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	<title>16 vor &#187; 16vorurteil</title>
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	<description>Nachrichten aus Trier</description>
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		<title>Politkrimi mit Klasse</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 23:47:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klauspeter Bungert</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Krimiliteratur ist mit &#8220;Gier – Die fünfte Macht&#8221; um einen interessanten, gut geschriebenen Roman reicher. Der in Trier lebende Emile Claassen alias Karl-Georg Schroll hat ihn verfasst und im Südwestbuch-Verlag Stuttgart veröffentlicht. Vor wenigen Tagen ist das über 300 Seiten starke Taschenbuch erschienen. Darin gerät der Journalist Johann Wahlberg eher unwillig in eine Story [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Claassen, Emile: Gier – die fünfte Macht. Ein Johann-Wahlberg-Roman. Stuttgart, Südwestbuch (SWB-Verlag). 2011" href="http://www.swb-verlag.de/verlag/buecher/gier-die-fuenfte-macht" target="_blank"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-44845" title="die-fuenfte-macht-gross" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/11/die-fuenfte-macht-gross-98x150.jpg" alt="" width="98" height="150" /></a>Die Krimiliteratur ist mit &#8220;Gier – Die fünfte Macht&#8221; um einen interessanten, gut geschriebenen Roman reicher. Der in Trier lebende Emile Claassen alias Karl-Georg Schroll hat ihn verfasst und im Südwestbuch-Verlag Stuttgart veröffentlicht. Vor wenigen Tagen ist das über 300 Seiten starke Taschenbuch erschienen. Darin gerät der Journalist Johann Wahlberg eher unwillig in eine Story zwischen Korruption und Gier, die sich zwischen der Provinzhauptstadt Mainz und der Bundeshauptstadt Berlin entfaltet.<span id="more-44844"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Emile Claassen ist ein Pseudonym von Karl-Georg Schroll. Schroll hat eine bewegte Berufskarriere hinter sich: Kulturplaner in Bremen, Aurich, Saarbrücken. Nach Auflösung der dortigen Planstelle Studium der Verkehrswissenschaft mit Promotion, Gründung eines eigenen Planungsbüros. Anschließend Mitarbeiter der Linken-Fraktion im deutschen Bundestag, nun wieder selbständiger Verkehrsberater und eben auch Autor.</p>
<p>Er ist viel in Deutschland herumgekommen und erlebte die Tagespolitik, die Medien und vieles mehr aus nächster Nähe und erster Quelle. Auf diesem breiten Hintergrund erscheint es fast logisch, dass der begeisterte Krimileser irgendwann selber zur Feder greifen und das Erfahrene und Gesehene in einem politischen Kriminalroman zusammenfließen lassen würde. Und es ist ihm bravourös gelungen!</p>
<p>Das Prologkapitel beschreibt den Mordfall, der alles ins Rollen bringt. Ein Abgeordneter aus Bad Kreuznach feiert in Mainz seine Wiederwahl in den Bundestag. Unmittelbar nach der Wahlparty wird er in der Tiefgarage der Rheingoldhalle erschlagen und verschleppt. Zeuge wird ein kleiner dicklicher Journalist, der mit Balzer verabredet war und glücklich der Gefahr entrinnt. Er vermutet ein politisches Verbrechen.</p>
<p>Bereits das erste nummerierte Kapitel enthält eine Rückblende. Die für den Roman immer wieder wichtige Anwaltskanzlei &#8220;Lochner &amp; Lochner&#8221; wird vorgestellt. Sie ist eine derjenigen nichtstaatlichen Einrichtungen, die in großem Umfang professionelle Lobbyarbeit betreiben, Abgeordnete kaufen, unter Druck setzen, nötigen, dazu bringen, im Wahlkampf beworbene Positionen nach erworbenem Sitz zu verraten und das Gegenteil zu tun, und, wer weiß, bei Widerstand vielleicht sogar umbringen lassen. Was in den Bonner Anfangsjahren der Bundesrepublik zu Vater Lochners Zeiten als echte Entscheidungshilfe und Informationsversorgung für Politiker nützlich war, hat sich in der Berliner Gegenwart der Söhne längst zur fünften Gewalt im Staat entwickelt und hebelt die Demokratie in ihren Grundfesten aus. Claassen zeigt das ohne Verzerrung, unaufgeregt und darum umso glaubwürdiger auf.</p>
<p>Wahlberg, den man als Alter Ego des Autors interpretieren möchte und der Hauptfigur auch in weiteren Claassen-Krimis werden soll, steigt mehr und mehr in die politischen Interna der Partei für Demokratischen Fortschritt ein. Ein System von Grabenkämpfen, Maulkörben, Postenschacher und Selbstversorgertum tut sich seinen wach registrierenden Augen auf. Rückblenden durchstoßen immer wieder die Haupthandlung, die in Bremen, Mainz, Berlin und Bad Kreuznach spielt.</p>
<p>Die 332 Seiten untergliedern sich in 47 angenehm überschaubare Kapitel plus Prolog und kurzen Epilog und lesen sich flüssig. Der Autor versteht sein Handwerk, das sich klar an der Tradition des realistischen Romans orientiert und beispielsweise in den Politthrillern John Grishams repräsentiert. Und Claassen steht dessen besseren Büchern nicht wirklich nach. Die Zusammenhänge, die er aufarbeitet, die Intrigen, die er entlarvt, die Fragen, die er aufwirft, sind höchst spannend und werfen weit über den kriminalliterarischen Aspekt hinaus Schlaglichter auf unsere politische Gegenwart.</p>
<p>Kenner der aktuellen Parteienszene (unverkennbar speziell der Partei DIE LINKE) erleben den zusätzlichen Reiz, das Buch als Schlüsselroman zu lesen. Eindeutig orientieren sich etliche Figuren und Einzelsituationen an bekannten Modellen.</p>
<p>Es entstand über alledem kein politisches Sachbuch oder eine bloße Reportage. Dazu ist die Darstellung zu sehr erfüllt von einem feinen Gespür für Atmosphäre und Zwischentöne. Claassen kann etwas, das zum wichtigsten Rüstzeug eines guten Autors gehört: er kann Charaktere zeichnen. Er entwickelt sie liebenswert und feinnervig aus dem, was sie sagen, tun und wie sie sich geben.</p>
<p>Auch die Erotik kommt zu Wort. Zwei Frauen irritieren den geschiedenen Wahlberg, mit einer schläft er, zarte Bande ziehen ihn aber ebenso zu einer Zugbekanntschaft, mit der er anfangs eine witzige Rempelei auf dem winterlichen Bremer Bahnsteig hatte. Wahlberg ist ein Frauengenießer.</p>
<p>Im übrigen enthält sich der Autor drastischer Beschreibungen und verschont den Leser dankenswerter Weise von jenen sinnlos aufeinandergetürmten Bergen verstümmelter Leichen, wie sie in den Serienmörderkrimis Mode und eigentlich doch nur langweilig sind. Der Leser dieses Buches muss schon mehr wollen als platte Unterhaltung. An einer farbigen, fein abgestuften Handlung entlang gewinnt er intime Einblicke in den Alltag und die Anfechtungen derer, die unsere Gesetze bestimmen.</p>
<p><em>Claassen, Emile: Gier – die fünfte Macht. Ein Johann-Wahlberg-Roman. Stuttgart, Südwestbuch (SWB-Verlag). 2011</em></p>
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		<title>Feen und Glitzer für Mädchen</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Aug 2011 22:08:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Leuchtenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Catharina und der Ruf des Waldes&#8221; heißt das erste Buch von Jennifer Heil, die in Trier geboren und aufgewachsen ist und inzwischen an der Mittelmosel lebt. Das Märchen erzählt die Geschichte der Jahreszeiten und eines nicht enden wollenden Winters und ist für Kinder bis 12 Jahre geschrieben. Trotz Happy End bleibt zumindest für ältere Leser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Heil, Jennifer. Catharina und der Ruf des Waldes. Papierfresserchens MTM-Verlag. 2011" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/08/catharina-und-der-ruf-des-waldes.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-42166" title="Heil, Jennifer. Catharina und der Ruf des Waldes. Papierfresserchens MTM-Verlag. 2011" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/08/catharina-und-der-ruf-des-waldes-100x150.jpg" alt="" width="100" height="150" /></a>&#8220;Catharina und der Ruf des Waldes&#8221; heißt das erste Buch von Jennifer Heil, die in Trier geboren und aufgewachsen ist und inzwischen an der Mittelmosel lebt. Das Märchen erzählt die Geschichte der Jahreszeiten und eines nicht enden wollenden Winters und ist für Kinder bis 12 Jahre geschrieben. Trotz Happy End bleibt zumindest für ältere Leser nach der Lektüre eine gewisse Leere.<span id="more-41997"></span></p>
<p>Es ist Ende Januar und es schneit seit knapp zwei Monaten fast täglich in dem Dorf, in dem die beiden Mädchen Catharina und Jolina leben. Das Streusalz ist ausgegangen, die Schule kann nicht mehr erreicht werden und die beiden erfreuen sich am Schnee und Schlittenfahren, während die Eltern schon beginnen, Vorräte zu horten, weil die Straßen nicht mehr befahrbar sind. Der Winter scheint nicht zu enden und Catharina ist die erste, die erfährt, woran das liegt. Sie und ihre Freundin sind nämlich von den vier Jahreszeitenfeen ausgewählt worden, deren Ruf in den Wald – und nicht des Waldes – zu folgen und ihnen dabei zu helfen, dass der Frühling beginnen kann.</p>
<p>Die vier kleinen Feen hängen jeweils zu Beginn der neuen Jahreszeit eine Lampe in einen Baumwipfel, welches Wetterumschwung, anderes Klima und den Wandel der Natur mit sich bringt. Doch in diesem Winter haben die Kobolde die Lampe der Winterfee Wyke gestohlen. Die Aufgabe der Kinder ist es, in der Menschenwelt nach Hinweisen Ausschau zu halten, ob das Licht irgendwo auftaucht, was erst einmal nicht passiert. Derweil erfahren die Feen, dass die Kobolde sie erpressen – nur gegen hundert Goldstücke rücken diese das Winterlicht wieder heraus. Andernfalls würde das Licht die gesamte Nord- und Ostsee einfrieren und die Insel Föhr zerstören. Hier agieren die stinkenden Kobolde in der Heimat der Winterfee, deren Namen von dem Dorf Wyk der Nordseeinsel abgeleitet ist.</p>
<p>Um die hundert Goldstücke herstellen zu können, müssen die vier Jahreszeitenfeen Wyke, Philomena, Eilika und Diandra in das Feendorf fliegen, wo alle Feen gemeinsam zu &#8220;Mutter Natur&#8221; beten. Diese schickt den Feen eine glitzernde Zauberessenz, aus der sie Gold herstellen können. Bei dieser Zauberei dürfen die Kinder Catharina und Jolina dabei sein und sehen im Dorf auch den Jahreszeitenbaum mit dem fehlenden Licht des Winters. Wieder zurück zu Hause, erfährt Catharina durch die Fernsehnachrichten, dass das Wasser rund um die Insel Föhr mit leuchtendem blauem Eis zugefroren ist und auf der Insel ein absonderlicher Gestank herrscht. Die vier Feen fliegen mir den beiden Mädchen, die den schweren Rucksack voller Gold heben können, auf die Insel und übergeben den Kobolden die kostbaren Münzen. Da sie das Winterlicht aber nicht hergeben und trotzdem versuchen, die Insel zu zerstören, packt die Winterfee die Bösewichter in ewigem Eis ein, die Sommerfee schafft es, das Eis zum Schmelzen zu bringen, unter dem das Licht verborgen ist und Catharina, die um einiges größer ist als die Feen, kann mit ihren langen Armen das Licht greifen. Zurück im Feendorf wird das Licht wieder im Baum befestigt und der Frühling kann beginnen.</p>
<p>Auch wenn die Grundidee des Märchens taugt und die Mädchen durch ihre Informationen aus der Menschenwelt sowie ihre Stärke und Größe es vermögen, die Jahreszeiten wieder in die richtige Reihe zu bringen und die Welt vor einer tödlich endenden Eiszeit retten können, bleibt nach der Lektüre eine gewisse Leere. Sprachlich ist das Märchen wenig ansprechend, die Feen fliegen immer in einer Wolke aus Glitzer umher und bergen nichts Geheimnisvolles oder Feenhaftes, was die Kinder zur Fantasie anregen könnte. Eher kontraproduktiv sind hierbei auch die Farbzeichnungen der grünen Frühlings-, der gelben Sommer-, der roten Herbst und der blauen Winterfee, die jeweils am Ende eines der vier Kapitel zu sehen sind. Diese passen weder zum in einer Bilderdatenbank eingekauften Titelbild, noch spielt der dort so prägnante bildfüllende Mond eine Rolle in dem Märchen.</p>
<p>Mehr als ein öfter wiederholtes &#8220;cool&#8221; kommt aus den Mündern der Mädchen während ihrer Erlebnisse mit der Feenwelt nicht und auch die Charakteristika der Märchenwesen beschränken sich rein auf deren Farben und Äußerlichkeiten. In dem Buch wird entweder gesprochen oder geschrieen, nur ganz selten mal geflüstert, sprachlich findet sich hier wenig Abwechslungsreiches. Für Erwachsene mag dies abschreckend sein, für die lesenden Kinder ist dies sicher nicht von elementarer Bedeutung, denn der klassische Spannungsbogen ist vorhanden: Ein Kind wird zur Heldin, die bösen Kobolde sterben und das Gute siegt, indem sich die Jahreszeiten wie gehabt wieder abwechseln und Normalität bringen. Ende gut, alles gut.</p>
<p><em>Das Buch ist 2011 im Papierfresserchens MTM-Verlag erschienen, hat 51 Seiten und kostet 8,90 €.</em></p>
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		<title>Heute ist Grace Stella</title>
		<link>http://www.16vor.de/index.php/2011/06/22/heute-ist-grace-stella/</link>
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		<pubDate>Wed, 22 Jun 2011 00:07:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Leuchtenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem Band &#8220;Mein Name ist Stella&#8221; hat die Triererin Andrea Palm-Hensel bereits das zweite Buch herausgebracht (nach &#8220;Stella – Unser Stern aus Indien&#8221;, Verlag Kleine Schritte), in dem sie über die Adoption ihrer Tochter Stella berichtet. Die Neunjährige steht als Co-Autorin mit auf dem Titel, denn ohne die Erinnerungen ihres Kindes hätte dieses Buch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Andrea Palm-Hensel und Stella Grace Hensel: Mein Name ist Stella. Gelnhausen, Wagner Verlag. 2010" href="http://www.wagner-verlag.de/buch.php?prd=1033" target="_blank"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-40349" title="Andrea Palm-Hensel und Stella Grace Hensel: Mein Name ist Stella. Gelnhausen, Wagner Verlag. 2010" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/06/mein-name-ist-stella-98x150.jpg" alt="" width="98" height="150" /></a>Mit dem Band &#8220;Mein Name ist Stella&#8221; hat die Triererin Andrea Palm-Hensel bereits das zweite Buch herausgebracht (nach &#8220;Stella – Unser Stern aus Indien&#8221;, Verlag Kleine Schritte), in dem sie über die Adoption ihrer Tochter Stella berichtet. Die Neunjährige steht als Co-Autorin mit auf dem Titel, denn ohne die Erinnerungen ihres Kindes hätte dieses Buch nicht entstehen können.<span id="more-40348"></span></p>
<p>Stella wurde im Juli 2001 in Indien geboren und verbrachte einige Jahre in einem indischen Waisenhaus, aus dem heraus das Trierer Ehepaar Andrea Palm-Hensel und ihr Mann Harald Hensel sie adoptierten. Seit Weihnachten 2006 lebt das Mädchen mit seinen Eltern in Trier, wo sie die Grundschule besucht. &#8220;Ich bin hier nicht fremd, bin keine Inderin in Deutschland, sondern eine Deutsche, die in Indien geboren wurde&#8221;, schreibt sie beziehungsweise ihre Mutter im ersten Kapitel des im Wagner-Verlags erschienenen Paperbacks. Das Buch rekonstruiert zum Einen die ersten Jahre des Mädchens in Indien. Ebenso ist es aber auch die fiktive Geschichte der Herkunft, welche Andrea Palm-Hensel sich exemplarisch ausgedacht hat und die sie als typisch für indische Waisenkinder charakterisiert.</p>
<p>So entsteht die Figur des Mädchens Sita, welche sich nach einem Heiratsversprechen mit einem jungen Mann einlässt, der sie jedoch schnell verlässt. Die aus einer traditionellen und konservativen Familie stammende junge Frau verlässt ihre Familie, als sie ihre Schwangerschaft nicht mehr verbergen kann. Nur so kann sie diese vor der Schande eines unehelichen Kindes bewahren. Nach der Wanderung aus ihrem Dorf erlebt sie als bürgerliche Inderin das arme Indien, welches in Europa gut bekannt ist. Sie isst aus dem Abfall der Märkte, schläft auf der Straße und bettelt. Sita findet Unterschlupf in einem Kloster, wo sie gegen Brot und Bett in der Küche und im Garten aushilft. Schließlich nimmt eine wohlhabende Familie nimmt sie als Haushaltshilfe auf und sie verdient sogar eigenes Geld. Als der Termin der Entbindung kommt, geht Sita in ein Krankenhaus, wo sie anonym ihre Tochter Grace entbindet – zu früh und mit einer Behinderung, die ihre Arme und Beine lähmen. Aus Furcht vor der Zukunft verlässt die junge Mutter das Krankenhaus und überlässt das Kind seinem Schicksal.</p>
<p>Dieses wird schon recht schnell entschieden, denn eine Familie, die gerade eine Totgeburt hinter sich hat, nimmt kurzerhand das Waisenkind Grace mit. Diesen Namen haben ihr die Ordensschwestern der Entbindungsstation gegeben. Bei der Pflegefamilie wächst sie umsorgt von zwei großen Schwestern die ersten drei Jahre ihres Lebens auf. Arbeitslosigkeit und die dadurch entstandene Armut sowie die hohen Kosten für die medizinische Behandlung von Grace machen es notwendig, dass sie die Familie wieder verlassen muss. So kommt Grace in ein Waisenhaus, in dem sich die Schwestern auch um medizinische Hilfen kümmern. Nach Operationen lernt das Mädchen, zu laufen und beginnt langsam, sich in dem Heim wohl zu fühlen und auch Freundschaften zu schließen.</p>
<p>Genau in diesem Moment wird Grace mit der Tatsache konfrontiert, dass sie adoptiert werden soll – eine weitere fundamentale Änderung des Lebens, die zur Zerreißprobe nicht nur für das inzwischen fünfjährige Mädchen wird, sondern auch für die Eltern, welche bald selbst nach Indien fahren, um das Kind abzuholen. Sehr anschaulich ist der Wunsch der Kinder nach einer heilen Familie dargestellt, zugleich aber auch die dauernde Furcht, dies könnte wieder nur eine Etappe sein, die  nicht von Dauer ist. Es gibt Tränen, Abwehr, Ignoranz und Wut, aber auch Momente der Verzückung, des Vertrauens und der Freude. Aber es ist auch schwer für Grace, mal wieder Abschied nehmen zu müssen, diesmal aus dem Kinderheim und von den Freundinnen und Freunden. Das langsame Kennenlernen, die Sprachprobleme in der Anfangszeit, die weite Reise nach Europa mit den fremden Menschen, die jetzt die Eltern sind und die neue Heimat in Trier sind die bewegenden Momente des Buches. Hier lässt sich erahnen, was es allen Beteiligten abverlangt, das Schicksal eines Menschen in die Hand zu nehmen und dabei auch Schwieriges durchzumachen.</p>
<p>Das 191 Seiten starke Buch erschien im Wagner-Verlag in der Kategorie &#8220;Romane&#8221;, ist aber eigentlich ein Erfahrungsbericht – aufgezeichnet von Andrea Palm-Hensel, der Mutter von Stella. Das ist der Name, der Grace in dem Moment ablöste, als das Trierer Ehepaar das Kind adoptierte. Grace lebte fünf Jahre in Indien, Stella ist nun bereits im fünften Jahr in Deutschland. Das Buch beginnt im ersten Kapitel mit Äußerungen des Mädchens Stella. Optisch kursiv hervorgehoben und in der Ich-Form geschrieben, fasst sie klug und für ein Kind eine Spur zu weise die Zeit bei ihren Eltern zusammen: &#8220;Es mag übertrieben klingen, aber ich habe in meiner ersten Zeit in Deutschland viel kostbare Zeit gebraucht, um meine Identität für mich persönlich klarstellen zu können. Ich wusste nicht, wer ich war, wohin ich gehörte und was auf mich zukommen würde. Mir fehlten damals noch die Sicherheit und das Selbstbewusstsein, um gestärkt und unbeirrt durchs Leben zu gehen.&#8221;</p>
<p>Auch das zweite Kapitel beginnt aus der Sicht von Stella, bei der fiktiven Geschichte über deren Mutter jedoch erzählt Palm-Hensel aus der Sicht eines unbeteiligten Beobachters. Mit Kapitel 6 wechselt die Perspektive für den Rest des Buches wieder in die Ich-Form, also in Stellas Sicht der Dinge – egal, ob der Text wie zu Beginn kursiv gesetzt ist oder auch nicht. Diese Vermischung erschließt sich dem Leser nicht, denn der gesamte Text ist der eines Erwachsenen und nicht der eines Kindes. Dass sowohl Mutter als auch Tochter als Autorinnen firmieren, kann davon unabhängig betrachtet werden und ist auch durchaus angebracht, da die Erlebnisse ja auch von beiden stammen. Doch wie authentisch sind die Aussagen in der Ich-Form, wenn die Mutter im Namen des Kindes schreibt?</p>
<p>Was man nicht erwarten darf, ist ein Roman, wie es fälschlicherweise auch auf dem Titel steht. &#8220;Mein Name ist Stella&#8221; ist ein lesenswerter Erfahrungsbericht über die Geschichte einer jungen Triererin mit einer ruhelosen Vergangenheit und einer Zukunft in ihrer eigenen Familie, die sie nicht mehr verlassen muss. Am Ende des Buches schreibt sie: &#8220;Ich habe so viele Pläne, was ich alles machen kann, wenn ich groß bin. Ich kann es kaum erwarten!&#8221;</p>
<p><em>Andrea Palm-Hensel und Stella Grace Hensel: Mein Name ist Stella. Gelnhausen, Wagner Verlag. 2010</em></p>
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		<title>So kocht man an der Mosel</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jun 2011 00:30:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Jöricke</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Kochen wie die Großmutter aus Cochem oder wie Alexander Oos im &#8220;Wein- &#38; Tafelhaus&#8221; in Trittenheim. Hobbyköche und Profis von Perl bis Koblenz stellen im gerade erschienenen &#8221;Die Moselküche&#8221; 85 traditionelle und moderne Gerichte von der Mosel vor. Von Vorspeisen über Suppen und Fischgerichte bis zu Desserts und Kuchen finden sich darin überwiegend einfach und günstig zuzubereitende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Ansgar Schmitz (Moselwein e.V.), Michael Weyand (Verlag Michael Weyand), Barbara Hammes (Mayersche Interbook) und Andreas Hoffmann (Restaurant &quot;Am Brunnen&quot;, Butzweiler) machen sich gemeinsam für die Moselküche stark. Foto: Christian Jöricke" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/06/moselk%C3%BCche-01-klein.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-40091" title="Machen sich gemeinsam für die Moselküche stark: Ansgar Schmitz (Moselwein e.V.), Michael Weyand (Verlag Michael Weyand), Barbara Hammes (Mayersche Interbook) und Andreas Hoffmann (Restaurant &quot;Am Brunnen&quot;, Butzweiler). Foto: Christian Jöricke" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/06/moselküche-01-klein-150x100.jpg" alt="" width="150" height="100" /></a>Kochen wie die Großmutter aus Cochem oder wie Alexander Oos im &#8220;Wein- &amp; Tafelhaus&#8221; in Trittenheim. Hobbyköche und Profis von Perl bis Koblenz stellen im gerade erschienenen &#8221;Die Moselküche&#8221; 85 traditionelle und moderne Gerichte von der Mosel vor. Von Vorspeisen über Suppen und Fischgerichte bis zu Desserts und Kuchen finden sich darin überwiegend einfach und günstig zuzubereitende Mahlzeiten. Gerne würde man aber auch noch etwas über die Eigenarten und Hintergründe der regionalen Küche lesen.<span id="more-40083"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Frankfurt hat Handkäs&#8217; und Grüne Soße, München Weißwurst und Schweinshaxe und Hamburg Brathering und Labskaus, die Pfälzer essen Saumagen, die Kieler Sprotten und die Leipziger Allerlei. Und für welche Speise sind Trier und Umgebung berühmt? Fragte man heute Einheimische unter 40 Jahren nach einem typischen Gericht der Stadt oder der Region, erwiderten wohl die meisten: &#8220;Flieten&#8221;. Dabei sind die würzig marinierten Hähnchenflügel trotz ihrer mundartlichen Bezeichnung so trierisch wie Wiener Schnitzel oder Italienischer Salat. Wirklich traditionelles Essen von der Mosel findet man allenfalls noch in alteingesessenen Gasthäusern, Rezepte existieren meist nur in Jahrzehnte alten und in Sütterlin verfassten Kladden der Groß- oder Urgroßmutter.</p>
<p>Der Verlag Michael Weyand, der unter anderem sehr erfolgreich Bildbände mit historischen Fotos aus Trier publiziert, möchte nun mit &#8220;Die Moselküche&#8221; dazu beitragen, dass originale Speisen aus dieser Region erhalten bleiben und wieder- oder neuendeckt werden. Der Trierer Verlag, die Buchhandlung Mayersche Interbook und der Moselwein e.V. riefen Kunden dazu auf, traditionelle Rezepte von der Mosel (manche werden gewiss auch tief in der Eifel oder im Hunsrück gekocht) einzusenden. Diese wurden mit Rezepten moderner Gerichte ergänzt, von den Köchen Andreas Hoffmann, Franz Kaster und Jan Urban zubereitet und vom Fotografen Hans Georg Eiben appetitlich abgelichtet.</p>
<p>Das Buch hat ungefähr DIN-A5-Format, nimmt also nicht viel Platz auf der Anrichte weg, und ist auch im Umfang handlich (140 Seiten). Der bereits reich bebilderte Umschlag in den Farben schiefergrau, granny-smith-grün und kürbiscremesuppenorange besteht aus robuster Pappe und lässt sich abwaschen. Innen gibt es zu fast jedem der 85 Rezepte ein Foto der fertigen Speise und den Namen des Koches oder Einsenders, von manchen auch mit Bild. Die Zutatenliste wird durch einen dunkegrauen Kasten hervorgehoben, zudem ist ein mehr oder weniger vager Weintipp zu allen Speisen angegeben – sogar zu den Desserts (Winzersekt zu Käsekuchen).</p>
<p>Doch von Anfang an: Das knappe Kapitel &#8220;Vorspeisen&#8221; wird wie die anderen Abschnitte durch ein ganzseitiges Foto mit Zitat eingeleitet. &#8220;Essen soll erst das Auge erfreuen, dann den Magen&#8221;, wird hier mit Johann Wolfgang von Goethe einmalig eine Quelle genannt. Sechs Seiten später ist man schon bei den Suppen angelangt. Der Moselaner hält sich offenbar nicht lange mit Vorspeisen auf. Bei den Suppen wie auch später bei den Nachspeisen machen sich die regionalen Haupterzeugnisse bemerkbar: Mehr als die Hälfte (z.B. &#8220;Gebundene Zwiebelsuppe&#8221;, &#8220;Moselfischsuppe nach Art der &#8216;Bouillabaise&#8217;&#8221; oder &#8220;Feine Sauerkrautsuppe&#8221;) enthält mindestens einen Schuss Weißwein.</p>
<p>Besonders deftig, günstig und einfach in der Zubereitung sind die Kartoffelgerichte. In keinem anderen Kapitel nehmen die Zutatenlisten so wenig Raum ein. Kartoffeln, Hackfleisch oder Blutwurst, Zwiebeln und Lauch sind die Basisingredienzien. &#8220;Krumpernschnietcher&#8221; und &#8220;Dippelappes&#8221; dürfen natürlich nicht fehlen. &#8220;Dippelappes&#8221; sowie &#8220;Gefüllte Kartoffelklöße&#8221; (Tipp von Hans-Albert Becker von der Trierer Tourist-Information) gehören zwar vor allem im Saarland zur Regionalküche, aber schließlich fließt auch dort die Mosel durch. Zudem werden manche Gerichte wie &#8220;Himmel und Erde&#8221; (Kartoffeln mit Äpfeln und Wurst) – leicht variiert – auch in anderen Regionen Deutschlands gegessen, sind oder waren aber ebenso in unseren Gefilden beliebt.</p>
<p>Zwar ist die Gegend links und rechts der Mosel sehr ländlich geprägt, aber gerade des Flusses wegen machen natürlich nicht nur die Erträge der Äcker und der Weinberge die traditionellen Speisen von Perl bis Koblenz aus. So beinhaltet &#8220;Die Moselküche&#8221; auch zehn Fischgerichte mit Forelle, Moselfisch, Moselzander, Moselhecht und Riesengarnelen (bis es Garnelen in der Mosel gibt, soll man für den &#8220;Rhabarberkompott süßsauer&#8221; auch Flusskrebse verwenden können).</p>
<p><a href="http://www.mayersche.de/shop/action/productDetails/14550905/die_moselkueche_3935281811.html?aUrl=90001643" target="_blank"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-40092" title="&quot;Die Moselküche&quot; ist jetzt im Verlag Michael Weyand erschienen." src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/06/die-moselkueche-97x150.jpg" alt="" width="97" height="150" /></a>Das größte und abwechslungsreichste Kapitel sind die &#8220;Fleischgerichte&#8221;. Hier sei als typisch trierische Speise besonders auf den &#8220;Kappes-Teerdich mit Kasseler&#8221; hingewiesen, dem die Leiendecker Bloas sogar ein Lied widmete (ein Video dazu finden Sie <a href="http://www.youtube.com/watch?gl=DE&amp;v=qxDoqkYW9hw" target="_blank">hier</a>; bei 2:07 Minuten geht das Stück los). Stephan Blasius von der &#8220;Kartoffelkiste&#8221; empfiehlt, das Sauerkraut und den Kartoffelbrei im Verhältnis 1:2 zu mischen. Auf den Kraut-Brei-Mix kommt das Kasseler und &#8221;noch ein paar geschmolzene Zwiebeln on top&#8221;. Es heißt übrigens <em>das </em>Kasseler. <em>Der </em>Kasseler ist ein Einwohner einer nordhessischen Stadt.</p>
<p>Weil das Kochbuch möglichst viele Geschmäcker treffen soll, gibt es auch einen kleinen Abschnitt mit vegetarischen Gerichten. Da bis auf den Kochkäse alle Speisen Zwiebeln enthalten, sollte keine Überempfindlichkeit dagegen bestehen. Wohin die Reise bei den Desserts geht, wurde bereits erwähnt, die Namen sprechen für sich: &#8220;Apfel in Weingelee&#8221;, &#8220;Weincreme&#8221;, &#8220;Winzertraum&#8221;, &#8220;Aufgeschlagene Safran-Eierweincreme nach römischer Art&#8221;.</p>
<p>Beim Backwerk, dessen Zubereitung man sich im letzten Kapitel &#8220;Kuchen&#8221; widmet, war man an der Mosel offenbar wenig erfinderisch. Gerade einmal sechs Rezepte wurden hier zusammengetragen – Streusel- und Käsekuchen inklusive. Dafür gehören aber auch Zwiebelkuchen und &#8220;Nussecken nach Guildo Horns&#8217; Mutter Lotti&#8221; dazu. Angeblich lässt Mutter Köhler die Schokoladenglasur für ihren Sohn weg, weil er sie ohne lieber mögen soll.</p>
<p>Die wirklich traditionellen Rezepte sagen viel über die Zeit und die Region aus, in der sie entstanden. Die meisten Zutaten sind leicht zu beschaffen und obendrein nicht teuer. &#8220;Wenn ich in meinen Gewürzschrank gucke, finde ich alles&#8221;, sagt der Verleger Michael Weyand, der zum ersten Mal ein Kochbuch herausgibt. &#8220;Es gibt Gerichte, für die man drei Eier, ein bisschen Mehl und Wasser braucht.&#8221; Zudem sind die meisten Speisen deftig und sättigend.</p>
<p>Deren Zubereitung wird knapp, aber ausreichend und verständlich beschrieben. Schön wäre es gewesen, etwas mehr Hintergründe über die Gerichte zu erfahren. Stattdessen gibt es wahllos einen redaktionellen PR-Text für ein Hotel, drei Anekdoten und ein Portrait eines Koches. Für ein Hardcover und dafür, dass darin keinerlei Werbeanzeigen vorkommen, kann man über den Preis von 12,80 Euro allerdings nicht meckern.</p>
<p><em>Weyand, Michael (Hrsg.): Die Moselküche. Trier, Verlag Michael Weyand. 2011.</em></p>
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		<title>Bommeleër und Hëmmelsdéierchen</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Apr 2011 22:01:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcus Stölb</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer sich in früheren Jahren über das Geschehen im Großherzogtum informieren wollte, schaltete die RTL-Sendung &#8220;Hei Elei, Kuck Elei&#8221; ein. Das Format, das für viele Luxemburger quasi Pflichtprogramm war, wurde vor zwei Jahrzehnten eingestellt. &#8220;Wissenswertes für Anfänger und Fortgeschrittene&#8221; verspricht nun Sabine Schwadorf mit ihrem Buch &#8220;Luxemburger Allerlei&#8221;, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Jetzt im Verlag Michael Weyand erschienen: Luxemburger Allerlei von Sabine Schwadorf. " href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/04/Cover.jpg" rel="lightbox"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-38640" title="Jetzt im Verlag Michael Weyand erschienen: Luxemburger Allerlei von Sabine Schwadorf. " src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/04/Cover-104x150.jpg" alt="" width="104" height="150" /></a>Wer sich in früheren Jahren über das Geschehen im Großherzogtum informieren wollte, schaltete die <em>RTL</em>-Sendung &#8220;Hei Elei, Kuck Elei&#8221; ein. Das Format, das für viele Luxemburger quasi Pflichtprogramm war, wurde vor zwei Jahrzehnten eingestellt. &#8220;Wissenswertes für Anfänger und Fortgeschrittene&#8221; verspricht nun Sabine Schwadorf mit ihrem Buch &#8220;Luxemburger Allerlei&#8221;, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. Neben rund 2.300 Stichworten finden sich kurze Exkurse und Porträts, und der Leser weiß am Ende nicht nur über die Ursprünge von Dr. Mabuse Bescheid, sondern bringt auch &#8220;Doc Martens&#8221; und &#8220;Chicken McNuggets&#8221; mit Luxemburg in Verbindung. <em>16vor</em> verlost heute drei Exemplare des Titels.<span id="more-38633"></span></p>
<p>Startet die Trierer Volkshochschule in ein neues Semester, ist ein Kurs meist schnell ausgebucht: Lëtzebuergesch fir all Dag, Teil 1, für Anfänger ohne Vorkenntnisse. Immer mehr Deutsche erlernen die Sprache des Nachbarlandes, in der Mehrzahl handelt es sich um Grenzgänger. 1984 erklärten die Luxemburger Luxemburgisch zur Nationalsprache, 1999 gab es bereits die erste Rechtschreibreform. Schätzungen zufolge ist Luxemburgisch für rund 300.000 Menschen weltweit Muttersprache.</p>
<p>Dass die gebürtige Eifelerin Sabine Schwadorf ein Faible für das Land und seine Sprache hat, beweist sie mit ihrem jetzt im Trierer Verlag Michael Weyand erschienenen Buch &#8220;Luxemburger Allerlei&#8221;. 14,80 Euro kostet das 160 Seiten umfassende Bändchen, dessen Format an das halb so teure, ebenfalls 160 Seiten zählende &#8220;Lëtzebuergesch &#8211; Wort für Wort&#8221; aus der Kauderwelsch-Reihe des &#8220;Reise Know How Verlags&#8221; erinnert. Sie wolle nicht nur &#8220;detailliert und sachlich korrekt, sondern auch mit einem Augenzwinkern und einer Prise Humor&#8221; Besonderheiten Luxemburgs und des Luxemburgischen darstellen, schreibt Schwadorf in ihrer kurzen Einführung. Das ist der Autorin zweifellos gelungen, denn auch wer bislang dachte, einigermaßen gut über das Großherzogtum informiert zu sein, verbucht nach der Lektüre einen gewissen Wissenszuwachs.</p>
<p>Das gilt vor allem für die Sprache, von der gerade hierzulande noch immer viele glauben, es handele sich lediglich um einen moselfränkischen Dialekt oder bestenfalls eine Mixtur aus dem Französischen, Niederländischen und Deutschen. Ähnlichkeiten mit den drei Sprachen gibt es wahrlich zur Genüge, doch zeichnet sich das Luxemburgische auch durch recht originelle Wortschöpfungen aus; etwa wenn von der Bréifboîte (Briefkasten) die Rede ist oder man schon dreimal hinhören muss, um bei der Vokabel &#8220;Präbbeli&#8221; die französische Herkunft des Wortes Regenschirm (parapluie) zu erkennen. Dass es auch ein Begriff wie &#8220;Bommeleër&#8221; in die Stichwortesammlung geschafft hat, ist der erfolglosen und von allerlei peinlichen Ermittlungspannen begleiteten Fahnung nach den Urhebern einer Anschlagsserie geschuldet, die in den 1980ern das Großherzogtum erschütterte.</p>
<p>Schwadorfs Buch ist eine Kombination aus Wörterbuch und Lexikon. Die Autorin bietet nicht nur luxemburgisches Vokabular, sondern liefert in einigen Fällen auch den Versuch einer allgemeinverständlichen Wortbedeutung. Etwa wenn sie schreibt, dass eine &#8220;Deckelsmouk&#8221; eine &#8220;Kröte mit Deckel&#8221; ist, also eine Schildkröte; oder dass man zu einem Marienkäfer &#8220;Hëmmelsdéierchen&#8221; (Himmelstierchen) sagt. Viele Wörter nutzt die Autorin auch zu kurzen Exkursen. Unter dem Stichwort &#8220;Gedrénks&#8221; erfährt der Leser dann etwas über die Trinkgewohnheiten der Luxemburger, die schon mal eine &#8220;Schokelasmëllech&#8221; ordern, wenn es kein &#8220;Kaffi&#8221; sein soll. Doch so viefältig und anheimelnd die Sprache auch ist, es gibt auch Grenzen der Ausdrucksfähigkeit. Ein Grenzgänger, der seiner luxemburgischen Kollegin ein &#8220;Ich liebe dich&#8221; ins Ohr hauchen will, steht vor einem veritablen Problem: Er wird die passende Formulierung nicht finden. Also muss er sich mit einem &#8220;Ech si frou mat dir&#8221; begnügen, schreibt Schwadorf. Viele Luxemburger neigen indes eher zu der Wendung &#8220;Ech hun dech gäer!&#8221;</p>
<p>In kurzen, oft nur wenige Wörter zählenden Texten erläutert die Autorin, was es mit &#8220;Kleeschen&#8221; und &#8220;Houéker&#8221; auf sich hat, weshalb es inmitten der Fastenzeit in Wasserbillig einen Umzug gibt und man beim Wort &#8220;Halleffaaschten&#8221; nicht spontan ans Heilfasten denken sollte. In gesonderten Kapiteln stellt Sabine Schwadorf berühmte Luxemburger vor, und gerade darin erfährt der Leser manches, was so den wenigsten hierzulande bekannt sein dürfte. Beispielsweise dass der Schöpfer des Dr. Mabuse ein Luxemburger namens Norbert Jacques war, der bei seinen Landsleuten in Ungnade fiel, weil er mit den Nazis mehr als nur sympathisierte. Nach dem Krieg verwiesen die Luxemburger Jacques des Landes, 1954 starb er in einem Koblenzer Hotel. Dass Ranga Yogeshwar luxemburgische Wurzeln hat, sieht man ihm vielleicht nicht an, doch sein Abitur hat der Wissenschaftsjournalist nachweislich in Diekirch gemacht. Mentor Yogeshwars beim <em>WDR </em>war übrigens ein weiterer berühmter Luxemburger: Jean Pütz.</p>
<p>Sabine Schwadorfs kurzweilige Lektüre bereitet optimal auf den nächsten Grenzgänger-Smalltalk vor, mit dem ein oder anderen Erkenntnisgewinn lässt sich gegenüber den Kollegen sicherlich glänzen. Und wer demnächst einen Ausflug nach Ulflingen macht und in Ëlwen ankommt, sollte sich nicht wundern, dass er sich in Troisvierges befindet – in Luxemburg hat ein und derselbe Ort bis zu drei unterschiedliche Namen.</p>
<p><em>Schwadorf, </em><em>Sabine:</em><em> Luxemburger Allerlei &#8211; Wissenswertes für Anfänger und Fortgeschrittene. Trier, Weyand, 14,80 Euro.</em></p>
<p><strong>16vorspiel</strong>: Unter allen Lesern verlosen wir drei  Exemplare des Buchs &#8220;Luxemburger Allerlei&#8221;. Teilnehmen kann, wer  folgende Frage möglichst exakt beantwortet: Wer gewann wann und wo für Luxemburg Gold über 1500 Meter? Antwort bitte per Mail an folgende  Anschrift: gewinnspiel@16vor.de; der Rechtsweg ist ausgeschlossen.</p>
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		<title>Nach 84 Jahren wieder ein Trierer Wörterbuch</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Apr 2011 23:21:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Jöricke</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Ob der Erfolg von Filmen, in denen Trierer Dialekt gesprochen wird, oder von Produkten, die mit hiesigem Vokabular beschriftet sind, ein Indiz für eine Renaissance der Mundart ist, darf bezweifelt werden. Gerade im ersten Fall dient der Dialekt ausschließlich der Belustigung und verstärkt zudem das Klischee, dass er nur von Minderbemittelten und Gaunern verwendet wird. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Josef Marx und Horst Schmitt mit ihrem &quot;Trierer Wörterbuch&quot;. Foto: Christian Jöricke" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/04/trierer-w%C3%B6rterbuch.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-38353" title="Josef Marx und Horst Schmitt mit ihrem &quot;Trierer Wörterbuch&quot;. Foto: Christian Jöricke" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/04/trierer-wörterbuch-150x100.jpg" alt="" width="150" height="100" /></a>Ob der Erfolg von Filmen, in denen Trierer Dialekt gesprochen wird, oder von Produkten, die mit hiesigem Vokabular beschriftet sind, ein Indiz für eine Renaissance der Mundart ist, darf bezweifelt werden. Gerade im ersten Fall dient der Dialekt ausschließlich der Belustigung und verstärkt zudem das Klischee, dass er nur von Minderbemittelten und Gaunern verwendet wird. Dem wirken Josef Marx und Horst Schmitt mit dem &#8220;Trierer Wörterbuch&#8221; nun entgegen. Ihr gerade erschienenes, aufwändiges Nachschlagewerk ist die erste wissenschaftliche Dokumentation der Trierer Mundart seit 1927.<span id="more-38345"></span></p>
<p>10.000 Stichwörter und ihre Bedeutung – von der bestätigenden Interjektion &#8220;Ä&#8221; bis zum Adjektiv &#8220;zwudderisch&#8221;. Substantive werden im Singular und Plural und mit Genus angegeben, Verben im Infinitiv und im Partizip. Ein Unterstrich zeigt an, wo die Betonung liegt. Neben der Bedeutung im Hochdeutschen finden sich oft auch noch Hinweise auf die Wortherkunft, Sprachbeispiele und Redensarten. Auf eine Lautschrift wurde verzichtet, da die Wörter so geschrieben wurden, wie man sie spricht. Was heißt &#8220;Flämm&#8221;, was meint jemand, wenn er wissen will &#8220;Watt schäfft de Ossnik?&#8221; und woher kommt der Begriff &#8220;Keilo&#8221;? Das &#8220;Trierer Wörterbuch&#8221; von Josef Marx und Horst Schmitt lässt kaum Fragen offen.</p>
<p>&#8220;Unn wiesu stied lao nött &#8216;freck&#8217; drönn?&#8221;, höre ich nun jemanden etwas voreilig fragen. &#8220;Hann die zwaai nött dä Film gesien?&#8221; Doch, haben sie. Das Wort findet man aber unter der Infinitivform &#8220;fräggen&#8221;. &#8220;Es heißt ja auch &#8216;Fräggerd&#8217;&#8221;, verweist Schmitt auf das Schimpfwort, das offenbar vom selben Ursprungswort abstammt. Um gerade in solchen Fällen, wo man sich bei der Schreibung unsicher ist, die Suche zu erleichtern, haben die Autoren an den fast 400 Seiten umfassenden Stichwörterteil ein Register angehängt. Darin kann man das trierische Wort mithilfe seiner hochdeutschen Bedeutung suchen.</p>
<p>Wie das &#8220;Deutsche Universalwörterbuch&#8221; die &#8220;Kurze Grammatik der deutschen Sprache&#8221; enthält auch das &#8220;Trierer Wörterbuch&#8221; einen Grammatikteil, der im Gegensatz zum Duden aber natürlich in die Gesetzmäßigkeiten des hiesigen Idioms wie die eigenwillige Genitivbildung (&#8220;dämm Päärd sein Saddel&#8221;) und die beliebte Verlaufsform (&#8220;Mer sönn all aom ääßen&#8221;) einführt. Um sich einen Eindruck vom Klang des Trierischen zu verschaffen, ist ganz am Ende des kürbisfarbenen, etwas altbacken aufgemachten Buches eine Sprach-CD mit mundartlichen Gedichten und Prosatexten (unpraktischerweise) eingeklebt.</p>
<p>Aus &#8220;Freude an der Mundart&#8221; arbeiteten Marx und Schmitt jahrelang an dem insgesamt 580 Seiten starken Werk. Sie kümmerten sich sogar um den Satz und die Umschlaggestaltung. Als Quellen dienten den beiden ehemaligen Lehrern und Dozenten der eigene Wortschatz, das 1927 von Professor Peter Christa veröffentlichte Wörterbuch &#8220;Trierer Mundart&#8221;, Gedichte und Prosa der Mundartliteratur, die Wörtersammlungen von Louis Frère und Felix Zock, die jüngst erschienenen Wörterbücher der Stadtteile Zewen und Ehrang und die Produkte von &#8220;Alles Trier&#8221;. Zudem trugen die Einsendungen vieler Trierer zum beachtlichen Umfang des Buches bei.</p>
<p>&#8220;Die Arbeit hat sich in jedem Fall gelohnt&#8221;, sagt der Sprachwissenschaftler Peter Honnen vom Landschaftsverband Rheinland, Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte aus Bonn, der das aufwändige Projekt betreute. &#8220;Mit diesem neuen Wörterbuch ist die Trierer Mundart nun für alle Zeiten in vorbildlicher Form gesichert und dokumentiert. Es genügt allen wissenschaftlichen Ansprüchen.&#8221;</p>
<p>Auch wenn sich der Dialekt wie die Hochsprache verändert, fällt bei der genaueren Betrachtung des Nachschlagewerkes auf, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten – als laut den Verfassern Mundart als Ausdruck der Rückständigkeit, der Kleingeistigkeit und als Sprache der Unterschichten verächtlich gemacht wurde – bei mundartlichen Neuschöpfungen wenig getan hat und neue hochdeutsche Wörter allenfalls nach den Regeln des Trierer Platts angepasst wurden. Obwohl die Autoren Christas erstes, über 80 Jahre altes Trierer Wörterbuch ordentlich ausgemistet haben dürften, haben sie einige Leichen vom Wortfriedhof wieder ausgegraben. Zumindest der Schöpfer dieser Zeilen hat den Eindruck, dass beispielsweise &#8220;Luunen&#8221; (Achsnagel), &#8220;Wällbaam&#8221; (Holzrolle am Webstuhl), &#8220;Wollschlommb&#8221; (Altwollballen und Aufrupfmaschine), &#8220;Oowewiks&#8221; (Ofenwichse) und &#8220;Harrakönnd&#8221; (Besatzungskind) wegen ihres abhandengekommenen Bedarfs heute eher ungebräuchlich sind. Nicht immer ist angegeben, wenn ein Wort veraltet ist. Aber schließlich ging es den Machern des Wörterbuches nicht nur darum, den aktuellen Bestand des Dialekts darzustellen, sondern auch Wörter vor dem Vergessen zu bewahren. Und mit den oben genannten werden Marx (Jahrgang 1941), der vor zweieinhalb Jahren das &#8220;<a href="http://archiv.16vor.de/index.php/2011/04/18/index.php/2008/09/10/auch-als-aalen-trierer-noch-ebbes-lernen/" target="_blank">Trier Quiz</a>&#8221; kreierte, und Schmitt (Jahrgang 1938) wohl auch noch aufgewachsen sein.</p>
<p>&#8220;Es sind nicht nur die materiellen Kulturgüter wie die Porta Nigra, die Kaiserthermen und die Römerbrücke, der Dom, das Karl-Marx-Haus oder die anderen Museen, die die kulturelle Identität der alten Metropole Trier ausmachen&#8221;, schreibt Honnen im Geleitwort. &#8220;Es sind auch die immateriellen Kulturgüter, allen voran die örtliche Sprache, die als identitätsstiftende Elemente mindestens ebenso wichtig sind.&#8221; Das neue trierische Wörterbuch sei also nicht nur eine sprachhistorische, sondern auch eine kulturhistorische Rettungsaktion, für die den beiden Autoren nicht genug gedankt werden könne.</p>
<p>Ein Anfang wäre schon mal, dass alle, die mehr über das Trierische, diesen herzlichen, direkten, ehrlichen und rauen Dialekt, erfahren möchten, sich dieses wertvolle Buch anschafften. Mögen die ersten 2000 Exemplare sowie die folgenden Auflagen schnell vergriffen sein.</p>
<p><em>Marx, Josef; Schmitt, Horst: Trierer Wörterbuch. Butzweiler, Trier-Verlag. 2011. </em></p>
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		<title>Mehr als eine Vereinschronik</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Apr 2011 22:01:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Jöricke</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Christoph Riemenschneider spielt Flöte im Philharmonischen Orchester der Stadt Trier. Tilman Grünewald spielt Oboe im Musikverein &#8220;Harmonie&#8221; Mühlweiler. Grünewald ist die Hauptfigur in Riemenschneiders ersten Roman &#8220;Vereinschronik&#8221;. Mit seinem Debütwerk setzt er einen Kontrapunkt zu Heinz Strunks Erstling &#8220;Fleisch ist mein Gemüse&#8221; (2004). Denn im Gegensatz dazu ist &#8220;Vereinschronik&#8221; eine Liebeserklärung an die Musik, an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Riemenschneider, Christoph: Vereinschronik. Merzig, Gollenstein. 2011" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/04/vereinschronik.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-38136" title="Riemenschneider, Christoph: Vereinschronik. Merzig, Gollenstein. 2011" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/04/vereinschronik-92x150.jpg" alt="" width="92" height="150" /></a>Christoph Riemenschneider spielt Flöte im Philharmonischen Orchester der Stadt Trier. Tilman Grünewald spielt Oboe im Musikverein &#8220;Harmonie&#8221; Mühlweiler. Grünewald ist die Hauptfigur in Riemenschneiders ersten Roman &#8220;Vereinschronik&#8221;. Mit seinem Debütwerk setzt er einen Kontrapunkt zu Heinz Strunks Erstling &#8220;Fleisch ist mein Gemüse&#8221; (2004). Denn im Gegensatz dazu ist &#8220;Vereinschronik&#8221; eine Liebeserklärung an die Musik, an den Musikverein und an die Provinz. Riemenschneider liest heute um 16.30 Uhr in der Mayerschen Interbook.<span id="more-38135"></span></p>
<p>Tilman Grünewald wird dazu verdonnert, anlässlich des bevorstehenden 100. Gründungstages seines Musikvereins eine Chronik darüber zu schreiben. &#8220;Du kannst das. Ich sage nur: Deutsch Leistungskurs,&#8221; sagt der 1. Vorsitzende, für den die Angelegenheit damit erledigt ist. Tilman stellt jedoch eine Bedingung: Die Chronik muss so gedruckt werden, wie er sie schreibt. Denn nach seiner Vorstellung soll es &#8220;schon etwas richtig Geiles [werden], auf keinen Fall eines dieser Heftchen voller Grußworte und Werbung von der Sparkasse, am ehesten ein historischer Roman, aber ganz und gar wahr, wissenschaftlich, mit Auswertung von Protokollen, Stücken, Mitgliederporträts, Fotos, aber auch mit Erzählungen der Alten [...]&#8220;, flüstert er seiner Tischnachbarin und späteren Freundin bei der Mitgliederversammlung zu. Und genau das setzt der junge Musiker auch um.</p>
<p>Ab hier gibt es zwei Erzählebenen. Der Leser erlebt abwechselnd die folgenden Monate des Ich-Erzählers bis zum Jubiläum und die Geschichte des Vereins. Die Chronik, die mit Kapitelüberschriften, Fußnoten und Anhang so dargestellt ist, wie sie später in Druck gehen soll, gerät über weite Strecken zur Haupthandlung und nimmt auch den größeren Umfang ein. Wäre dies eine konventionelle Festschrift eines Musikvereins, gäbe es keinen allzu großen Reiz mehr weiterzulesen. Doch dank zahlreicher Anekdoten und persönlicher Porträts bedeutender Mitglieder, ist Tilmans Arbeit mehr als nur eine Vereinsgeschichte – es ist zudem ein Stück Familien-, Dorf- und Zeitgeschichte.</p>
<p><a title="Christoph Riemenschneider liest heute in der Mayerschen Interbook. Foto: privat" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/04/Riemenschneider-Chroktober.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-38137" title="Christoph Riemenschneider liest heute in der Mayerschen Interbook. Foto: privat" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/04/Riemenschneider-Chroktober-150x142.jpg" alt="" width="150" height="142" /></a>Christoph Riemenschneider zeigt in seiner &#8220;Vereinschronik&#8221;, dass eine Jugend im Musikverein in der Provinz anders aussehen kann, als in Heinz Strunks &#8220;Fleisch ist mein Gemüse &#8211; Eine Landjugend mit Musik&#8221;. Strunks sehr lustiger, schwarzer Debütroman ist ein &#8220;Erinnerungsbuch aus dem Schattenreich der Tanzmusik&#8221; (Eigenwerbung), Riemenschneiders wohl ebenfalls autobiographisch gefärbtes, nüchtern erzähltes Erstlingswerk ist dagegen eine Liebeserklärung an die Musik, ans gemeinsame Musizieren und an die Provinz. Während Heiner ein amtliches Alkoholproblem entwickelt, trinkt Tilman Sprudel oder höchstens mal ein Stubbi. Strunks Protagonist ist eine arme Sau, ein Outsider, ein Loser. Die Hauptfigur des Trierer Autors ist pflichtbewusst, brav und bieder und hat sogar Sex. Sie bleibt zwar bis zum Schluss recht oberflächlich, aber schließlich geht es in &#8220;Vereinschronik&#8221; auch um Größeres.</p>
<p>Gelungen ist dieses Debüt in mehrfacher Hinsicht: Der interessant strukturierte Roman mit seiner vor allem in den &#8220;dokumentarischen&#8221; Passagen authentisch erzählten und dichten Handlung ist sehr schön und hochwertig aufgemacht (Buchgestaltung: Nathalie Nierengarten, die sich beim Cover offenbar von Kafka und dem psychedelischen Beatles-Zeichentrickfilm &#8220;Yellow Submarine&#8221; inspirieren ließ). &#8220;Vereinschronik&#8221; ist der Auftakt vom &#8220;Forum Neue Autoren&#8221; der Union Stiftung und des Merziger Gollenstein Verlages, die damit &#8220;viel versprechende&#8221; (sic!) Autoren in der Großregion fördern möchte.</p>
<p>Christoph Riemenschneider stellt sein Werk heute um 16.30 Uhr in der Mayerschen Interbook vor.</p>
<p><em>Riemenschneider, Christoph: Vereinschronik. Merzig, Gollenstein. 2011</em></p>
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		<title>Auch Kant war nur ein Mensch</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Feb 2011 23:54:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annika Hand</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Kant gehört nicht eben zu den eleganten Stilisten in der Philosophie. In studentischen Kreisen, die seiner Denkart nicht nahe stehen, gilt er gemeinhin als hervorragende Bettlektüre – zwei verschachtelte Sätze, die sich über eine Seite hinziehen, genügen, um in Tiefschlaf zu fallen. Der Trierer Philipp Thull hat sich in seinem Erstlingswerk der Aufgabe gewidmet, den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Thull, Philipp: Bürger zweier Welten. Bautz. 2011" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/02/bürger.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-36266" title="Thull, Philipp: Bürger zweier Welten. Bautz. 2011" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/02/bürger-92x150.jpg" alt="" width="92" height="150" /></a>Kant gehört nicht eben zu den eleganten Stilisten in der Philosophie. In studentischen Kreisen, die seiner Denkart nicht nahe stehen, gilt er gemeinhin als hervorragende Bettlektüre – zwei verschachtelte Sätze, die sich über eine Seite hinziehen, genügen, um in Tiefschlaf zu fallen. Der Trierer Philipp Thull hat sich in seinem Erstlingswerk der Aufgabe gewidmet, den Grandseigneur der Aufklärung und des Idealismus für ein breiteres Publikum zu entschlüsseln.<span id="more-36264"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Ein Denken, das den Anspruch hat, ein komplettes, in sich schlüssiges System zu setzen, akribisch erarbeitet, kühl argumentiert, tausende von Seiten umfassend. In jedem Sinne des Wortes ein Lebenswerk, das nur in absoluter Disziplin zu schaffen war. &#8220;Das Feld der Philosophie in dieser weltbürgerlichen Bedeutung lässt sich auf folgende Fragen bringen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?&#8221; Wer war der Magister aus Königsberg, der mit einer solchen Stringenz gearbeitet hat, eine Ethik auf Gesetzen basierend verfasste, die – logisch begründet – klar formuliert, was zu tun und was zu lassen ist? Wer war dieser Weltbürger Kant?</p>
<p>Philipp Thull beschreibt ihn auf 165 Seiten in einem als Krimi angelegten Roman, in seinen Gewohnheiten, die seinen Tag und sein Arbeiten strukturierten, in seinem mitmenschlichen Leben zu seinem Diener Martin Lampe und den großen Denkern seiner Zeit, in all seinem manchmal skurril anmutenden Habitus, das &#8220;den Philosophen&#8221; das Brandmal &#8220;kauzig, weltfremd, nicht lebensfähig&#8221; eingebracht hat. Und verbindet damit in großer Leichtigkeit die Philosophie Kants: Die Handlung des Romans ist verwoben mit den wesentlichen Grundzügen des Kantischen Denkens; Thull lässt Kant seine Ansichten, zumeist jene der Ethik, mit seinen jeweiligen Gesprächspartnern in Situationen erörtern, die Grundsatzdiskussionen geradezu fordern.</p>
<p>Der im Roman als umtriebig geschilderte Lampe kompromittiert seinen Herrn des öfteren durch seine leichtfertigen Liebschaften, die zuerst einmal moralische Rügen Kants nach sich ziehen. Letztlich führt diese legere Haltung Lampe in eine gefährliche Situation, da der gehörnte Ehemann ihn zum Duell herausfordert. Was also soll man nun tun, was darf man hoffen, wie ist ein Leben als gutes, als moralisches Leben zu führen? Am Hof Friedrich des Großen werden diese zentralen Fragen auch mit Blick auf das politische Handeln des Monarchen ausgebreitet.</p>
<p>Eingängig und kenntnisreich legt Thull, der in Trier Theologie und Rechtswissenschaft studiert, jenen Lesern, die einen Einstieg zu Kants Theorie suchen, diese dar. Auf den ersten Blick im griffigen Taschenbuchformat ebenso griffig präsentiert. Der zweite Blick wünscht sich mehr: Einen Lektor, der den jungen Autor hätte ermutigen sollen, sich Zeit und Raum zur Entfaltung der Geschichte zu lassen. Zwar ist der Ansatz, das Denken eines Philosophen in Form einer Erzählung auszubreiten, nicht neu – man denke etwa an &#8220;Ein Mensch namens Sokrates&#8221; von G. Messadié –, aber es bleibt eine gute Idee, da somit Leben und Werk verbunden werden, der Leser über Unterhaltung einen ersten Zugang zur Philosophie bekommt.</p>
<p>Der Plot selbst, die Liebesaffäre, die in der Katastrophe mündet, bleibt jedoch ohne jede Tiefe, wird geradezu atemlos abgehandelt. Kaum spitzt sich die Lage dramatisch zu, ist zwei Seiten später schon die überraschende Lösung zur Hand. Die Liebesszenen lesen sich, wie von Groschenromanen inspiriert geschrieben. Das fesselt wenig und schmälert den literarischen Genuss leider sehr.</p>
<p>Empfehlenswert bleibt das Büchlein für alle, die sich bislang nicht an einen der größten deutschen Denker herangewagt haben – sie werden sehen: auch Kant war nur ein Mensch.</p>
<p><em>Am Sonntag um 11 Uhr stellt Philipp Thull sein Werk in einer vom SPD-Ortsverein Tarforst-Filsch-Irsch organisierten </em><em>Lesung im Eiscafé Cali (Im Treff 9) persönlich vor.</em></p>
<p><em>Thull, Philipp: Bürger zweier Welten. Bautz, Nordhausen. 2011. € 12. ISBN 978-388-309-626-1.</em></p>
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		<title>Nach Rufmord Mord</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Jan 2011 01:27:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Jöricke</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor wenigen Wochen erschien der elfte Band von Mischa Martinis Moselkrimis. Das vertraute Ermittler-Trio Waldemar &#8220;Walde&#8221; Bock, Gabi und Grabbe muss in &#8220;Exit Mosel&#8221; den Mord an einem Mann aufklären, der in seinem Auto verbrannt und in der Mosel versenkt wurde. Für den Leser bleibt am Ende dieses vielschichtigen Werkes nur eine Frage offen: Wann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Martini, Mischa: Exit Mosel. Weyand, Trier. 2010" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/01/exit-mosel.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-34664" title="Martini, Mischa: Exit Mosel. Weyand, Trier. 2010" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/01/exit-mosel-94x150.jpg" alt="" width="94" height="150" /></a>Vor wenigen Wochen erschien der elfte Band von Mischa Martinis Moselkrimis. Das vertraute Ermittler-Trio Waldemar &#8220;Walde&#8221; Bock, Gabi und Grabbe muss in &#8220;Exit Mosel&#8221; den Mord an einem Mann aufklären, der in seinem Auto verbrannt und in der Mosel versenkt wurde. Für den Leser bleibt am Ende dieses vielschichtigen Werkes nur eine Frage offen: Wann wird es verfilmt? &#8220;Exit Mosel&#8221; ist – wie auch die Vorgänger – wie geschaffen fürs Fernsehen.<span id="more-34659"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Wenige Seiten vor Ende des Romans informiert sich der Progatonist Waldemar Bock bei seiner Gattin Doris über das von ihr gerade zuende gelesene Buch: &#8220;War es gut?&#8221;, fragte er. &#8220;Naja, nur ein Lokalkrimi.&#8221;</p>
<p>Was des Hauptkommissars Ehefrau wohl damit meint, ist, dass es sich bei einem Lokalkrimi um keine literarisch allzu anspruchsvolle Gattung handele, an die man deshalb keine hohen Erwartungen oder andere als die, ein bisschen unterhalten zu werden, habe.</p>
<p>Wer jedoch einmal vergleicht, was allein in der Region in diesem Bereich so geschrieben wird, wird feststellen, dass es da bereits große Unterschiede gibt. Lokalkrimi ist eben nicht gleich Lokalkrimi. An der Spitze, nicht nur wegen der Verkaufszahlen, liegen die Moselkrimis von Mischa Martini. 1999 stellte er den ersten Fall von Kommissar Bock vor. Das Debüt wurde bis heute zehntausendfach verkauft.</p>
<p>Inzwischen ermittelt der seit kurzem zweifache Familienvater &#8220;Walde&#8221; zum elften Mal. In &#8220;Exit Mosel&#8221; wird ein Stadtratskandidat der Linken, der bei der Caritas arbeitete und sich ehrenamtlich bei der &#8220;Tafel&#8221; engagierte, in seinem Auto verbrannt und in der Mosel versenkt. Bis der Wagen geborgen, die Herkunft des Toten und die genaue Todesursache geklärt ist, hat man fast den halben Roman gelesen. Doch wer die Krimis von Mischa Martini kennt, weiß, dass es darin nicht nur um Ermittlungsarbeit geht. Bei dem Autor, der unter anderem Namen als Verleger tätig ist, passiert auch viel abseits des Tatorts.</p>
<p><a href="http://www.nestwaerme.de" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-29245" title="Werbung" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2010/08/16vornestwaermeneu.jpg" alt="" width="200" height="100" /></a>Den größten Raum nimmt in seinem neusten Werk die Beziehung des Kommissars zu seiner ältesten Tochter ein, der gerade der Einzelkindstatus abhanden gekommen ist. Es sind die schönsten Passagen des Buches. Nicht nur, weil sie kurzzeitig Abwechslung vom brutalen Mordfall und die für den Spannungsaufbau nötige Erleichterung bieten, sondern weil sie so einfühlsam und kenntnisreich geschrieben sind, wie es vielleicht nur ein mehrfacher Familienvater – Martini hat auch zwei Töchter – kann.</p>
<p>Nachdem dank der Mithilfe von Gerichtsmedizinern und Kriminaltechnikern geklärt werden konnte, dass das Brandopfer durch Fremdverschulden ums Leben kam, versuchen Walde und seine Kollegen – die resolute Gabi und der furchtsame Grabbe, der wieder auf harte Proben gestellt wird – das Motiv des Täters zu ergründen. Entscheidend hilft ihnen der Hinweis, dass der Tote kurz zuvor in den Medien verleumdet wurde. Der Pressereferent eines Trierer Tauchclubs behauptete entgegen den Tatsachen, dass jener sich bei einer Ertrinkenden der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht habe.</p>
<p>Ab der Hälfte von &#8220;Exit Mosel&#8221; schaut man nicht mehr auf die Seitenzahlen. Martini zieht das Tempo an und dreht den Spannungsregler auf &#8220;packend&#8221;: neue Figuren und neue Erkenntnisse für die Polizei kommen hinzu, die den Leser allerdings noch völlig im Dunkeln lassen. Die Handlung fesselt einen vor allem, weil der Autor die drei Kripobeamten an verschiedenen Schauplätzen ermitteln lässt, und man bis kurz vor Schluss nicht erfährt, wer von ihnen auf der richtigen Spur ist.</p>
<p>Rund machen Martinis Moselkrimis die lokalen Bezüge, die sorgfältige Recherche, die mehr oder weniger stark ausgeprägte Kritik an lokalen Medien, die vielen kleinen Verweise daraus, und die offene und versteckte Wissensvermittlung, an der ihm offenbar viel liegt. In seinem aktuellen Werk kann man neben zahlreichen gerichtsmedizinischen Details unter anderem erfahren, dass ein Tropfen Öl genügt, um tausend Liter Trinkwasser zu verschmutzen (S. 18), warum auch im November noch Federweißer erhältlich ist (S. 60) und auf welche Weisen Sekt hergestellt werden kann (S. 119). Zudem greift Martini gerne aktuelle Diskussionen auf wie zum Beispiel über die Sinnhaftigkeit von der &#8220;Tafel&#8221; (S. 147f., 155).</p>
<p>Im Vergleich zu seinen ersten Krimis ist die Sprache kunstvoller geworden, wie man gleich beim Einstieg in &#8220;Exit Mosel&#8221; feststellen kann, in dem der Autor bilderreich den Todeskampf des Opfers beschreibt. Das Handwerk hat Martini schon immer beherrscht und inzwischen perfektioniert. Hinzu kommen seine Kreativität und seine Akribie. Es kann nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die ganze Reihe oder zumindest einzelne Teile verfilmt werden. Sie sind wie fürs Fernsehen gemacht.</p>
<p><em>Martini, Mischa: Exit Mosel. Weyand, Trier. 2010</em></p>
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		<title>Luxemburgerli und Rotlichtviertel</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Sep 2010 22:04:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcus Stölb</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Tage meinte ein Mitglied des französischen Senats, das Existenzrecht Luxemburgs infrage stellen zu müssen. Bei all jenen, die das größte weil weltweit einzige Großherzogtum und dessen Bewohner mögen, dürfte das allenfalls für Kopfschütteln gesorgt haben. Luxemburg ist nicht nur ein ansprechendes Fleckchen Erde, sondern macht auch jenseits der eigenen Landesgrenzen von sich Reden. Luc [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2010/09/Luxemburg_in_der_Welt.jpg" rel="lightbox"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-30271" title="Luxemburg_in_der_Welt" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2010/09/Luxemburg_in_der_Welt-96x150.jpg" alt="" width="96" height="150" /></a>Dieser Tage meinte ein Mitglied des französischen Senats, das Existenzrecht Luxemburgs infrage stellen zu müssen. Bei all jenen, die das größte weil weltweit einzige Großherzogtum und dessen Bewohner mögen, dürfte das allenfalls für Kopfschütteln gesorgt haben. Luxemburg ist nicht nur ein ansprechendes Fleckchen Erde, sondern macht auch jenseits der eigenen Landesgrenzen von sich Reden. Luc Marteling und Steve Müller sind auf Spurensuche gegangen – im Mittleren Westen und in Zürich, in der Toskana und in Trier sowie an vielen weiteren Orten. Sie testeten Luxemburgerli und speisten im &#8220;Alt-Luxemburg&#8221; &#8211; auf Tellern des Dekors &#8220;Vieux Luxembourg&#8221;. &#8220;Luxemburg in der Welt&#8221; heißt ihr ebenso unterhaltsames wie informatives Buch, das jetzt bei der editition guy binsfeld erschienen ist und von dem wir drei Exemplare verlosen.<span id="more-30048"></span></p>
<p><strong>LUXEMBURG.</strong> Es gibt Hamburger und Berliner, und auch Frankfurter und Wiener kann man essen. Luxemburgerli, das luftig leichte Gebäck aus der Confiserie Sprüngli, werden genossen.  Ein junger Luxemburger, der sich in den 1950er Jahren in der Zürcher Bahnhofstraße zum Konditor ausbilden ließ, brachte den Eidgenossen das Rezept mit. Doch schon vor dem Zweiten Weltkrieg war Richard Sprüngli höchstselbst auf den Geschmack gekommen: Der Schweizer hatte einen Abstecher ins Großherzogtum gemacht, hier servierte man ihm die kleinen Makronen, und Sprüngli will sofort das große Geschäft gewittert haben.</p>
<p>Die Erfolgsgeschichte vom Zürcher Makrönchen ist nur eine von insgesamt 40 Spuren, an die sich Luc Marteling und Steve Müller bei ihrer Suche nach &#8220;Luxemburg in der Welt&#8221; hefteten. Ihr Buch, das jetzt bei <a href="http://www.editionsguybinsfeld.lu/" target="_blank">éditions guy binsfeld</a> erschienen ist, nimmt den Leser mit auf eine Tour durch verschiedene Winkel der Erde. So reisten Marteling und Müller auch in den Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, in das im Dreistaateneck Iowa-Illinois-Wisconsin gelegene Dorf St. Donatus. Auf seinem Ortsschild nennt sich St. Donatus &#8220;Historic Luxembourg Village&#8221;, im Kalmes Restaurant stiegen Autor und Fotograf ab. Fast alles in diesem &#8220;Hub of town&#8221; erinnere an die luxemburgischen Wurzeln der Besitzer, deren Vorfahren Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge einer großen Auswanderungswelle in Midwest sesshaft wurden, berichten die Beiden. Die Menükarte ziert die luxemburgische Trikolore, an den Wänden hängen von Großherzog Henri bis Erzbischof Fernand Franck die Abbilder zahlreicher Prominenter.</p>
<p>Prominenz trifft man mitunter auch im &#8220;Alt-Luxemburg&#8221;, einem Sterne-Restaurant im Berliner Bezirk Charlottenburg. Seinen Namen hat das Haus vom gleichnamigen Prozellan-Dekor der Manufaktur Villeroy &amp; Boch – die Bezeichnung wiederum ist eine Reminiszenz an die Luxemburger Faiencerie im <a href="http://www.vdl.lu/" target="_blank">Rollingergrund</a>, einem Stadtteil der Hauptstadt, wo Villeroy &amp; Boch bereits 1767 die Produktion aufnahm. 1967, aus Anlass der 200-Jahr-Feier, legte das Traditionsunternehmen die längst zu gewissem Kultstatus gelangte Serie &#8220;Alt Luxemburg&#8221; auf. So kommt eins zum anderen, wird der Name Luxemburg immer weiter getragen. Da ist beispielsweise das &#8220;Café Luxembourg&#8221; in Amsterdam, dessen Name jedoch nicht an das noch bis 1890 vom niederländischen Königshaus mitverwaltete Großherzogtum anlehnt, sondern an das New Yorker &#8220;Café Luxembourg&#8221; – und das hat seinen Namen wiederum vom Pariser &#8220;Jardin du Luxembourg&#8221;, dessen Namensgebung sehr wohl einen direkten Bezug zum Großherzogtum aufweist: François de Luxembourg, ein Abkömmling des Hauses Luxemburg, gab dem Park seinen Namen.</p>
<p><strong>Nomen nicht immer Omen</strong></p>
<p>Nicht immer ist Nomen auch Omen, wie Marteling und Müller in ihrem Buch zeigen. Weder die wohl berühmteste &#8220;Luxemburgerin&#8221;, die rote Rosa, der ebenfalls ein Kapitel gewidmet ist, noch die gebürtige Triererin Rut Blees-Luxemburg verdanken ihre Namen dem Nachbarland. Auf die Frage, weshalb sie ihrem Namen den Zusatz &#8220;Luxemburg&#8221; gab, antwortete die in Leiwen aufgewachsene und seit den 1990ern in London lebende Fotografin Rut Blees: &#8220;Luxemburg hatte noch den Bezug nach Hause, an die Mosel, war aber auch wiederum international, und der Name ist doch auch das Echo von &#8216;Licht&#8217; und &#8216;Stadt&#8217;&#8221;. Solche Sätze würden Patrick Luxembourger, dem Bürgermeister der französischen Gemeinde Terville, der als Grenzgänger täglich nach Luxemburg pendelt, nicht einfallen. Auf die Frage, ob ihm sein Familienname in der politischen Karriere genutzt habe, antwortet er: &#8220;Ich glaube weder noch. Einen Vorteil hat der Name aber: Er ist leicht zu merken, das kann in der Politik von Nutzen sein&#8221;.</p>
<p>Von Nutzen, vor allem aber von hohem Unterhaltungswert ist Martelings und Müllers Buch. &#8220;Luxemburg in der Welt&#8221; ist eine kurzweilig und amüsant-hintergründig geschriebene Hommage an ein kleines großartiges Land, das zwar nicht der Nabel der Welt ist, aber in vielen Teilen der Erde einen guten Namen hat – außer vielleicht in Trier, wo die Luxemburger Straße als Synonym für das Rotlichtviertel der Stadt herhalten muss. Das knapp 360 Seiten zählende und 40 Kapitel starke Buch überzeugt nicht nur durch seine Texte, sondern auch durch seine reichhaltige Bebilderung und die ansprechende grafische Gestaltung.</p>
<p><em>Luc Marteling, Steve Müller, Luxemburg in der Welt, éditions guy binsfeld, 29 Euro. </em></p>
<p><strong>16vorspiel</strong>: Unter allen Lesern verlosen wir drei Exemplare des Buchs &#8220;Luxemburg in der Welt&#8221;. Teilnehmen kann, wer folgende Frage möglichst exakt beantwortet: Welche Länge hat die Luxemburger Straße in Trier? Antwort bitte per Mail an folgende Anschrift: gewinnspiel@16vor.de; der Rechtsweg ist ausgeschlossen.</p>
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		<title>Zwischen Wirklichkeit und Traum(ata)</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Aug 2010 04:03:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Jöricke</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[In Hattingen, im Süden des Ruhrgebietes, hat der gebürtige Kölner Ulrich Land einen &#8220;Eifel/Island-Krimi mit Rezepten&#8221; geschrieben. Der Protagonist Tom Dollinger ist Hauptkommissar bei der Mordkommission Trier. Obwohl Land den Kripobeamten durch vertraute Straßen und Gegenden fahren und regionale Gerichte verspeisen lässt, ist &#8220;Einstürzende Gedankengänge&#8221; kein typischer Trier- oder Eifel-Krimi. Zwar spielt das Setting auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Land, Ulrich. Einstürzende Gedankengänge. Münster, Oktober Verlag. 2010" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2010/08/Cover_Ulrich_Land_Einstuerzende_Gedankengaenge_Oktober_Verlag.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-28686" title="Land, Ulrich. Einstürzende Gedankengänge. Münster, Oktober Verlag. 2010" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2010/08/Cover_Ulrich_Land_Einstuerzende_Gedankengaenge_Oktober_Verlag-97x150.jpg" alt="" width="97" height="150" /></a>In Hattingen, im Süden des Ruhrgebietes, hat der gebürtige Kölner Ulrich Land einen &#8220;Eifel/Island-Krimi mit Rezepten&#8221; geschrieben. Der Protagonist Tom Dollinger ist Hauptkommissar bei der Mordkommission Trier. Obwohl Land den Kripobeamten durch vertraute Straßen und Gegenden fahren und regionale Gerichte verspeisen lässt, ist &#8220;Einstürzende Gedankengänge&#8221; kein typischer Trier- oder Eifel-Krimi. Zwar spielt das Setting auch eine wichtige Rolle, doch entscheidend ist, was in Dollingers Kopf geschieht. Er leidet an einer multiplen Persönlichkeit und wird zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall. Durch eine ungewöhnliche Erzählform macht der Autor seinen zweiten Roman in der Reihe &#8220;Mord und Nachschlag&#8221; (Oktober Verlag) psychologisch und stilistisch besonders reizvoll.<span id="more-28682"></span></p>
<p>Hauptkommissar Dollinger wird zu einem Tötungsdelikt in Trier-Nord gerufen. Ein in ein Keller eingesperrtes Kind ist verhungert. Alles deutet darauf hin, dass die Mutter dafür verantwortlich ist. Doch ein paar Tage später wird die Frau erstochen aufgefunden. Gefesselt mit Dollingers Handschellen. Der Kommissar hat keine Ahnung, wie die dort hingekommen sind, und muss gegenüber einer Polizeipsychologin einräumen, in jüngster Zeit nicht nur unter Kopfschmerzen, sondern auch unter Blackouts zu leiden. Zudem träumt er nachts wie tags von einem Unfall mit seiner Tochter Marina auf einem isländischen Gletscher. Die Psychologin diagnostiziert eine &#8220;dissoziative Identitätsstörung&#8221;, eine multiple Persönlichkeit. Dollinger wird vom Fall abgezogen und beurlaubt. Natürlich ermittelt er auf eigene Faust weiter.</p>
<p>Im Laufe des Romans wird deutlich, was eine solche Krankheit, deren Entstehung man vor allem auf schwere kindliche Traumata zurückführt, verursacht haben könnte. Da ist der Autounfall in seiner Kindheit, bei dem er stundenlang alleine bei seiner sterbenden Mutter im Wagen bleiben musste, während der Vater Hilfe verständigte, und da sind die Quälereien des sadistischen Nachbarsjungen Norbert. Meist geht es ums Alleingelassenwerden in Krisensituationen.</p>
<p>Der Autor Ulrich Land, der 2008 seinen ersten Roman (&#8220;Der Letzte macht das Licht aus&#8221;, ebenfalls in der Reihe &#8220;Mord und Nachschlag&#8221; beim Oktober Verlag) veröffentlichte und bis dahin vor allem durch Hörspiele und Radiofeatures bekannt war, erweist sich als exzellenter, einfühlsamer Erzähler. Für &#8220;Einstürzende Gedankengänge&#8221; hat der 54-Jährige eine seltene und in diesem Fall sehr effektvolle Form der Ich-Erzählsituation gewählt. Die Handlung wird zu großen Teilen als innerer Monolog in der Du-Form erzählt, so dass man den Eindruck hat, eine Art Selbstgespräch würde stattfinden oder ein anderes Ich zu der Figur sprechen. &#8220;Stammt das Geschrei, das dich da aus diesem schwarzen Traum reißt, von deinem verfluchten Wecker oder vom nicht weniger verfluchten Handy? Hey Mann, du bist auf Island. Warst die ganze Nacht auf Island. Mal wieder mit dem größten Gletscher da gekämpft. Und hast nicht gesiegt.&#8221;</p>
<p><a href="http://www.de-buecherladen.de" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-11879" title="Werbung" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2009/03/16vordebuecherladen2.jpg" alt="" width="200" height="100" /></a>Sowohl Duktus als auch Form – bewusste Inkohärenz, freie Assoziationen, Auflösung des syntaktischen Gefüges – wirken in hohem Maße authentisch und tragen zu einer großen Identifikation mit der Hauptfigur bei. Schließlich befindet man sich ja auch in ihrem Kopf. &#8220;Aber jetzt erst mal – du musst, mein Gott noch mal, musst mal langsam mal endlich Hilfe holen. Handy. Gut dass es so was inzwischen – Segnungen der Technik – nein, gibt&#8217;s doch nicht! War ja klar: kein Empfang, wenn man mal einmal wirklich drauf angewiesen ist!&#8221;</p>
<p>Selbst eine alltägliche Freibadszene vermag Land packend und eindringlich wiederzugeben: &#8220;Wie im nächsten Atemzug deine Füße auf dem glitschigen Himmelblaukachelboden wegfitschten, beide Kniekehlen von Tritten traktiert einknickten, zementschwere Pranken deine Schultern abwärts drückten und zwei weitere deinen Kopf. Wie du Wasser und Wasser schlucktest. Und Wasser. Wie du nach oben musstest. Du wusstest, du musst nach oben, aber&#8217;s ging nicht. Dieser Widerstand, dieser furchtbare Widerstand, gegen den du andrücken musstest mit Schultern und Kopf, vor allem mit dem Kopf! Der musste raus, sofort raus aus dem feindlichen Element. Der brauchte Luft, brauchte einfach Luft.&#8221; Beim Lesen glaubt man, gechlortes Wasser zu schmecken.</p>
<p>Land hat das Innenleben des Protagonisten so in den Vordergrund gestellt, dass man trotz der Handlungsorte Trier und Eifel und einigen erwähnten regional typischen Gerichten (z.B. Heusuppe und &#8220;Döppekooche&#8221;), zu denen es im Anhang amüsant kommentierte Rezepte gibt, nicht von einem &#8220;typischen&#8221; Trier- oder Eifel-Krimi sprechen kann. Beliebig ist das Setting wiederum auch nicht. Island-Fan Dollinger denkt sich an einer Stelle: &#8220;Die Vulkaneifel: das Island des kleinen Mannes&#8221;.</p>
<p>In der Nähe von Maria Laach endet der formal und inhaltlich durchgängig sehr spannende Krimi. Nachdem man die letzten 90 Seiten lang glaubte, einem etwas zu glatten Finale entgegenzulesen, hat Land am Schluss eine hübsche Überraschung parat. Das Ende lässt sich am besten mit dem Refrain eines Stücks von Dollingers Lieblingsband &#8220;Einstürzende Neubauten&#8221; beschreiben, deren Texte ein Leitmotiv des Buches sind: &#8220;Was ist ist / Was nicht ist ist möglich / Nur was nicht ist ist möglich.&#8221;</p>
<p><em>Land, Ulrich. Einstürzende Gedankengänge. Münster, Oktober Verlag. 2010.</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Neues aus der Trierer Literatenszene</title>
		<link>http://www.16vor.de/index.php/2010/06/20/neues-aus-der-trierer-literatenszene/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 02:02:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klauspeter Bungert</dc:creator>
				<category><![CDATA[16vorurteil]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum 37. Mal brachte die Literarisch-Musische Gesellschaft Trier ihre bisher halbjährlich, künftig einmal im Jahr erscheinende Anthologie &#8220;Literamus&#8221; heraus. Perlen darin sind die Prosabeiträge von Josef Peil, Michael Bräutigam und Hans Greis, die Einblicke in saarländischen Lebensalltag, in die hoffnungslosen Maßnahmen der Arbeitsvermittlungsanstalten, Langzeitarbeitslose bei Laune zu halten, und in eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum 37. Mal brachte die Literarisch-Musische Gesellschaft Trier ihre bisher halbjährlich, künftig einmal im Jahr erscheinende Anthologie &#8220;Literamus&#8221; heraus. Perlen darin sind die Prosabeiträge von Josef Peil, Michael Bräutigam und Hans  Greis, die Einblicke in saarländischen Lebensalltag, in die hoffnungslosen Maßnahmen der  Arbeitsvermittlungsanstalten, Langzeitarbeitslose bei Laune zu halten, und in eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg um den Trierer Till  Kappes geben.<span id="more-27069"></span></p>
<p><strong>TRIER/WAWERN</strong>. Es gibt sie, eine Literatenszene in und um Trier herum. Mehr einem Insiderkreis bekannt, aber unermüdlich rege und idealistisch, veröffentlichen ihre Mitglieder in dem nach der humanistisch klingenden Kurzfassung ihres Vereinsnamens (etwa: &#8220;Wir machen Literatur&#8221;) benannten Periodikum Gedichte, Kurzprosa, aber auch Fortsetzungskapitel aus ausgewachsenen Romanen und Auszüge aus Theaterstücken.</p>
<p>Herausgeber sind der Vorsitzende Hans Greis, pensionierter Hauptschullehrer und zeitweiliger Ortsbürgermeister von Wawern, und der Leiter des Wissenschaftlichen Verlages Trier (WVT) Erwin Otto. Geschmückt wird das schmalformatige, auf kräftigem Papier gedruckte handliche Heft von einem luftigen Aquarell der Mertesdorfer Künstlerin und Dozentin Claudia Schindler, deren freundliche und gutgemachte Arbeiten während der Wawerner Kulturtage auch die Wände in Wawern belebten .</p>
<p>Art und realisierter Anspruch der versammelten Texte sind unterschiedlich, und es wäre ungerecht, auf den zweifellos vorhandenen Beispielen bemühter Stilübungen &#8220;im Stile von&#8221; herumzureiten. Der Verein bietet Neueinsteigern in ermutigender Absicht eine Plattform, sich in den Formen Prosa und Vers zu üben und, wer weiß, einmal den Weg zu eigenem Ausdruck und eigener Thematik zu finden. Da verzeiht man auch die unter der eigenen Bedeutung schier zusammenbrechende Pose einer Vortragenden beim Wawerner Vorstellungsabend.</p>
<p>Gedichte gibt es auch von erfahreneren Schreibern. Sie zu goutieren, bedarf es eines eigenen Geschmacks wie beim Aufnehmen von Lyrik, neuerer im besonderen ja überhaupt. Manches wirkt kryptisch überkürzt, als hätte der Verfasser seine Pointe noch nicht gepackt, anderes entspricht den heute üblichen Versuchen, mit Klanggerassel zu imponieren, oder verrät eine gehörige Portion Literatenselbstbespiegelung. Bei andern wird der geneigte Leser die Assoziationen zu fertigen Bildern verbinden. In Trierer Mundart verfasste der bekannte Vortragskünstler und Fischers Maathes-Darsteller Helmut Haag seine beiden Reimbeiträge – leider Gelegenheitsgedichte von schwer erkennbarem Interesse über den Anlass hinaus.</p>
<p>Das kann man dem humorig-bösartigen, sich erst spät liebenswürdig auflösenden Redewechsel zwischen Fischers Maathes und seiner Frau Kathrin nicht vorwerfen. Es ist eine reizende szenische Aufarbeitung aus dem Leben des Trierer Originals aus der Feder von Walter Liederschmitt, der also mehr kann, als mit strophenreichen einfachen Gitarrenliedern hinzuhalten.</p>
<p>Perlen sind die Prosabeiträge von Josef Peil, Michael Bräutigam und Hans Greis. Peil gibt in &#8220;De Vielesoov mischt seine Gedanke&#8221; und &#8220;Es git Leit&#8221;<br />
humoristische Einblicke in saarländischen Lebensalltag, punktgenau im Dialekt vermutlich seines Mastershausener Wohnortes formuliert (und bei der Vorstellungsveranstaltung pfiffig vorgetragen), gewürzt mit der köstlichen Literateneigenschaft persönlicher und kollektiver Selbstironie.</p>
<p><a href="http://www.de-buecherladen.de" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-11879" title="Werbung" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2009/03/16vordebuecherladen2.jpg" alt="" width="200" height="100" /></a>Bräutigam entwickelt eine Satire auf die hoffnungslosen Maßnahmen der Arbeitsvermittlungsanstalten, Langzeitarbeitslose bei Laune zu halten. Er nennt den Schulungsort nach dem Resultat beziehungsreich &#8220;Langenoose&#8221; und das Schulungsprogramm &#8220;ALLESAMARS&#8221; – fast zu konsequent durchdekliniert, aber mit einem überraschenden Schluss, der das Weiterlesen unbedingt lohnt.</p>
<p>Greis erzählt in der 18. Folge seines Romans &#8220;Tillmann und Nana&#8221;, einer Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg um den Trierer Till Kappes, wie der junge Humanist und Skeptiker auf seiner Reise nach Italien von Mönchen gerettet wird und auf ihrer Bergstation Gespräche über Gott und die anscheinend wenig gerechte Weltordnung führt. Der unbeirrbar festgehaltene Versuch, einen historischen Roman, der in die Stifterzeit passen könnte, mit aller Liebe und Sorgfalt auszugestalten, im festen Vertrauen darauf, dass es funktioniert und mehr herauskommen wird als ein abgenutztes Imitat, fordert Respekt. Und anders als Umberto Eco in seinen Büchern, an die der eine oder andere Leser denken wird, erspart einem Greis schwerbekömmliche Vorzeigegelehrsamkeit.</p>
<p>Konservative Theologen bekommen einiges zu schlucken, so etwa, wenn Till formuliert: &#8220;Alles was Gott gesagt haben soll, haben Menschen sich ausgedacht.&#8221; Oder: &#8220;Er (Gott) hat uns im Dunkeln vor die Tür gesetzt und macht sich einen Spaß daraus, sich von uns suchen zu lassen. Und wenn wir uns verlaufen, sind wir schuldig und er verdammt uns. Bruder Gottlieb, das kann es nicht sein.&#8221;</p>
<p><em>Literamus Band 37. Herausgegeben von Hans Greis und Erwin Otto (Literarisch-Musische Gesellschaft Trier). WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier, April 2010. 112 Seiten, EUR 3,50.</em></p>
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		<title>Transsibirische Monotonie</title>
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		<pubDate>Tue, 25 May 2010 23:23:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annika Hand</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Peking, Wladiwostok, Ulaan Baatar, Nowosibirsk, Jekatarinburg, Moskau – von China durch die Weite der Mongolei entlang des Baikalsees durch den Ural nach Europa. Mit dem legendären, zaristischen Prunkzug, der Transsibirischen Eisenbahn. Eine Traumreise. Jedenfalls für mich. Die an der Universität Trier studierte Literaturwissenschaftlerin Susanne Jaspers versprach mit ihrem Reisebericht &#8220;Der Duschenkrieg. Eine transsibirische Reise&#8221; einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Jaspers, Susanne. Der Duschenkrieg. Eine transsibirische Reise. Editions Guy Binsfeld, Luxemburg. 2010." href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2010/05/duschenkrieg.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-26207" title="Jaspers, Susanne. Der Duschenkrieg. Eine transsibirische Reise. Editions Guy Binsfeld, Luxemburg. 2010." src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2010/05/duschenkrieg-96x150.jpg" alt="" width="96" height="150" /></a>Peking, Wladiwostok, Ulaan Baatar, Nowosibirsk, Jekatarinburg, Moskau – von China durch die Weite der Mongolei entlang des Baikalsees durch den Ural nach Europa. Mit dem legendären, zaristischen Prunkzug, der <a href="http://www.transsibirische-eisenbahn.de/" target="_blank">Transsibirischen Eisenbahn</a>. Eine Traumreise. Jedenfalls für mich. Die an der Universität Trier studierte Literaturwissenschaftlerin Susanne Jaspers versprach mit ihrem Reisebericht &#8220;Der Duschenkrieg. Eine transsibirische Reise&#8221; einen humorvollen Einblick in eine Gruppenreise der besonderen Art.<span id="more-26189"></span></p>
<p>Wo, wenn nicht im Zug, sollte sich ein solches Buch besser lesen lassen? Zuglektüre – da gibt es ein paar zu erfüllende Kriterien: Sie muss interessanter sein, als die Gespräche, die man im Großraumwagen belauschen kann, aber nicht so interessant, dass nicht ein gelegentliches Träumen in die Landschaft hinein verhindert würde. Damit fallen Trivial- und Hochliteratur, jedenfalls für meinen Geschmack, schon einmal raus aus dieser Gattung. Andererseits ist nicht gesagt, dass man die Zuglektüre auch innerhalb einer Reise beenden kann. Das macht die Sache diffizil: Zuglektüre muss eigentlich immer einen Tick besser sein, damit sie eben auch mindestens fürs Café taugt (hier gelten im Übrigen sehr ähnliche Auswahlkriterien).</p>
<p>Nun saß ich in den vergangenen Wochen sehr oft im Zug. Und verteilte die Lektüre von recht groß bedruckten 210 Seiten auf mehrere Hin- und Rückfahrten. Die Landschaft in Rheinland-Pfalz, wo Saar und Mosel sich durch die Weinberge schlängeln, die Sonne in unzähligen glitzernden Lichtpunkten reflektieren… Ich schweife ab.</p>
<p>Duschenkrieg in der Transsibirischen Eisenbahn, in sieben Akten. Die Gruppe Weiß reist 14 Tage von Peking nach Moskau, die Ich-Erzählerin kann eigentlich niemanden der Gruppe wirklich ausstehen, noch nicht einmal ihren Mann, der sie nicht ernst und auch nicht wahrnimmt. Vielleicht mag sie auch sich selbst nicht, so oft, wie sie von der Ex ihres Mannes erzählt. Dieser schnäppchenjagende, ständig betrunkene, allen Klischees deutscher Touristen entsprechende Haufen muss sich dabei eine Dusche teilen. Titelgebend erwartet man von diesen eingestreuten Episoden einiges an besonderen Vorkommnissen, die man sich nicht selbst ausmalen könnte, besonders kuriose, komische und katastrophale Begebenheiten. Doch nichts dergleichen.</p>
<p>Stattdessen ein weiterer Gruppenreisen-Bericht, aber ohne Pointen, ohne Originalität. Verfasst wie die Reisetagebücher, die jeder wohl schon einmal angelegt hat: Liest man sie zu Hause vor, findet man sie selbst urkomisch, da die höflich lachenden Daheimgebliebenen diese Annahme gedankenlos bekräftigen. Kann ja keiner ahnen, dass mal jemand auf die Idee kommt, so etwas zu veröffentlichen.</p>
<p>Der Humor mag auf den ersten 20 Seiten noch als bissig gelten, dann werden die Running-Gags langweilig, weil überstrapaziert, Gehässigkeit und Schadenfreude verfehlen schönen schwarzen Humor, weil sie zum Jammern verkommen. Zur Eintönigkeit des Stils tragen zudem unzählige Male angebrachte Lieblingswendungen bei, wie zum Beispiel &#8220;nachdem wir uns erfolgreich darum bemüht hatten, diesem und jenem zu entgehen&#8221; oder die ständige Zuschreibung &#8220;konfuzianischer Gelassenheit&#8221;.</p>
<p><a href="http://www.de-buecherladen.de" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-11879" title="Werbung" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2009/03/16vordebuecherladen2.jpg" alt="" width="200" height="100" /></a>Wie auf einer Stehparty im Anschluss an einen Ärztekongress wird die Ich-Erzählerin zudem nicht müde zu betonen, in welch exotische Länder sie schon gereist ist, was sie sich dort für wie viel Geld gekauft hat, um damit implizit auf die Größe des heimischen Anwesens zu verweisen, das all diesen Krempel beherbergt.</p>
<p>Nein, kein Sozialneid. Ich gönne jedem soviel Luxus, wie er braucht. Und lasse mich gerne einfangen von schwärmerischen Reiseberichten über Länder, die mir zu sehen wohl nicht möglich sein wird. Aber dann möchte ich wirklich etwas erfahren über diese Länder, ihre Landschaften, ihre Menschen, ihre Städte, schlicht: Ich möchte Atmosphäre. Darauf legt Susanne Jaspers keinen Wert. Die Zugreise könnte genauso gut von Oberammergau nach Buxtehude verlaufen. Der Autorin, die im vergangenen Jahr den Krimi &#8220;<a href="http://www.16vor.de/index.php/2009/08/07/trio-mit-ziege/" target="_blank">Trio mit Ziege</a>&#8221; veröffentlichte, gelingt es nicht, die Eindrücke zu transportieren, Bilder vor dem inneren Auge des Lesers heraufzubeschwören.</p>
<p>Stattdessen schreibt sie alle drei Seiten ausführlich über das Essen, wie gut und wie teuer es war, und natürlich über ihre Mitreisenden, deren Beschreibung jedoch über Oberflächlichkeiten wie Kleidung oder Sprache selten hinausgeht. Personen wie Erlebnissen fehlt es an tiefergehender oder doch zumindest origineller Ausarbeitung. Somit ist das Buch tatsächlich der Gattung des Reiseberichts zuzuordnen. Von Literatur kann keine Rede sein, dazu fehlt ein inhaltlicher Zusammenhang, der über den bloßen Ablauf der Tage hinausgehen würde.</p>
<p>Seite 108. Es passiert, was nicht passieren darf: Die Stimme einer etwa Achtjährigen übertönt meine Versenkung in meine Zuglektüre. Sie liest, und das mit steter Hingabe, ihrem kleinen Bruder aus einem Buch vor. Pinguine, die ihre Fahrt auf der Arche Noah antreten, im Koffer den nicht erlaubten Dritten ihrer Art – &#8220;An der Arche um Acht&#8221; von Ulrich Hub. Wunderbar. Im Großraumwagen zig Wandergruppen wegen Vatertag – still. Alles lauscht.  Kichert gelegentlich leise. Wenn sie an einem Wort ins Stocken kommt, möchte man aufstehen und ihr weiterhelfen, die Gummibärchenpause, die sie nach einem Kapitel einlegt, gerät zur Geduldsprobe. Ob sie weiter lesen soll, fragt sie ihren Bruder. Das Abteil hält den Atem an in der Hoffnung, diese Frage möge eine rhetorische gewesen sein. Ich schweife ab…</p>
<p>… und bleibe, die Gruppe Weiß 6.264 Kilometer vor Moskau alleine lassend, lieber im Großraumwagen Richtung Trier, mit dem kleinen Mädchen, ihrem Bruder und stillen Wandergruppen, in der Arche. Großartig. Zuglektüre, die sogar für den Lieblingssessel taugt.</p>
<p><em>Jaspers, Susanne. Der Duschenkrieg. Eine transsibirische Reise. Editions Guy Binsfeld, Luxemburg. 2010.</em></p>
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		<title>Marxens Schulweg und andere Spaziergänge</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Apr 2010 00:42:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bettina Leuchtenberg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei schönem Wetter sind Sonn- und Feiertage geeignet, per pedes die Umgebung zu erkunden. Anleitung dazu bietet &#8220;Trier zu Fuß&#8221;. Die beiden Journalisten und Autoren Verona Kerl und Roland Morgen laden gleichermaßen Touristen und Trierer zu 14 Spaziergängen ein, die sie in dem handlichen Bändchen veröffentlicht haben. Der Stadtführer bietet viel Bekanntes und einiges Neues [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="&quot;Trier zu Fuß&quot; bietet innen mehr, als es von außen verspricht. Bild: Leinpfad-Verlag" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2010/04/trier_zu_fuß_cover.gif" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-24537" title="&quot;Trier zu Fuß&quot; bietet innen mehr, als es von außen verspricht. Bild: Leinpfad-Verlag" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2010/04/trier_zu_fuß_cover-92x150.gif" alt="" width="92" height="150" /></a>Bei schönem Wetter sind Sonn- und Feiertage geeignet, per pedes die Umgebung zu erkunden. Anleitung dazu bietet &#8220;Trier zu Fuß&#8221;. Die beiden Journalisten und Autoren Verona Kerl und Roland Morgen laden gleichermaßen Touristen und Trierer zu 14 Spaziergängen ein, die sie in dem handlichen Bändchen veröffentlicht haben. Der Stadtführer bietet viel Bekanntes und einiges Neues zum Entdecken.<span id="more-24536"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Stöbert man in den Heimatregalen des örtlichen Buchhandels, steht man vor allem vor einer Menge an Stadtführern in verschiedenen Sprachen, darunter auch einige Exemplare in Deutsch. Rein optisch sind sie alle zum Verwechseln ähnlich, prangt doch die Porta Nigra von fast jedem Cover, wahlweise mit Blumenrabatten davor oder mit freundlich dreinblickenden Touristen, gerne auch angestrahlt vor abendlichem Himmel. Es ist und bleibt das Highlight für Trier-Besucher und so verwundert es nicht, dass auch das kürzlich erschienene Buch der beiden <em>Volksfreund</em>-Redakteure Roland Morgen und Verona Kerl mit dem mehr als 1800 Jahre altem  römischen Stadttor auf dem Titel aufwartet.</p>
<p>Während sich der Führer rein äußerlich nicht von seinen Konkurrenten unterscheidet, lohnt sich ein Blick ins Innere allemal. Denn der Blick auf Trier erweitert sich nicht nur räumlich auf die sich in den letzten zehn Jahren weiter entwickelte Stadt, sondern auch auf Zeitspannen und Themen, die sonst wenig Einzug in die klassischen Reiseführer Triers erhalten. Zu nennen wäre hier beispielsweise das Kapitel &#8220;Jüdisches Trier&#8221;, in dem der Leser auf dem einen Kilometer langen Spaziergang vom &#8220;ältesten noch bestehenden jüdischen Haus in Deutschland&#8221; aus dem Jahr 1311 in der Judengasse bis hin zu den kürzlich verlegten Stolpersteinen des Kölner Künstlers Gunther Demnig durch die wechselvolle Geschichte der Juden in Trier geleitet wird. Jeder Rundgang wird auf einem – manchmal zu klein ausgefallenem – Stadtplan eingezeichnet, in dem Start und Endpunkt markiert sind, die Zwischenetappen jedoch fehlen.</p>
<p>Dem römischen und mittelalterlichen Trier sind die ersten beiden Spaziergänge gewidmet, hier werden die Klassiker abgehakt. Neben dem gut verständlichen und interessanten Text meist zur Geschichte und Architektur finden sich praktische Hinweise zum öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), Tipps zum Einkehren, Öffnungszeiten und Adressen. Das durchgehend vierfarbige Buch wartet zudem mit einer Fülle an Fotografien der besprochenen (Bau-) Denkmäler auf. Ein vergleichsweise langes Kapitel begleitet Karl Marx nicht nur auf seinem Schulweg, sondern auf diversen Stationen in der Moselstadt, in der er 1818 geboren wurde und die er auch nach seinem Weggang weiterhin besuchte. Bei dem Streifzug mitten durch die Innenstadt geben Kerl und Morgen immer wieder Hinweise zu Gebäuden und Begebenheiten des 19. Jahrhunderts, was das Lesen und Flanieren abwechslungsreich gestaltet – bei weitem nicht nur für Touristen.</p>
<p>Weitere Touren geben die Gelegenheit, auf den Spuren der Heiligen und Apostel zu wandeln, die das zweitausend Jahre alte Trier bis heute prägen, oder auf dem Weinkulturpfad durch die Weinberge zu streifen und dabei das Weindorf Olewig zu besuchen. Neue Perspektiven bieten die Themenrundgänge zu den verschiedenen Parkanlagen, zum Weißhauswald, zu Brunnen, zum Petrisberg oder auch zu den Museen der Stadt. Auch wenn die Mosel durch die großen Straßen etwas aus dem direkten Blickwinkel der Trierer geraten ist, so ist sie doch das Thema eines lohnenswerten Kapitels in dem Reiseführer. Für viele Trierer bietet die Tour durch das östliche Trier mit seinem Ensemble aus Gründerzeit- und Jugendstilvillen sicher einiges Neues und Sehenswertes.</p>
<p>Allein die Entdeckungstour für Kinder passt nicht so recht in das flott geschriebene Werk mit sympathischem Lokalkolorit. Während Überschrift, einleitende Worte und die Infoblocks an den Seiten an Erwachsene respektive die Eltern gerichtet sind, spricht der Rest des Textes Kinder direkt an. Sollen das die Eltern vorlesen oder mutet man den Kindern diese Bleiwüste zu, die so gar nicht kindgerecht aufgemacht ist? Hier wäre ein durchgängiger Stil weitaus sinnvoller gewesen.</p>
<p>Ist der Leser erst einmal auf den Geschmack gekommen, mit Verona Kerl und Roland Morgen durch Trier zu ziehen, wird deutlich, wie viel Sehenswertes die Stadt zu bieten hat, auch wenn die Superlative während des Textes etwas überhand nehmen. Diese könnte man in einem zweiten Band etwas reduzieren und neue Kapitel einfügen, die jetzt stiefmütterlich behandelt worden sind. Ein Spaziergang zum Mohrenkopf und zur Mariensäule, ein Abstecher zur Kunstgewerbeschule, die zur ihrer Entstehungszeit eine der führenden war oder auch zu den Gebäuden der 50er und 60er Jahre wären diesen Spaziergängen noch gut hinzuzufügen. Ein Anfang ist gemacht, Trier auch abseits der römischen Pfade zu besichtigen. Und auf dem zweiten Band müsste dann auch nicht die Porta Nigra auf den Titel.</p>
<p><em>Der broschierte Band &#8220;Trier zur Fuß&#8221; ist im Leinpfad Verlag, Ingelheim erschienen, hat 104 Seiten und kostet 13,90 Euro. ISBN 978-3-937782-90-4.</em></p>
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		<title>Frisch aus der Folkküche</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Apr 2010 22:50:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annika Hand</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt Bücher, bei denen man mit dem ersten Satz mitten im Geschehen, mitten in der Geschichte ist. Man taucht unvermittelt ein, es besteht eine eigentümliche Vertrautheit. Nicht anders geht es dem Hörer mit &#8220;Air&#8221;, der ersten CD des Trierer Folkduos &#8220;You can say you to me&#8220;, das vor wenigen Tagen sein Debütalbum einem begeisterten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="&quot;Air&quot; von &quot;You can say you to me&quot; ist erhältlich im &quot;Tante Guerilla Shop&quot; in der Fleischstraße." href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2010/04/Cover_Air.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-24512" title="&quot;Air&quot; von &quot;You can say you to me&quot; ist erhältlich im &quot;Tante Guerilla Shop&quot; in der Fleischstraße." src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2010/04/Cover_Air-149x150.jpg" alt="" width="149" height="150" /></a>Es gibt Bücher, bei denen man mit dem ersten Satz mitten im Geschehen, mitten in der Geschichte ist. Man taucht unvermittelt ein, es besteht eine eigentümliche Vertrautheit. Nicht anders geht es dem Hörer mit &#8220;Air&#8221;, der ersten CD des Trierer Folkduos &#8220;<a href="http://www.myspace.com/youcansayyoutome" target="_blank">You can say you to me</a>&#8220;, das vor wenigen Tagen sein Debütalbum einem begeisterten Publikum im &#8220;Chrome&#8221; vorstellte.<span id="more-24511"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Dominik Lermen (Gitarre, Piano, Percussions) sagt über die musikalische Zusammenarbeit mit Tac Buchannon (Gesang, Gitarre, Mundharmonika): &#8220;Es passt einfach.&#8221; Die sympathischen Jungs machen wenig Aufhebens um ihre Person, ihr Auftreten ist so unkompliziert und geerdet wie ihre Musik. Das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass beide fest im Berufsleben stehen und nach eigenem Bekunden keine allzu großen Ambitionen haben, jetzt noch eine musikalische Karriere zu starten.</p>
<p>Talent und Ideen gäbe es dazu allerdings ausreichend. Insgesamt mehr als vierzig Lieder hat Buchannon, der erst im Alter von 20 Jahren, dann aber gleich kreativ zur Gitarre kam, &#8220;inspiriert von Trash-Fernsehprogrammen bis zur Tochter&#8221; in den vergangenen Jahren geschrieben. Gemeinsame Proben fanden &#8220;spontan und mit wenig Aufwand&#8221; lange Zeit in Lermens Küche statt, dem vor allem ein klarer, gitarrenlastiger Klang wichtig ist. Das wurde im &#8220;Gästezimmer Studio&#8221; von Boris Thome bei der Produktion der CD gekonnt aufgegriffen. Wenn auch gelegentlich der Gesang etwas von dieser gitarristischen Begeisterung überlagert ist, haben sich hier doch zwei Musiker gefunden, die mit unaufdringlicher Spielfreude den Zuhörer für sich gewinnen.</p>
<p>Die CD Release Party bestreiten die beiden anders als auf dem Album, das auch gelegentliche Klavier- und Percussionparts (letztere von Stefan Recktenwald) enthält, lediglich mit zwei Gitarren und Gesang. Das tut dem Sound jedoch keinen Abbruch – druckvoll und einnehmend überzeugen sie (nach anfänglichen Mikro-Problemen) klanglich wie stimmlich vom ersten Ton an. Der Einfluss von Beatles, Dylan oder Elliott Smith ist deutlich, ohne jedoch wie kopiert zu wirken. Ausgefeiltes Folkpicking und häufige Akkordwechsel nehmen den Klang der 60er in einen eigenen, stark rhythmischen Stil auf und werden durch Buchannons Stimme abgerundet, die von fröhlich-leicht bis progressiv an Indie und Grunge erinnert. Auf der Bühne wie auf der CD vermisst man einzig das ein oder andre Gitarrensolo, das den Stücken den letzten Schliff verpassen und die Aussage der Harmonien noch unterstützen würde.</p>
<p>&#8220;Stimmungsvoll&#8221; lässt sich ein Kommentar aus dem Publikum vernehmen, und tatsächlich wäre man in einer Küche, in der so lässig und unprätentiös bei Wein und Zigaretten Folk komponiert und einstudiert wird, gerne einmal Gast. Das abwechslungsreiche und dabei doch harmonisch angelegte Album macht es möglich, die Stimmung von &#8220;Air&#8221; in die eigenen vier Wände zu holen, einen lauschigen Sommerabend oder relaxten Frühlingsmorgen zu untermalen. Der Song &#8220;Fun in the sun&#8221; ist dabei mit seiner eigentümlichen Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie programmatisch für das Gesamtkonzept.</p>
<p>Mit dem verspielten &#8220;Mamma mia&#8221;, das sich von einzeln, präzise gesetzten Tönen zu einer optimistisch-lakonischen Klangfarbe ausweitet, verabschiedet das Debütalbum nach acht Songs den Zuhörer in die Vorfreude auf die bereits geplante zweite CD. Lermen und Buchannon planen zudem regelmäßige Auftritte, deren erster möglichst bald im Lübke Sounds zu erleben sein soll.</p>
<p>Zur eigenen Meinungsbildung und Gestaltung einer sehr schönen, wenn auch viel zu kurzen knappen halben Stunde sei die CD empfohlen, die im &#8220;Tante Guerilla Shop&#8221; in der Fleischstraße 44 für acht Euro erhältlich ist.</p>
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