Stadtwerke planen 300-MW-Kraftwerk

Der OB spricht von einem “Quantensprung für die regionale Energiepolitik”, der Landrat vom “Dreh- und Angelpunkt der ganzen Entwicklung”. Was die Trierer Stadtwerke gestern präsentierten, lässt schon im Vorplanungsstadium aufhorchen: Das Unternehmen plant auf einem Berg zwischen Longuich und Ensch ein Pumpspeicherkraftwerk, das eine Leistung von 300 Megawatt haben soll. Bis zu 400 Millionen Euro würde die Anlage, die überschüssige Energie aus regenerativen Quellen zwischenspeichern soll, kosten, mit einem Realisierungszeitraum von sechs bis zehn Jahren kalkulieren die SWT. Allein können die Stadtwerke das Projekt nicht stemmen, weshalb man sich nun auf die Suche nach Partnern in der Region macht.

TRIER. Die Funktionsweise eines Pumpspeicherkraftwerks ist rasch erklärt: Ist zuviel elektrische Energie im Netz, wird der Überschuss dazu genutzt, große Wassermassen in einen höher gelegenen See zu pumpen. Der überschüssige Strom wird quasi verbraucht. Wird nun aber Energie benötigt, fließt das Wasser vom Obersee wieder in ein tiefer gelegenes Becken. Auf dem Weg dorthin treibt es eine Turbine an, die wiederum einen Generator in Gang setzt und so Strom produziert. So schließt sich der Kreis, und auch wenn auf dem Weg vom Hochpumpen zum Generator rund 20 Prozent der ursprünglich eingesetzten Energie wieder verloren gehen, der Wirkungsgrad also bei rund 80 Prozent liegt, bieten Pumpspeicherkraftwerke eine viel versprechende Möglichkeit, überschüssige Energie zwischenzuspeichern.

Geht es nach dem Stadtwerken sowie Politikern aus der Region, dann wird eine solche Anlage schon in einigen Jahren auf einem Berg zwischen Longuich und Ensch entstehen. Nach dem derzeitigen Stand der Planungen könnte in etwa 400 Metern Höhe ein Oberbecken entstehen; rund 200 Meter tiefer und wenige Kilometer entfernt gelegen soll das Unterbecken liegen. Zusammengenommen hätten die beiden künstlichen Seen eine Wasseroberfläche von rund 55 Hektar und ein Fassungsvermögen von gut sechs Millionen Kubikmeter. Zum Vergleich: Die 1954 errichtete Riveris-Talsperre fasst etwa fünf Millionen Kubikmeter Wasser.

Mit der Anlage, die eine Leistung von 300 Megawatt hätte, wollen die Stadtwerke erreichen, dass überschüssige Energie aus regenerativen Quellen zwischengespeichert werden kann. Die Energiezukunft hänge maßgeblich von neuen Speichermöglichkeiten ab, erläuterte SWT-Projektleiter Rudolf Schöll am Dienstag im Rahmen eines Pressegesprächs, mit dem geplanten Pumpspeicherkraftwerk werde man den Stromverbrauch der gesamten Region ausregeln können. Soll heißen: Die erzeugte Energie muss nicht sofort in und durchs Netz, sondern würde gezielt dann abgerufen, wenn der Bedarf bestünde. Denn erneuerbare Energien wie Sonne und Wind richten sich nicht nach den Bedürfnissen der Menschen.

Bis zu 400 Millionen Euro soll das Pumpspeicherkraftwerk kosten, beziffert SWT-Vorstand Dr. Olaf Hornfeck. Allein könne sein Unternehmen ein Vorhaben dieser Größenordnung nicht stemmen, stellte er klar, weshalb man sich in den kommenden sechs Monaten auf die Suche nach Investoren und Partnern machen werde – “möglichst regional und kommunal”, gab Hornfeck die Devise aus und erklärte, an den SWT-Anteilseigner RWE habe man erst einmal nicht gedacht. Überhaupt war der Unternehmenschef gestern bestrebt, den regionalen Ansatz des Projekts hervorzuheben: “Erstens halten wir die Wertschöpfung damit in der Region, und zweitens vermeiden wir Energieverluste durch lange Transportketten”.

Für Landrat Günther Schartz ist das geplante Vorhaben so etwas wie der “Dreh- und Angelpunkt für die ganze Entwicklung”. Der Christdemokrat rechnet nicht mit nennenswerten Protesten von Umwelt- und Naturschützern. Wie auch Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) zwar sagte, dass Aspekte des Umwelt- und Naturschutzes selbstverständlich berücksichtigt würden, sich am Ende aber auch die Frage nach der Alternative stelle. Das geplante Werk werde “wirtschaftlich und ökologisch einen erheblichen Stellenwert haben”, ist Jensen überzeugt, von einem “Quantensprung für die regionale Energiepolitik” sprach der OB sogar. Er jedenfalls rechne nicht damit, “dass es im politischen Raum Widerstände geben wird”. Ähnlich zuversichtlich äußerte sich Berthold Biwer, VG-Bürgermeister von Schweich: “Auf dem Gebiet seiner Verbandsgemeinde werde schon heute jedes Jahr doppelt so viel Strom aus erneuerbaren Energie produziert, wie die Bewohner verbräuchten”, berichtete Biwer, der überzeugt ist, dass die geplanten Seen für das Kraftwerk die Landschaft bereichern werden.

Ob und wann die Anlage ihren Betrieb aufnehmen könnte, vermochten die Befürworter des Projekts gestern nicht zu sagen. Wenn alles gut laufe, dann stehe das Kraftwerk in sechs bis zehn Jahren, so Schöller und Hornfeck. An die Adresse möglicher Skeptiker gerichtet versicherte OB Klaus Jensen: “Das ist nicht bloß eine Idee”.

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10 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Rainer Landele schreibt:

    super projekt! endlich!

    das ist ein sehr wichtiger baustein für energiepolitische fortschritte in der region.
    viel wichtiger z.b. als die ach so gefeierten solarprojekte der swt.

    wenn man sich die gegend auf google earth anschaut, dann sieht dies schon nach jahrtausendealtem kulturraum raus. also ist hoffentlich nichts mit ‘ner mopsfledermaus. ;-)

    trotzdem: man sollte unbedingt frühzeitig die menschen vor ort & die umweltverbände mit ins boot holen, damit die sache auch klappt.

    300MW leistung – nur über welchen zeitraum? 2 tage oder 2 stunden sind schon ein “kleiner” unterschied ;-) ich habe dazu auch auf den seiten der swt keine info gesehen. :-(

    worüber auch nicht berichtet wurde, ist der umstand das die swt dann auch bei günstigen tagen/nächten billig strom einkaufen wird können, welche sie dann mit gewinn wieder zu spitzenbedarfszeiten weiter verkauft. oder die eigene spitze kappt zu weihnachtsgansbratzeiten. :-)

    und noch einen aspekt möchte ich erwähnen: mehrere solcher (leistunsgsmäßig nicht allzugroßen) speicher über einen großen raum verteilt, verringern die notwendigkeit des ausbaus der netzinfrastruktur erheblich. wenn ich es richtig verstanden habe, muß in diesem konkreten fall nur ein anschluß bis zum umspannwerk in schweich gelegt werden? wenn man zehn von diesen speichern in RLP verteilt bauen würde, wäre das eine leistung von zwei AKWs – ausbau regenerativen stroms ohne(!) die immer angedrohten vielen stromtrassen und ohne die kosten dafür. TOP.

  2. Gisbert Löcher schreibt:

    Ein interessantes Projekt. Ist es vorgesehen, dass auch Privatpersonen investieren können?

    (Anm. d. Red.: Herr Hornfeck erklärte gestern, dass sich die Stadtwerke durchaus vorstellen können, auch Privatpersonen an dem Kraftwerk zu beteiligen. Allerdings müsse zunächst geprüft werden, in welchem Rahmen bzw. rechtlichem Konstrukt dies möglich wäre.)

  3. Roulettespielen schreibt:

    Herrlich, endlich habe ich das Problem wirklich gerafft ;-)

  4. energiesparer schreibt:

    Glückwunsch an die SWT. Ein wirklich tolles Projekt-weiter so?
    Kleiner Wehrmutstropfen: Wenn man jetzt sein Geld nicht in einem Kohlekraftwerk versenkt hätte (das wirklich niemand braucht), wäre die Finanzierung wohl bedeutend einfacher……….

  5. Mitleser54 schreibt:

    @ energiesparer: Bei 400 Millionen Investitionsvolumen für das Pumpspeicherkraftwerk sind die 12,6 Mio. € die die SWT ins Kohlekraftwerk investiert ein Tropfen auf den heißen Stein. ;)

    Jedenfalls ein Vorzeigeprojekt der SWT! Eine Finanzierung durch Privatpersonen sollte unbedingt möglich sein als wenn Dritte da groß mitmischen wollen (siehe Anmerkung zu RWE; auch wenn diese derzeit verneint wird). Ein gutes Beispiel hatte man mit der Solarkraftanlage auf dem SWT-Bus-Betriebshof ja schon gemacht.

  6. Peter Spang schreibt:

    “Ob und wann die Anlage ihren Betrieb aufnehmen könnte, vermochten die Befürworter des Projekts gestern nicht zu sagen.” Klar, weil ja noch gar kein Plan- und damit Baurecht besteht. Zunächst einmal handelt es sich hier um eine einfache Absichtserklärung. Aber Hauptsache, schon mal öffentlichkeitswirksam viel Wirbel gemacht…

    Peter Spang, Ratsmitglied der FWG

  7. Metallkopf schreibt:

    Herr Landele überrascht mich immer wieder… Mal gucken, ob er die gleiche erfrischend pragmatische Haltung an den Tag legt, wenn die ersten seiner Parteifreunde das Projekt mit Fundamentalopposition belegen… Wegen der Umwelteingriffe.

    Herrn Hornfeck kann man die Lösung für das rechtliche Konstrukt einer Bürgerbeteiligung schon präsentieren. Die Genossenschaft! Aber vielleicht ist ihm das auch nicht flashy genug…

    Und OB Jensen sollte vielleicht mal einer erklären, dass ein “Quantensprung” weder etwas seltenes, noch eine große oder sonderlich bedeutsame Angelegenheit ist.

  8. Rainer Landele schreibt:

    @metallkopf

    nun, ich bin geboren, um zu überraschen. damit menschen wie sie aus ihren starren denkmustern ausbrechen können. LOL

    dezentralisierung der energieversorgung bedeutet nun mal auch, daß die menschen vor ort die folgen ihres energiebedarfs ertragen müssen. also das gegenteil des st. florian prinzips. weswegen ich ja auch die entscheidung, die höhen um trier von (sichtbaren) windkraftanlagen frei zu halten, für bigott halte. wenn man einen wasserturm auf dem petrisberg aus hält, warum keine WKA?

    und warum z.b. das pumpspeicherwerk in vianden nutzen – aber nicht bereit sein, selbst in der “nachbarschaft” solch eine anlage zu bauen? und sie macht keinen dreck und keinen lärm – wie z.b. ein flughafen oder eine autobahn. also, metallkopf, wieso denken sie, die grünen würden eine solche anlage nicht wollen? etwa, weil sie nach monaten tatsächlich auf ihre eigene propaganda von der “dagegen”-partei reingefallen sind?

    wenn man die nächsten wochen dort die letzte weltweit verbliebene steinlaus-kolonie finden würde ( http://www.youtube.com/watch?v=DVKsbeayihI ), ja dann treffen sie mich tatsächlich auf der anderen seite der barrikade wieder. aber das erwarte ich nicht…

  9. Erik Thees schreibt:

    Lieber Herr Landele,
    ich gehe davon aus, dass Sie die Leserbriefe schreiben, damit Leser diese lesen.
    Bitte bemühen Sie sich wenigstens ein wenig um Lesbarkeit, Rechtschreibung und Interpunktion. Ein wirres unlesbares Gesabbel als Niederschrift unsortierter Gedanken (die nicht schlecht sein müssen) ist nicht cool und unautoritär, sondern nerven nur. Danke.

  10. blubb78 schreibt:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,752543,00.html

    hier ein aktueller Artikel von Spiegel-Online zum Thema.

    Ich finde die Idee gut wenn man den Platz hatte und eine Finanzierung hinbekommt sollte man das Ding bauen.

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