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“Eine große Chance liegengelassen”

Nach Spielschluss kauerte Henrik Rödl noch lange auf der Bank und studierte die Spielstatistik. Eine Erklärung, warum seine Mannschaft in der Schlussminute den sicher geglaubten Auswärtssieg bei den Eisbären Bremerhaven noch aus der Hand gegeben hatte, fand der TBB-Trainer dort jedoch nicht. Die unglückliche 72:73-Niederlage beim Playoff-Halbfinalisten der vergangenen Saison war aus Trierer Sicht eine Mischung aus Unvermögen und fehlender Nervenstärke.

BREMERHAVEN. 58 Sekunden vor dem Ende der allenfalls durchschnittlichen Erstliga-Begegnung hatte der TBB alle Karten in der Hand, um das erste Auswärtsspiel der Saison für sich zu entscheiden. 72:68 lagen Rödls Schützlinge zu diesem Zeitpunkt vorne, zudem waren mit Torrell Martin und Andrew Drevo zwei Leistungsträger der Heimmannschaft mit vier Fouls belastet, mussten also dementsprechend vorsichtiger zu Werke gehen.

Doch es folgte eine hochdramatische Schlussphase, in der bei den Trierer Korbjägern nichts mehr gelingen wollte. Zunächst angelte sich Bremerhavens Craig Callahan nach einem vergebenen Korbleger seines Mitspielers Jan Lipke den Rebound und traf zum 70:72. Anschließend schenkte Philip Zwiener, der ansonsten eine tadellose Leistung zeigte und mit 23 Punkten bester Werfer des Spiels war, gegen den aggressiven Torrell Martin den Ball her, der daraufhin von George Evans unter dem Korb unfair abgeräumt wurde. “Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob Martins Aktion ein Foul war oder nicht. Das darf mir einfach nicht passieren”, redete Zwiener nicht um den heißen Brei herum. Martin nutzte jedenfalls die beiden Freiwürfe nach Evans’ Rettungsaktion: 72:72.

Noch waren 34 Sekunden zu spielen, Rödl stellte seine Mannschaft in einer Auszeit neu ein. Als der Ball wieder rollte, ließ zunächst Barry Stewart – der deutlich treffsicherer als in den ersten drei Begegnungen auftrat – die Chance zum Punkten aus. Die Kugel blieb aber in TBB-Besitz. Spielmacher Dru Joyce übernahm die Verantwortung, zog an Evans’ Block vorbei zum Korb – und verfehlte das Ziel. Bremerhaven sicherte sich den Rebound, spielte schnell nach vorne, wo Callahan beim Wurf gefoult wurde. Der erste Freiwurf landete zum Entsetzen der heimischen Fans auf dem Ring. Doch den zweiten ließ der Power Forward zum 73:72 durch die Reuse rauschen, die Halle tobte. Ein letzter Wurf von Zwiener von der Mittelline – das war’s für TBB. Der erste Teil der Nordtour – am Dienstag steht die Partie bei den EWE Baskets Oldenburg auf dem Programm – brachte nichts Zählbares für Rödls junge Mannschaft.

“Wenn wir kämpfen ohne Ende, haben wir auch die Chance, bei guten Mannschaften zu gewinnen”, versuchte der TBB-Coach das Positive aus der Niederlage herauszuziehen. Deutlich zerknirschter, nicht nur wegen seines Fehlers in der Crunchtime, stellte sich Zwiener der Presse. “Wir haben eine große Chance liegengelassen”, erinnerte der Topscorer, der zehn seiner zwölf Würfe aus dem Feld traf, an die Abwesenheit der beiden verletzten Eisbären-Spielmacher Donald Copeland und Jermaine Thomas.

Um den Aufbau kümmerten sich bei den Gastgebern Jan Lipke und der 19-jährige Anthony Canty. “Sie hatten beide Probleme, Ruhe ins Spiel zu bringen”, analysierte Doug Spradley. Insgeheim hatte der Eisbären-Trainer jedoch damit gerechnet, dass seine Guards von den Trierern mehr unter Druck gesetzt werden würden – das blieb über weite Strecken des Spiels aus.

Auch unter den Körben stieß die TBB, die in der ersten Halbzeit nur zwei Mal kurz in Führung lag (4:2 und 14:12), an Grenzen. Vor allem gegen Callahan fanden Evans, Maik Zirbes und “Maskenmann” Dragan Dojcin zu Beginn kein Rezept. Rödl bemängelte zudem, dass seine Mannschaft dem Gegner viele zweite Chancen ermöglicht hatte. “Wir hatten Probleme mit dem Rebounding von Bremerhaven, bis auf das letzte Viertel.” Dabei fehlten den Bremerhavenern in Sean Denison, der zwei Tage zuvor im Training umgeknickt war und deshalb geschont wurde, sogar der etatmäßige Center.

Direkt nach Spielende machte sich der TBB-Tross auf den Weg nach Oldenburg, wo am Dienstag die nächste Aufgabe wartet. Der aus Bremen stammende Zwiener wird dabei wie in Bremerhaven von Freunden und Verwandeten angefeuert. “Das war schon eine kleine Fankurve”, meinte der 25-Jährige mit Blick auf den “Pro-Zwiener-Block” auf den Rängen der Bremerhavener Stadthalle.

Eisbären: Martin (17), Drevo (16), Callahan (15), Lipke (8), Schwethelm (8), Canty (4), Shtein (4), Chaney (1).

TBB: Zwiener (23), Stewart (18), Joyce (8), Dojcin (7), Evans (4), Zirbes (4), Clay (3), Faßler (3), Bynum (2), Picard.

Viertelstände: 20:16, 39:33, 58:55, 73:72.

Zuschauer: 2910.

Dietmar Rose

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3 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. hd21 schreibt:

    Weder hier ist es mir gelungen heraus zu finden, mit welchem Spielstand die TBB das Süiel beendet hat (…eventuell, wenn ich den gesamten Artikel gelesen habe?!), noch auf der Website selbst ist mir dies gelungen?!

    Anm. d. Red.: Das Ergebnis steht bereits im Vorspann.

  2. Alen schreibt:

    Schade TBB, Kopf hoch, weiter machen und in Oldenburg gewinnen…..

  3. MGH schreibt:

    @Alen

    Wirklich schade, wäre aber auch eine Sensation gewesen, wenn sie in Bremerhaven gewonnen hätten. Ich hätte es ihnen aber gegönnt.

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