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Mit dem Gesicht nach unten begraben

TRIER-NORD. Bei Ausgrabungen auf dem Grundstück “Maximinstraße 32″ sind Archäologen auf ungewöhnliche römische Bestattungsformen gestoßen.

Seit Mitte August führt das Landesmuseum mit finanzieller Unterstützung der Bauherren Ausgrabungen auf dem Grundstück in der Maximinstraße durch, wo in den nächsten Monaten ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage entstehen soll. Die archäologischen Untersuchungen sind auf drei Monate angelegt. Das Baugelände liegt auf dem nördlichen Gräberfeld der antiken Stadt, das sich vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. außerhalb der römischen Siedlung zu beiden Seiten der von der Porta Nigra kommenden Ausfallstraße (leicht westlich der Paulinstraße) erstreckte.

Trotz teils tiefgründiger Störungen durch neuzeitliche Kelleranlagen konnten auf der 600 Quadratmeter großen Fläche bislang bereits sieben römische Gräber (zwei Brandbestattungen in Urnen und fünf Körperbestattungen) dokumentiert werden. Die Brandgräber datieren nach den Gefäßformen der Urnen in die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts und in das 2. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war es in unserem Raum üblich, die Toten zu verbrennen. Erst im Laufe des 3. Jahrhunderts setzte sich die Körper- gegenüber der Brandbestattung allmählich durch. Von den fünf Körpergräbern waren die meisten ohne Beigaben beigesetzt worden; in mehreren Fällen ließen Funde von Eisennägeln auf ehemalige Holzsärge schließen.

Eine Frauenbestattung war in einer Grabgrube beigesetzt, die mit römischen Dachziegeln ausgekleidet war. Die Beisetzung war insofern ungewöhnlich, als die Tote nicht in der üblichen Rückenlage, sondern auf dem Bauch liegend mit dem Gesicht nach unten niedergelegt worden war. Eine entsprechende Bauchlage konnte mittlerweile noch bei einem weiteren Grab innerhalb der Grabungsfläche beobachtet werden.

Die Tote des Ziegelplattengrabes verfügte über eine reichhaltige Baugabenausstattung: zwei Krüge, ein Trinkbecher, eine Glasflasche, ein Parfümfläschchen aus Glas sowie eine Bronzemünze. Sie erlauben eine Datierung des Grabes in die Jahre um 100 n. Chr., also in eine Zeit, in der die Sitte der Brandbestattung noch weithin dominierte. Das aufgedeckte Grab zählt damit zu den frühen Körpergräbern des römischen Trier, wie sie beispielsweise auch im Umfeld der Porta Nigra festgestellt worden sind.

Die Bauchlage der beiden Toten wirft Fragen auf: Einzelne Körpergräber in Bauchlage sind auch von anderen römischen Gräberfeldern des Rhein-Mosel-Raums und der Schweiz bekannt (z. B. Rottweil, Avenches/Schweiz). Häufig deutet man sie als Gräber von sozialen Außenseitern, wobei man der besonderen Totenlage eine negative Bedeutung beimisst.

Die Konstruktion des Grabes mit Ziegeln und das Beigabeninventar sprechen hier eine deutlich andere Sprache. Sie weisen darauf hin, dass es sich im vorliegenden Fall um eine reguläre Bestattung handelt, die mit den gleichen Beigaben ausgestattet ist wie die zeitgleichen Brandgräber. Möglicherweise spiegeln Körperbestattungen dieser Art eher besondere Vorstellungen und Traditionen einer Minderheit in der Bevölkerung wider, die für uns nicht greifbar sind.

Von Bedeutung für die mittelalterliche Siedlungsgeschichte Triers ist ferner der Nachweis einer Wohnbebauung des 13./14. Jahrhunderts, die zur vorstädtischen Ansiedlung der Benediktinerabtei St. Maximin gehört haben dürfte. Zu den bislang aufgedeckten Siedlungsbefunden gehören u. a. zwei Brunnen und Teile eines Wohngebäudes. Dieses verfügte über einen Fußbodenbelag aus wieder verwendeten römischen Rundziegeln, Schiefer- und Marmorplatten sowie allerlei Bruchstein, die als unregelmäßiges Streumuster in der Art eines Terrazzobodens verlegt waren.

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Ernst schreibt:

    Ich weiß ja, de mortuis nihil nisi bene. Aber bei dem Fundort spricht vieles dafür, dass die Besagten auf dem Heimweg von der vor den Mauern in der Via Lacus gelegenen Viez-Taberna Ad Angulum die Abkürzung über den Friedhof nahmen, und da zuviel geladen, vornüber fielen, für tot gehalten wurden und an Ort und Stelle begraben wurden. Leti mille repente viae!

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