschaft hat sich schnell zusammengefunden.
16vor: Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Seitz: Verbessern kann man sich immer. Aber vor allem ist unser Kader zu klein. Wir brauchen noch einen Stürmer. Wir arbeiten daran, einen vernünftigen zu holen.
16vor: Gibt es da einen Wunschkandidaten?
Seitz: Wir sind mit zwei, drei Spielern aus der dritten Liga in Kontakt. Die wollen natürlich weiterhin in dieser Liga oder höher spielen, weshalb wir momentan ein bisschen hinten dran sind. Aber die Zeit spielt ein bisschen für uns. Denn ein Fußballer will ja auch spielen. Und wenn die dritte Liga, die schon läuft, die Transfers einstellt, hat auch Eintracht bei solchen Spielern eine Chance.
16vor: Wie verläuft die Genesung vom Neutorhüter André Poggenborg?
Seitz: In den vergangenen vier Wochen durfte er nichts machen. Ich glaube, er wird insgesamt sechs Wochen brauchen, um wieder in den Trainingsbetrieb einzusteigen. Der August wird vergehen, bis er so auf dem Platz steht, dass man in auch einsetzen kann.
16vor: Haben Sie als Oberpfälzer hier eigentlich Sprachprobleme? Verstehen Sie Ihren neuen Co-Trainer Rudi Thömmes?
Seitz: (lacht) Fußballer verstehen sich ja immer. Solange er nicht zu schnell spricht, geht das. Ich versuche, langsam und einigermaßen hochdeutsch zu sprechen, was mir auch nicht so leicht gelingt als Bayer. Aber ich glaube, er versteht mich besser als ich ihn. Mir fällt auf, dass die Dialekte hier sehr unterschiedlich sind. Drei Trierer können einen anderen Dialekt haben. Nürnberg ist eine große Stadt, aber der links im Süden spricht genauso fränkisch wie der rechts im Norden.
16vor: Wie haben Sie sich mit Thömmes aufgeteilt? Worum kümmert er sich?
Seitz: Weil er berufstätig ist, kann er nur nachmittags da sein. Da wird er voll eingebunden. Er macht die Mannschaft warm, wenn wir in Gruppen arbeiten, hat jeder eine Gruppe, und mit dem Torwarttrainer Sascha Purket wird er wie ich Spielbeobachtungen machen. Auch am Spieltag übernimmt er das warm up und steht mir mit Rat und Tat zur Seite.
16vor: Wie lautet Ihr Saisonziel?
Seitz: Wir wollen eine ruhige und vernünftige Saison spielen. Platzmäßig möchte ich mich nicht festlegen. Du kannst als Tabellenfünfzehnter 20 Punkte Vorsprung vor dem 16. haben und hast eine ruhige Saison, und als Zehnter mit drei Punkten Vorsprung keine. Wir möchten so schnell wie möglich punkten und den Fans den Fußball zeigen, den sie sehen wollen: eine Mannschaft, die Gas gibt und gewinnen will. Wenn wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben, bin ich zufrieden.




