Schöne Aussichten für Triers Bundespolizei

Mehr als vier Millionen Euro investieren die Stadtwerke in Umbau und Erweiterung ihrer arg in die Jahre gekommenen Immobilie gegenüber den Kaiserthermen. In einem Jahr soll das Gebäude bezugsfertig sein. Verglichen mit ihrem jetzigen Domizil steht dem Hauptmieter, der Bundespolizei, ein regelrechter “Quantensprung” ins Haus. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster hatte erreicht,  dass der Standort Trier im Zuge der Reform der Bundespolizei aufgewertet wird. Bei der Stadt erhofft man sich nun eine Initialzündung für die benachbarte Brache. Städtebaulich dürfte die Weberbach schon durch diese Maßnahme gewinnen.

TRIER. Man würde jetzt gerne tauschen und selbst in die Lage kommen, in der sich die Bundespolizeiinspektion Trier voraussichtlich schon in einem Jahr befinden wird: direkt an der Straße Weberbach gelegen, nur zwei Fußminuten von Tufa und Hallenbad, vielleicht vier vom Viehmarkt entfernt. Vom dritten Stock fällt der unverstellte Blick auf das Weltkulturerbe Kaiserthermen; wer in die entgegengesetzte Richtung schaut, gen Nordwesten, erblickt Mariensäule und Markusberg – schöne Aussichten. Hier ließe es sich bestens wohnen.

Doch Wohnzwecken wird die Immobilie auch künftig nicht dienen. In den 1950er-Jahren errichtet, wird das Gebäude in diesen Monaten aufwändig saniert, um- und ausgebaut. Die Nutzfläche steigt von rund 3000 auf 4500 Quadratmeter, beziffert Christian Reinert, bei den Stadtwerken angestellter Architekt und Projektleiter des Großvorhabens. Die Substanz des Gebäudes soll erhalten bleiben, doch dürfte in einem Jahr nur noch wenig an das heutige Erscheinungsbild erinnern. Im Gegenteil: den bislang wenig ansehnlichen Bau wird dann eine “Themenfassade” zieren, deren rote Ziegelsteinmauern eine visuelle Verbindung zum nahe liegenden Ungers-Entreegebäude und den Kaiserthermen schaffen wird.

Für den Entwurf zeichnet das Büro A V 1 Architekten aus Kaiserslautern verantwortlich. Die Lauterer haben in der Stadt bereits Spuren entlassen, denn auch die Fassade der Buchhandlung am Kornmarkt ist ihr Werk. Im Frühjahr 2008 ging  A V 1 aus dem gemeinsam von der Stadt und den Stadtwerken ausgerichteten Architekturwettbewerb “Thermen vis-à-vis” als Sieger hervor.

“Oh Gott, unser Wettbewerb!”, habe sie spontan gedacht, als sie von den Plänen der Bundespolizei erfuhr, berichtete am Mittwochmittag Simone Kaes-Torchiani (CDU). Inzwischen ist die Baudezernentin voll des Lobes über das, was “vis-à-vis” der Thermen entsteht. Ihre Befürchtungen seien “außer Kraft gesetzt worden”, erklärte sie. Die Stadt hoffe nun auch auf eine Initialzündung für das benachbarte Grundstück zwischen Kuhnen- und Kaiserstraße, das bislang vor allem als Parkplatz dient. In einem Ideenteil des Architekturwettbewerbs waren auch Vorschläge für eine weitere Bebauung entwickelt worden. Potenzielle Investoren tauchten dem Vernehmen nach bislang aber noch nicht auf.

“Themenfassade” wertet Gebäude auf

Schon die Maßnahme der Stadtwerke hat ein Volumen von mehr als vier Millionen Euro, und dass das Unternehmen die Bundespolizei für mindestens zehn Jahre als Hauptmieter gewinnen konnte, daran hatte Bernhard Kaster (CDU) einigen Anteil. Denn im Zuge der Beratungen über die Neuorganisation der Bundespolizei gelang es dem Bundestagsabgeordneten, den seinerzeitigen Berliner Innenstaatssekretär Peter Altmeier davon zu überzeugen, dass der Standort Trier erhalten bleibt. Das war keineswegs selbstverständlich, ist die Inspektion doch bislang in eher bescheidenen Verhältnissen in der Zurmaiener Straße untergebracht.

Manfred Lohrbach, Präsident der Bundespolizeidirektion Koblenz, drückte es am Mittwoch drastischer aus: noch müssten seine Kollegen vor Ort unter “unerträglichen” Bedingungen arbeiten. Lohrbach erinnerte auch daran, dass der derzeitige Standort am Moselufer ursprünglich nur für ein Jahr vorgesehen gewesen sei. Nun sei man nach mehr als zehn Jahren immer noch in dem Provisorium untergebracht. Als Berlin grünes Licht für die Aufwertung des Standorts Trier und den Umzug gab, da hatte man bei der Bundespolizei jedoch zunächst das Gebäude der Hauptpost am Hauptbahnhof im Visier. Doch dem kam das Land zuvor, die dort nun das neue Polizeipräsidium unterbringen wird.

Kaster sprach am Mittwoch zwar erneut von einem “unfreundlichen Akt” der Landesregierung, doch letzten Endes zeigte sich der Parlamentarier vor allem froh darüber, dass nun für Bundes- und Landespolizei eine Lösung ihrer Standortprobleme in Aussicht ist. Klaus Leidinger, Vize-Leiter der Trierer Bundespolizeiinspektion, kam derweil schon mal ins Schwärmen. Mit gutem Grund, denn das künftige Domizil, das außer von der Bundespolizei nur noch von der SWT-Telekommunikationstochter Trilan genutzt wird, soll ein Staffelgeschoss samt Terasse krönen.

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2 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Metallkopf schreibt:

    Wenigstens wird “Quantensprung” in Anführungszeichen gesetzt. Diese umgangssprachlich so oft genutzte Metapher ist so falsch, wie sie nur sein kann.

    Ein Quantensprung ist nicht mehr und nicht weniger als der sofortige und plötzliche Wechsel eines Teilchens von einem diskreten Zustand in einen anderen.

    Bezogen auf die Kollegen von der Bundespolizei würde dies bedeuten, dass man sich von einem Augenblick auf den nächsten in einem renovierten Gebäude befände. Sicherlich ein angenehmer, wenngleich doch sehr unwahrscheinlicher Gedanke, spielen sich Renovierungsvorgänge doch meist über ausgedehnte Zeiträume und nicht instantan ab.

  2. Thomann schreibt:

    Das Gebäude sollte besser abgerissen werden.

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