“Antikenfestspiele brauchen langfristige Chance”
“Wir haben kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmenproblem”, sagte Thomas Egger in der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses zur Bilanz der Antikenfestspiele. Über den Kartenverkauf wurden nur 219.000 Euro eingenommen, mit mehr als dem Doppelten hat man gerechnet. Nun fehlen mindestens 220.000 Euro. In den Fraktionen wird nun beraten, wie es mit den Festspielen weitergehen soll. Der Kulturdezernent und der Intendant Gerhard Weber baten dabei zu berücksichtigen, dass man sich im vergangenen Jahr extra für ein neues Konzept entschieden und sich damit langfristig etwas vorgenommen habe.
TRIER. 91 Prozent Auslastung beim Festspielkonzert, 52 Prozent bei der Oper “Nerone”, 44 Prozent bei der Doppeltragödie “Ödipus/Antigone” und 34 Prozent bei der Lesung von Corinna Harfouch – das war insgesamt zu wenig. Die Veranstalter haben mit einer Auslastung von 75 Prozent gerechnet. In jeder Hinsicht. Weil nur 6800 Zuschauer zu den diesjährigen Antikenfestspielen kamen, wurde nur halb so viel eingenommen, wie man geplant hatte. Dadurch ist ein Defizit von 220.000 Euro entstanden.
Thomas Egger und Gerhard Weber wissen, dass angesichts dieser Zahlen die Zukunft der Antikenfestspiele trotz des künstlerisch gelungenen Neustarts – schon wieder – auf dem Spiel steht. “Der Stadtrat hat sich 2009 sehr lange mit dem Konzept und den Pros und Contras beschäftigt. Es wurde lang und breit in allen Bereichen diskutiert”, sagte Thomas Egger zu Beginn des Programmpunktes “Antikenfestspiele” bei der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses. “Ich möchte jedes Mitglied an diese Diskussion erinnern. Man darf nicht vergessen, was man sich vorgenommen hat.” Noch deutlicher als der Appell des Kulturdezernenten fiel der des Festspielleiters aus: “Wir haben uns alle entschieden, in diese Richtung zu gehen. Ich plädiere eindringlich dafür, die Festspiele in dieser Form weiterzuführen”, so Gerhard Weber. “Diese Antikenfestspiele brauchen eine Chance – eine langfristige Chance.”
Heidi Schäfer stellte die Zahlen vor. Durch eine Anfrage von SPD-Ratsmitglied Peter Spang wurden es ein paar mehr. Alle gewünschten Informationen konnte die Verwaltungsdirektorin des Theaters jedoch noch nicht präsentieren, weil das Theater in den vergangenen Wochen ferienbedingt geschlossen war und “noch nicht alles gebucht” sei. So konnte sie keine Angaben über die Einnahmen und Ausgaben insgesamt machen und wie sich diese zusammensetzen. Dafür gab sie Aufschluss über den Kartenverkauf. So erwarben 2790 Zuschauer Tickets zum regulären Preis, 3222 besaßen ermäßigte Karten (dazu gehören sowohl vergünstigte Karten für Schüler und Studenten als auch Frei- und Sponsorenkarten) und 830 Besucher kamen über ihr Theater-Abo zu den Veranstaltungen. Daraus ergeben sich Zuschauereinnahmen von 219.000 Euro. Mit 453.000 Euro hatte man geplant.
“Die unbekannten Titel sind schwer zu kommunizieren”, sagte Weber. Bei “Nerone” hätten manche nicht gewusst, wer oder was das sei, bei “Ödipus/Antigone” hätten einige gefragt, welche der beiden Tragödien gespielt werde. Allerdings spiegelt sich das nicht in den Besucherzahlen wider: Die unbekannte Oper lief besser als das Schauspiel, und der große Namen bei der Lesung zog überhaupt nicht.
Wie auch in Leserbriefen zu Beiträgen auf dieser Seite deutlich wurde, gilt das Marketing als verbesserungswürdig. So kamen in diesem Jahr beispielsweise nur 23 Besucher über Pauschalreisen zu den Festspielen. 2008 waren es 211. “Das zeigt, worauf wir künftig mehr Wert legen müssen”, so Egger.
128.000 Euro wurde für das Marketing ausgegeben, wie Bernd Neisen auf Spangs Anfrage hin mitteilte. Sehr transparent erklärte der Geschäftsführer der Agentur “markenmut”, wie das Geld eingesetzt wurde. Vom Erstellen eines neuen Logos und einer neuen Homepage über das Schalten von Anzeigen bis zum Vertrieb von verschiedenen Flyern stellte er die verschiedenen Werbemaßnahmen vor. Spangs Frage, ob in der FAZ, der Zeit und der Süddeutschen inseriert wurde, musste Neisen verneinen. Dafür habe das Anzeigenbudget von 25.000 Euro nicht gereicht. Überregional wurde unter anderem in der Deutschen Bühne, in Orpheus, dem Festspiel Guide und der Frankfurter Rundschau geworben. Verzichten wolle er auf keine der angewandten Maßnahmen, eher müsse jede intensiviert werden, sagt Neisen gegenüber 16vor. “Nach dem ausgefallenen Jahr muss viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.”
Ob es Thomas Egger und Gerhard Weber gelang, die Ausschussmitglieder von der Fortsetzung der Antikenfestspiele mit dem gleichen Konzept wie in diesem Jahr zu überzeugen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Bis spätestens Oktober muss eine Vorlage verabschiedet werden. Sonst wird es wieder zu knapp mit der Werbung.
Lesen Sie dazu auch die Meinung der 16vor-Redaktionsleiter in dem Doppelkommentar “Glanz oder gar nicht“.





1. September 2010 (12:04 Uhr)
“Die unbekannte Oper lief besser als das Schauspiel, und der große Namen bei der Lesung zog überhaupt nicht.”
Ja, woran lag das wohl? Vielleicht daran, daß man die angesehene Schauspielerin Corinna Harfouch für eine Lesung verwendet hat, anstatt sie bei einem der Stücke mitspielen zu lassen? Ich denke, die Lesung kann eher als Erfolg gewertet werden, wenn man sich mal die Besucherzahlen bei anderen Lesungen z.B. im Interbook ansieht. Der große Name hätte sicherlich deutlicher gezogen, wenn man Frau Harfouch gemäß ihrer Kernkompetenzen eingesetzt hätte.
1. September 2010 (12:36 Uhr)
Meine Frage, ob in der FAZ, der Zeit und der Süddeutschen inseriert wurde, bezog sich übrigens auf bescheidene 3-Zeiler in den monatlichen Kulturkalendern dieser Zeitungen. Die kosten eine Handvoll Euro, werden aber von denjenigen, die man mit solchen Festspielen erreichen will, regelmäßig gelesen. Schade, dass man das bei einem Anzeigenbudget von 25.000 Euro nicht hinbekommen hat, sondern stattdessen hauptsächlich die hiesige Region mit diversen Anzeigen “zugepflastert” hat.
1. September 2010 (13:35 Uhr)
Werbung lebt von Wiedererkennung.
Als die Antikenfestspiele 1998 an den Start gingen, gab es das rundum gelungene Motiv einer glatzköpfigen Frau, die die Veranstaltungsstätten en miniature als Schmuck trug – das fiel auf, sprang einem förmlich entgegen.
Verantwortliche Werbeagentur war damals Zink & Krämer (man darf ja auch mal die Konkurrenz loben). Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wechselte man Mitte der 00er Jahre die Agentur. Die glatzköpfige Frau verschwand – und damit auch die Wiedererkennung.
Die Veranstalter erkannten, dass sie Mist gebaut hatten und kehrten im Folgejahr zum bewährten Motiv zurück.
Eigentlich hätte man jetzt schlauer sein müssen. Doch pünktlich zu den Antikenfestspielen 2010 glaubten die Veranstalter in Sachen Werbung das Rad mal wieder neu erfinden zu müssen. Also ließ man eine andere Agentur ran. Und damit war die glatzköpfige Frau erneut verschwunden – und mit ihr die Wiedererkennung.
Angesichts eines solchen Bäumchen-wechsle-dich-Spiels ist es kein Wunder, dass der langfristige Aufbau einer bundesweit bekannten Marke (und das sollten die Antikenfestspiele ja eigentlich mal werden) schon daran scheitert, dass die Außendarstellung ständig wechselt. Das sind Anfängerfehler.
Wenn dann noch versäumt wird (wie Peter Spang erwähnt), in den monatlichen Kulturkalendern der überregionalen Zeitungen zu inserieren, ist es keine Überraschung mehr, dass Theater- und Operninteressierte jenseits von Rheinland-Pfalz dem Kultureignis fernblieben – woher hätten sie von der Existenz der Antikenfestspiele wissen sollen?
Kurz und schlecht: Die Antikenfestspiele 2010 waren ein Vermarktungs-Gau erster Güte. Über die miesen Besucherzahlen braucht man sich daher nicht zu wundern.
Anm. d. Red.: Frank Jöricke arbeitet als Werbetexter für eine Agentur in Föhren.
1. September 2010 (14:26 Uhr)
zu glauben, dass deswegen (überregionale werbung) die massen nach trier pilgern, halte ich für ziemlich realitätsfern. die stadt verzettelt sich mit einem schön gedachten aber unrealistischem kulturprojekt, anstelle sich auf ihr kerngeschäft in sachen kultur zu konzentrieren. heisst z.b. sanierung und attraktivitätssteigerung eines vermotteten stadttheaters.
1. September 2010 (14:51 Uhr)
freifestspiele machen eben nur sinn, wenn es zu 90 % warm und trocken ist oder ein festspielhaus mit nem dach überm kopf vorhanden ist. ich fahr doch nicht weiter als 150 km wohin, wo ich weiss, dass die wahrscheinlichkeit besteht wegen schlechtem wetter in einer provisorischen halle zu landen. so wie jetzt die spielstätte amphitheater konzipiert ist, mit dem hohen anspruch auch noch, spricht es nur eine erlesene kleinregionale gruppe an. will sich das die stadt leisten?
1. September 2010 (14:59 Uhr)
…
wenn ich mir aber jetzt nur mal besucherzahlen und marketingkosten anschaue komm ich auf eine lustigen betrag von 45,-€ pro regulär zahlenden gast!
(sponsor- u freikarten laß ich mal raus- da wären die zahlen auch mal interessant)
da hätten man sich den umweg auch sparen können, und den leuten das geld direkt geben können- dafür hätte ich mir die “show” auch angesehen…
just my 2 cents…
1. September 2010 (15:18 Uhr)
@bambam:
nun ja, wahrscheinlich dürfte das auch ungefähr die summe sein, mit der du als normaler theaterbesucher pro veranstaltung bezuschusst wirst. es ist nur die frage, was kann und will sich die stadt noch leisten? theaterbetrieb ist elementar für das kulturelle stadtleben und die antikenfestspiele eben nicht.
1. September 2010 (16:22 Uhr)
Nein ! Diese Antikenfestspiele gehören in die Ablage – für immer !
Hochgerechnet wurden an die 700 000,- Euro von der öffentlichen Hand dafür ausgegeben ( inkl. Landes- und EU – Gelder) ergo kommt man auf um die 100 ,- Euro Subventionierung pro Besucher. – Was für ein Wahnsinn!!!
Wofür das alles ???
Auf der einen Seite gehen in Trier reihenweise Spielstätten baden ( Chat Noir, Karrusell, Produktion etc ) – auf der andren Seite wird Geld auf dem Altar der selbstgefälligen Priester der offiziellen Hochkultur verbrannt.
der Antikenfestspiel – Leuchtturm hat keine Existenzberechtigung , sein Licht ist ein klägliches Strohfeuerchen, dem offiziell nur 23 (!) Kulturpilger aus der Ferne folgten… – peinlich!
Falsch – es ist nicht nur ne Frage der Werbung – sondern auch des Angebotes.
Mit nur einem Bruchteil des Geldes wäre die Stadt Trier in der Lage nachhaltige kulturelle Events zu schaffen , die wirklich scharenweise Besucher von nah und fern nach Trier ziehen.
Kulturförderung gehört zudem in die Fläche der Trierer KulturLANDSCHAFT , viele kleine Feuer könnten hier die Menschen aus nah und fren “erwärmen”…
Wenn man aber unbedingt 700 000,- verballern will, so soll man einfach einen 700 m hohen Turm aus 1 Euro Stücken bauen, mit dem Namen Babylon 2011, dieses würde als Aktionskunst erheblich mehr Aufmerksamkeit weltweit verursachen als diese sog. Antikenfestspiele. Nach einem Jahr bekäme jeder Trierer 7 Euro und müßte davon wiederrum 70 Luftballons mit der Werbung für die Karl Marx Ausstellung im Jahre 2013 in die Welt “gleiten” lassen – ergo würden 7 000 000 Luftballons die gesamt Großregion ( je nach Windverhältnissen) “verseuchen” : Was für ein Werbeffekt!
Hier sollte lediglich verdeutlicht werden, daß man Geld ( auch kulturell) erheblich sinnvoller einsetzen kann…
1. September 2010 (17:09 Uhr)
100 € Zuschuss für jeden Besucher der Antikenfestspiele. Das stelle man sich mal vor! Und dabei dachte ich immer meine Heimatadt sei pleite! Weit gefehlt. Trier leistet sich was. Ich bin echt mal gespannt, was “Brot und Spiele” mal wieder an Zuschussbedarf anfragt. So geht es weiter und weiter. Wollen die uns Bürger eigentlich vera…? Ich könnte mir in Trier – weiß Gott – sinnvollere Investitionen vorstellen als die alljährliche Subvention einer elitären Missgeburt von einem Festspiel. Da kommt auch bei hart gesottenen Bürgern so was wie Politikverdrossenheit auf. Vielleicht schlägt mal ein Ratsmitglied mit der Faust auf den Tisch und sag: “Mit mir nicht mehr”… Den würde ich wählen: Da wäre mir dessen Farbe schon beinahe egal.
1. September 2010 (20:19 Uhr)
Das Problem ist der Theater-Intendant: Er hat keine Ahnung von Festspielen, keine Lust dazu und keine Kontakte zu Promis. Das kann nicht funktionieren. Das Image der Festspiele wurde schon ruiniert, als Weber mit seinem Musical baden ging. Danach kam ein jahrelanger Schlingerkurs. Und jetzt werden alte Ideen als neues Konzept verkauft. Da ist jetzt nix mehr zu retten. Aber Hauptsache, der Stadtrat hat noch schnell vor dem Antikenfestspiel-Desaster Webers Vertrag bis zur Rente gesichert… Da brauchen die Damen und Herren jetzt auch nicht stöhnen.
1. September 2010 (23:49 Uhr)
Vor ganz vielen Jahren, als zum ersten Mal seit unendlichen Zeiten mal wieder eine kulturelle Aufführung im Amphitheater anstand, bin ich hin: zum Carl-Orff-Konzert. Überhaupt kein Freund dieser Musik, war der Abend dennoch absolut wundervoll. Warum? Weil sehr viele Zuschauer/hörer ringsum auf den grasbewachsenen Hängen saßen, lagerten, bei einer mitgebrachten Flasche Wein diese seltsame Musik bis in die Dämmerung hinein genossen. Kein Schimmer von Hochkultur – ausser bei der Darbietung selbst. Der Rest war Familienausflug und Relaxen auf Grashängen – wunderschön. War ein Super-Anfang, aus dem echt was hätte werden können. So ists halt oft in der Moselmetropole……
2. September 2010 (07:41 Uhr)
Festspiele sollten lieber Städten überlassen werden, die
1. langfristig fest hinter einem Konzept zu stehen vermögen und es nicht dauernd ändern,
2. einfach die finanziellen Mittel haben,
3. Orchester/Sänger mit Rang und Namen vorzuweisen haben (hätte Trier mit Grundheber ja auch – warum wird der nicht in das Konzept mit integriert?)
4. mehr Ahnung von Marketing haben. Nicht nur die erwähnten Festspielkalender hätten bearbeitet werden müssen, man hätte auch auf ganz einfach Urlaubsunternehmen aus der Ferne Gruppenreisen zu den Antikenfestspielen anbieten sollen – es gibt beispielsweise genügend Busunternehmen, die gern solche Kulturreisen erfolgreich anbieten (halt nicht unbedingt hier in der Region).
Lasst es gut sein, liebe Trierer. Fürs Mittelmaß reicht’s in Trier (siehe Theater) – für die höheren Weihen gehe ich selbst lieber in die Philharmonie nach Luxembourg und zu den richtigen Festspielstätten.
2. September 2010 (15:03 Uhr)
@Dux-2000:
Ekelhafter Kommentar. Undifferenziert und peinlich. Das was du da geschrieben hast nenne ich peinliche MISSGEBURT von Niederschrift. Ich wette mit dir, dass du nicht EINMAL bei den Festspielen gewesen bist.
@Exilfranke: Soweit ich weiß, singt Grundheber in Trier (fast) immer kostenlos. Der Mann will auch von was leben – und wenn ich in Hamburg Holländer für gutes Geld machen kann, dann geh ich doch nicht ständig nach Trier singen!
@Intendant: Leider richtig. Weber hat nicht wirklich Ahnung – und ist sowohl im Schauspiel als in der Oper peinlich mitanzusehen. So wird auch der kommende Macbeth mit schlechter Regie und fauchenden Sängern baden gehen! (Bzw.: Die Trierer presse wird ihn wohl lieben!) Trotzdem sind seine Gedanken insgesamt nicht schlecht – Nur hapert es an seiner Umsetzung.
3. September 2010 (14:02 Uhr)
@Ka(r)tharsis (sic!): Wenn ein Varieté wie das “Chat Noir” untergeht, woran liegt es denn? Soll man statt des einen großen nun jeden kleinen kranken Kulturmann in der Moselstadt im Siechtum subventionieren?
Man kann Verschwendung durch Kultursubventionen beklagen, aber dann doch bitte nicht unterschwellig nur den Empfänger geißeln und stattdessen hundert andere nennen, die das Geld auch gut gebrauchen könnten, aber für sich eigentlich auch nicht konkurrenzfähig sind.
Wenn ein Laden keine Kunden hat, geht doch die Stadt auch nicht plötzlich dort einkaufen…
Erstaunlich, dass die Kritiker immerzu schreien, es werde Geld verschwendet, auch wenn es ein erstes Jahr mit dem neuen Konzept gewesen ist. Als wäre jeder von denen ein vom Himmel gefallener Meister, der es auf Anhieb richtig machte?
Wohl kaum. Thomas Alva Edison hat mal gesagt: “Ich bin nicht gescheitert, ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren!” und er hat auch gesagt, die größte Schwäche des Menschen sei es, aufzugeben. Der sicherste Weg zum Erfolg sei, es immer noch ein letztes Mal zu versuchen.
4. September 2010 (14:53 Uhr)
auch wenn ich finde, dass diskussionen wie dieses viel zu oft im sande verlaufen und in den meisten fällen von denen ignoriert werden, die am ende die entscheidungen fällen, möchte ich einige relativ objektive einblicke teilen, in der hoffnung dass sie zur kenntnis genommen werden.
ich habe zufälligerweise in diesem jahr in zwei der hier angesprochenen spielstätten gearbeitet, zum einen im variete chat noir und zum anderen im theater trier, bei den antikenfestspielen.
das variete war in privater hand und ist an dem phantastisch bis irrsinnigen größenwahnsinn des unternehmerisch absolut unfähigen inhabers gescheitert und nun insolvent.
das theater trier ist in öffentlicher hand und wird subventioniert wenn es scheitert.ich habe den intendanten nur kurz und sehr oberflächlich kennengelernt und möchte mir kein urteil über ihn erlauben.
eine für mich zutiefst schockierende und desillusionierende erfahrung war es allerdings, mitansehen zu müssen wie das theater trier mit den ihm zu verfügung gestellten geldern umgeht.
um es mit einem prägnanten beispiel auf den punkt zu bringen: wenn ein maßgeschneidertes echtlederkostüm im fundus verstaubt weil es dem kostümbildner doch nicht mehr gefällt, muss ich mich doch fragen wo die verantwortung für öffentliche gelder bleibt?!ich möchte hier keine zahlen nennen, aber der kostümetat für die antikenfestspiele übersteigt unter garantie ihre vorstellungen.
ich bin keineswegs gegen die antikenfestspiele. bei solchen summen muss die stadt ganz einfach mehr finanzielle transparenz vom theater verlangen.
und auch ein intendant mit phantastischen illusionen muss auf dem boden der tatsachen bleiben und mit den mitteln arbeiten können die ihm zur verfügung gestellt werden.
es mag naiv klingen, aber nach gewissen erfahrungen am theater habe ich mich zum einen entschlossen in absehbarer zeit nicht mehr an einem stadttheater zu arbeiten und zum anderen guten gewissens auch mal schwarz zu arbeiten.
wenn steuern hierzulande auch schon mal im kostümfundus vergammeln, betätige ich mich doch lieber ehrenamtlich und erreiche zumindest gefühlt wesentlich mehr damit.
6. September 2010 (00:43 Uhr)
@Metallkopf, tja da hab ich ein R zuviel – was das wohl zu bedeuten hat (:-)) …
Sehr richtig erkannt :” Wenn ein Laden keine Kunden hat, geht doch die Stadt auch nicht plötzlich dort einkaufen…” Guter Metallkopf. Aber wie wird doch Thomas Egger zitiert : “Wir haben kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmenproblem”. klar -
es ist letzendlich tatsächlich nur die Frage der Prioritäten, die gesetzt werden…
Das Zitat von Edison könnte böswillig auch als Anstiftung zur Insolvenzverschleppung interpretiert werden… :-) , – ein privater Unternehmer kann das eben genau nicht – immer wieder probieren, ohne Schaden zu verursachen eben auch bei Dritten.
Wenn wunderts bei derartigen oder ähnlichen Kommentaren eignetlich, daß Trier von außen eher als “konservativ” wahrgenommen wird…
13. September 2010 (14:26 Uhr)
Es ist immer wieder in dieser Stadt erstaunlich zu sehen für mich, dass die Menschen die keine Ahnung haben, die wichtigsten Positionen besetzen, die jedoch nicht über das entsprechende Wissen oder viel wichtiger für die Kultur über ein gewisses Feingefühl sowie Passion und Profession verfügen.
Das beste Beispiel ist ein Intendant, der aus einer Landeshauptstadt kommt und u.a. keine Ahnung von Musiktheater hat und nur auf seine Rente anscheinend wartet.
Die Trierer brauchen immer länger als der Rest von Deutschland. Das wäre ja egal, wenn Sie wenigstens so schlau wären , nicht soviel zu experimentieren und sich auf fundierte Werte zu bauen.
Dazu gehört eben auch in der heutigen Kultur u.a. das Marketing und Sponsoring.
Auch das kleine Theater Chat Noir am Kornmarkt ging nicht, da ehemalige Kneipenbesitzer und Handwerker der Meinung waren, Kunst machen zu müssen.
Vielleicht lernen endlich die Entscheider in dieser Stadt die Aufgaben so zu verteilen, dass die Flaschen bitte in den Regalen bleiben.
Peter Lamberty