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Nur die Spitze des Eisberges

Sportlich hoffen die Miezen weiterhin auf den Klassenerhalt in der Bundesliga. Der Verein DJK/MJC Trier hingegen befindet sich in weit größeren Turbulenzen als bisher bekannt. Recherchen von 16vor ergaben, dass die nicht bezahlten Gehälter der Spielerinnen nur die Spitze des Eisberges sind. So verklagte Trainer Thomas Happe den Klub bereits im Dezember vor dem Arbeitsgericht Trier auf Zahlung von drei Monatslöhnen. Ferner sollen die Mitglieder des Vereins seit über vier Jahren nicht mehr in einer Versammlung über die Arbeit des Vorstandes sowie die finanzielle Situation informiert worden sein, Wahlen hätten demnach nicht stattgefunden – und das, obwohl Vorstand Oliver Bloeck vor mehr als drei Jahren seinen Rücktritt erklärt hatte. Das Amtsgericht Wittlich hat im November 2010 Aufklärung vom Verein verlangt, bisher ohne Erfolg.

TRIER. Im Register des Amtsgerichtes Wittlich ist der Verein DJK/MJC Trier unter der Nummer 2394 eingetragen. Als vertretungsberechtigt sind Martin Rommel, Jürgen Brech und Oliver Bloeck vermerkt. Das weisen die Miezen auch im Impressum ihrer vereinseigenen Homepage aus. Bloeck ist jedoch schon vor einiger Zeit als zweiter Vorsitzender zurückgetreten. “Ich habe mich vor rund dreieinhalb Jahren aus der Verantwortung zurückgezogen”, sagte der Trierer Unternehmer auf Anfrage. Warum er auch weiterhin als verantwortlicher Vorstand ausgewiesen wird, kann Bloeck nicht erklären: “Da müssen Sie die Herren fragen, die jetzt da an der Macht sind.”

Den Umstand, dass der Verein seit über vier Jahren keine Mitgliederversammlung mehr abgehalten haben soll, wollte Bloeck ebenso wenig kommentieren wie die aktuelle finanzielle Situation im Klub. Wegen fehlender Rückmeldung hat das Amtsgericht Wittlich als zuständige Registraturbehörde den Verein im November 2010 angeschrieben. “Bisher haben wir noch keine Antwort erhalten”, erklärte ein Mitarbeiter der Behörde in der vergangenen Woche gegenüber unserer Redaktion. Das letzte Schreiben der DJK/MJC an das Gericht datiert vom 15. November 2006. Damals teilte der Verein mit, dass sich bei den Wahlen keine Änderung im Vorstand ergeben habe. Eine schriftliche Nachfrage von 16vor, wann die letzte Mitgliederversammlung mit Wahlen abgehalten worden sei, wurde vom Vorstand nicht beantwortet.

Weil seither vier Jahre vergangen sind, hakte die Behörde nach. Denn in Paragraph 6 der Vereinssatzung ist verankert, dass eine Mitgliederversammlung jedes Jahr stattfinden muss, alle zwei Jahre zudem mit Wahlen. Findet keine Wahl statt, bleibt der Vorstand im Amt – bis zur nächsten Wahl. “Das ist jetzt eine juristische Frage, ob der amtierende Vorstand überhaupt noch vertretungsberechtigt ist”, so der Mitarbeiter des Wittlicher Gerichts. Ein Trierer Rechtsanwalt analysiert die grundsätzliche rechtliche Situation so: “Findet keine Mitgliederversammlung statt, gibt es keinen Rechenschaftsbericht des Vorstandes, keine Prüfung, keine Kontrolle über die Finanzen und folglich auch keine Entlastung des Vorstandes.” Der Jurist sagt auch: “Das kann so von der Satzung eines eingetragenen Vereins und auch vom Gesetz nicht gewollt sein.”

Doch gerade die finanzielle Situation ist das Hauptproblem des Trierer Klubs (16vor berichtete). Der Verein ist mit der Zahlung der Gehälter für die Spielerinnen weiterhin in Rückstand. Recherchen ergaben, dass der amtierende Vorstand im vergangenen Dezember zudem mit einer Klage von Trainer Thomas Happe konfrontiert worden war. Wie 16vor aus Trierer Justizkreisen erfuhr, klagte der Silbermedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele von 1984 im Herren-Handball auf Auszahlung der ausstehenden Beträge. Als das ihm zustehende Geld nicht – wie von Rommel zugesagt – Ende November auf seinem Konto eingegangen war, wandte Happe sich über einen Anwalt an das Trierer Arbeitsgericht. Der Gütetermin war für den 17. Dezember 2010 anberaumt. Das bestätigte Uta Lenz, die Direktorin der Justizbehörde, auf Anfrage. Einen Tag vor dem angesetzten Treffen vor Gericht überwies der Verein jedoch die ausstehenden Gehälter. Happe zog seine Klage zurück, wartet aber nun – ebenso wie die Spielerinnen – auf die Zahlung der nachfolgenden Monatsgehälter. Auf Anfrage lehnte der Trainer eine Stellungnahme ab: “Ich möchte das momentan nicht kommentieren.”

Im Gegensatz zum Trainer hat bisher noch keine Spielerin der Miezen den Gang zum Gericht angetreten, obwohl der Verein nach wie vor mit den Gehältern für November und Januar im Rückstand ist. Für die Sportlerinnen ist das jedoch keine neue Situation. Schon zu Saisonbeginn warteten sie auf ihr Geld. So wurden die Gehälter bereits im Sommer des vergangenen Jahres nicht pünktlich bezahlt, obwohl Vorstand Rommel gegenüber Spielerinnen und Trainer stets beteuerte, dass der Etat für die neue Saison gesichert sei. Die finanziellen Probleme des Bundesligisten sieht auch der Hauptsponsor Stadtwerke Trier (SWT) mit Sorge. “Wir empfinden die Situation als sehr bedauerlich und hoffen, dass die ausstehenden Gehälter in Kürze, wie vom Verein angekündigt, nachgezahlt werden”, sagte Pressesprecher Carsten Grasmück. Davon unabhängig kündigte er an, dass die SWT auch in der kommenden Saison Sponsorpartner der Miezen bleiben werden – in der ersten, aber auch in der zweiten Liga.

Immerhin konnte der Verein buchstäblich in letzter Minute verhindern, dass zwei seiner Spielerinnen (Namen der Redaktion bekannt) der Strom abgestellt wurde. Die SWT hatten den beiden wegen unbezahlter Rechnungen für den 11. Februar gedroht, die Versorgung ihrer Wohnungen in Olewig einzustellen. Wegen der ausgebliebenen Gehälter konnten die Sportlerinnen ihren Verpflichtungen gegenüber den Stadtwerken nicht nachkommen. Noch am selben Tag wurde die Situation durch Nachzahlungen entschärft. Grasmück wollte für die SWT dazu nicht Stellung nehmen. “Das Kundenverhältnis hat nichts mit dem Sponsoring zu tun”, sagte der SWT-Sprecher. “Aus Datenschutzgründen können wir keine Aussagen über unsere Kundenbeziehungen beziehungsweise Vertragsverhältnisse treffen.”

Unterdessen lehnte der Verein eine Stellungnahme ab. Eine schriftliche Anfrage von 16vor werde nicht beantwortet, teilte Miezen-Sprecher Sebastian Lindemans mit.

Anm. d. Red.: Vorstand Martin Rommel legt Wert auf die Feststellung, dass er lediglich gegenüber unserem Mitarbeiter keine Stellung zu der mit der Redaktionsleitung abgestimmten schriftlichen Presseanfrage beziehen wollte. Den Angaben im Text wurde nicht widersprochen.

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19 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. tgerber schreibt:

    Meine Güte. Soll ich mal anfangen zu weinen, wie oft ich meine Kohle vom Arbeitgeber zu spät oder gar nicht bekommen habe? Im Profisport ist es doch nochmal eine ganz andere Sache. Ich stelle es mir schwer vor, die Gelder für eine Frauen-Bundesliga-Mannschaft in Trier zusammnzubekommen.

    Ich finde, man sollte sich hier nicht als Anwalt der Spielerinnen groß tun. Die spielen doch gerade sehr erfolgreich im Moment, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Sieht also nicht so aus, als wärs so schlimm wie da geschrieben. Und wenn der Verein keine MV gemacht hat, dann sollten sich die Mitglieder doch einfach beschweren. Aber das scheint ja nicht der Fall zu sein. Abgesehen davon ist es natürlich schon komisch, wenn keine MV gemacht wurde. Allerdings ist das, find ich, eine Sache des Vereins selbst.

    Ein starkes Stück finde ich aber, dass hier Spielerinnen genannt werden, die ihre Stromrechnung nicht bezahlt hätten. Das ist doch deren Privatsache, oder macht das der Verein. Dann ist es ok. Aber so finde ich das nicht richtig, wenn man noch sagt, wo sie wohnen. Gute Fans wissen dann sicher schnell, um wen es geht.

    Ich find, Kirche im Dorf lassen. Das sind interne Sachen, die den Verein angehen. Die müssen das hinkriegen, wenn nicht, dann gehn sie halt den Bach runter. So ist das bei meinem Kegelclub auch.

  2. Fan schreibt:

    Peinlich für den Vorstand und ich ziehe den Hut vor den Spielerinnen, die trotz der Umstände sich immer wieder auf dem Spielfeld den A…. aufreißen!
    Kein wunder dass so viele Spielerinnen kommen und gehen bei den Bedingungen.

  3. Alen schreibt:

    “Unterdessen lehnte der Verein eine Stellungnahme ab. Eine schriftliche Anfrage von 16vor werde nicht beantwortet, teilte Miezen-Sprecher Sebastian Lindemans mit.”

    Und ich dachte die Zeit der undemokratischen Alleinherrscher wäre seit Doerfert im Trierer Sport vorbei. Wahrscheinlich müssen die Miezen aber auch noch die Erziehung mitmachen, die die Eintracht durchgemacht hat.

  4. Aggi schreibt:

    So was soll mal bei der Eintracht passieren, da hätte die Presse den Verein schon lange zerfetzt. Hier hat man scheinbar über Jahre hinweg nicht hingesehen, was da passiert. Typisch Trier, alle sind gleich manche sind gleicher.

  5. Annette schreibt:

    Zum Beitrag von tgerber kann ich nur sagen, dass ich das komplett anders sehe. Ein Verein ist nämlich kein Privatclub, in dem alles nur eine Sache der Mitglieder ist. Warum schreibt ein Amtsgericht den Verein an? Weil es nämlich einen klaren rechtlichen Rahmen gibt, und an den müssen sich eingetragene Vereine auch halten. Auf der anderen Seite gibt es nämlich dafür auch steuerliche Erleichterungen bzw. erhebliche Zuschüsse aus der Sportförderung aus Steuergeldern! Insofern ist das, was da vorkommt, keine Privatsache, sondern kann im schlimmsten Falle sogar (straf)rechtliche Konsequenzen haben.

  6. Godie schreibt:

    @tgerber
    Das sehe ich aber mal komplett anders. Man kann doch nicht weil man Rommel heißt einfach tun und lassen was man will in einem Verein. Man stelle sich nurmal vor ein Ernst Wilhelmi würde das beim SVE machen, was dann los wäre … nicht auszudenken.

  7. BenniBärenstark schreibt:

    Hallo,

    Das geht mal gar nicht… die Gehälter sind mir erstmal egal, aber die Anzahl an Fehlern ist nicht zu entschuldigen.
    Die Verweigerung einer Stellungnahme ist auch alles andere als vertrauensfördernd.

  8. Intendant schreibt:

    Warum steht da nix von im Volkfreund? Weiß das da niemand?? Oder ist das Kumpanei???

  9. Menis schreibt:

    Donnerstag wies ich auf der Gästeseite der Miezen auf den obigen Bericht hin, heute war er gelöscht. Ein weiterer Hinweis (11.10 Uhr) führte zum Hinweis: “Vielen Dank Menis für Ihren Beitrag. Wir werden ihn in Kürze freigeben.” Ein Wunder, dass immer noch die Miezen so einsatzfreudig spielen!

  10. Handballerin schreibt:

    Der Ruf von Martin Rommel eilt ihm in Trier schon seit Jahren voraus. Was hier beschrieben wird ist immer noch die Spitze des Eisbergs, trotzdem danke dafür das wenigstens mal ein Teil publik wird. Die Miezen haben nur eine Chance, wenn Herr Rommel endlich geht oder gegangen wird.

  11. ExilTrierer schreibt:

    Wenn es hier nicht um die Miezen gehen würde, sondern um die Eintracht wären schon mehr als eine Handvoll Leserbriefe da. Da sieht man doch welches Standing die Miezen in Trier haben.

  12. ramona schreibt:

    es ist an der zeit das herr rommel seinen hut nimmt denn er allein ist für
    dieses ausmass verantwortlich er schaut nur auf andere vereine erfurt aber was
    tut er spielt alleinunterhalter,der vorstand soll zurücktreteten und leute holen die vom sport was verstehen.einenen neu anfang mit neuen vorstand.
    Herr Rommel nehmen sie ihren hut sofort

  13. Ralf Seilheimer schreibt:

    Unter den gegebenen Umständen gebührt den Spielerinnen der

    größtmögliche Respekt. Welcher Arbeitnehmer gibt 110% ohne

    Kohle zu bekommen. Alle Hochachtung welche Charakterstärke!!

    Diese wünscht man sich an anderer Vereinsstelle auch.

  14. Leser schreibt:

    Aufgezeigt werden hier die Missstände und es wird suggeriert, als würden das die Beteiligten in voller Absicht machen. Dass der Verein seit Jahren kämpft ist doch kein Geheimnis… Und was es heißt zu kämpfen in einem Unternehmen, und nichts aderes ist die MJC, ist doch auch klar. Immer wieder Lösungen finden, obwohl die Kohle knapp ist oder gar nicht da ist. Respekt sollte man allen zollen, die hier trotzdem volle Leistung bringen und damit meine ich nicht nur Trainer und Spielerinnen. Einen Bundesligaverein im Damenhandball in unserer Region am Leben zu erhalten ist ganz sicher kein Zuckerschlecken, auch der Vorstand gibt hier seit Jahren ganz sicher alles, denn immerhin, noch ist der Verein in der Bundesliga. Auch kann sich sicher jeder vorstellen, dass unter den Umständen mehr als nur Herzblut der Verantworlichen drin steckt, denn wenn es ja nicht funktioniert, wäre es doch das einfachste aufzuhören und die Sache zu beenden. Dann aber wäre das Geschrei auch groß … Letztlich kann ein Bundesligaverein nur überleben, wenn die Verantwortlichen und Spieler, Fans und Zuschauer und vor allem stabile Sponsoren dem Verein die Treue halten und ihn unterstützen. Wenn das nicht funktioniert, gibts auch keinen Bundesligaverein … so einfach ist das …

  15. Werner schreibt:

    Die Leute aus Bascherage werden genau hinhören und -sehen.?

  16. Cadfael schreibt:

    Tja, Herr Leser, “so einfach ist das” – monatelang den Angestellten des Unternehmens (nichts anderes ist die MJC, da haben Sie recht) keine Gehälter zahlen, gegen Vereinsrecht verstoßen, auf Anfragen der Presse Antwort verweigern – so einfach ist das! Wenn die Angestellten des Unternehmens ihre ihnen zustehenden Gehälter gerichtlich einforderten, müsste wohl Insolvenz angemeldet werden. So einfach ist das! Herzblut schön und gut – aber Wohnung, Ernährung (auch SWT-Strom) gehören zum Leben. Nicht nur an den ach so bedauernswerten Vorstand denken – kann der einfach so “die Sache beenden”? Verbandsrecht, Strafen (Handballdurchführungsbestimmungen lesen)…. Das ist nicht so einfach! Ich gehe allerdings davon aus, dass alle (Spieler, Fans, Zuschauer, Sponsoren) dies so nebenbei (falls überhaupt) aus der Presse (16vor) erfahren würden – bei den Herrschaftsstrukturen des Unternehmens MJC.

  17. Wolfgang schreibt:

    @Werner

    Warum?

  18. Richildis schreibt:

    Mein lieber Cadfael,

    Du spricht mir aus der Seele.

  19. Alen schreibt:

    Frage: hat sich bei den Miezen inzwischen was getan, weil man nichts mehr liest?

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