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Miezen warten nicht nur auf Erfolg

Sportlich kämpfen die Bundesliga-Handballerinnen der DJK/MJC Trier derzeit gegen den Abstieg. Der Verein hingegen kämpft mit finanziellen Schwierigkeiten. Nach Informationen von 16vor warten die Spielerinnen seit drei Monaten auf ihr Gehalt. Der “club.1500″ ist ein neues Projekt, das die finanzielle Schieflage auffangen soll.

TRIER. Thomas Happe, der Trainer der Miezen, kämpft zurzeit an vielen Fronten. Mit seinen Spielerinnen auf dem Parkett der Arena und in fremden Hallen gegen den drohenden Abstieg aus der Bundesliga und am vergangenen Freitagabend in den Räumlichkeiten der Volksbank um die Gunst der Sponsoren. Für den Silbermedaillen-Gewinner von Los Angeles 1984 im Herren-Handball keine einfache Situation, denn auch Happe weiß um die finanziellen Schwierigkeiten des Vereins, was die Arbeit mit der Mannschaft für den gebürtigen Dortmunder nicht gerade einfach macht. Einen geplanten Streik seiner Spielerinnen wegen ausstehender Gehaltszahlungen nach dem Auswärtsspiel in Frankfurt/Oder wollte Happe gegenüber 16vor zwar nicht bestätigten, dementierte aber auch nicht. “Einige Spielerinnen waren verletzt”, sagte der 52-Jährige knapp.

Manager Martin Rommel hingegen widersprach ganz klar: “Von einem Streik weiß ich nichts.” Zunächst hatte Rommel auch die Informationen von 16vor über ausstehende Gehälter dementiert, sagte dann jedoch: “Die werden demnächst bezahlt.” Jüngst hatte er sich gegenüber dem SWR ähnlich geäußert. Man sei auf einem guten Weg, betonte der Manager gegenüber einem Fernseh-Journalisten des Südwestrundfunks. Entgegen einem Bericht der Lokalzeitung Ende Dezember 2010 warten die Miezen allerdings nach wie vor auf ihr Geld. Wann die Gehälter der Spielerinnen gezahlt werden, wollte Rommel auch am Freitagabend trotz mehrmaliger Nachfrage nicht sagen. “Dazu gebe ich keine Auskunft”, so der Manager. Auch zu den Konsequenzen des möglichen Abstiegs aus der Bundesliga für die ohnehin prekäre Finanzlage des Vereins wollte Rommel sich nicht äußern. “Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, welche Auswirkungen der Abstieg haben könnte.”

Auch Willemijn Karsten, die aktuelle Kapitänin der Miezen, bestätigte die ausstehenden Gehälter. “Das ist natürlich keine schöne Situation für uns”, so die Niederländerin. Sie hoffe jetzt, ebenso wie ihre Mannschaftskolleginnen, dass der Verein seinen Verpflichtungen in dieser Woche nachkommt. “Im Moment gehen wir noch davon aus, dass unsere Gehälter demnächst bezahlt werden”, gibt sich die 24-Jährige optimistisch. Das habe der Verein den Spielerinnen zugesichert. Allerdings sagt sie auch ganz klar: “Sollte sich in den kommenden Tagen nichts tun, werden wir uns etwas überlegen müssen. Wir bringen unsere Leistung, und das erwarten wir auch vom Verein.” Karsten kuriert derzeit in ihrer Heimat eine schwere Jochbeinprellung aus, wird aber am Mittwoch wieder in Trier sein. Vom Klassenerhalt ist sie nach wie vor überzeugt. “Wir werden alles geben, um in der Liga zu bleiben.”

Den neuen “club.1500″, dessen Ziele am Freitagabend vorgestellt wurden und der bei einer weiteren Veranstaltung in dieser Woche endgültig aus der Taufe gehoben werden soll, wollte Rommel ferner nicht als letzten Strohhalm verstanden wissen. “Wir brauchen weitere finanzielle Unterstützung”, sagte der Manager jedoch vor dem Auditorium aus Spielerinnen, Sponsoren und Vereinsmitgliedern. “Nur so können wir erfolgreich sein, weil es schwierig ist, den Bundesliga-Handball finanziell aufrecht zu erhalten.” Die Verantwortung sei sehr groß. “Deswegen müssen wir die wirtschaftliche Basis stärken, um auch im zwölften Jahr Bundesliga-Handball in Trier bieten zu können.”

Zunächst will der Verein die bereits etablierten Sponsoren der Miezen – laut Rommel zwischen 40 und 50 – für eine zusätzliche Unterstützung gewinnen. Sie sollen die Basis im “club.1500″ bilden. Wer Mitglied werden will, muss dafür einen Betrag von 1.500 pro Jahr aufbringen. 60.000 Euro erhofft sich der Verein alleine von den bisherigen Sponsoren, weiteres Geld soll durch die Akquise neuer Mitglieder in die Kassen fließen. “Schön wäre es”, so Rommel, “wenn die Zahl 1500 irgendwann auch für die Anzahl der Mitglieder im Club stehen würde.”

Verantwortlich für Perspektive und inhaltliche Ausgestaltung des neuen Clubs ist Leo Hammes. Der Touristik-Fachmann ist seit vielen Jahren Unterstützer der Miezen. “Es ist nichts Neues, was wir Ihnen hier zeigen, und sicher auch nicht der Weisheit letzter Schluss”, sagte Hammes am Freitagabend während seiner Präsentation. “Aber ebenso klar ist, dass die wirtschaftliche Zukunft nicht alleine über die Zuschauerzahlen gesichert werden kann. Das ist einfach zu wenig, auch wenn die Miezen eine inzwischen große Tradition haben.” Hammes bemängelte zudem “die zuletzt zu kurz gekommene Kommunikation – intern wie in der der Außenwirkung”. Hier bestehe Nachhol- und auch Handlungsbedarf.

So sollen Unternehmer, die als Sponsoren auftreten, in Zukunft attraktive Angebote für die Mitglieder des “club.1500″ anbieten. “Wir denken da unter anderem an Reisen zu Sportveranstaltungen, zum Beispiel zu den Rhein-Neckar-Löwen in die SAP-Arena”, sagte Hammes. Diese “besonderen Angebote” sollen parallel zu den traditionellen Möglichkeiten des Marketings im Umfeld der Miezen stattfinden. Interessierten Sponsoren bietet der Verein neben dem Titel eines “Offiziellen Förderers der Trierer Miezen” sechs Freikarten inklusive VIP-Zugang, die Einladung zu jährlichen Mannschaftspräsentation sowie laut Club-Programm “zahlreiche Ermäßigungen bei öffentlichen Veranstaltungen und Einrichtungen”. Laut Hammes soll damit ein Anfang gemacht werden – mit Perspektive für die Zukunft. Langfristiges Ziel sei es, “die Trierer Miezen auf ein gesundes sportliches und finanzielles Fundament zu stellen”.

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6 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Alen schreibt:

    Es ist doch so, dass 3 Vereine in der Größenordnung von TBB, Eintracht UND Miezen für eine Stadt wie Trier eigentlich zuviel sind. Wo soll das Geld denn herkommen, um 3 Profivereine zu unterhalten. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Sportler nicht darunter leiden dürfen. Gehälter nicht zu bezahlen ist einfach unanständig.

  2. fipps schreibt:

    wer nicht zahlen kann, darf nicht im konzert der großen mitspielen .also ehrenvoll absteigen und wieder in der halle am wolfsberg spielen,wieder selbst das catering machen ,wäre ohnehin wahrscheinlich besser und viel günstiger, und eine möglichkeit der sanierung ohne den weg in die insolvenz zu gehen.

  3. MGH schreibt:

    Alle haben Probleme, das ist ja nicht neu. Beim SVE ist das Geld immer knapp, die ‘alte’ TBB hat Schulden angehäuft, aber dass der Lohn nicht bezahlt wird, ist eine neue Dimension in Trier (oder bei den anderen ist es bisher nie bekannt geworden). Es kann aber nicht sein, dass Spieler oder Spielerinnen die Dummen sind, weil ‘Managern’ oder Funktionäre übersteigerte Ansprüche haben. Man sollte einen sauberen Schnitt bei den Miezen machen und neu anfangen.

  4. Kritiker schreibt:

    @fipps

    Ist ja bereits alles gesagt: Wer seine Sportler nicht bezahlen kann, kann nicht ganz oben mitspielen. Ein Abstieg mit Würde und Neuanfang ist da allemal besser.

  5. Alexander Kellersch schreibt:

    @MGH: Ausstehende Löhne sind nicht so neu in Trier, das gab es bei der Eintracht zumindest vor ein paar Jahren leider auch schonmal. Ich meine das war am Ende der Saison, als Eugen Hach Trainer war.

    Es bleibt zu hoffen, dass die Gehälter der Miezen bald fließen werden und dass diese Situation eine wirkliche Ausnahme bleibt.

  6. Lindgren schreibt:

    Glückwunsch zum Sieg gegen Oldenburg. Das zeigt doch, dass der Abstieg auch noch verhindert werden kann. Doch will man überhaupt einen dritten Spitzenverein in Trier? Die beiden anderen Vereine haben meiner Meinung nach mehr Unterstützung und Lobby. Bei den Miezen ist vieles auf zu wenigen Schultern verteilt.

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