“Der SVE ist wieder da!”

Die Leidenszeit ist vorbei. Nach 21 Spieltagen und 1890 Spielminuten ohne Sieg in der Regionalliga West bejubelte Eintracht Trier am Sonntagnachmittag erstmals wieder einen Dreier in einem Punktspiel. Zum Auftakt der Saison gelang der defensivstarken Mannschaft von Trainer Roland Seitz in einer an Höhepunkten armen Partie ein ungefährdeter 2:0-Auswärtserfolg beim überraschend schwachen 1. FC Kaiserslautern.

KAISERSLAUTERN. Von den 1015 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion feuerten gut 600 das Gästeteam an. Was die Trierer Schlachtenbummler zu sehen bekamen, kommentierten sie freudetrunken in der Endphase des Spiels mit einem der bekanntesten Fangesänge, der für die Trierer seit ewigen Zeiten nicht mehr so wörtlich zu verstehen gewesen sein dürfte wie diesmal: “Ooh, wie ist das schön, ooh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen!” Tatsächlich mussten die Anhänger der Eintracht seit dem 15. Spieltag der vergangenen Spielzeit (2:1 beim VfL Bochum) auf einen Sieg ihrer Mannschaft warten.

In den ersten Minuten nach dem Anpfiff war damit allerdings kaum zu rechnen. Auf der rechten Abwehrseite zeigte sich Fabian Zittlau mehrfach als Unsicherheitsfaktor, ließ FCK-Stürmer Fait-Florian Banser zu viel Platz zur Entfaltung, den dieser allerdings – bis auf eine Halbchance per Kopf (5.) – nicht gewinnbringend nutzte. Seitz vertraute Zittlau statt dem angeschlagenen Michael Dingels. “Er hat sich nach einer schwierigen Anfangsphase schnell gefangen und sich ins Spiel reingebissen”, sagte der Trainer nach der Partie. Zittlaus Leistungssteigerung steht dabei exemplarisch für die der gesamten Eintracht-Truppe, die in der Folge enorm effizient agierte. Freistoßspezialist Alban Meha trat nach sieben Minuten mit der ersten Offensivaktion der Gäste einen Freistoß zielgenau auf den Kopf von Innenverteidiger Torge Hollmann, der den Ball wuchtig ins lange Eck drückte.

Im Gegenzug wurden die Vorstöße der Hausherren stets geblockt, den “kleinen” Roten Teufeln fiel im Spiel nach vorne nichts ein. Insbesondere Kapitän Josef Cinar und Torge Hollmann ragten durch ihr entschlossenes Zweikampfverhalten und durch eine konzentrierte und präzise Spieleröffnung aus einem Kollektiv heraus, das erstaunlich homogen wirkte. Zumal zehn Neuzugänge in der Startelf standen, was dem vor der Partie sichtlich angespannten Trierer Übungsleiter nachher die pure Erleichterung ins Antlitz trieb: “Wir wussten nach den Vorbereitungsspielen absolut nicht, wo wir eigentlich stehen.”

Gut stand die Eintracht dann aber erneut bei ihrer zweiten ernsthaften Torgelegenheit. Einen Freistoß aus gut 35 Metern brachte wieder der imponierend aufspielende Meha vor das Lauterer Gehäuse. Hier verlor der Abwehrverband des FCK aufgrund des angeschnittenen Spielgerätes komplett die Orientierung, was Thomas Kraus blitzschnell registrierte und den Ball aus kurzer Distanz mit rechts ins kurze Eck zum 2:0 donnerte (26.). Bis zur Pause war dem fahrigen Heimteam die Mühe anzumerken, Ordnung ins Spiel zu bringen, was die Eintracht jedoch erfolgreich verhindern konnte, wie Seitz konstatierte: “Wir sind aggressiv in die Zweikämpfe reingekommen und haben sehr gut gegen den Ball gespielt. Da boten sich für den FCK keine Räume.”

Im zweiten Durchgang ließen es die Trierer im Offensivspiel noch gemächlicher angehen, was von deren Übungsleiter aber durchaus beabsichtigt gewesen sein dürfte, zumal gegen den passiven Betze-Nachwuchs nicht mehr erforderlich war. “Nach dem frühen Rückstand haben wir unsere Nervosität einfach nicht mehr ablegen können”, monierte der enttäuschte FCK-Trainer Alois Schwartz am Ende, erklärte sich die Defizite seiner Mannen jedoch vorwiegend mit deren Jugend. Mit zunehmendem Spielverlauf wuchs die Verzweiflung beim FCK, weil die Akteure einfach kein Mittel fanden, die geschlossen agierende Eintracht in die Bredouille zu bringen. Bisweilen boten sich dem Auswärtsteam von der Mosel nun Kontermöglichkeiten, das allerdings kaum Anstalten machte, diese auch konsequent zu Ende zu spielen. Mit einer einzigen Ausnahme, als Meha in Höhe der Mittellinie den Ball erkämpfte und Piero Saccone den schnellen Angriff mit einem satten Schuss aus gut zwanzig Metern an den rechten Pfosten setzte (72.).

Seitz wollte die defensive Ausrichtung seiner Mannschaft jedoch nicht als Kritik gelten lassen: “Wenn wir aufgemacht hätten, wären wir durch ein unglückliches Gegentor vielleicht selbst nochmal in Gefahr geraten.” So brachte er folgerichtig mit Maximilian Bachl-Staudinger für Saccone (75.) einen weiteren Defensivspieler. Die an Lustlosigkeit grenzende Ideenarmut der Lauterer hätte dagegen durchaus auch ein mutigeres Eintracht-Spiel mit einem noch höheren Resultat belohnen können. Im Trierer Mittelfeld lief aber nicht mehr viel zusammen, sodass der Sieg auf Sparflamme eingefahren wurde und das Team sein Steigerungspotenzial in den kommenden Wochen sicher noch wird abrufen müssen, wenn ganz andere Kaliber kommen als die an diesem Tag völlig indisponierte zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern.

So lobte Seitz seine Schützlinge am Ende zu Recht. Seine runderneuerte Mannschaft ließ gegen die FCK-Reserve keine einzige echte Torchance zu und fuhr die ersten drei Punkte der Saison mit einer geschlossenen Leistung souverän ein. Klar, dass die Spieler anschließend ausgelassen mit den mitgereisten Fans feierten und einen verstaubten Gesang endlich lautstark aus der Mottenkiste kramen konnten: “Der SVE ist wieder da!”

1. FC Kaiserslautern: Knaller – Correia, Herchenhahn, Linsmayer, Stulin – Reith, Marz (71. Hammann), Becker (58. Himmel), Saiti (63. Zuck) – Banser, Wooten.

Eintracht Trier: Lengsfeld – Zittlau, Cinar, Hollmann, Drescher – Asma (88. Dingels), Saccone (76. Bachl-Staudinger), Kohler, Meha – Kraus, Patschinski (81. Eckstein).

Tore: 0:1 Hollmann (7.), 0:2 Kraus (26.).

Beste Spieler: Banser – Meha, Cinar, Hollmann.

Schiedsrichter: Benjamin Cortus (Nürnberg).

Zuschauer: 1015.

Print Friendly

von

1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Paul schreibt:

    Neues Stadion, ein Wurstfabrikant als Präsident, Mario Basler als Balljunge und Champions League – wer will das Unvermeidliche nun noch aufhalten?

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Unterstützen

In Evernote merken