“Man muss auch mal über die Bande spielen”

Gerne wäre Dirk Louy im vergangenen Jahr in den Stadtrat eingezogen. Doch obschon seine Partei den Umweltwissenschaftler mit einem durchaus aussichtsreichen Listenplatz bedacht hatte, sollte ihm der Sprung in den Großen Rathaussaal nicht vergönnt sein. Ein Dämpfer, der das Engagement des 34 Jahre alten Christdemokraten nur kurzzeitig bremste. Im Gespräch mit 16vor erklärt der Chef der Jungen Union Triers, was für ihn konservativ ist und weshalb sich junge Menschen politisch engagieren sollten; wie die Politik ihn bereits verändert hat und was er an Altkanzler Helmut Kohl schätzt.

16vor: Herr Louy, mehr Mappus oder mehr Röttgen?

Dirk Louy: Röttgen!

16vor: Sie als Umweltwissenschaftler haben doch sicherlich auch eine Position, um wie viele Jahre die Laufzeit der deutschen Kernkraftwerke verlängert werden sollte.

Louy: Das liegt nicht in meinem Ermessen, das kann ich auch nicht wirklich beurteilen! Ich würde aber sagen: Soweit die Risiken kalkulierbar sind, sollten die Laufzeiten verlängert werden. 15 Jahre und mehr halte ich allerdings nicht für angemessen, denn eine Brückentechnologie muss auch mal ein Ende haben.

16vor: Sie kamen relativ spät zur CDU. Was gab für Sie den Ausschlag, parteipolitisch aktiv zu werden und dann dieser Partei beizutreten?

Louy: Es war eine bewusste Entscheidung, das dauert manchmal länger.

16vor: Parteifreunde wie Mappus oder Jörg Schönbohm aus Brandenburg beklagen immer wieder das angeblich fehlende konservative Profil der CDU. Können Sie uns verraten, was heute klare konservative Positionen sind, für die auch Sie einstehen?

Louy: Ich bin kein klassischer Konservativer! Aber konservativ ist für mich, dass man werteorientiert ist, diese Werte also durchaus als roten Faden sieht, zugleich aber auch in der Lage ist, diese Werte zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.

16vor: Von welchen konkreten Werten sprechen Sie denn?

Louy: Beispielsweise von der Achtung der Menschenwürde, dem Respekt vor der Schöpfung, den Grundwerten der sozialen Marktwirtschaft mit einer ökologischen Ausrichtung. Und, sehr wichtig für mich: der Familie; die ist für mich ein Grundpfeiler der Gesellschaft!

16vor: Gibt es Vorbilder, die Sie für die Politik begeistert und vielleicht sogar geprägt haben?

Louy: Klaus Töpfer ist jemand, der mich unheimlich beeindruckt hat. Der hat für mich durchaus Vorbildcharakter. Auch Kohl, denn ich habe meine Zweifel, ob ein anderer Politiker die Wiedervereinigung so hinbekommen hätte wie er. Das heißt jetzt aber nicht, dass mir alles an Kohl gefiel. Dass er keinen Nachfolger aufgebaut hat und hinter ihm das Nichts kam, und natürlich die Spendengeschichte, kritisiere ich.

16vor: Politik ist bekanntlich ein eher mühsames Geschäft. Was reizt sie daran, Abende und Wochenenden in Sitzungen und auf Parteitagen zu verbringen?

Louy: Der Wunsch und die Hoffnung, gemeinsam etwas für die Gesellschaft zu leisten und diese auch mitzugestalten.

16vor: Das klingt jetzt offen gestanden sehr altruistisch. Woraus ziehen Sie denn Ihre persönliche Befriedigung?

Louy: Das ist gar nicht so selbstlos, wenn man sich für gewisse Ziele einsetzt. Aber die eigentliche Befriedigung kommt dann, wenn man bestimmte Ziele ganz oder teilweise umsetzen kann.

16vor: Wie stark muss man sich schon als Jungpolitiker verstellen und müssen Sie sich hin und wieder auch selbst verleugnen?

Louy: Es gibt sicherlich einige, die sich verstellen. Ich würde das für mich nicht behaupten. Aber Politik verändert und hat auch mich verändert. Ich glaube aber nicht, dass man sich dann untreu werden muss.

16vor: Inwiefern hat die Politik Sie denn verändert?

Louy: Ich habe gelernt, dass der kürzeste Weg in der Politik nicht die Gerade zwischen zwei Punkten ist. Es geht manchmal nur über Umwege, man muss auch mal über die Bande spielen. Da bin ich etwas geduldiger geworden.

16vor: Mal ein Beispiel: Hätten Sie in der Bundesversammlung Joachim Gauck gewählt?

Louy: Nein, ich hätte Wulff gewählt! Einfach aus dem Bauch heraus und weil er ein sehr guter Kandidat war; aber auch, weil ich es unanständig fand, wie die SPD mit Joachim Gauck einen Menschen auf den Schild gehoben hat, hinter dem man nicht wirklich stand.

16vor: Als Außenstehender hat man mitunter den Eindruck, heutigen Nachwuchspolitikern fehle es an inhaltlicher Leidenschaft und Streitlust.

Louy: Bei uns definitiv nicht!

16vor: Bei Ihnen wird also viel gestritten?

Louy: Viel diskutiert! Aber hinter den Kulissen, das ist der Unterschied!

16vor: Was ist denn Ihre politische Leidenschaft?

Louy: Nach wie vor die Umwelt- und Energiepolitik. Und die Jugendpolitik, das war anfangs nicht so, wie ich gestehen muss!

16vor: Wie viel Zeit verwendet man eigentlich schon als Nachwuchspolitiker darauf, Mehrheiten und Allianzen zu schmieden?

Louy: Dass man versucht, Leute zu finden, die eine Idee unterstützen, das gehört zum Geschäft und ist gut investierte Zeit.

16vor: Und wenn es um Posten geht?

Louy: Es ist immer ungünstig in eine Wahl zu gehen, ohne eine wirkliche Chance zu haben.

16vor: Sie werden bald 35 und müssen dann den JU-Kreisvorsitz abgeben. Streben Sie ein neues Amt an?

Louy: Ich muss ja erst ein Amt aufgeben.

16vor: In Ihrem Alter ist man heute schon Sozialministerin in Schwerin oder sitzt in zwei Jahren am Kabinettstisch in Berlin. Wo sehen Sie ihre Zukunft in der Politik?

Louy: Ich weiß es wirklich nicht! Eine politische Karriere kann man nicht planen. Es sei denn, man ist in der SPD und die Vorsitzende heißt Malu Dreyer.

Zur Serie: Seit der Kommunalwahl sind zahlreiche Jungpolitiker fast aller Parteien in Gremien wie dem Stadtrat oder den Ortsbeiräten vertreten. 16vor stellt einige der Trierer Nachwuchspolitiker vor. Kommende Woche: Anna Gros, Trierer Juso-Sprecherin und Vize-Landeschefin der sozialdemokratischen Nachwuchsorganisation. Bisher erschienen: Nachwuchs auf dem Vormarsch.

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10 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Andreas schreibt:

    Nictssagende Interviews zu geben klappt ja schon ganz gut..

  2. Schneider schreibt:

    Erstaunlich kann ich da nur sagen. Interessantes Interview. Ganz so Angepasst scheint dieser Herr dann doch nicht zu sein. Neben dem bösen Seitehieb gegen die SPD scheint er aber bestimmt auch noch die ein oder anderen Erklärungen bei der hiesigen CDU abliefern zu dürfen.
    Zwar bin ich der Meinung das Louy immer noch besser bei den Grünen aufgehoben ist, denn mit Umweltthemen wird man bei der CDU keinen Blumenstrauß gewinnen, aber er wird schon wissen was er will. Kann man nur hoffen das er nicht ähnlich seinem Vorbild “Töpfer”, parteipolitisch von der Bildfläche verschwindet.
    Schön das mal hier den jungen Politikern die Möglichkeit gegeben wird etwas zu sagen, fernab von Kaster & Co. Tolle Serie bin auf die anderen gespannt.

  3. Hyperboreas schreibt:

    “konservativ ist für mich, dass man werteorientiert ist, diese Werte also durchaus als roten Faden sieht, zugleich aber auch in der Lage ist, diese Werte zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.”

    Aha. Und wer ist nach dieser Definition denn bitte nicht konservativ?

    “Viel diskutiert! Aber hinter den Kulissen, das ist der Unterschied!”

    War da nicht mal was mit zugemauerten Hinterzimmern?

  4. Marion schreibt:

    Dass es mit dem Stadtrat nicht geklappt hat, das ist auch anderen passiert.
    Zumindest hat er es anscheinend geschafft, wieder eine ordentliche Truppe aus der JU zu machen. Man sieht mittlerweile wieder mehr junge Leute bei der Partei. Ist bestimmt nicht alles auf seinem Mist gewachsen, aber seine Vorgänger haben es wohl nicht geschafft.
    Und mal sehen, ob die anderen Sprecher der Organisationen soviel bessere Antworten liefern…

  5. Kartharsis schreibt:

    Tja …, ein paar Jahre in ner “Volks”partei und schon spielt man über Bande, statt zu sagen was und wohin man will und was wirklich wichtig ist…
    Kein Wunder, daß viele Menschen immer stärker an der Parteien”demokratie” zweifeln!

  6. Richard schreibt:

    Naja, wie viele Politiker weicht auch Louy einigen Fragen aus. Aber was würde man denn schon selbst auf diese Fragen antworten??? Die Spitze gegen die SPD ist schon krass… .
    Ich fände es gut, wenn noch mehr solcher Leute bei der CDU mitmischen würden.

    @ Hyperboreas: Ich finde es gut wenn Streitigkeiten intern geklärt werden und nicht jeder Scheiß an die Öffentlichkeit getragen wird, so wie es die Linke macht. Von mir aus können die dann auch ein Hinterzimmer behalten.

  7. Paulinstrassbewohner schreibt:

    laaaaaaaaaaangweilig und nichts sagend ;-(

  8. Sarah schreibt:

    Ich find es toll, dass es auch Umweltwissenschaftler bei der CDU gibt. Ein Annäherung von Schwarz und Grün wäre sehr zu begrüßen und dann braucht man solche Leute…! Auch wenn sich dieses Interview liest wie von einem “alten” Politiker.

    “Nictssagende Interviews zu geben klappt ja schon ganz gut..”

    Andreas kann ich nur sagen, dass der Louy wenigstens den Kopf hin hält und versucht etwas zu machen … da ist es immer einfach in einem Leserbrief zu lästern ohne zu zeigen dass es anders geht.. .

  9. Lucy schreibt:

    Im Vergleich zu vielen seiner Parteikollegen, mach Herr Louy einen sehr sympathischen Eindruck. Ich würde mich freuen wenn mehr solcher jungen Leute in den Parteien auch ernst genommen werden.

    Wer immer nur darüber klagt, dass sich so wenige Jugendliche für Politik interessieren sollte denen die etwas machen wollen, auch die Chance geben Verantwortung zu tragen. Denn eine Jahrzehntelange Ochsentour, nur um dazu zu gehören, ist bestimmt nicht geeignet um Politikbegeisterung zu wecken.

    @ Kartharsis – ich glaube nicht nur in der Politik sondern auch im Beruf kann man manches nur erreichen wenn man “über Bande” spielt. Dabei muss man das Ziel ja nicht aus den Augen verlieren. Und wären in diesem Interview nach Konkreten Zielen oder Zukunftsvisionen gefragt worden, hätte er bestimmt auch konkret geantwortet.

  10. Kartharsis schreibt:

    @Lucy: 1. nicht jeder Zweck heiligt alle Mittel!
    2. Irgendwann wird das Mittel ( der Weg) zum Selbstzweck (Ziel) und dann hat mensch genau den Salat der kramphaften Profilneurotiker in den Parteien.
    Natürlich mag Herr Luy da eine Ausnahme darstellen.

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