Auch Online-Journalismus kostet Geld

Guter Journalismus kostet Geld. Aber wo das herkommen soll, darüber herrscht zurzeit große Unsicherheit bei den Medienmachern. Die Kernfrage ist: Sind Leser noch bereit, für verlässlichen und professionellen Journalismus Geld auszugeben? Auch im Internet? Freiwilliges Bezahlen ist eine Möglichkeit, um das zu testen. 16vor bietet gleich mehrere Wege an, um die journalistische Arbeit auch finanziell zu unterstützen, unter anderem eine Mitgliedschaft in einem Förderverein. Mehr als 50 Leserinnen und Leser sind diesem bereits beigetreten oder fördern unsere Arbeit durch Spenden. Doch die kritische Masse ist noch nicht erreicht, um unser Angebot langfristig aufrecht zu erhalten. Peter Schumacher, Professor für Journalistik an der Hochschule Darmstadt und 2. Vorsitzender von 16VORLIEBE e.V., über Gratismentalität im Web und Bezahlmodelle im Online-Journalismus.

TRIER. Das Problem der Medienbranche: Einige bewährte Geschäftsmodelle geraten zurzeit ins Wanken. Die Auflagen vieler Tageszeitungen sinken, neue und vor allem junge Abonnenten zu gewinnen ist zunehmend schwierig. Die Einnahmen aus der Werbung sind stark konjunkturabhängig. Tendenziell ist der Anzeigenmarkt schwieriger geworden: Autos, Jobs und Wohnungen werden nicht mehr per Zeitungsanzeige gesucht und gefunden, sondern auf Onlineportalen – kostenlos.

Ist also das Internet schuld? Gerne wird die angebliche “Kostenloskultur” im Internet beklagt und über eine vermeintliche Gratis-Mentalität der Nutzer geschimpft. Daran seien die Verlage nicht unschuldig, wenn man von Anfang an Geld für seine Inhalte verlangt hätte, wäre der Nutzer heute ganz anders erzogen.

Das ist natürlich Humbug. Versuche, Bezahlschranken einzuführen, hat es im Onlinejournalismus immer wieder gegeben, die meisten sind gescheitert. Das liegt an der Logik des Netzes: Wer seine Inhalte hinter einer “Pay-Wall” versteckt, wird nicht mehr verlinkt und findet in der Netzöffentlichkeit nicht statt. Suchmaschinen bringen keine Nutzer mehr, Empfehlungen über Facebook oder Twitter sind nicht mehr möglich.

Im Internet nutzen Leser oft viele Quellen, manche nur gelegentlich, manche regelmäßig. Abomodelle funktionieren da nicht. Wer das Netz nutzt, bastelt sich sein Informationsportfolio selbst zusammen. Die Tageszeitung dagegen ist ein klassisches Bündelprodukt, in dem es auch, aber nicht nur um Journalismus geht: Die Leser wollen auch das Kinoprogramm, Familienanzeigen, Supermarkt-Beilagen. Es geht um ein Gesamtpaket, das jeden Tag wieder mit neuen Inhalten gefüllt ist.

Könnte man dann nicht im Internet für einzelne Artikel kassieren? Auch das haben viele bereits probiert. Die erste Schwierigkeit ist: Wer gibt für einen Text Geld aus, ohne zu wissen, was drin steht? Die zweite: Abrechnungsverfahren sind oft zu kompliziert – wer sich für einen Artikel registrieren und eine Kreditkartennummer angeben muss, ist abgeschreckt.

Viele Medien setzen jetzt verstärkt auf freiwilliges Bezahlen: Die Berliner tageszeitung (taz) etwa startete die Kampagne “taz zahl ich”, bei der die Nutzer auf verschiedenen Wegen für das Onlineangebot bezahlen können – wenn sie möchten. Zum Beispiel per Überweisung, per Handy oder über den Dienst Flattr. 16vor hat ebenfalls mehrere Wege für bezahlwillige Leser geöffnet:

Flattr: Über diesen Dienst (unterhalb des Kommentarfensters jedes einzelnen Artikels) können Onlineleser komfortabel ein von ihnen monatlich festgelegtes Budget an Onlineangebote verteilen. Beispiel: Wer im Monat 10 Euro ausgeben will, bestimmt über die Klicks auf die Flattr-Buttons unter den Artikeln einzelner Angebote, wie das Geld schließlich verteilt wird. So bleiben die Kosten kontrollierbar und besondere journalistische Leistungen können individuell belohnt werden.

Paypal: Über dieses Bezahlsystem (unterhalb der Meldungen) lassen sich ganz unterschiedliche Transaktionen im Netz abwickeln. Wer für 16vor spenden will, kann das – wenn er oder sie einen Account bei Paypal hat – über den Spenden-Button einfach tun und die Höhe der Spende natürlich selbst bestimmen.

Der Förderverein 16VORLIEBE: Wer 16vor kontinuierlich unterstützen möchte, kann das am einfachsten über eine Mitgliedschaft im Förderverein “16 VORLIEBE – Verein zur Förderung der Medienvielfalt Triers e.V.” machen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt nur 5 Euro im Monat (oder 25 Euro im halben Jahr). Über das Vereinskonto kann natürlich auch gespendet werden.

Alle Modelle des freiwilligen Bezahlens setzen voraus, dass die Nutzer davon überzeugt werden können, dass guter Journalismus Unterstützung braucht – und Geld kostet. 16vor berichtet seit mehr als vier Jahren über das Geschehen in Trier, recherchiert Hintergründe, kommentiert – und bereichert so die Medienlandschaft der Stadt. Damit das so bleiben kann, braucht 16vor aber die Unterstützung der Leserinnen und Leser. Zeigen Sie Ihre 16vorliebe – auf welchem Wege auch immer.

Peter Schumacher

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16 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Randolph schreibt:

    Hmmm, bei dem Thema scheint sich keiner der üblichen Diskutanten aus der Deckung zu wagen.
    Nach dem Motto: Bezahlen? Warum ausgerechnet ich?
    16vor ist in der Trierer Medienlandschaft unverzichtbar , deshalb hoffe ich sehr, dass die “kritische Masse” an Fördervereinsmitgliedern erreicht wird und diese Website uns dauerhaft erhalten bleibt!

  2. Onliner schreibt:

    Entweder man hat ein tragfähiges Geschäftsmodell oder man hat keins. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es genügend zahlende User geben wird. Man sollte hier einen Vetrieb aufbauen und die Website gezielt vermarkten. Dieser Förderverein hat den leichten Anschein von Bettelei nach dem Motto: was wir hier tun ist wertvoll, also spendet bitte.

    Am Ende ist die entscheidende Frage: Gibt es einen Markt für meine Dienstleistung? Gibt es den nicht, muss ich mich fragen, wieviel ich von meiner Seite zuschießen kann.

    Ein Projekt wie 16vor ist meiner Meinung nach nur als Nebenprojekt zu betreiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer oder zwei Gesellschafter mit diesem Projekt ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

    Schade, denn ich persönlich bin ein echter 16vor-Fan und spende auch schon. Die meisten Projekte im Medienbereich funktionieren nicht aus vertrieblichen Gründen. Mir scheint, dass das Gleiche Problem bei 16vor vorliegt.

  3. Petra Kewes schreibt:

    In einer so einseitigen journalistischen Landschaft wie hier in Trier, ist es notwendig die Bereicherung zu fördern. Also, werdet Mitglied im Förderverein, die die ihr immer hier lest! ES IST WICHTIG!!

  4. Mitleser54 schreibt:

    Es ist ein grundsätzliches Problem im Internet: Das Bezahlen von Leistungen wird von vielen Menschen einfach ignoriert, da man ja einfach in der Anonymität im Internet verschwindet. Nach dem Motto “Es sieht ja eh keiner, wenn ich nicht bezahle.”

    Wie wäre es eigentlich mit einer Suche nach einem Hauptsponsor, der nicht nur aufgrund einer Werbung sondern wirklich das Angebot unterstützen möchte? Solche Unternehmen wie Sparkasse oder Stadtwerke sind ja meist sehr engangiert was das angeht, bei letzteren könnte vielleicht sogar die Möglichkeit von mehr Werbung (Bus-Werbung, Plakat-Flyer in den SWT-Gebäuden) und somit mehr Bekanntheit realisiert werden? Ich bin sicher da wird man ein offenes Ohr für haben.

  5. Stephan Jäger schreibt:

    @Mitleser

    “Wie wäre es eigentlich mit einer Suche nach einem Hauptsponsor…”

    Nunja, da steht man denn halt ganz schnell vor dem Problem der Unabhängigkeit. Das RWE-Anhängsel “Stadtwerke” würde ich beispielsweise höchst ungerne als Haupsponsor von 16vor sehen. Und ich bin recht sicher, dass ich da nicht der Einzige wäre.

    @Onliner

    “Am Ende ist die entscheidende Frage: Gibt es einen Markt für meine Dienstleistung?”

    Gerade weil ich nicht in einer Welt leben möchte, in der es nur das gibt, was sich “verkauft”, fühle ich mich in keinster Weise “angebettelt”, wenn Leute, die ein Projekt wie 16vor machen, kund tun, dass sie das nicht ohne Unterstützung können. Ich finde das jedenfalls weit weniger aufdringlich, als irgendwelchen dürftigen redaktionellen Inhalt hinter Stapeln von PopUp-Blocker umgehenden PopUps zu verstecken.

  6. Rüdiger Rauls schreibt:

    Aha, die Markttheoretiker alla onliner norden uns ein. Der Markt ist allwissend und regelt alles – bis zum Crash. Dieser Götzendienst hat sich doch bereits 2007 als Irrlehre herausgestellt, als alle Marktmechanismen versagten. Der Staat hatte den Markt gerettet, der vorher viel gescholtene, nicht der Markt sich selbst.
    Aber was bedeutet das für diese Diskussion hier, Rechthaberei des Klugscheißers Rauls? Dieses Beispiel soll sagen: Es gibt nicht nur den Markt als Orientierung. Als der Markt versagte, trat etwas auf den Plan, das höher war als der Markt, das Interesse: das Interesse am Erhalt des Marktes. Um den Markt zu erhalten, mussten Opfer gebracht werden. Diese Opfer brachten nicht die, die den Markt zugrunde gewirtschaftet hatten, sondern die Steuerbürger. Ihnen wurde ein Opfer abverlangt, OHNE dass sie gefragt worden waren.
    Was hat das mit 16vor zu tun? Onliner würde 16vor dem Markt zum Fraß vorwerfen, einer dümmlichen Theorie folgend. Aber wir, die Nutzer und Nutznießer von 16vor, müssen entscheiden zwischen Markt und Interesse. Wie wichtig ist uns 16vor? Wie hoch ist unser Interesse an 16vor? Und welche Opfer sind wir bereit zu bringen für sein Fortbestehen? Dann kann uns mämlich der Markt egal sein. Wenn wir darin übereinstimmen, dass die Plattform für uns unverzichtbar ist, dann müssen wir uns auch fragen, was ist sie uns wert? Dieses Mal liegt die Entscheidung bei UNS und wir sollten sie nicht an einen Sponsor deligieren, damit 16vor unabhängig bleiben kann.

  7. Rüdiger Rauls schreibt:

    Ob die Gründung eines Fördervereins richtig war, kann ich nicht beurteilen. Dafür kenne ich mich zu wenig aus. Aber eines wird daran deutlich. 16vor kann nicht länger sich auf die wenigen stützen, die es bisher getragen haben. Das hatte Vorteile, besonders für die Qualität des Journalismus, der seinesgleichen sucht. Aber ich denke, es müssen Strukturen geschaffen werden, die die Plattform auf ein breiteres finanzielles Fundament stellen, was auch eine gewisse Öffnung bedeuten muss, Mitsprache und Mithilfe von bisher Unbeteiligten oder nur mittelbar Beteiligten. Andererseits darf die Qualität nicht leiden, was bedeutet, dass Finanzierung und Journalismus möglichst getrennt werden müssen.
    Der Förderverein ist ein Versuch beides unter einen Hut zu bringen. Aber es ist auch zu erkennen, dass man möglichst doch alles noch unter Kontrolle behalten will. Das ist im Interesse des Journalismus verständlich, stößt aber an Grenzen, die meiner Meinung nach jetzt erreicht sind.
    Mein Vorschlag wäre, eine Versamlung all derer einzuberufen, denen die Plattform am Herzen liegt. Diese Versammlung soll überlegen und Vorschläge machen, aber keine Entscheidungsbefugnis haben. 16vor braucht Geld, aber auch Ideen, wie es beschafft werden kann. Und je mehr darüber nachdenken, umso mehr kommt vielleicht dabei raus.

  8. Onliner schreibt:

    Nun ja, Herr Rauls, wenn sich genügend User finden, die einen finanziellen Beitrag leisten, dann gibt es doch einen Markt für die Dienstleistung 16vor. Wenn nicht – dann nicht.

    Im Medienbereich bedarf es sicher keiner Marktregulierung, in anderen Bereichen schon. Daher kann man das Finanzierungsproblem von 16vor nicht ganz mit der internationalen Finanzkrise vergleichen.

    Die andere Möglichkeit ist, dieses Portal um des Portals willen zu betreiben – ohne finanzielle Interessen. Das wäre im Sinne des unabhängigen Journalismus sicherlich ideal. Aber wahrscheinlich auch nicht umsetzbar.

    Eine Versammlung der 16vor-Fans halte ich aber schon für ein bischen viel. Am besten man verkauft da auch noch 16vor-T-Shirts und Tassen mit dem Konterfei von Stölb/Jöricke… nur Spass…

    Andere Medien mit journalistischem Anspruch schaffen doch auch den Spagat zwischen Vertrieb und Produkt. Warum sollte das hier nicht funktionieren? Will ich einfach nur meinem Ideal treu bleiben, brauche ich meine Überzeugung, will ich Geld verdienen, einen funktionierenden Vertrieb. Und einen Markt. Aber: repetita non placent.

  9. Rüdiger Rauls schreibt:

    Ach ja, die Markttheoretiker, sie kennen die wunderschönen Hochglanz-Prospekt-Theorien über den Markt, meistens sogar auswendig, verstehen aber den Kapitalismus nicht. Und die Verwendung lateinischer Zitate erhöht weder die Kompetenz ihres Verwenders noch die Wahrheit der Aussage. Aber auch für mich gehören sich die Wiederholungen nicht, auch wenn sichs auf deutsch etwas dürftiger anhört.
    Hier jeodch geht es um Wichtigeres als Rechthaberei. Und da helfen uns, denen 16vor wichitg ist, weder die Hoffnungslosigkeit verbreitenden Marktgesetz-Herbeter noch die weltfremden Jägers mit ihrer miefigen Gesellschaftsverweigerung.
    Da hilft nur praktische Hilfe und die Bereitschaft, sich selbst einzusetzen. Das kann niemand anderes für uns erledigen, kein Sponsor, der auch ein Eigeninteresse hat, noch irgendwelche Politiker, die es auch nicht aus Selbstlosigkeit machen. Da sind WIR gefragt, die Nutzer und Nutznießer von 16vor. Wenn onliner von anderen redet, die auch den Spagat geschafft haben, dann sieht er nur die, die es schafften, nicht die, die untergegangen sind, ganz nach der einseitigen Sicht der Marktenthusiasten. Wenn es nur nach den Marktgesetzten gehen sollte, der Bibel der onliner, dann hat 16vor verloren, weil in Trier der MARKT nach meiner Meinung dafür zu klein ist. Wir müssen also den Markt ersetzen durch etwas anderes: die Bereitschaft uns zu engagieren. Daher bitte ich noch einmal die Macher von 16vor, ruft uns zusammen, um gemeinsam zu überlegen und zu beraten.

  10. DiesmalkeinRedakteur schreibt:

    “Das hatte Vorteile, besonders für die Qualität des Journalismus, der seinesgleichen sucht. ”

    “In einer so einseitigen journalistischen Landschaft wie hier in Trier, ist es notwendig die Bereicherung zu fördern.”

    Bitte erhaltet 16vor, es ist höchst amüsant.

  11. Hardy Prothmann schreibt:

    Guten Tag!

    Am vergangenen Samstag, den 07. Mai 2011 hat sich in Nürnberg ein Verein http://istlokal.de gegründet, dessen Ziel die Förderung des Lokaljournalismus ist.

    Die Mitglieder betreiben allesamt journalistische Angebote. 21 Personen haben an der Gründungsveranstaltung teilgenommen, etwa nochmal so viel sind an einem Beitritt interessiert.

    Ein Teil sind bürgerschaftliche Portale, die kein vordergründes Vermarktungsinteresse haen, der größere Teil sind kommerzielle Projekte, deren Macher von ihrer Arbeit leben wollen.

    Allen gemein ist, dass sie noch nicht ausreichend Geld verdienen.

    @onliner Der Markt ist da, muss aber noch entwickelt werden. Neue Anzeigenformen über die bereits bekannten müssen gesucht werden. Ebenso die Akzeptanz der Werbetreibenden.

    Wer sagt, “andere Medien schaffen doch auch den Spagat”, hat etwas nicht begriffen. Die deutschen Zeitungsverlage sind nach dem Krieg lizenziert worden, dass heißt, sie konnten ohne eine große Konkurrenz beginnen und die spätere Marktbereinigung hat dazu geführt, dass wir heute noch ca. 350 eigenständige Verlage in ganz Deutschland haben.

    Die meisten Gebiete sind Einzeitungskreise, dass heißt, es gibt einen dominanten, monopolitischen Verlag, der die öffentliche Meinung beeinflusst. Dazu kommen Radio- und Fernsehsender. So gut wie alle privaten Radios sind wiederum Beteiligungen der Großverlage, teils über Kreuz, um kartellrechtliche Probleme zu vermeiden. Tatsächlich existiert ein Kartell.

  12. Hardy Prothmann schreibt:

    Forsetzung

    Die Zeitungsverlage selbst haben den Online-Markt beschädigt, weil sie niemals wollten, dass eine Konkurrenzsituation zu Print sich etabliert.

    Die Kostenloskultur wurde ebenso durch die Verlag befördert, wie die Zeitungsverlage den Online-Markt als wertlos definiert haben. Siehe Hubert Burda: “lousy pennies” seien dort nur zu verdienen.

    Wer die Bitte um Spenden, Zuweisungen und Unterstützung mit “Betteln” vergleicht, zeigt, wie wenig Solidarität in Deutschland ausgeprägt ist. Die oft gescholtene amerikanische Kultur ist uns da Jahrhunderte voraus. “Nachbarschaftshilfe” ist dort sehr viel verbreiteter.

    Engagierte Journalisten und Bürger betreiben Informationsportale, um die Meinungsfreiheit vor Ort zu stärken. Sie leisten dafür viel.

    Und das meist ohne jeden Kredit, ohne jede staatliche Förderung, ohne Kontakt zu gewissen Kreisen, die einen Start einfacher machen.

    Auch die Gründer des DRK sind in Vorleistung gegangen, eine der weltgrößten Rettungsorganisationen ist bis heute auf Solidarität und freiwillige Hilfe angewiesen. Die Blutspenden bringen den Spendern ein gutes Gefühl und dem DRK Millionen, um die Arbeit zu finanzieren. Davon werden auch viele hauptamtliche Kräfte bezahlt.

    Sind das auch “Bettler”? Wer solche Vergleiche sucht, will beschädigen.

  13. Hardy Prothmann schreibt:

    Fortsetzung

    Die Lösung für die Finanzierungsprobleme wird vielfältig sein, die Suche nach Finanzierungsquellen wird kreativ sein müssen.

    Ich selbst betreibe im Nordbadischen seit zwei Jahren das http://heddesheimblog.de. Nach einem halben Jahr wurde ich deswegen unter die 100 Journalisten des Jahres 2009 gewählt – davon kann ich mir nichts kaufen.

    Ich erlöse im Vergleich mit den meisten anderen schon viel Geld, aber es reicht nicht, um einen “normalen” Lebensstandard zu führen und meinen Leuten anständige Honorare zu zahlen. Es wird aber besser.

    Trotzdem werde auch ich einen Förderverein gründen. Mit dem gespendeten Geld werde ich die Honorare für meine Mitarbeiter zahlen. So muss niemand das Gefühl haben, man “finanziere” damit “den Prothmann” – man finanziert die engagierte Arbeit von Nebenbei-Journalisten. Und ich hoffe, dass darüber genug Geld hereinkommt. Die Menschen zahlen auch Zeitungsabos und Inhalte, die oft schlecht sind.

    Ich selbst setze auf Anzeigen, Beratungen, Schulungen, Vorträge und Media-Dienstleistungen und im Verbund mit den anderen istlokalern auf die Hoffnung, auch überregionale Werbung in den sonst zu kleinen Angeboten vermarkten zu können.

    Im Austausch mit den Kollegen versuchen wir mit http://istlokal.de unsere Arbeit immer besser zu machen und von Erfahrungen “im Markt” zu profitieren.

    Keiner von uns ist angetreten, um reich zu werden. Wohl aber, um die Meinungsfreiheit zu bereichern.

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

  14. Onliner schreibt:

    Herr Prothmann,
    ich finde ihren Ansatz sehr gut und auch wenn Herr Rauls mir sicherlich nicht zustimmen wird, ist das was sie versuchen zu initiieren, der richtige Schritt, ihren Markt zu finden. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass wenn man eine Dienstleistung anbietet, sich nicht langfristig von Almosen ernähren kann. Es MUSS Nutzer geben, denen das, was man anbietet, Geld wert ist. Alles andere ist doch nichts anderes als verquere Sozialistenromantik. Es ist auch nichts schlechtes daran, einen Markt zu bedienen. Ich bin sicher, dass es einen Markt für kritischen Journalismus gibt. Alle Media-Agenturen suchen händeringend nach klickstarken Formaten. Darin liegt meiner Meinung nach die Zukunft der Finanzierung von Mediaangeboten. Für guten Content gibt es immer einen Markt.

  15. Stephan Jäger schreibt:

    @Rüdiger Rauls

    Mit Geld, Herr Rauls, kann man eine Menge machen. Man kann Kleingruppen bilden und stundenlang darüber labern, wie man es anderen Leuten aus dem Kreuz leiern kann. Das funktioniert erfahrungsgemäß, trotz stundenlangen Laberns, ohne handfeste Gegenleistung sehr schlecht und “weltfremd” ist allenfalls, hier auf eine Finanzierungsidee à la “deus ex macina” zu hoffen, die noch keiner der bösen Markt-Theoretiker vorher hatte.

    Auf der anderen Seite kann man Geld auch einfach in die Hand nehmen und, im Rahmen seiner Möglichkeiten, geben. Natürlich retten 50 Euro 16vor nicht. Auch nicht 2.500. Aber, wenn 16vorliebe 500 statt 50 Mitglieder hätte, dann könnten “wir” uns in dem Fall möglicherweise die “Lösung” des lebensnahen Praktikers “wenn du nicht mehr weiter weißt, dann bilde einen Arbeitskreis” sparen.

  16. Peter Musti schreibt:

    Wir sind der Markt! Wenn wir (also der Markt) soviel Kohle zusammen kriegen, dass das Projekt überleben kann, hat es sich am Markt durchgesetzt!
    So einfach ist das.

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