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Geschenktipps von 16 VOR

In drei Tagen ist Heiligabend und viele Menschen haben bereits Schlafstörungen, Schweißausbrüche und Herzrasen, weil sie noch Geschenke besorgen müssen und nicht wissen, welche. Wie schon auf den Tag genau vor einem Jahr schafft die Redaktion des größten partybilderfreien Online-Magazins in der Region Abhilfe: mit den “Geschenktipps von 16 VOR”. Von besonderen Büchern oder CDs über positiv stimmende Poster bis zu kulinarischen Kindheitserinnerungen gibt das Team ganz persönliche Empfehlungen für Weihnachtspräsente ab.

Christian Baron: Nur keine Sentimentalitäten! von Ernst Horst

Wer Donald Duck mag, wird dieses Buch lieben. Anhand vieler schöner Beispiele erklärt darin der Journalist Ernst Horst, wie Erika Fuchs – die 2005 verstorbene Übersetzerin der Mickey-Maus-Hefte – das Entenhausen mit Kuckucksuhren, Obsttörtchen und Hoffmannstropfen erfand und damit “die Gegenwartssprache mehr prägte als Günter Grass, Heinrich Böll und Christa Wolf zusammen“ (Denis Scheck). So erfand sie nicht nur den Inflektiv (“Seufz!“, “Bremsssss!“), sondern zitierte auch Schiller, wo im Original Shakespeare stand. Ein unterhaltsames und lehrreiches Werk für alle, denen Entenhausen schon immer näher war als Hoffenheim oder Neuseeland.

Jimi Berlin: Oldboy needs a dirty Rave von Flextronic

Um dem Weihnachtstrubel zu entgehen, feiere ich seit einigen Jahren Bescherung schon eine Woche im Voraus; dass ich überhaupt noch feiere, liegt natürlich an den Geschenken – ich freue mich eigentlich über jeden Scheiß, außer Mandarinen und Wachsmalstiftbilder. Richtig glücklich macht mich aber schönes Vinyl, wie z.B. vom Trierer Musiker FLEXTRONIC, der mit “Oldboy Needs A Dirty Rave” eine äußerst funkige Dubstep/UK Garage-Platte abgeliefert hat, die im Electrogenre zu den besten Undergroundproduktionen der letzten Jahre zählt. Ein Supergeschenk für alle Freunde der gepflegten elektronischen Beats.

Volker Haaß: Second-Hand schenken

Machen wir uns nichts vor: Weihnachten in der heutigen Zeit hat fast nichts mit Kultur zu tun, schon gar nicht mehr mit Religiosität. Im Vordergrund stehen die Absatzzahlen des Einzelhandels, der große Reibach zur Festzeit. Um sich von dieser Kommerz-Maschine nicht weiter hinters Licht führen zu lassen, sind andere Wege einzuschlagen. Es kann auch einfach mal Second-Hand verschenkt werden. Es gibt genügend Angebote, ob auf dem Flohmarkt nebenan oder im Internet, welche die Flucht vor den verführerischen Angeboten der Konzerne ermöglichen. Die Artikel sind nicht mal schlechter, meistens gar billiger und wirken dem Weihnachts-Kitsch entgegen.

Annika Hand: Zurückhaltung

Vergangenes Jahr empfahl ich Zeit als Geschenk. Doch zuviel Aufmerksamkeit kann lästig werden. Um also nicht auf Dauer als die ständig verfügbare Nervensäge zu gelten, empfehle ich für dieses Jahr Zurückhaltung. Und ein Geschenk, dass dem Beschenkten Zeit mit sich alleine verschafft: einen kräftigen Rioja und Benjamin Kunkels “Unentschlossen“. Einblicke in die Pathologie der Moderne, erhellende Einsichten für Frauen aufgrund männlicher Selbsterkenntnis oder einfach ein Statement gegen die damals unverdient schlechten Kritiken. Für Liebhaber aufmüpfigen Stils.

Christian Jöricke: Poesie des Biers von Jürgen Roth

Diese stark erweiterte zweite Auflage, die auch das im vergangenen Jahr erschienene “Das perfekte Wirtshaus” enthält und somit auf gut 800 Seiten angeschwollen ist, beinhaltet alle Bier thematisierenden Texte von unserem Freund und Gastautor Jürgen Roth. Darüber hinaus finden sich darin noch zwei Beiträge über Verkostungen in Lahnstein und einen gemeinsamen Ausflug nach Holland, die ich mit ihm zusammen schreiben durfte, einen Artikel über eine Hausbrauerei in der Region von mir alleine und eine Groteske über Trier, wegen der die Frankfurter Rundschau die großartige Rubrik “Fahren Sie bloß nicht nach…” einstellen musste.

Bettina Leuchtenberg: Winter-Survival-Kit

Ein echtes Winterpaket: Dicke Socken, das immer noch schöne Buch “Fräulein Smillas Gespür für Schnee” von Peter Høeg, die kitschigweihnachtliche CD “If on a Winter’s Night” live aus der Durham Cathedral von Sting und seinen Freunden sowie ein Päckchen Yogi-Tee. Wenn hier schon mal Winter ist, dann sollten wir diesen auch als solchen genießen. Morgens mit Sting aufstehen, sich bei Fräulein Smilla noch mal über die verschiedenen Schneesorten kundig machen und dann mit warmen Füßen durch die weiße Pracht laufen. Zu Hause dann entscheiden, ob der Yogi-Tee einen Schuss Rum vertragen kann und wieder die CD anschmeißen. So lassen sich die Feiertage gut gestalten – allein, zu zweit oder mit Familie. Und die Kinder? Die sollten auch etwas vorgelesen bekommen, am besten die Schneeseekleerehfee. Aber dann bitte den Rum weglassen.

Na Young Shin: Ente, Tod und Tulpe von Wolf Erlbruch

Ja, es schleicht tatsächlich der Tod durch dieses Bilderbuch, mit beinernem Schädel und fein schraffierten, dunklen, hohlen Augen. Doch ist es ein liebevoller, geduldiger Gevatter in kariertem Mäntelchen. Er hat die Ente schon immer begleitet (“Nur für den Fall”, sagt er). Für den Fall oder Unfall sorge aber das Leben (“Ich sag nur Fuchs.”). Auf so wenig Seiten, in knappen Sätzen und mit feinen Strichen entwickelt Erlbruch Zutrauen in das Leben und in den Tod. Dieses Stück Bild-Literatur ist weniger eine Frage des Alters als eine Frage des Sinns für Poesie und feinen Witz. (Es gibt eine große und eine kleine Ausgabe.)

Marcus Stölb: Jasmine von Keith Jarrett und Billy the Kid, pardon, Charlie Haden

Mein Jarrett-Favorit bleibt “The Melody At Night, With You”. Aber weil ich hier und heute keine alten Alben empfehlen will, sollte sich, wer auf gediegenen, niveauvollen Jazz steht, “Jasmine” zulegen. Eine CD, zwei Weltstars: Keith Jarrett und Charlie Haden. Relaxt interpretieren die Beiden eine Reihe schöner Love-Songs und Standards, vor drei Jahren entstanden die Aufnahmen in Jarretts Studio. 2010 kam die Scheibe auf den Markt, und sie übertraf bei weitem meine Erwartungen. Hier harmonieren zwei Altmeister aufs Vortreffliche und liefern gefälligen aber nicht seichten Jazz; Musik für fast alle Lebenslagen.

Eric Thielen: Sonne schenken

Ich tendiere in diesem Jahr ganz klar dazu, Sonne zu verschenken, weil dieses Wetter einfach die Sehnsucht nach Füßen ohne dicke Socken, nach Hälsen ohne Schals und Köpfen ohne Mützen nährt. Leider bin ich nicht Krösus, soll heißen: Ich kann nicht jedem meiner Lieben eine Reise in die Karibik spendieren. Ergo bleibt nur die Illusion – gebannt auf Papier, möglichst großformatig und naturnah. Ein Poster also – mit weißem Strand, Palmen, die sich im zarten Sommerwind wiegen, türkisblauem Wasser und fröhlichen Menschen. Kein Geschenk für die Ewigkeit, sondern für den Augenblick. Dann nämlich, wenn die Schwermut obsiegt – geboren aus Matsch, Kälte und Nässe. Bis zum Frühling, dann hat es ausgedient.

Ulrich Wirth: Konserviert Euren Geschmack durch Kochen mit Mutti!

Ich schenke mir eine Reise, die mich dreißig Jahre zurück in die Vergangenheit führt, aber auch zwanzig Jahre voraus in die Zukunft: einen Kochkurs bei meiner Mama. Das mag insofern verwundern, als dass “Futtern wie bei Muttern” bei uns zu Hause bedeutete, dass Obst und Gemüse, nachdem meine Mutter mit ihnen fertig war, nur selten noch Formen, Farben und Geschmack hatten, wie sie ursprünglich von Mutter Natur gemeint waren. Warum ich trotz dicker Mehlschwitzen dennoch mit meiner Mutter kochen will? Sie ist dement. Ihr fortschreitender Gedächtnisverlust ist mein Geschmacksverlust, des Geschmacks nämlich meiner Kindheit und Jugend. Und der besteht eben auch aus Brombeergelee und Weinsuppe mit Eischnee und Armen Rittern.

Tina (außer Konkurrenz): Patenschaft im Tierheim

Ich gehöre zwar nicht zur Redaktion von 16 VOR, sondern lebe gerade im Trierer Tierheim mit meinem Kumpel Tino, aber ich darf trotzdem einen Geschenktipp abgeben. Schenken Sie doch jemandem eine Patenschaft für einen meiner Mitbewohner hier. Die gibt es schon für 15,34 Euro im Monat. Damit tragen Sie dazu bei, dass es uns – bis wir ein richtiges Zuhause gefunden haben – an nichts mangelt. Ach ja, und bevor Sie gleich ein Tier verschenken möchten, denken Sie bitte gut darüber nach, ob der Betreffende verantwortungsbewusst genug ist und auch Zeit dafür hat.

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2 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Alen schreibt:

    Einfach genial Leute, Ihr habt Euch wieder selbst übertroffen. Tipps weit weg vom Mainstream, so soll es sein.

  2. Martin Klingsporn schreibt:

    Die Gelegenheit ist günstig: Herzlichen Dank für die ebenso verdienstvolle wie wohl unterbezahlte Arbeit an die ganze 16vor-Truppe. Macht weiter so trotz alledem.
    Gruß aus der Ferne

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