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Zweites Gleis nach Luxemburg kommt

Der Weg für den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Trier-Luxemburg auf einem Teilstück zwischen Igel und dem Grenzort Wasserbillig scheint nun endgültig frei. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und der luxemburgische Infrastrukturminister Claude Wiseler präsentierten am Donnerstag in Grevenmacher ein Finanzierungskonzept für das rund 19 Millionen Euro teure Vorhaben. Demnach will das Großherzogtum nahezu die Hälfte der Kosten tragen.

TRIER/LUXEMBURG. Eigentlich schien die Sache längst gelaufen, hatten Bund und Land ihre Zusagen doch schon gegeben. Doch nach dem Wechsel im Bundesverkehrsministerium von Wolfgang Tiefensee (SPD) zu Peter Ramsauer (CSU) kam das Projekt überraschend erneut auf den Prüfstand. Über Monate herrschte deshalb Ungewissheit, ob das Vorhaben, den rund zwei Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Igel-West und Wasserbillig mit einem zweiten Gleis zu versehen, überhaupt realisiert würde.

Seit Donnerstag steht nun fest: Das zweite Gleis kommt. Nachdem sich Kanzlerin Angela Merkel und Premier Jean-Claude Juncker im Frühjahr bei einem Treffen in Luxemburg darauf geeinigt hatten, eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der zuständigen Ministerien beider Länder einzurichten, verkündeten Ramsauer und sein luxemburgischer Amtskollege am Donnerstag endlich das Ergebnis. Im Moselort Grevenmacher teilten sie mit, dass die Finanzierung gesichert ist und sich das Großherzogtum im großen Maßstab an den Kosten beteiligen wird. Konkret übernimmt der Berlin nun zehn, Luxemburg acht und das Land Rheinland-Pfalz eine Millionen Euro der Gesamtinvestitionssumme. Offiziell muss das Finanzierungskonzept noch durch die Parlamente, doch vor allem in Berlin und Mainz wird man dem Ganzen wohl kaum noch Steine in den Weg legen können.

Denn vor allem die generöse Beteiligung Luxemburgs kommt einigermaßen überraschend, hatte doch schon Wiselers Amtsvorgänger Lucien Lux angeboten, dass sich das Nachbarland unter bestimmten Bedingungen finanziell am Ausbau des deutschen Streckenabschnitts beteiligt. Doch auf dieses Angebot ging man hierzulande zunächst nicht wirklich ein. Umso bemerkenswerter, dass das Großherzogtum nun bereit ist, einen derart erheblichen Anteil zu übernehmen. Der Trierer Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster sprach denn auch von einer “prima Sache, wie sich Luxemburg hier einbringt”.  Zugleich werde aber auch deutlich, “dass der Bund seinen Verpflichtungen nachkommt”, erklärte er am Nachmittag gegenüber 16vor. Kaster hatte sich in Berlin wiederholt für den Streckenausbau eingesetzt und darauf verwiesen, dass es sich um die einzige Schienenverbindung zwischen den beiden EU-Staaten handelt.

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11 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Malte Beyer schreibt:

    Halleluja,

    jetzt müsste nur noch Luxemburg an der Strecke zwischen Oetrange und dem Hauptbahnhof über Cents-Hamm arbeiten und sie zweigleisig ausbauen, damit die 5 Minuten langen Umwege für etliche Regionalzüge über die Südeinfahrt des Hauptbahnhofs und die Verspätungen durch das Warten auf entgegenkommende Züge endlich aufhören.
    Immerhin werden Richtung Belgien Millionenbeträge investiert, um die Streckengeschwindigkeit von 130 auf 140 km/h zu erhöhen und damit 30 Sekunden zwischen Luxemburg und Arlon einzusparen…

  2. Frank Jöricke schreibt:

    Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Luxemburg finanziert zu 3/7 (gut 42 Prozent) den Ausbau einer weitgehend deutschen Bahnstrecke. Entwicklungshilfe nennt man dies wohl. Wäre Jean-Claude Juncker nicht schon Ehrenbürger von Trier, spätestens jetzt müsste er es werden! Ein großer Dank ans Großherzogtum! (Und ein kleiner an den Eisenbahnersohn Bernhard Kaster, der jahrelang hartnäckig Lobbyarbeit in Sachen Bahnausbau betrieben hat – es war ein ziemlich dickes Brett, das hier gebohrt werden musste).

  3. Steueresel schreibt:

    Naja, nachdem die Luxemburger durch Bankgeheimnis und liberale Fondsgesetzgebung dafür gesorgt haben, dass zig Milliarden von Deutschland nach Luxemburg transferiert und der hiesigen Besteuerung entzogen wurden können sie wohl relativ schmerzlos mal 8 Milliönchen springen lassen, damit das Fußvolk etwas zügiger ins Büro und die Oma bequemer an ihre Zinsen kommt…

  4. gebürtiger Trierer schreibt:

    meinem vorredner kann ich mich nur anschließen….alle haben kasters bemühungen die letzen jahre ins lächerliche gezogen oder als sinnlos abgetan. hätten sich alles mandatsträger überparteilich zusammengeschlossen (hallo herr diller, sie waren gemeint!) und herrn kaster beim dicke bretter bohren geholfen, wäre es vieleicht schon ein bißchen schneller und früher mit dem 2. gleis gegangen.
    ich fand es schon bezeichnend, wie der bahncheff vor einiger zeit, bei seinen besuch im werk trier, herrn kaster gesondet begrüßte, als derjenige, der im dauernd im büro auf den füßen steht, mit der bahnanbindung trier.

    vielen dank herr juncker, vielen dank herr kaster! schade das es nicht mehr politker wie sie gibt.

  5. Metallkopf schreibt:

    Das ist doch die Crux. Aus parteipolitischen und persönlichen Gründen gönnt man dem politischen Mitbewerber nicht den Dreck unter den Nägeln. Und kneift dafür die Chancen einer ganzen Region.

    Gut, dass wenigstens die Luxemburger planvoll in die Zukunft sehen. Die wissen auch, dass sie von vielen Pendlern aus Deutschland profitieren.

  6. Steuerzahler schreibt:

    Lieber Herr Steueresel,

    ich muss Ihnen völlig recht geben. Es ist einer Sauerei, dass es immer noch Länder gibt, die eine autonome Politik führen und sich nicht nach deutschem Recht und Vorbild verhalten! Aber vielleicht wäre ein Deal eine gute Idee? Luxemburg passt sich dem deutschen Bankenwesen an (na ja, vielleicht könnte man wenigstens die IBAN bestehen lassen, die gilt weltweit, nur Deutschland hinkt hinterher) und dafür werden bundesweit die Miet- und Kaufpreise für Wohnungen und Bauflächen den luxemburgischen Preisen angepasst.
    Oder aber, jeder kehrt vor seiner Tür und verwandelt seine Ressentiments gegen seine Nachbarn (in jeglicher Form) in Respekt.

  7. Jürgen schreibt:

    @ Steuerzahler

    Wir haben in Trier und Umgebung aufgrund der Nähe zu Luxemburg die zweithöchsten Miet- und Kaufpreise in Rhl-Pf

  8. Steuerzahler schreibt:

    Oh, das war mir so nicht bewusst. Ich habe auf einer Internetseite von Focus gekuckt und da fand ich beim schnellen Suchen in punkto Miete Ludwigshafen, Frankenthal, Koblenz und Mainz als teurer. Aber würden Sie mir bitte Ihre Quelle nennen, insbesondere mit dem Verweis, dass die Miet- und Kaufpreise wegen der Nähe zu Luxemburg so hoch sind.
    Nein, aber ehrlich. Kann es denn sein, dass wir uns wirklich über so ein kleines Land wie Luxemburg, was uns nun wirklich nichts tut, so ärgern müssen? Muss man denn immer mit dem Finger auf den Nachbarn zeigen und sagen “die sind doof”? Warum lassen wir die nicht in Ruhe und machen unseren Leuten hier Feuer unterm Arsch, dass die sich was einfallen lassen, um sich zu positionieren? Muss denn der Nachbar seinen neuen BMW wieder verkaufen, weil ich mir selbst nur ein Toyota leisten kann? Auch wenn Luxemburg ein kleines Land ist, müssen wir uns denn so äussern? Würden wir uns erlauben so über beispielsweise Österreich oder Polen zu reden? Haben wir wirklich nicht mehr als das drauf? Deutschland hat so viele Reichtümer, eine unglaubliche Geschichte an Kultur und Philosophie, sogar im Sport Weltklasse und dennoch kommen solche Sprüche, die wir uns in Deutschland nicht sagen lassen würden. Ich glaube, wir haben mehr drauf…

  9. Steueresel schreibt:

    @Steuerzahler
    Hier geht es nicht darum, dass Luxemburg irgendwelchen deutschen Vorgaben folgen sollte, sondern dass es den internationalen Standards folgen sollte, die für Länder gelten, die erst gar nicht mit Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung in Zusammenhang gebracht werden wollen. Die FATF, die immerhin aus den 34 wirtschaftlich wichtigsten Nationen sowie der EU-Kommission und Gulf Cooperation Council besteht, hätte Luxemburg um ein Haar auf die Liste der in Sachen Geldwäschebekämpfung und Terrorismusfinanzierungsbekämpfung nicht kooperierenden Länder gesetzt, auf der vor der Diskussion nur Myanmar stand. Aber sicher handelte es sich dabei um bloße Schikane aus reinem Neid.. Und dass bis 2008 die Mieten und Grundstückspreise in der Region Trier u.a. wegen der gutverdienenden Grenzgänger und Luxemburger angestiegen ist, war der hiesigen Presse zu entnehmen und ist an sich auch so jedem klar – fahren Sie doch mal durch die Baugebiete.. Hier geht es aber nicht um Neid, sondern darum, dass innerhalb einer Wirtschafts- und Währungsunion nicht derart große Unterschiede in den Steuersätzen und Sozialabgaben bestehen sollten. Dass viele Deutsche in Luxemburg oder der Schweiz Arbeit haben und so von der Situation profitieren bestreite ich nicht. Familien mit niedrigen Einkommen, die in Deutschland erwerbstätig sind, leiden aber unter den hohen Mieten bzw. Grundstückspreisen und müssen wegen der Kapitalflucht aus Deutschland auch noch höhere Abgaben zahlen.

  10. Jürgen schreibt:

    @ Steuerzahler

    http://www.16vor.de/index.php/2010/10/13/nur-mainz-teurer-als-trier/

  11. schuth schreibt:

    @ Steueresel et al.
    Weia! Woher haben Sie denn Ihre Komplexe gegenüber dem Ländchen, seinen vermeintlich so reichen Einwohnern und den noch vermeintlicher so reichen Grenzgängern? Mal dort beworben und nicht genommen worden?!
    Zur Aufklärung:
    1. Längst nicht alle Luxemburger sind reich!
    2. Längst nicht alle Grenzgänger sind reich! Denn nicht jeder ist höchstbezahlt im Finanzsektor tätig. Im Segment der Durchschnittsverdiener sind nämlich die Unterschiede in den Steuersätzen und Sozialabgaben vielfach durch von vorneherein niedrigere Bruttolöhne eingepreist, und schließlich kostet auch das Pendeln nicht nur Zeit sondern auch Geld. Sicher, es gibt keinen Grund, sich zu beklagen, aber definitiv auch nicht für die ‚Daheimbleibenden’, denn
    3. Nicht nur die Grenzgänger (egal wohin) profitieren von der Situation – das gesamte deutsche Gemeinwesen profitiert. Oder wäre es Ihnen lieber, ich wäre, anstatt jeden Tag zu pendeln, in Deutschland arbeitslos, und „Familien mit niedrigen Einkommen, die in Deutschland erwerbstätig sind“ wie Ihre müssten dies auch noch finanzieren. Man kann eben auch in einer Wirtschafts- und Währungsunion nicht alles über einen Kamm scheren. Und: Sie fahren doch auch nach Luxemburg tanken, oder!?
    Bei den Entscheidungsträgern in Luxemburger weiß man jedenfalls offenbar inzwischen, was man an seinen Grenzgängern hat, und wirkt wie in diesem Fall daran mit, dass der Strom nicht abreißt und die Pendler-Infrastruktur verbessert wird; Eigennutz, ja, aber eben eine ‚Win-Win-Konstellation’!
    Es zwingt Sie im Übrigen niemand dazu, dort zu wohnen oder zu bauen, wo die ‘reichen Luxembourg(-Grenzgänger)’ die Preise in die Höhe getrieben haben (oder waren das vielleicht doch eher die Bauträger und Gemeinden, die hier den großen Reibach wittern?). Sobald man sich nämlich in und um Trier an die reichlich vorhandenen schönen Fleckchen begibt, wo die Anbindung an Luxembourg nicht so günstig ist, sind die Preise immer noch auf einem bezahlbaren Niveau.
    Vielleicht sehen wir uns ja mal im morgendlichen oder abendlichen Stau.
    Beste Grüsse!

    P.S.: Das luxemburgische Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungs-Bekämpfungsgesetz ist praktisch identisch mit dem der BRD, da es sich hüben wie drüben um die Umsetzung einer EU-Direktive in nationales Recht handelt; auf dieser Basis erlässt die jeweilige Finanzaufsicht (hüben BAFIN, drüben CSSF) entsprechende Richtlinien, die sich außer in der Sprache kaum unterscheiden.

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