“Um eine stetige Erneuerung bemühen”
Die Tufa feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass haben bereits viele Jubiläumsveranstaltungen stattgefunden und werden noch stattfinden. Die Leitung nutzt den Geburtstag aber auch, um sich Gedanken über die Außenwirkung der Einrichtung und die Zukunftsfähigkeit des Konzeptes zu machen. “Wichtig ist mir, stärker zu zeigen, was hier alles läuft”, nennt die Geschäftsführerin Teneka Beckers ein Ergebnis der internen und externen Diskussionen. Im Gespräch mit 16vor betont sie, dass die Einrichtung, die sie seit genau drei Jahren leitet, in ihrer Form immer noch ein Vorzeigemodell sei.
16vor: Während der Sommerpause war das Tufa-Gebäude à la Christo mit Stoffbahnen abgehängt und wurde letzten Freitag auf dem Jubiläumsfest wieder enthüllt. Welche Resonanz hat die Verhüllungsaktion ausgelöst?
Teneka Beckers: Ganz unterschiedliche, zunächst sehr positive Rückmeldungen wie etwa: “Das sieht toll aus”, “Tolles Raumgefühl”, das verändere die Wahrnehmung. Es gab aber natürlich auch die Reaktion: “Was soll das?” Bei diesen Adressaten ist es uns wohl nicht gelungen, die Idee ausreichend in die Öffentlichkeit zu bringen. Manche fragten sich, ob die Tufa zumacht oder renoviert wird. Ralf Laux vom “Textorium” hat etwas drunter gelitten und musste immer wieder Erklärungen abliefern. Aber die Aktion sollte ruhig alle möglichen Fragen anstoßen, eine kleine Diskussion darüber, was in und mit der Tufa passiert. Hätte ruhig mehr sein können!
16vor: Sie wollten also mit dieser Aktion eine kritische und offene Diskussion anregen. Wo hätte die denn stattfinden sollen?
Beckers: Wir haben auf unserer Homepage einen Blog eingerichtet, der leider nicht so frequentiert wurde. Zusätzlich zu der Verpackungsaktion lautete ja der Slogan auf dem Plakat “Die TUFA geht raus!” [Anm. der Red.: Der Slogan spielt mit der Doppeldeutigkeit: "Die TUFA geht. Raus!"]. Wir wollen ja auch hin zu den Leuten. Hallo, hier sind wir! Ich leide extrem unter Aufmerksamkeitsmangel – also, nicht ich, die Tufa eben. Ich will durchaus mit den Leuten ins Gespräch kommen: Was ist das denn, diese Tufa? Was könnte es sein? Wir haben Filme und Blogs auf die Stoffbahnen projiziert oder zum Beispiel das Innenleben, was im Gebäude los ist, nach außen projiziert. Es geht um den Perspektivwechsel, den Blick in die Zukunft, den Blick nach außen. Dazu gehört auch ein In-sich-Gehen, als spinne man sich in einen Kokon ein und dann kommt man später als Schmetterling… (lacht).
16vor: Wenn Sie für so viele Perspektiven offen sind, was wäre denn das Radikalste an neuen Perspektiven, was Sie sich vorstellen könnten?
Beckers: Also, eigentlich gab es ja keine radikalen Reaktionen. Da besteht gar kein Diskussionsbedarf. Vielleicht sind wir da intern auch viel zu kritisch. Ich glaube, der User sieht die Tufa eher positiv.
16vor: Vielleicht ist die ausbleibende Diskussion aber auch eher ein Indiz für die fehlende Aufmerksamkeit.
Beckers: Vielleicht auch. Es ist schwer, so allgemein über radikale Perspektiven zu reden, aber die Tufa schließen, ist auf jeden Fall keine Perspektive!
16vor: Das sind ja immer wieder Rufe, die dann in der öffentlichen Diskussion doch Aufmerksamkeit erhalten. Ist die Vision einer Schließung denn eine drohende Gefahr?
Beckers: Überhaupt nicht, das steht gar nicht zur Diskussion. Die Zahlen unserer Besucherstatistiken sind in den letzten Jahren nicht zurückgegangen. Da unken einige kritische Stimmen. So viele sind das gar nicht, die sind nur sehr laut. Aber natürlich müssen wir daran arbeiten, raus zu den Leuten zu gehen, um zu zeigen, was die Tufa eigentlich ist und alles macht.
16vor: Wie zeigt die Tufa sich denn? Was tun Sie, um sich sichtbar zu machen?
Beckers: Unser Jubiläumsprogramm spricht unterschiedliche Zielgruppen an. Unsere Aktion “Tufa unlimited” geht an verschiedene Spielorte in die Stadt. An dieser Veranstaltung ist der Großteil unserer Vereine mit Beiträgen beteiligt, die bei so einer Aktion auch sichtbar werden sollen.
16vor: In Diskussionen um die Tufa werden Sie mit einem Image und Meinungsbild konfrontiert, das nun auf 25 Jahren Geschichte des Hauses beruht. Wie gehen Sie als aktuelle Geschäftsführung mit diesem Erbe um? Ist das auch Ballast?
Beckers: Ich bin froh, dass ich nicht so lange dabei bin. Was sich leider in Organisationsgeschichten hält, sind negative Geschichten und negative Gewohnheiten. Ich kann frei damit umgehen. Eigentlich ist die Tufa-Geschichte aber durchaus eine tolle. Die Tufa ist ein stabiles Haus und auch außerhalb Vorzeigemodell, auch in seiner Finanzierungsstruktur!
16vor: Wenn Kritik gegenüber der Tufa laut wird, schwebt immer ein laut, aber vage formulierter Dünkel gegenüber Kultursubvention im Raum. Fühlen Sie sich da unter Legitimationsdruck?
Beckers: Irgendwann kommt man in solchen Diskussionen allerorts auf die Grundsatzdebatte: “Sollte man Kultur subventionieren?” Wenn man andere Orte als die Shoppingmeile will, dann braucht man solch eine Subvention. Auf Dauer können sich solche Orte einfach nicht selbst finanzieren, sonst werden sie kommerziell. Wichtig ist mir, stärker zu zeigen, was hier alles läuft. Wenn man dem dann gegenüberstellt, wie viel das alles kostet, dann sieht man, mit wie wenig Aufwand hier so viel geleistet wird!
16vor: Wie sieht das denn genau mit der städtischen Subvention aus?
Beckers: Betrachtet man sich die Zahlen im Etat des Tufa e.V. an, sind es nur 19 Prozent, die subventioniert werden, halb von der Stadt, halb vom Land. Aber das wäre gelogen. Schaut man sich die Grundstruktur an, so bezahlt die Stadt ja das Gebäude und Personal, und das ist ein Großteil. Das wären dann 68 Prozent Subvention. Die Zahlen kann man ja alle im Bürgerhaushalt einsehen. Da habe ich auch kein Legitimationsproblem. Das ist nicht viel Geld für das, was hier stattfindet! [Anm. d. Redaktion: Mit Personal sind hier Geschäftsführung und Hauspersonal gemeint. Zu den Tufa-Akteuren gehören noch die ehrenamtlich arbeitenden Vereine und die Kursleiter und -leiterinnen, die auf selbständiger Basis arbeiten und zum Teil in den Vereinen organisiert sind].
16vor: Wie steht es um den Kritikpunkt, die Tufa zöge keine jüngeren Generationen an? Gibt es da auch Zahlen oder sind das nur gefühlte Meinungen?
Beckers: Das stimmt ja gar nicht. Wir haben ja ein starkes Angebot für Kinder und Jugendliche im Programm.
16vor: Gemeint sind wohl eher die Studierenden als diejenige Generation, die auch als Akteure der Tufa nachrücken könnten.
Beckers: Die Tufa ist von ihrem Selbstverständnis her ein Haus für alle Altersklassen, ein soziokulturelles Zentrum. Studis sind gar nicht meine Zielsetzung. Ich würde das Haus gar nicht auf ein bestimmtes Alter und Milieu festlegen oder fokussieren wollen. Ich freue mich, wenn Studis hier aktiv sind und auch die Tufa für Studis attraktiv ist, das muss aber kein Schwerpunkt sein. Erst vor kurzem ist mit Selbstredend e.V. ein neuer, junger studentischer Verein bei uns aufgenommen worden. Das ist schön, aber warum soll man sogenannte Alteingesessene kritisieren? Es ist ja nicht so, dass die keinen reinlassen oder andere verdrängen. Es ist doch erstaunlich, dass es Leute gibt, die sich über einen so langen Zeitraum engagieren. Kurz zu den Besucherzahlen: Im Ansatz sind unsere Hauptnutzer ungefähr 35 bis 55 Jahre alt, an zweiter Stelle kommen die Jüngeren.
16vor: Wie steht es um die Internen? Im neuen Programmheft schreiben Sie, es habe eine interne Zukunftswerkstatt gegeben. Wer hat daran teilgenommen? Was hat man sich unter solch einer Werkstatt vorzustellen?
Beckers: Die Tufa wird derzeit getragen von 25 Vereinen. Das passt ja zu unserem 25-jährigen Jubiläum. Wir haben uns ein Wochenende intern damit beschäftigt: Was ist die Vision der Tufa, wo soll sie hingehen, ist das alles noch aktuell, am Zahn der Zeit?
16vor: Und, ist das mehr als bloße Nabelschau?
Beckers: Ein Großteil der Mitgliedsvereine ist der Einladung gefolgt. Sie haben gezeigt, mit wie viel Freude und Lust an der Gestaltung sie bei der Sache sind. Aus meiner Sicht hat sich gezeigt, dass das Konzept “Tufa” nicht überholt ist. Die Aktiven verstehen die Tufa als Freiraum, den sie selber gestalten können. Das ist unglaublich wertvoll. Das ist nicht selbstverständlich, dass so viele bereit sind, sich einzubringen. Wir wollten sehen, woraus besteht die Tufa, wo ist das Potenzial. Das ist vor allem die Kommunikation untereinander, das ist die Grundidee unseres Hauses. Kommunikation heißt gegenseitige Befruchtung. Und das heißt auch zu sehen, was machen die anderen Vereine im Haus. Diese Befruchtung und Identifikation sollte durch die Zukunftswerkstatt gefördert werden und ist gut angenommen worden.
16vor: Wie sieht es denn nun mit der Zukunft aus? Was sind dringliche Aufgaben, denen sich die Tufa stellen muss?
Beckers: Die Tufa muss sich um eine stetige Erneuerung bemühen. Das heißt nicht, einem Ding nach dem anderen nachlaufen. Aber man muss schauen, dass neue Dinge herkommen, neue Projekte, neue Leute.
16vor: Und die Grundstruktur, muss auch diese sich stets entwickeln, erneuern?
Beckers: Die Grundstruktur muss man nicht ändern. Das hat sich aus der Sicht der Akteure auch in der Zukunftswerkstatt so herausgestellt. Eine offene Frage bleibt jedoch, ob wir uns auch öffnen sollen für Nicht-Vereine. Hätte die Tufa Vorteile davon, sich als offenes Zentrum für Kulturschaffende umzuorganisieren? Ich stehe dem sehr zwiegespalten gegenüber.
16vor: Welche Aufgaben und Visionen sind zum Tufa-Jubiläum die akutesten?
Beckers: Wir müssen uns intern noch besser organisieren. Und auf meiner Wunschliste steht ein Neubau! Die Umgestaltung muss auch äußerlich stattfinden. Das Haus hat unglaublich viele Mängel. Es soll einfach besser nutzbar sein und noch mehr Möglichkeiten bieten.
Weiterer Artikel zum Tufa-Jubiläum: “Draußen zeigen, was drinnen passiert“
von Na Young Shin





23. August 2010 (10:40 Uhr)
Schöner ist sie ja nach der Enthüllung nicht geworden…