Wenn Frauen Pornos machen
1987 startete Alice Schwarzer die Kampagne “PorNO!”, mit der sie ein Verbot von Pornos erwirken wollte und immer noch will, weil darin Frauen erniedrigt würden, was ein Verstoß gegen die Menschenwürde sei. Die vor einem Jahr gegründete Initiative “PorYes” unterstützt zwar Schwarzers Kampagne, weil auch sie sich gegen Diskriminierungen, sexistische und rassistische Darstellungen und die Pornografisierung im Alltag richtet, fordert und fördert aber stattdessen die Produktion frauenfreundlicher Pornos. Im Rahmen des dreitägigen “Ladyfests” in der Tufa – einem queerfeministischen Festival mit Vorträgen, Workshops, Filmen, Partys und Konzerten – stellte die “PorYes”-Gründerin Laura Méritt gestern Abend das Projekt und entsprechende Filme vor.
TRIER. Zwei Männer waschen ein Auto. Eine Frau im Sommerkleid kommt hinzu und schon “geht’s ab”. Allerdings anders, als man es von einem typischen Pornofilm kennt. Die Protagonistin kümmert sich nicht umgehend um die Durchblutung des männlichen “Außengedärms” (Max Goldt), sondern wird stattdessen von den beiden Herren ausgiebig mit Küssen und Streicheleinheiten verwöhnt, ehe es zur geschlechtlichen Vereinigung kommt, die mit der für Mainstreampornos passenden Bezeichnung “rammeln” unzutreffend beschrieben wäre.
Um die Unterschiede stärker hervorzuheben, bekommt das Publikum im Anschluss eine Persiflage auf die zuvor gesehenen Ausschnitte gezeigt. Darin wird die Frau ohne großes Vorspiel “aufgebockt”, also von hinten “genommen”, und von einem leistungsorientiert zu Werke gehenden Herren regelmäßig auf den Po geschlagen, was ihr beziehungsweise einer Synchronsprecherin immer wieder die Worte “Oh, Baby” entfahren lässt. Nachdem die beiden männlichen Darsteller ganz nach deren Geschmack, das heißt mit etwas “Nachdruck”, oral befriedigt wurden, läuft der Darstellerin – quasi als Höhepunkt – eine spermaähnliche Flüssigkeit auf dem Mund.
Die Filmausschnitte sind Teil der Präsentation von Laura Méritt über ihre Initiative “PorYes“. Die “Sexarbeiterin, Betreiberin von ‘Sexclusivitäten’, Sex-Beraterin, Mediatorin und Kommunikationswissenschaftlerin” (Angaben auf ihrer Homepage) ist Gastreferentin beim “Ladyfest” des Autonomen Feministischen Frauen- und Lesbenreferats der Uni in der Tufa. Mit “PorYes” setzt sie sich für mehr Vielfalt auf dem Pornomarkt ein. Zwar unterstütze man die “PorNO!”-Kampagnen von Alice Schwarzer und wehre sich ebenfalls gegen Diskriminierungen und sexistische und rassistische Darstellungen, doch gehe Schwarzers Initiative zu Lasten “sexpositiver Feministinnen”.
Zu den Unterschieden der beiden eingangs gezeigten Filme befragt, erhält Méritt eine amüsante, auflockernde Antwort eines männlichen Besuchers im nahezu ausverkauften Kleinen Saal: “Die Männer müssen putzen.” Die Hauptunterschiede zwischen Frauen- und Mainstreampornos liegen, wie man auch in den weiteren Filmen sehen kann, aber woanders. Im Vordergrund steht die Darstellung weiblicher Lust. “Die letzten 100 Jahre wurde man zugespermt”, sagt Méritt. “Damit kann jetzt mal Pause sein.” Denn das Hauptmerkmal eines typischen Pornos sei die “straighte Hinarbeitung zum Cumshot”.
In feministischen Pornos hingegen sieht man Safer Sex, zwischen den Agierenden – die respektvoll miteinander umgehen – ist eine Beziehung erkennbar und es wird großen Wert darauf gelegt, dass die Bilder erotisch, ästhetisch und vielfältig sind. Gleichzeitig sollen die Beteiligten natürlich erscheinen. “Muschis dürfen auch mal behaart sein oder Pickelchen haben”, betont die Referentin, die in Trier Germanistik und Politikwissenschaften studierte.
Zudem werden in Femporns Emotionen gezeigt. In vielen Ausschnitten lachen die Akteure miteinander. Abgesehen von frauenspezifischen SM-Pornos, in denen aber alles wie in “gewöhnlichen” Frauenpornos nach Absprachen abläuft (ein weiteres Kriterium dieser Filme), wird gefühlvoller Sex dargestellt. Und schließlich sind an der Produktion feministischer Pornos maßgeblich Frauen beteiligt. Wenn diese Kriterien weitgehend erfüllt sind, erhalten die Filme das “PorYes”-Label, was die Unterscheidung von herkömmlichen Sexfilmen erleichtern soll.
“Wir wollen einfach andere Bilder zeigen”, fasst Laura Méritt das Anliegen von “PorYes” zusammen. “Schließlich wollen auch wir Spaß haben.”
Das “Ladyfest” endet am morgigen Sonntag mit einem Brunch der Workshop-Teilnehmerinnen. Heute um 21 Uhr gibt es noch ein Konzert in der Tufa mit “Sookee” und “Räuberhöhle”. Im Anschluss findet eine Party statt.





14. August 2010 (19:02 Uhr)
schöner artikel, interessantes thema. gerne geflattert!
14. August 2010 (19:55 Uhr)
Und dann war da noch die Frage, warum gucken Frauen Pornos bis zum Schluß ?
Sie denken dann wird geheiratet !
15. August 2010 (23:15 Uhr)
Ich kann mich ja täuschen, aber ist das, was sich da hinter dem klangvollen Künstlernamen Laura Meritt verbirgt, nicht die langjährige Katz-Autorin, “Krampfadern-Kabarett”-Aktivistin, Grünen-Politikerin und einstige Trierer Vorzeige-Emanze Babs Merziger? Das Bild legt es irgendwie nahe. Entweder handelt es sich um eine bemerkenswerte Ähnlichkeit – oder um ein nicht minder bemerkenswertes Dokument, was sich aus einem Pflänzchen des trierisch-saarländischen Undergrounds so alles entwickeln kann.
Anm. d. Red.: Herr Lintz hat Recht. Laura Méritt ist der Künstlername von Barbara Merziger.
19. August 2010 (14:29 Uhr)
Schöne, heile Emmanzen-Welt: wenn Männer Pornos machen ist das Scheiße, weil Männer Schweine sind, machen Frauen Pornos, dann ist das schon ganz toll und sicherlich auch eine supertolle Erfahrung. Noch besser sind natürlich Frauenpornos, wenn sie von Alleinerziehenden gemacht werden ( die nannte früher Alleinstehende, was aber zu spießig und nicht so richtig emanzipiert war). Und da wir ja jetzt endlich eine Frau als Bundeskanzlerin haben, ist die Welt so richtig toll geworden und allen geht es so richtig supertoll gut.