Beiträge von » Na Young Shin

Keine Angst vor dem Geschmack der Massen

Seit 1966 betreute Professor Alois Peitz alle Bauvorhaben des Bistums und begann sich zu wundern, dass er in verfahrenen Projekten immer wieder als Schiedsrichter und Schlichter einspringen musste. Fast dreißig Jahre, bis 1995, leitete er als Diözesanarchitekt die Bauangelegenheiten im Bischöflichen Generalvikariat Trier. Über die Region hinaus steht Peitz für eine Kultur des Dialogs und eine demokratische Idee von Architektur. Als Mediator konnte er schon bei zahlreichen Bauprojekten erfolgreich vermitteln. 16vor sprach mit ihm über die praktische Umsetzung von Bürgerbeteiligung, die Herausforderungen der Demokratie und den Gewinnerentwurf des Wettbewerbs “Umfeld Porta Nigra”.
mehr…

“Um eine stetige Erneuerung bemühen”

Die Tufa feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass haben bereits viele Jubiläumsveranstaltungen stattgefunden und werden noch stattfinden. Die Leitung nutzt den Geburtstag aber auch, um sich Gedanken über die Außenwirkung der Einrichtung und die Zukunftsfähigkeit des Konzeptes zu machen. “Wichtig ist mir, stärker zu zeigen, was hier alles läuft”, nennt die Geschäftsführerin Teneka Beckers ein Ergebnis der internen und externen Diskussionen. Im Gespräch mit 16vor betont sie, dass die Einrichtung, die sie seit genau drei Jahren leitet, in ihrer Form immer noch ein Vorzeigemodell sei.
mehr…

Flüchtlingslager in den Thermen

Bis zu dreißig Personen wirkten an dem Theaterstück “Die Aeneis” mit, das unter der Regie von Florian Burg am Donnerstag in den Viehmarktthermen seine Premiere feierte. Das ist für den Rahmen der Antikenfestspiele eigentlich keine beeindruckende Schar an Darstellern, wenn das Stück nicht als Laienprojekt mit Trierer Bürgern verwirklicht worden wäre. Entstanden ist eine Performance, die dem theaterpädagogischen und einem hochgehängten künstlerischen Anspruch so über die Maßen gerecht wird, dass das diesjährige Antikenprogramm für dieses Heimspiel mehr als dankbar sein kann.
mehr…

Reformpädagogik im Kreuzfeuer

In den vergangenen Wochen wurden zahlreiche Fälle sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigungen von Schülern durch Lehrer der Odenwaldschule bekannt. Die Internatsleiterin geht davon aus, dass die Taten nicht nur in die Zeit des Rektorats von Gerold Becker von 1971 bis 1985 fallen. Vielmehr wurden auch Fälle gemeldet, die bis in die 90er-Jahre hinein reichen. Von rund 40 Opfern und mindestens acht Tätern unter den Lehrern ist bislang die Rede. Ist es sinnvoll, angesichts des Missbrauchsskandals Debatten über Fluch und Segen der Reformpädagogik zu führen? Und welchen Stellenwert hat das Thema im Pädagogikstudium eigentlich an der Uni Trier?
mehr…

“Opening!” und andere Luxusgüter

Schon zum zehnten Mal begrüßten Katharina Bihler und Stefan Scheib am Wochenende eine kleine Trierer Fangemeinde zum “Opening!“-Festival in der Tufa. Das Programm hatte wie immer den Anspruch, gegen den Vorwurf Sturm zu laufen, dass in Trier nur Kleingeist und Provinzkultur zu Hause seien. Jedes Jahr ziehen Bihler und Scheib alle Register des Zeitgenössischen in Klangkunst, Theater und Tanz und widersetzten sich der Auffassung, so was könne man nur in Berlin wagen. In Anbetracht der Zuschauerzahlen muss man sich jedoch fragen, ob so viel Vertrauen in die kleine Trierer Großstadt tatsächlich mit Vernunft gepaart war. Am Samstag verkündeten die Initiatoren, dass sie die Organisation des Festivals fortan in andere Hände übergeben. In wessen Hände wollen eigentlich die Trierer, die Stadt und die Presse ihre kulturelle und geistige Verfassung geben, fragt sich 16vor. Ist zeitgenössische Kunst in einer Stadt wie Trier unerhörter Luxus? Es folgen ein Kommentar und als Luxusbeigabe eine Kurzrezension zum Festival im Anschluss.
mehr…

Pop oder Revolution?

Die studentische Theatergruppe “Kreuz & Quer” (angegliedert an die Germanistik, den ASTA und die Katholische Theologische Fakultät der Uni) hat sich für ihre neuste Produktion im nun schon fünften Jubiläumsjahr das Stück “Die Chinesische Mauer” von Max Frisch ausgesucht. Warum ausgerechnet Frisch, den Schulbuchklassiker subventionierter städtischer Großbühnen? Hat Frisch den Studierenden von heute wirklich noch etwas zu sagen? Wenn Sie glauben, dass diese Fragen rhetorischer Natur sind, dann stimmen Sie wahrscheinlich nicht mit mir darin überein, dass jede Theaterinszenierung zunächst einmal eine Versuchsanordnung ist. Mit dem Nachkriegsstück von 1946 über Machtregime, Gedankenfreiheit und eine alle Revolutionen zunichte wälzende Weltgeschichte feierte “Kreuz & Quer” in der altehrwürdigen Promotionsaula des Priesterseminars am Mittwochabend Premiere.
mehr…

In der falschen Haut

René Klötzer als Siegfried und Susanne Wessel als Odette. Foto: David SchmitzSehnsucht – sie nagt in uns. Der Wunsch, leicht zu sein, unabhängig, frei. Frei von Regeln und Gerede. Es ist der Wunsch, sich nicht mehr verwunschen zu fühlen, nicht mehr in der falschen Haut zu stecken, hinter Putz und Gefieder den wahren Seelengefährten zu erkennen. Mit “Schwanensee” komponierte Peter Iljitsch Tschaikowsky 1875 den romantischen Ausdruck für dieses Gefühl. Ballettdirektor Sven Grützmacher verzichtet für seine Inszenierung von “Schwanen.See” auf Schwanenromantik in Tutus und ringt dem Stoff eine moderne Interpretation ab, die das Premierenpublikum am Sonntag im ausverkauften Großen Haus mit ausreichendem Applaus goutierte.
mehr…

Die Psychologie des Durchhaltevermögens

Aus der Balance geraten: Immanuel Bartz als Leonhard mit seinem Versuchskaninchen Christoph Ewen als Montag und Michael Gubenko als Hagemann. Fotos: Peter Oppermann/Theater TrierHeute ist Freitag. Für manche Menschen spielt das keine Rolle, für sie ist stets Montag. Für sie geht es gerade erst los, fängt die Arbeit gerade erst an, für die Firma gibt es immer etwas zu tun. Wie entwöhnt man solche Karrieristen? Oder besser: wie entsorgt eine Firma ihre verheizten “human resources”? Diesen Fragen ging das studentische Theaterensemble “bühne 1″ mit der Aufführung von Moritz Rinkes “Republik Vineta” nach und präsentierte im Studio des Stadttheaters ein dichtes psychologisches Kammerspiel.
mehr…

Spielraum statt Kaserne

Studenten machen ernst: Am Mittwoch 28. Januar, feiert "Republik Vineta" Premiere im Theater. Foto: Nicole BurckhardtBundesweit verzweifeln die Gelehrten an den Universitätsreformen. Als schwerwiegende Geste des Protests tritt in Mainz Professor Marius Reiser deswegen von seinem Lehrstuhl zurück. Ganz Deutschland beschwört den Untergang des Abendlandes. Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Treverern besetztes Dorf leistet den Römern – ach nein – den Kulturpessimisten Widerstand. Trierer Studierende lassen sich nicht von Bachelor, Master und Hermeskeiler Kasernenvisionen verschrecken, sondern gründen eine neue Theatergruppe (“bühne 1″) und suchen sich im Stadttheater einen Verbündeten gegen eine Universitätskultur des lustlosen Zwangsbetriebs. Das Kooperationsprojekt feiert mit Moritz Rinkes “Republik Vineta” am Mittwoch, 28. Januar, auf der Studiobühne seine Premiere.
mehr…