Kein erneutes Pokalwunder

Nur knapp verpasste Fußball-Regionalligist Eintracht Trier nach den Siegen gegen Hannover 96 und Arminia Bielefeld 2009 eine weitere Pokalüberraschung: Mit 0:2 (0:1) musste sich das Team von Trainer Roland Seitz am Sonntagnachmittag in der ersten Runde des DFB-Pokals dem Bundesligisten 1. FC Nürnberg geschlagen geben – und das trotz bester Torchancen.

TRIER. Es hat nicht sollen sein für Eintracht Trier: Nach berauschenden DFB-Pokalspielen in der Vorsaison gegen die Bundesligisten Hannover 96 und Arminia Bielefeld wurde der Regionalligist diesmal nicht zum Pokalschreck. Trotz einer starken Leistung verlor der SVE gegen den 1. FC Nürnberg mit 0:2 (0:1) und verpasste den Einzug in die zweite Runde.

“Ich bin sehr enttäuscht. Man hofft natürlich und rechnet sich immer Chancen aus. Die cleverere Mannschaft hat gewonnen. Wir haben zwischen der 30. und 90. Minute versäumt, den Ausgleich zu machen”, trauerte Eintracht-Coach Roland Seitz den vergebenen Tormöglichkeiten seines Teams nach. Auf die couragierte Leistung seiner neu zusammengestellten Mannschaft konnte er dennoch stolz sein: “Sie haben gezeigt, dass es wieder andere Zeiten in Trier geben soll. Wir werden eine gute Saison spielen, dann haben wir auch die Ruhe, die wir brauchen.”

Zum Spiel: Die Franken kontrollierten die Anfangsphase und nutzten nach einer Viertelstunde ihre erste Torchance zum 1:0. Die Eintracht-Defensive ließ sich bei einem langen Ball von FCN-Spieler Christian Eigler an den Trierer Torraum ausspielen. Albert Bunjaku lief Gegenspieler Fabian Zittlau davon und hämmerte das Leder aus spitzem Winkel ins Netz, SVE-Torwart Tobias Lengsfeld war ohne Abwehrchance. “Viele Zuschauer dachten, ich hätte nur das Außennetz getroffen, aber ich habe einfach gejubelt”, so der trockene Kommentar des Schweizer Nationalspielers.

Die Gastgeber verloren danach die Konzentration und ließen Nürnberg vor allem über die linke Seite mit Javier Pinola und Bunjaku gewähren. Nach einem weiteren langen Ball hatte Trier schließlich Glück, dass SVE-Innenverteidiger Torge Hollmann den Schuss von Nürnbergs Ilkay Gündogan noch vor der Torlinie klären konnte (22.). Nach einem Gündogan-Eckball köpfte Bunjaku über das Trierer Gehäuse (34.) und nur eine Minute später landete ein Distanzschuss von Pinola aus rund 25 Metern auf der Oberkante der Latte (35.).

Dann aber legte die Eintracht ihre Zurückhaltung ab und erspielte sich gegen den Bundesligisten gute Torchancen. “Wir haben Trier unnötigerweise aufgebaut”, kritisierte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking sein Team. Erst köpfte SVE-Stürmer Nico Patschinski nach einer Flanke von Thomas Drescher zu unpräzise auf das von Raphael Schäfer gehütete FCN-Tor (36.). Dann reagierte Schäfer großartig gegen Alban Meha, der nach feinem Pass von Patschinski frei vor dem Nürnberger Keeper auftauchte (39.). Kurz vor der Halbzeit forderten die Trierer Fans unter den 5200 Zuschauern einen Elfmeter, nachdem SVE-Kapitän Josef Cinar im Zweikampf mit dem Nürnberger Per Nilsson im Strafraum zu Boden ging. Schiedsrichter Guido Winkmann hatte jedoch kein Foulspiel erkannt und ließ sehr zum Ärger von Seitz weiterspielen.

Die Nürnberger waren laut Hecking “froh darüber, dass wir in die Halbzeit gekommen sind”. Doch auch diese tat dem schwungvollen Auftritt des Viertligisten keinen Abbruch. Meha prüfte mit einem abgefälschten Freistoß erneut Schäfer, doch der FCN-Keeper lenkte den Ball am kurzen Pfosten zur Ecke (49.). Es folgten fast 20 Minuten Leerlauf, in denen vor allem der Bundesligist ideenlos agierte. “Das Umschalten hat nicht so gut geklappt”, brachte es Nürnbergs Kapitän Andreas Wolf auf den Punkt. So blieb es Triers Stürmer Thomas Kraus überlassen, mit seinem Schuss von der Strafraumgrenze die Eintracht-Schlussoffensive einzuläuten (67.).

Wiederum Kraus hätte den Ausgleich erzielen müssen, nachdem Patschinski den Ball durch die FCN-Innenverteidigung durchgesteckt hatte. Der 23-jährige Stürmer scheiterte aber freistehend vor Schäfer, der mit einem hervorragenden Reflex den Ausgleich verhinderte. Die Eintracht drängte auf das 1:1, doch Patschinski und Tim Eckstein verpassten nach einer Meha-Hereingabe den Torabschluss (88.). Nachdem in der 72. Minute Bunjaku die einzige Chance des Bundesligisten in der zweiten Halbzeit vergeben hatte (Drescher grätschte den Ball von der Linie weg, nachdem Lengsfeld bereits geschlagen war), schloss der eingewechselte Mehmet Ekici einen Konter zum 2:0 ab (89.).

“So, wie das Spiel gelaufen ist, hätten wir auch weiterkommen können”, ärgerte sich Cinar über die vergebenen Torchancen. “In der ersten halben Stunde haben wir fast ängstlich gewirkt und nicht den Mut gehabt, den man braucht, um gegen einen Bundesligisten im Pokal zu bestehen. Positiv ist immerhin, dass wir das Spiel offen gehalten haben.”

Erleichtert war hingegen Nürnbergs Trainer Hecking, war er doch in der letzten Saison mit seinem damaligen Club Hannover 96 im Moselstadion ausgeschieden: “Vor einem Jahr habe ich hier wie ein begossener Pudel gesessen”, erinnerte sich ein erneut begossener Hecking, woran diesmal allerdings nur der Trierer Dauerregen Schuld war. Die Leistung seiner Spieler wusste Hecking aber richtig einzuschätzen: “Ich muss der Eintracht wieder ein Kompliment machen für ihre Leistung. Wir haben heute zwei Mal großes Glück gehabt. Ich hätte mir gewünscht, dass das zweite Tor früher fällt. Aber: Mund abputzen, wir haben die zweite Runde erreicht.”

Vielleicht wäre die folgende Aussage des Nürnberger Trainers bei einer Niederlage anders ausgefallen, doch dank der ausgeglichenen “Trier-Bilanz” sagte er: “Ich komme immer wieder gern nach Trier. Vielleicht bin ich ja im nächsten Sommer das dritte Mal hier.” Bei der Eintracht hätte man sicher nichts dagegen – und noch viel weniger, die Bilanz von Hecking beim nächsten Aufeinandertreffen wieder negativ zu gestalten.

Eintracht Trier: Lengsfeld – Zittlau, Cinar, Hollmann, Drescher – Asma (85. Kempny), Kohler, Saccone, Meha – Patschinski, Kraus (82. Eckstein).

1. FC Nürnberg: Schäfer – Judt, Nilsson, Wolf, Pinola – Gündogan, Simnons – Eigler (85. Hegeler), Mintal (60. Ekici), Bunjaku – Schieber (60. Frantz).

Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken).

Zuschauer: 5200.

Tore: 0:1 Bunjaku (15.), 0:2 Ekici (89.).

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