“Das wirft uns nicht um”
Mit einer unglücklichen 2:4-Niederlage gegen den Wuppertaler SV endete am Freitagabend die Heimpremiere für Eintracht Trier. Dabei mündete eine souveräne erste Halbzeit der Trierer in einer überraschenden Pausenführung für die Gäste, die in einer enorm druckvollen Phase nach dem Seitenwechsel zunächst egalisiert werden konnte. Der weiterhin forsche Auftritt der Eintracht wurde jedoch durch zwei weitere Treffer der Wuppertaler bestraft.
TRIER. Die Mannschaft von Trainer Roland Seitz machte von Beginn an da weiter, wo sie im Pokalhit gegen den 1. FC Nürnberg aufgehört hatte: Selbstbewusst und couragiert ging es in Richtung des gegnerischen Tores, was in den ersten 15 Minuten bereits vier nennenswerte Torchancen einbrachte (Meha, 2.; Patschinski, 4.; Kraus, 7., 15.). Im Gegenzug kam die viel gepriesene Offensivabteilung der äußerst passiv agierenden Gäste erstmal überhaupt nicht zum Zuge, zumal der Eintracht-Deckungsverband um Kapitän Josef Cinar die Räume eng zu halten verstand.
Da die Eintracht vor allem im Mittelfeld noch ihren Rhythmus suchte und auch das Aufbauspiel noch nicht so recht in die Gänge kam, entstanden echte Torgelegenheiten im ersten Durchgang fast ausschließlich aus Standards oder hohen Bällen, die aus der Defensive nach vorne gedroschen wurden. Ein Umstand, der sich vorrangig aufseiten des engagierten Heimteams beobachten ließ. So kamen etwa Alban Meha (31.) und Piero Saccone (36.) zu aussichtsreichen Chancen. “Wir hatten ein Riesenglück, hier nicht in Rückstand geraten zu sein, denn Trier hat beste Chancen gehabt”, konstatierte Gästetrainer Michael Dämgen am Ende.
Buchstäblich aus dem Nichts kam der WSV dann zum Führungstreffer. Ein Freistoß von Markus Heppke rauschte durch die Trierer Mauer und Stefan Kohler fälschte den Ball unglücklich ab, sodass das Spielgerät unhaltbar für SVE-Keeper Andreas Lengsfeld rechts unten einschlug (37.). Sichtlich schockiert von diesem unverdienten Rückstand ließen die Hausherren kurzzeitig jede Ordnung vermissen, was der Aufstiegsfavorit aus Wuppertal keine zwei Minuten später mustergültig ausnutzte. Jerome Assauer spazierte mit dem Ball am Fuß völlig unbedrängt auf den gegnerischen Strafraum zu und hämmerte das Leder mit einem Sonntagsschuss zum 0:2 in die Maschen (39.). Bis zur Pause gelangen den sichtlich konsternierten Trierern keine zwingenden Aktionen mehr – mit Ausnahme einer Ecke von Meha, bei der vor dem leeren Tor gleich mehrere SVE-Akteure den Einschuss verpassten (43.).
Doch aufgeben wollte bei der Eintracht noch niemand, was die im Vergleich zum Gegner deutlich frühere Rückkehr der Seitz-Truppe auf den Rasen des mit 2430 Zuschauern gefüllten Moselstadions ebenso verdeutlichte wie die Körpersprache der Moselkicker in den folgenden 20 Minuten. Allerdings erfolgten die meisten Aktionen im Spiel nach vorne nicht etwa aus einer strukturierten Defensivordnung heraus, sondern im munteren und durchschaubaren Hurra-Stil. Die WSV-Abwehr stand nun diszipliniert und sehr tief, sodass es kaum ein Durchkommen gab für die bisweilen ideenarmen Mittelfeldspieler der Gastgeber. Insbesondere Tolgay Asma und Piero Saccone fanden kein Mittel, dem Gegner ernsthaft gefährlich zu werden. So musste es ein genialer Moment von Alban Meha sein, der die Trierer zurück ins Spiel brachte. Eine Stunde war gespielt, als der Standard-Spezialist einen Freistoß aus halblinker Position ins kurze Eck des Wuppertaler Gehäuses zum 1:2 zirkelte.
Spätestens jetzt war der Funke endgültig auf die Eintracht-Fans übergesprungen, die ihre Mannschaft lautstark nach vorne peitschten. Zwei Minuten nach dem Anschlusstreffer erhielt die Eintracht erneut einen Freistoß, den Meha diesmal von halbrechts in den Strafraum brachte, wo Thomas Kraus sich den Ball auf den rechten Fuß legte und in echter Knipser-Manier ins lange Eck zum hochverdienten 2:2 verwandelte. Eine Phase, für die auch SVE-Trainer Roland Seitz nach Spielschluss viel Lob übrig hatte: “Wir sind großartig ins Spiel zurückgekommen und hatten uns den Ausgleich redlich verdient.”
Der Auftritt der Eintracht wurde nun immer beherzter, in dem noch intensiver werdenden Match nahmen die Hausherren wieder das Heft in die Hand, vernachlässigten dabei aber die Defensivarbeit in sträflicher Weise. Insbesondere Stefan Kohler strahlte im defensiven Mittelfeld immer wieder eine große Unsicherheit aus, verlor zahlreiche Zweikämpfe und kam bisweilen nicht mehr richtig hinter den Gegenspielern her. Dadurch boten sich dem Gegner unverhoffte Räume. Konnte Torge Hollmann in der 73. Minute Bekim Kastrati im allerletzten Moment am Abstauben ins leere Tor hindern, war es 120 Sekunden später dann doch passiert. Lengsfeld prallte Kastratis platzierter Schuss direkt vor die Füße des eingewechselten Dominik Ernst, der freistehend ins lange Eck zum 2:3 versenkte.
Seitz brachte nun Tim Eckstein für den solide aufgetretenen Rekonvaleszenten Michael Dingels, um dem lahmenden Offensivspiel seiner Mannschaft neues Leben einzuhauchen. Inmitten dieser Neuformierung schlugen die cleveren Wuppertaler dann aber erneut zu. Markus Heppke nutzte eine Unachtsamkeit in der Trierer Defensive, umspielte Lengsfeld mühelos und schob zum 2:4-Endstand ein (80.). Außer eines umstrittenen Abseitstores von Tim Eckstein (89.) kam die Eintracht fortan trotz weiterhin kämpferischer Leistung nicht mehr gefährlich vor das gegnerische Tor.
“Vielleicht waren wir heute einfach ein bisschen zu dumm, mit einem Punkt gegen einen favorisierten Kontrahenten zufrieden zu sein”, ärgerte sich Seitz schlussendlich über die fehlende Routine seines Teams, sah aber zugleich auch eine positive Entwicklung in der Mannschaft. “Wir haben ein gutes Spiel gezeigt, es hat uns aber einfach auch das nötige Glück gefehlt. Aber das wirft uns nicht um.” Wenn man so weiter arbeite wie in den vergangenen drei Partien, dann werde man solche Spiele schon bald gewinnen.
Erleichtert werden könnten die kommenden Aufgaben dabei nicht nur durch einen Zugewinn an Glück und Cleverness, sondern auch mithilfe eines Neuzugangs. Mit Defensiv-Allrounder Cataldo Cozza ist sich der Verein einig, nur noch die Unterschrift des 25-Jährigen fehlt. Darüber hinaus soll noch ein weiterer Angreifer den derzeit noch ein wenig zu spärlichen Eintracht-Kader komplettieren.
Eintracht Trier: Lengsfeld – Dingels (78. Eckstein), Cinar, Hollmann, Drescher – Asma (74. Mvondo), Kohler, Saccone, Meha – Kraus, Patschinski.
Wuppertaler SV: Samulewicz – van den Bergh, Lorenz, Zinke, Moosmayer – Pagano, Weikl, Heppke, Keita-Ruel (74. Ernst) – Assauer (61. Großkreutz), Kastrati (89. Schattner).
Tore: 0:1 Heppke (37.), 0:2 Assauer (39.); 1:2 Meha (60.), 2:2 Kraus (62.), 2:3 Ernst (78.), 2:4 Heppke (80.).
Beste Spieler: Meha, Kraus – Samulewitz, Pagano, Heppke.
Gelbe Karten: Zinke, Pagano, Keita-Ruel – Cinar, Asma.
Schiedsrichter: Rafael Foltyn (Mainz-Kastel/Hessen).
Zuschauer: 2430
von Christian Baron




