“Religionen richten noch immer großen Schaden an”

Michael Schmidt-Salomon ist neben Karlheinz Deschner der derzeit bekannteste Religionskritiker Deutschlands. Der Trierer ist Mitgründer der “Giordano-Bruno-Stiftung”, die sich seit 2004 für die Interessen der Konfessionslosen einsetzt. Zuletzt sorgte er für Aufsehen mit seinem 2009 publizierten Werk “Jenseits von Gut und Böse – Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind”. 16vor sprach mit dem 43-Jährigen über Religion, sein am Donnerstag erscheinendes Buch “Leibniz war kein Butterkeks” und seine Zeit an der Universität Trier.

16vor: Herr Schmidt-Salomon, gibt es einen Gott?

Michael Schmidt-Salomon: Tut mir Leid, auf diese Frage kann ich keine klare Antwort geben, da der Begriff “Gott” nicht hinreichend definiert ist.

16vor: Die Frage zielt vor allem auf eine Titulierung des Spiegels ab, der Sie mal zu “Deutschlands Chef-Atheisten” gemacht hat. Würden Sie sich überhaupt selbst als Atheisten bezeichnen?

Schmidt-Salomon: Das kommt ganz drauf an. Tatsächlich halte ich “Gott” für eine “unelegante Hypothese”, die das Verständnis des Universums eher erschwert als erleichtert. Dessen ungeachtet könnte es aber durchaus einen “unvorstellbaren Gott” geben, ja sogar ganze Heerscharen “unvorstellbarer Götter”. Die Idee eines “unvorstellbaren Gottes” habe ich nie kritisiert. Das wäre ja auch sinnlos, da man über Unvorstellbares per definitionem keine vernünftigen Aussagen machen kann. Was ich kritisiere, sind die Vorstellungen, die sich Menschen von “Gott” gemacht haben. Die Religionen haben ihren Gottes-Konstrukten bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, die einfach nicht in Einklang zu bringen sind mit dem, was wir über die Welt wissen. Die christliche Vorstellung eines allgütigen, allmächtigen, allwissenden Gottes passt beispielsweise nicht zu dem, was wir in der Natur sehen. Denken Sie nur an all die Tiere, die im Verlauf der Evolution gefressen wurden, die kläglich verhungerten, verdursteten, erstickten, ertranken, verbrannten, innerlich verfaulten! Das Leid der Lebewesen schreit seit Jahrmillionen zum Himmel, ohne dass wir jemals irgendwelche göttliche Maßnahmen zur Linderung dieses Elends haben feststellen können.

16vor: Das ist das alte Theodizee-Problem nach Gottfried Wilhelm Leibniz. Aber könnte der Mensch nicht trotzdem von einem Wesen planvoll geschaffen worden sein, das seitdem nicht mehr eingegriffen hat nach dem Motto: “Ich bin dann mal weg – schaut mal selbst, wie ihr zurechtkommt”?

Schmidt-Salomon: Realistischerweise sollten wir davon ausgehen, dass sich hinter dem Auf und Ab der Evolution kein göttlicher Heilsplan verbirgt, sondern nur das blinde Walten von Zufall und Notwendigkeit. Wenn der Mensch tatsächlich von Anfang an von Gott als “Krone der Schöpfung” geplant gewesen wäre, wie der Papst meint, so müsste man sich doch fragen, warum “Gott” zum Erreichen dieses Ziels einen so verrückten Weg eingeschlagen hat: Warum, bitteschön, erschuf er zunächst a.) eine unglaubliche Vielfalt an Dinosauriern, die über Jahrmillionen die Erde beherrschten, dann b.) einen Riesen-Asteroiden, den er vor 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlagen ließ, damit c.) die Dinosaurier wieder aussterben, um so d.) einigen rattengroßen Säugetieren Platz zu machen, aus denen sich e.) einige Millionen Jahre später die aufrecht gehende Affenart Homo sapiens entwickeln konnte? Ein Gott, der sich so seltsam verhalten würde, würde eher einem intergalaktischen Mister Bean gleichen als einem allmächtigen, allwissenden, allgütigen Wesen. Kein Unternehmen dieser Welt würde einen Designer mit einer solch verheerenden Kosten-Nutzen-Bilanz einstellen.

16vor: Die Weltanschauung, auf die Sie sich positiv beziehen, erläutern Sie in Ihrem 2005 erschienenen “Manifest des evolutionären Humanismus.” Was hat es damit auf sich?

Schmidt-Salomon: Da will ich zunächst einmal den berühmtesten Trierer zu Wort kommen lassen: Karl Marx zufolge besteht der kategorische Imperativ des Humanismus darin, “alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist”. Das heißt: Als Humanisten müssen wir daran arbeiten, die Lebensverhältnisse so zu verbessern, dass jeder Mensch die Chance hat, ein lebenswertes Leben zu führen. Der evolutionäre Humanismus unterscheidet sich vom traditionellen Humanismus nun darin, dass er nicht mehr “speziezistisch” argumentiert. Speziezismus ist eine Haltung, die einem Lebewesen allein deshalb mehr Rechte beimisst, weil es zufälligerweise der gleichen Spezies angehört wie wir. Als evolutionäre Humanisten müssen wir jedoch von den Erkenntnissen der Evolutionsbiologie ausgehen. Somit müssen wir annehmen, dass es zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren keine prinzipiellen, sondern nur graduelle Unterschiede in Bezug auf Bewusstsein und Leidensfähigkeit gibt. Ethisch bedeutet dies, dass wir die Interessen nichtmenschlicher Lebewesen stärker berücksichtigen müssen, als dies gemeinhin geschieht.

16vor: Wie grenzen Sie sich dabei konkret von den ethischen Grundlagen der Religionen ab?

Schmidt-Salomon: Im Unterschied zu traditionellen humanistischen Konzepten geht der evolutionäre Humanismus nicht mehr von “absoluten Wahrheiten” oder “absoluten Werten” aus. Vielmehr denken wir auch in dieser Hinsicht evolutionär: Wir versuchen, falsche Ideen sterben zu lassen, bevor Menschen für falsche Ideen sterben müssen. Gegen diesen Grundsatz der kritischen Rationalität haben die Religionen regelmäßig verstoßen – und sie tun es leider auch heute noch. Vor allem außerhalb Europas richten die Religionen noch immer ungeheuren Schaden an. Denken Sie etwa an den islamischen Fundamentalismus oder an die Hexenverfolgungen, die in den letzten Jahren in Afrika stattgefunden haben. Angestachelt von evangelikalen christlichen Predigern sind in Nigeria in den letzten Jahren viele Tausend Kinder einem neuen Hexenwahn zum Opfer gefallen. Damit sich derartige Formen des Wahns nicht noch weiter ausbreiten, ist Religionskritik unerlässlich. Fakt ist jedenfalls: Wer Wissenschaft, Kunst und Philosophie besitzt, der braucht keine Religion.

16vor: Manchem Kritiker ist genau diese Sichtweise zu elitär. Was sagen Sie einem Menschen, der acht Stunden am Tag körperlich arbeitet und sich abends lieber einen Krimi anschauen will als über Wissenschaft, Kunst und Philosophie nachzudenken?

Schmidt-Salomon: Ich habe größtes Verständnis dafür, dass sich Menschen abends lieber einen Krimi anschauen, als ein philosophisches Buch zur Hand zu nehmen. Das mache ich oft ganz genauso. Aber es geht hier um etwas anderes: Mein Satz “Wer Wissenschaft, Philosophie und Kunst besitzt, braucht keine Religion” ist ja eine Abwandlung eines bekannten Aphorismus von Goethe: “Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, der hat auch Religion. Wer jene beiden nicht besitzt, der habe Religion.” Dies ist nun wirklich eine elitäre Haltung! Denn sie besagt, dass wir denjenigen, die sich mit Wissenschaft und Kunst beschäftigen können, eine höhere Form der Erkenntnis zubilligen, während wir den “Minderbemittelten” die traditionelle Religion zuweisen, damit sie schön brav bleiben. Man kann es Goethe nicht vorwerfen, dass er so dachte. Schließlich war auch er bloß ein Kind seiner Zeit. Heute aber sollte man eine solch elitäre und undemokratische Sichtweise überwinden.

16vor: Zugunsten welcher neuen Perspektive?

Schmidt-Salomon: Ich glaube nicht, dass die wissenschaftlichen und philosophischen Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, schwerer zu verstehen sind als die seltsamen Geschichten, die uns von religiöser Seite nahegebracht werden. Ich frage Sie: Was ist schwerer zu verstehen? Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass wir Teil eines evolutionären Prozesses sind, der aus einfachen einzelligen Lebensformen allmählich komplexere Organismen hervorbrachte? Oder der Glaube an einen Gott mit multipler Persönlichkeitsstörung (Dreifaltigkeit), dessen erster Teil (Gottvater) sich mit seinen Geschöpfen verkrachte, worauf er den zweiten Teil seiner selbst (Heiliger Geist) aussandte, um eine Jungfrau auf nichtsexuelle Weise zu schwängern, wodurch der dritte Teil seiner selbst (Jesus Christus) als aufrechtgehender Trockennasenaffe geboren wurde, um von einer historischen Besatzungsmacht hingerichtet zu werden und – ätsch – am dritten Tag wieder von den Toten aufzuerstehen? Man muss sich doch mal überlegen, welche intellektuellen Verrenkungen solche Glaubensinhalte den Menschen abverlangen. Leider lernen die Kinder in Deutschland schon in der Grundschule den biblischen Schöpfungsmythos, während die Evolution als eigenständiges Thema erst im 10. Schuljahr auf dem Lehrplan steht. Hier werden die Prioritäten völlig falsch gesetzt und deshalb muss man sich auch nicht darüber wundern, dass es vielen Menschen so schwerfällt, die Mechanismen der Evolution zu begreifen.

16vor: Eine Art Navigationsgerät auf dem Weg zum eigenen Denken jenseits religiöser Vorgaben bildet Ihr neues Buch “Leibniz war kein Butterkeks”, in dem Sie im Gespräch mit Ihrer 20-jährigen Tochter Lea eine Einführung in die Philosophie aus Sicht des evolutionären Humanismus wagen. Wie kam Ihnen die Idee zu dem Projekt?

Schmidt-Salomon: Lea kam eines Tages in mein Zimmer und beklagte sich, dass sie mein jüngstes Buch “Jenseits von Gut und Böse” nicht ohne Zuhilfenahme eines Lexikons verstehen könne. Sie fragte mich, ob ich denn nicht einmal ein Buch schreiben wolle, in dem ich genauso einfach und verständlich schreibe, wie ich mit ihr spreche. Im Zuge dieses Gesprächs fiel mir auf, dass ich in meinen bisherigen philosophischen Büchern wohl tatsächlich zu viel Wissen bei den Lesern vorausgesetzt hatte. Meine Frage, ob sie mir helfen würde, ein solches Buch zu schreiben, bejahte Lea sofort. So kam es letztlich zu diesem merkwürdigen Buch über den “Sinn und Unsinn des Lebens”, in dem wir teilweise wirklich verblüffend einfache Antworten auf die großen Fragen der Philosophie gefunden haben. Der Titel kommt übrigens daher, dass Lea am Anfang eine sehr tiefe, metaphysische Frage stellte, die in ähnlicher Form schon der eben von Ihnen angesprochene Gottfried Wilhelm Leibniz aufgeworfen hatte. Lea konnte den Namen “Leibniz” allerdings nur mit Butterkeksen in Verbindung bringen, was ich recht witzig fand – und der Verlag auch…

16vor: Das Werk ist in Gesprächsform gehalten, womit Sie sich ja in die Tradition großer antiker Philosophen wie Platon begeben. Heutzutage ist diese literarische Form unüblich. Können Sie sich erklären, warum das so ist?

Schmidt-Salomon: Es ist wirklich überraschend, dass diese Form heute so wenig gebräuchlich ist, da man auf diese Weise auch komplexe Inhalte verständlich und unterhaltsam vermitteln kann. Nicht ohne Grund sind Platons sokratische Dialoge leichter zu lesen als die meisten philosophischen Texte über diese Dialoge. Der Punkt nun ist, dass gerade in Deutschland die leichte Verständlichkeit eines Textes oft als ein Zeichen fehlender philosophischer Tiefe interpretiert wird. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum kaum jemand philosophische Dialoge schreibt. Wie dem auch sei: In gewisser Weise haben wir tatsächlich die alte Dialogtradition von Platon und Co. aufgenommen, allerdings haben wir im Unterschied zu Platon auch den Vater-Tochter-Konflikt im Text verarbeitet. Dadurch konnten wir den Eindruck vermeiden, man würde ein langweiliges Lehrer-Schüler-Gespräch verfolgen. Lea nimmt mich in den Gesprächen ja auch manchmal ziemlich hoch. Sie meint ja ohnehin, dass Philosophen wie ich im Grunde “nicht ganz normal” sind (lacht). Dadurch bekommt das Buch bei aller inhaltlichen Tiefe etwas Augenzwinkerndes, Humorvolles, was man in philosophischen Büchern normalerweise so nicht findet.

16vor: Ihre philosophische Kompetenz gründet unter anderem auf hohen akademischen Weihen. Mit ihrer Arbeit “Erkenntnis aus Engagement. Grundlegung zu einer Theorie der Neomoderne” haben Sie 1997 an der Universität Trier promoviert, bis 2001 waren Sie zudem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der hiesigen Pädagogik. Inwiefern zehren Sie von dieser Zeit für Ihr jetziges Schaffen als freier Philosoph und Autor?

Schmidt-Salomon: Während meiner Lehrtätigkeit habe ich viel von den Studenten gelernt. Es war intellektuell sehr befruchtend für mich, mit ihnen zu diskutieren; auch darüber, was sie verstehen konnten und was nicht. Außerdem hatte ich mit Heinrich Seiler einen wunderbaren Chef, der ein echter Freigeist war. Einerseits ließ er mich ganz autonom forschen und lehren, andererseits empfahl er mir immer wieder Literatur, die genau das Gegenteil von dem artikulierte, was ich selbst vertrat. Das hat meinen Horizont enorm erweitert.

16vor: Sehnen Sie sich nach einer halbwegs gesicherten Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni zurück?

Schmidt-Salomon: Insgesamt war die Zeit als Unidozent für mich sehr schön. Ich lernte viel dazu und hatte ein gesichertes Einkommen, mit dem ich meine Familie versorgen konnte. Allerdings würde ich heute, ehrlich gesagt, nicht mehr so gerne an einer Uni lehren. Das Leben als freischaffender Schriftsteller hat durchaus Vorteile – zumal ich im Moment davon profitiere, dass ich in den letzten Jahren über 100.000 Bücher verkaufen konnte. Natürlich kann es gut sein, dass diese Erfolgssträhne schon in absehbarer Zeit abreißt. Dann müsste ich mir selbstverständlich etwas Neues einfallen lassen…

16vor: Derzeit jedenfalls läuft es beruflich noch außerordentlich gut, Sie sind einer der gefragtesten Philosophen und ständig in den Metropolen des Landes unterwegs. Warum leben Sie trotzdem immer noch in der Region Trier?

Schmidt-Salomon: Ich stand schon oft vor der Wahl, umzuziehen. Erst kürzlich ging es um einen eventuellen Umzug nach Berlin. Aber mit meiner Familie habe ich mich dann doch entschieden, hier in der Gegend zu bleiben. Vor allem, weil wir hier viele Freunde und Verwandte leben, die wir sehr vermissen würden. Außerdem fühlen wir uns hier auch aus anderen Gründen wohl: Das Leben in der Provinz ist einfach sehr viel entspannter. Darüber hinaus finde es immer wieder inspirierend, durch Trier zu gehen und 2000 Jahre Geschichte zu erleben. Aus dieser Geschichte könnte die Stadt meines Erachtens auch noch sehr viel mehr machen.

16vor: Meinen Sie damit den in Trier etwas verschämt unterdrückten Bezug auf den berühmtesten Sohn der Stadt?

Schmidt-Salomon: Auch, aber es geht nicht nur um Karl Marx. So wird beispielsweise Friedrich Spee, der große Kämpfer gegen den Hexenwahn, noch immer viel zu wenig gewürdigt. Auch die dunklen Seiten der Geschichte sollte man stärker betonen. Denken Sie nur an den FWG-Schüler Klaus Barbie, den “Schlächter von Lyon”, oder an den Trierer Domkapitular Ludwig Kaas, der als Chef der katholischen Zentrumspartei Hitler die Mehrheit für das Ermächtigungsgesetz verschaffte. Für solche kritischen Projekte sehe ich in der Stadt großes Potenzial. Es gibt hier auch viele kluge Leute, die sich in dieser Hinsicht bestimmt engagieren würden.

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15 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. supreme8000 schreibt:

    Der Mann ist brillant !

    Von diesen “Freigeistern” brauchen wir mehr in GerMoney. Dann würde das Volk der Dichter und Denker auch mal wieder etwas reissen und verschiedenste Probleme rational angehen und lösen.

    Nicht immer nur heisse Luft produzieren und irgendwelchen Doktrinen hinterherhecheln.

    Ich werde mir sein neuestes Buch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kaufen.

    “Auf zu neuen Horizonten”

    schönen Tag noch …

  2. Florian Burg schreibt:

    Man kann es Schmidt-Salomon nicht vorwerfen, dass er so denkt. Er ist ja schließlich auch nur ein Kind seiner Zeit.

  3. Stephan Jäger schreibt:

    @Florian Burg

    Naja, auch mir ist denken jedenfalls wesentlich sympathischer, als glauben.

  4. Rainer Landele schreibt:

    bei aller sympathie in der sache:
    den menschen das religiöse “denken” nehmen zu wollen, ist so unmöglich, wie ihnen das interesse an sex (in allen variationen) zu verbieten. folglich geht es real nur (welch untertreibung :-) ) darum, das religiöse denken, den glauben, zu ändern. das dazu radikale kritik an jeglicher religion an sich sinnvoll sein kann, bestreite ich nicht. aber wo hört religion auf? wo fängt denken an? sind nicht zum beispiel gerade die größten philosophen nicht auch gläubige gewesen? und ist der mensch nicht immer auch irrational, schwärmerisch?

    mir kommt es zuweilen so vor, als verstecke herr Schmidt-Salomon seine eigentliche kritik am christentum (oder, besser: kritik am monotheismus, also auch an islam & judentum) hinter pauschaler kritik an religionen. so wird aus konkretem etwas prinzipielles und verliert seine richtigkeit & wirkung.

  5. bungalow bill schreibt:

    @rainer landele. die antwort auf ihre fragen, wo hört religion auf, wo fängt denken an, geben sie sich selbst – ebenda. oder anders herum gefragt, wo fängt religion an, wo hört denken auf? bei gott.

  6. celeste schreibt:

    hallo , vielen dank für diesen artikel .habe endlich mich erfahren dürfen .bin atheist + freidenker .glaube an die hohe macht ,der einfachheit halber .um nicht ständig erklären zu müssen ,das es keinen gott geben kann .oder wie er sich auch nennen mag .
    leider bin ich hier in deutschland ziemlich aufgeschmissen ,denn wie kann ich es wagen eine ” religion ” zu leugnen die seit ewigkeiten das volk domestiziert .
    ich habe viel leid erfahren ,im namen gottes .
    welches ich auch ohne gott erfahren könnte .wo ist der persönlichkeits gestörte
    rebell ?

  7. celeste schreibt:

    wenn mehr leute denken + handeln würden ,statt glauben + zerreden ,hätten wir dann eine bessere welt ?

  8. Wolfgang schreibt:

    Das schlimme an der sogenannten christlichen Religion sehe ich darin, das sich bis heute die Kirche sich ihren Gott so zurecht biegt, wie er der christlichen Kaste am besten in den eigenen Kram passt. Daher auch die ständigen Drohungen. Nur im eigenen Kreis zählt das nicht. (Kindesmissbrauch, Teufelsaustreibung)
    Religion stützt sich vor allem und hauptsächlich auf die Angst.
    Bertrand Russell

    Kritik an der Kirche trifft immer ins Schwarze.

  9. Günther schreibt:

    Schmidt-Salomon sagt, de Religionen würden ungeheuren Schaden anrichten. Aber sind es tatsächlich die Religionen? Wieviele Menschen sind bisher für sekuläre Idelogien wie Kommunismus, Nationalismus, etc. gestorben?

    Meiner Ansicht nach ist Dogmatismus – religiöser wie sekulärer – das eigentliche Problem. Wenn also Ideologien über Menschen gestellt werden. Eines ist sicher: In einer atheistischen Welt wird es nicht weniger Gewalt geben.

  10. Eberhard schreibt:

    Welche Religion ich bekenne?
    Keine von denen, die du mir nennst!
    Und warum nicht?
    Aus Religion.

    Friedrich Schiller

  11. Klauspeter Bungert schreibt:

    Schmidt-Salomons Kritik an den handelsüblichen Religionen ist mehr als berechtigt, dennoch sieht mir der Handel ein wenig so aus, als wolle er den Gott Zufall als Ersatzantwort einbringen. Offen gestanden, erscheint es mir genauso abenteuerlich, k e i n e planende Kraft beim Zustandekommen all der wunderlichen Spielarten der Natur einzukalkulieren, wie umgekehrt einen greifbaren Gott. Wobei Schmidt-Salomon im Interview den Widerspruch in Kauf nimmt, daß er eine nicht erklärbare Göttlichkeit als Möglichkeit einräumt, beim Definieren, wie diese, wenn sie existierte, sein müsse, aber auf die Ebene folkloristischer Gottesdefinitionen heruntersteigt. Ich plädiere da für noch mehr Zurückhaltung. Freilich bin ich mir ohne Besinnen sicher, daß die Angebote der Weltreligionen nichts über unser Zustandekommen aussagen, sondern ausschließlich etwas über die Menschen und die Zeit, in der die Schriften entstanden. Sicher wird auch die Urknalltheorie wieder kippen. Nicht jedoch, um der biblischen Welterklärung Platz zu machen.

    Da steh ich denn, ich armer Tor,
    Und bin so klug als wie zuvor.

    (Goethe)

  12. Matthias schreibt:

    Ich erinnere mich gerne an seinen Beitrag zum Buch “Leben mit und ohne Gott”; in dessen er schrieb, einige der furchtbarsten Menschen unter den Atheisten gefunden zu haben. Es gibt nur wenige die so offen und ehrlich auch mit den eigenen Reihen umgehen können. Ein großartiger Kritiker.

  13. Stephan Jäger schreibt:

    @Klauspeter Bungert

    “daß er eine nicht erklärbare Göttlichkeit als Möglichkeit einräumt, beim Definieren, wie diese, wenn sie existierte, sein müsse, aber auf die Ebene folkloristischer Gottesdefinitionen heruntersteigt.”

    “Glauben” Sie nicht, dass jeder, der versucht, eine solche “wissenschaftlich, auf hohem Niveau” zu “definieren” dazu verurteilt ist, sich lächerlich zu machen? Auserdem kann ich da eigentlich keinen “folkloristischen Erklärungsversuch” finden. Im Gegenteil! Eher sehe ich durchaus die angemahnte Zurückhaltung. Z.B. in dem Satz…

    “Das wäre ja auch sinnlos, da man über Unvorstellbares per definitionem keine vernünftigen Aussagen machen kann.”

    …der sich ja sicher nicht nur auf “vorhanden oder nicht vorhanden” bezieht.

  14. Klauspeter Bungert schreibt:

    @ Stephan Jäger

    Im Grundsatz einer Meinung. Dennoch bleibe ich dabei, daß es schwierig ist, von einer Widerlegung einer päpstlichen Aussage Argumente für oder gegen “Gott” abzuleiten. Die Aussage, daß “kein Unternehmen dieser Welt einen Designer mit einer solch verheerenden Kosten-Nutzen-Bilanz einstellen würde” (Zitat aus dem Interview), sagt etwas über das Niveau der päpstlichen Gotteslogik aus, kann aber andererseits auch den Verdacht erwecken, der Interviewte würde sich am Ende doch noch mit einer Gotteserklärung anfreunden, so diese denn auf einem anderen Niveau stattfände. Ich habe keine parat und liebäugele auch mit keiner. “Blinder Zufall” (Zitat aus dem Interview) klingt wiederum auf einer ähnlichen Ebene abenteuerlich wie das päpstliche Dogma.

  15. Rainer Landele schreibt:

    oh, herzlichen glückwunsch zum gewonnenen prozeß:

    http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article12745193/Bischof-und-Ferkel.html

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