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	<title>16 vor &#187; Kultur &amp; Medien</title>
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	<description>Nachrichten aus Trier</description>
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		<title>&#8220;Wir schmeißen den Leuten die Kunst vor die Füße&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 17:19:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Schug</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer Kunst sehen will, muss entweder ins Museum oder in die Galerie – könnte man meinen. Seit einigen Jahren jedoch können arglose Großstadt-Passanten am hellichten Tage mit zusammengerollten Kunstwerken beworfen werden. Die Idee zu dieser Form der Kunstvermittlung wurde vor mittlerweile sechs Jahren in Berlin geboren, mit dem 33-jährigen Mario Schmidt hat das Street-Art-Konzept &#8220;Papergirl&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Ist das Kunst oder kann das weg? Mario Schmidt mit einem Werk von Slimm Hoeremm &quot;lucky ghost&quot; Foto: Privat" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/02/PaperGirl.jpg" rel="lightbox"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47706" title="Ist das Kunst oder kann das weg? Mario Schmidt mit einem Werk von Slimm Hoeremm &quot;lucky ghost&quot; Foto: Privat " src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/02/PaperGirl-116x150.jpg" alt="" width="116" height="150" /></a>Wer Kunst sehen will, muss entweder ins Museum oder in die Galerie – könnte man meinen. Seit einigen Jahren jedoch können arglose Großstadt-Passanten am hellichten Tage mit zusammengerollten Kunstwerken beworfen werden. Die Idee zu dieser Form der Kunstvermittlung wurde vor mittlerweile sechs Jahren in Berlin geboren, mit dem 33-jährigen Mario Schmidt hat das Street-Art-Konzept &#8220;Papergirl&#8221; nun auch Trier erreicht. Die Annahmephase hat am 1. Februar begonnen, jetzt hofft der Organisator auf rege Beteiligung und darauf, dass das Konzept auch in einer der kleinsten Großstädte Deutschlands aufgeht – auch wenn das ein oder andere Kunstwerk letzten Endes vielleicht im Mülleimer landen könnte.<span id="more-47704"></span></p>
<p><strong>TRIER.</strong> Wer in den Achtzigern seine Zeit vor Spielautomaten verbrachte oder aber in den frühen Neunzigern stolzer Besitzer eines Gameboys war, der kennt das Prinzip vielleicht aus dem Spiel &#8220;Paperboy&#8221;: Ein Fahrradfahrer steuert durch eine Straße und muss an den richtigen Stellen mit schwungvoller Geste zusammengerollte Zeitungen in die Vorgärten werfen.</p>
<p>Das Prinzip eignet sich jedoch nicht nur zur Zustellung der Morgenpost. Dass sich daraus auch eine neue Form von Kunstvermittlung im öffentlichen Raum stricken lässt, hat sich vor sechs Jahren eine findige Berliner Kunststudentin überlegt. Aisha Ronniger, die damals auch in der Street-Art-Szene aktiv war, sah sich damit konfrontiert, dass Plakate, Bilder und Aufkleber auf Wänden und Mauern in der Diskussion immer stärker kriminalisiert wurden. Da kam es wie gerufen, dass eine Freundin in den Vereinigten Staaten ihr einen Gedanken vor die Füße warf: Man müsste die Kunst an den Mann bringen, wie die Paperboys ihre Zeitungen. &#8220;Papergirl&#8221; war geboren.</p>
<p>Ronniger sammelte Werke williger Künstler und bündelte sie zu handlichen Rollen. Kurz darauf fuhr die erste Fahrrad-Flotte durch Berlin, die Fahrer riefen &#8220;Achtung, Kunst!&#8221; und warfen in Zeitungsjungen-Manier den verdutzten Passanten gerollte Kunst zu &#8211; ohne Erklärung, ohne Gegenleistung, ohne Bezahlung. Was damals seinen Anfang nahm, trägt inzwischen auch in anderen Ländern Früchte: In vielen Städten haben sich Schwesterprojekte gegründet, die den Alltag der Passanten mit den künstlerischen Wurfgeschossen torpedieren wollen. Nun soll &#8220;Papergirl&#8221; auch in Trier Schule machen und Kunstwerke an neue Besitzer vermitteln, die noch gar nichts von ihrem Glück wissen.</p>
<p>Verantwortlich dafür ist Mario Schmidt. Als er vor zwei Jahren zum ersten Mal einen Bericht über das Phänomen sah, war er angefixt. &#8220;Auch, weil ich in meinem eigentlichen Job als Systemadministrator nicht viel Spielraum für Kreativität habe&#8221;, erklärt er im Gespräch mit <em>16vor</em>. Ihm gefällt die Unmittelbarkeit der Kunsterfahrung; dass niemand forcieren kann, auf die Fahrradkolonne zu treffen, denn die Termine und Routen sind streng geheim.&#8221;Man kann diese Kunst nicht kaufen, man muss einfach Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein&#8221;, sagt er.</p>
<p><strong>Überrumpelte Passanten im Fokus</strong></p>
<p>Die Vermittlung von Kunst und die Reaktion der überrumpelten Passanten stehen meist im Fokus der Aufmerksamkeit, wenn das &#8220;Papergirl&#8221;-Projekt diskutiert wird. Mario Schmidt, der selbst passionierter Fotograf ist und gelegentlich zeichnet, hat aber auch die Anbieter-Seite im Blick. Er sieht in dem Projekt eine Chance für Kreative, die ihre Arbeiten bislang nicht öffentlich gemacht haben. &#8220;Es gibt viele Menschen, die im stillen Kämmerlein interessante Dinge machen, aber niemand weiß davon&#8221;, erklärt er und hat dabei auch die FH-Studierenden in den gestalterischen Studiengängen im Blick. Sein Verständnis von Kunst ist dabei ein zutiefst egalitäres: &#8220;Jeder, der tätig ist, ist für mich ein Künstler.&#8221; Die einzige Vorgabe für die eingereichten Kunstwerke lautet daher, dass die Blätter rollbar sein müssen und die Maße 80 auf 80 Zentimeter nicht überschreiten dürfen. In diesem Rahmen ist erlaubt, was gefällt: Gemalte Bilder (oder deren Kopien), Drucke, Fotografien, aber auch Gedichte und Collagen. Weil die verteilten Werke parallel in einer Ausstellung gezeigt werden – für die Schmidt noch nach passenden Räumlichkeiten sucht – sollten die Werke im besten Fall in zweifacher Ausführung eingereicht werden.</p>
<p>Gleichzeitig ist das auch der Punkt, der ihn ein wenig nervös macht. &#8220;Ich bin ein wenig in Sorge, ob wir wirklich genug Werke zusammenbekommen, damit sich die ganze Sache lohnt&#8221;, sagt er und erzählt von dem Projekt in Hamburg, dem aufgrund geringer Resonanz die Berliner &#8220;Papergirls&#8221; mit Werken aushelfen mussten. Die fünfmonatige Open-Call-Phase, in der jeder seinen Beitrag einreichen kann, hat jedoch gerade erst begonnen – und die ersten Einsendungen sind schon eingegangen. In Calin Kruse hat das Projekt außerdem einen Unterstützer gefunden, der in seinem Laden/Café/Grafikbüro &#8220;Die Rote Trude&#8221; eine Annahmestelle eingerichtet hat. Wer Objekte zum Verteilen beisteuern will, kann sie hier abgeben. Wer etwas zur Verfügung stellt, muss allerdings auch damit leben, dass die Werke danach weg sind. &#8220;Es gibt kein Geld und keine Rückgabe, nicht einmal eine Garantie, dass die Rollen nicht im Mülleimer landen&#8221;, sagt Mario Schmidt. Ein Umstand, den er oft betont: &#8220;Die ersten haben nämlich schon angefragt, wann sie ihre Sachen nach dem Projekt denn wiederbekommen würden.&#8221;</p>
<p>&#8220;Politisch&#8221; will Schmidt sein Kunstprojekt nicht nennen. Seine Motivation erklärt er lieber, indem er von seiner Jugend auf dem Dorf erzählt. &#8220;Alles, was irgendwie anders war, schürte dort Angst, Aggressionen und Ausgrenzung&#8221;, sagt er als jemand, der es wissen muss: Schmidt war der erste Wehrdienstverweigerer in seinem Ort. &#8220;Wären die Menschen kreativer und offener für Neues&#8221;, gibt er zu bedenken, &#8220;wäre vieles schöner&#8221;. Nicht nur vor dem Hintergrund seiner Dorfjugend weiß er aber auch, dass es Menschen gibt, die das anders sehen. Die Möglichkeit, dass ein Passant die Rolle achtlos weg- oder gar zurückwirft (so geschehen in Berlin), ist für ihn ein Risiko, das dazugehört: &#8220;Wir schmeißen den Leuten Kunst vor die Füße. Von dem Moment an ist es wie mit einem Blumensamen: Entweder er geht auf &#8211; oder eben nicht.&#8221;</p>
<p><em>Weitere Informationen über das Projekt finden Sie auf <a href="http://papergirl-trier.de/" target="_blank">folgender Homepage</a>.</em></p>
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		<title>Klang der Welten</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 08:14:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hunderttausend.de</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Opening-Festival geht in die 12. Runde: Ab heute werden in der Tuchfabrik drei Tage lang wieder alle Register der Neuen Musik gezogen. Dieses Jahr im Mittelpunkt des internationalen Festivals für aktuelle Klangkunst: Der Brückenschlag zwischen Alt und Neu, Ost und West, Komposition und Improvisation. Und natürlich John Cage, der in diesem Jahr seinen 100. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Alexander Voigt singt, spricht und bläst Kurt Schwitters &quot;Ursonate&quot;. Foto: Thomas Neumann" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/02/av6.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47664" title="Alexander Voigt singt, spricht und bläst Kurt Schwitters &quot;Ursonate&quot;. Foto: Thomas Neumann" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/02/av6-99x150.jpg" alt="" width="99" height="150" /></a>Das Opening-Festival geht in die 12. Runde: Ab heute werden in der Tuchfabrik drei Tage lang wieder alle Register der Neuen Musik gezogen. Dieses Jahr im Mittelpunkt des internationalen Festivals für aktuelle Klangkunst: Der Brückenschlag zwischen Alt und Neu, Ost und West, Komposition und Improvisation. Und natürlich John Cage, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Nicht weniger als 21 Interpreten gestalten ein umfangreiches und vielseitiges Programm. Im Rahmen von zehn Konzerten werden Werke von 17 Komponisten aufgeführt, darunter zwei Uraufführungen und eine konzertante Erstaufführung. <span id="more-47663"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. In Zeiten knapper kommunaler Kassen muss man ganz besonders dankbar sein, dass Stadt und Tufa sich eine Veranstaltung wie das Opening-Festival leisten – mit einem verhältnismäßig bescheidenen, aber doch immerhin vorhandenen Budget von rund 25.000 Euro. Mit unbeirrbarer Sicherheit verweigert sich das Festival alljährlich dem Diktat auslastungsoptimierender Mainstream-Acts und lauwarmer programmatischer Kompromisse. Stattdessen gönnt man sich die – mittlerweile fast zum Luxus gewordene – Überzeugung, dass ein Festival von der Qualität der eingeladenen Künstler und einem schlüssigen programmatischen Konzept lebt.</p>
<p><a href="http://www.bernd-bleffert.de/index.php?sid=opening.php&amp;PHPSESSID=2dd0667db4cb58eee47cce8ce7ee8d6c" target="_blank">Bernd Bleffert</a> und Thomas Rath, zum zweiten Mal künstlerische Leiter des Festivals, haben bei ihrer Übernahme im letzten Jahr den Schwerpunkt von Theater, Tanz und Musik zu Gunsten der Klangkunst verlagert. Im Fokus des Interesses liegt bei der diesjährigen Ausgabe der Brückenschlag zwischen Alter und Neuer Musik, westlichen und östlichen Ansätzen, streng komponierten und frei improvisierten Klängen. Positionen, die gerade in ihrer Gegenüberstellung klar umrissen werden sollen.</p>
<p>Das Programm wird von 21 Interpreten in zehn Konzerten gestaltet. Werke von 25 Komponisten kommen zur Aufführung, darunter zwei Uraufführungen. Ein Schwerpunkt des Festivals liegt auf dem amerikanischen Klangkünstler John Cage, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Ein nonkonformer Revolutionär der Hörgewohnheit und Impulsgeber Neuer Musik, der seit einiger Zeit übrigens Hochkonjunktur auf Trierer Plakatwänden haben, seitdem das Artwork des Clubs &#8220;villaWuller&#8221; sich mit Vorliebe seiner Sinnsprüche bedient (allen voran: &#8220;It&#8217;s useluss to play lullabies for those who cannot sleep&#8221;). Mehrere Konzerte im Verlauf des Festivals widmen sich Cages Werk, in dem Workshop &#8220;Cage for Kids&#8221; können Kinder ab sechs Jahren spielerisch mit experimenteller Musik in Berührung kommen.</p>
<p>Eröffnet wird das Festival heute mit einem fast schon klassischen Werk des Dadaismus: Kurt Schwitters&#8217; Lautgedicht &#8220;Ursonate&#8221;, gesprochen und gespielt von Solofagottist Alexander Voigt, der dem sperrigen Urlauten unbekannte Musikalität entlockt. Dazu nutzt er: Fagott, Tenorposaune, flexibles Abwasserrohr für Spülbecken, PVC-Verbindungsstück, Gitarrenplektron extrahart, Notenständer, Fußboden, Stimmbänder, Rachenraum, Stirnbereich, Wangenhaut und Nase.</p>
<p>Im Anschluss präsentiert das japanische Piano-Duo Aya und Kozue Hara in einem vierhändigen Klavierkonzert neben eigenen Kompositionen auch Werke von Erik Satie und John Cage sowie eine Uraufführung von Kunsu Shim. Im weiteren Programm für den Freitagabend vereint der Percussionist Thorsten Gellings Bewegung und Klang zu artistischer Körperpercussion. Den Abschluss findet der erste Festivalabend mit einem Konzert des britischen Baritonsängers Martin Lindsay. Er lädt zu einem Parforceritt durch den internationalen Sologesang in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und eröffnet neue Perspektiven auf bekanntes Liedgut.</p>
<p>Den Samstag eröffnet der künstlerische Leiter Bernd Bleffert mit einer Eigenkomposition unter dem Titel &#8220;weh mir, wo nehm ich, wenn es winter ist die blumen&#8221;. Uraufgeführt wurde das Werk 2011 im japanischen Garten Trier, erstmals ist es in einer konzertanten Fassung zu hören. Das Cello-Recital mit Video von Michael Bach kreist um die Bearbeitung eines Paganini-Capriccios und die Eigenkomposition mit dem Titel &#8220;18-7-92&#8243;, die während eines Arbeitstreffens mit John Cage entstand. Ein ausdrucksstarkes Spannungsfeld zwischen Klang und Stille entsteht bei der Tanz- und Musikperformance &#8220;Flügel&#8221;. Das abschließende Performance-Konzert &#8220;Participation&#8221; der Komponisten Kunsu Shin und Gerhard Stäbler beschwört die Ideen der Fluxus-Bewegung. Bei den Kompositionen von John Cage und Nam June Paik werden nicht nur Zeit und Raum spontan miteinander verbunden, die Zuschauer erleben auch ein Upgrade zu Mitwirkenden des Abends.</p>
<p>Der Sonntag beschließt das Festival mit einem Wechsel-Konzert, in dem der programmatische Anspruch noch einmal greifbar wird: Die aus Taiwan stammende En-Ju-Lin spielt sowohl klassische als auch aktuelle Musik auf der Pipa (chinesische Laute). Im Wechsel hierzu improvisieren die Musiker Wolfgang Schliemann (Schlagwerk), Martin Speicher (Klarinette) und Ulrich Philipp (Kontrabass) erstmals gemeinsam als Trio, &#8220;weil improvisierte Musik immer auch Uraufführung ist&#8221;.</p>
<p><a href="http://www.hunderttausend.de" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-34854" title="hunderttausend.de" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2009/03/HT_LOGO_NEU-e1294763481260.png" alt="Logo von hunderttausend.de" width="40" height="41" /></a>Hätte John Cage die Stadt Trier und das manchmal recht konservative Ausgehverhalten seiner Bürger gekannt, er hätte dem Festival eines seiner Zitate gewiss gerne als Slogan vermacht: &#8220;I can&#8217;t understand why people are frightened of new ideas. I&#8217;m frightened of the old ones.&#8221;</p>
<p><strong>Kathrin Schug</strong></p>
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		<title>Brandschutz des Theaters bis zu 75 Prozent teurer</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 20:31:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcus Stölb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Stell dir vor, du gehst ins Theater, Feuer bricht aus und die Wasserversorgung funktioniert gerade nicht, weshalb das Löschwasser knapp wird. Dieses wenig wahrscheinliche Szenario lag einer Aufsehen erregenden Kostenkalkulation zugrunde. Im maroden Theater könnte schon bald für eine halbe Million Euro ein Wassertank eingebaut werden; in einem Gebäude, von dem nicht sicher ist, ob [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Sanierung im Bestand oder Neubau am selben Standort: Thomas Egger will in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung. Foto: Marcus Stölb" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/Theater.jpg" rel="lightbox"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47602" title="Sanierung im Bestand oder Neubau am selben Standort: Thomas Egger will in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung. Foto: Marcus Stölb" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/Theater-150x100.jpg" alt="" width="150" height="100" /></a>Stell dir vor, du gehst ins Theater, Feuer bricht aus und die Wasserversorgung funktioniert gerade nicht, weshalb das Löschwasser knapp wird. Dieses wenig wahrscheinliche Szenario lag einer Aufsehen erregenden Kostenkalkulation zugrunde. Im maroden Theater könnte schon bald für eine halbe Million Euro ein Wassertank eingebaut werden; in einem Gebäude, von dem nicht sicher ist, ob es über kurz oder lang einem Neubau weichen muss. Wurden im Mai 2010 für Maßnahmen in Brandschutz und Sicherheitstechnik 1,2 Millionen Euro veranschlagt, rechnet man im Rathaus nun mit 2,1 Millionen – ein Plus um fast 75 Prozent. Die Zahlen fachen die Debatte um ein Gesamtkonzept für das Theater neu an. Kulturdezernent Thomas Egger kündigte am Dienstagabend im Stadtrat an, in diesem Jahr ein Grundsatzentscheidung herbeizuführen. Was den Wassertank anbelangt: Die Stadtwerke prüfen bereits günstigere Alternativen, und eine eventuelle Versorgungsunterbrechung sei auch gar nicht das Problem.<span id="more-47590"></span></p>
<p><strong>TRIER.</strong> Im Januar 2009 schreckte eine Vorlage des Stadtvorstands auf: In aller Deutlichkeit benannte das Papier den  Zustand des 1964 eröffneten Theaters. &#8220;In baulicher, sicherheitstechnischer und energetischer Sicht entspricht es (das Theater; Anm. d. Red.) weder den heutigen Anforderungen an eine Versammlungsstätte, noch den räumlichen Anforderungen, die ein modernes Theater benötigt&#8221;, hieß es in der Drucksache, die sechs Schwerpunktbereiche für eine Sanierung benannte. Diese sollten nach damaligem Planungsstand voraussichtlich 18,5 Millionen Euro kosten.</p>
<p>Längst ist von mehr als 20 Millionen Euro die Rede, auch 30 Millionen liegen im Bereich des Möglichen. Doch niemand spricht mehr von dem, was in der besagten Vorlage auch stand: &#8220;Die einzig sinnvolle Vorgehensweise ist die komplette Schließung des Hauses für die Zeit der Umbaumaßnahmen und die Verlagerung des Spielbetriebes und der Büros und Werkstätten in eine Ersatzspielstätte&#8221;. Und weiter: &#8220;Aufgrund des Umfanges der Umbauarbeiten können die Maßnahmen in Einzelabschnitten während der Theaterferien aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen nicht durchgeführt werden&#8221;.</p>
<p>Eigentlich eine klare Ansage, doch eine komplette Schließung steht momentan nicht zur Debatte, und entgegen der Empfehlung verfolgt man im Rathaus die Spielpausen-Lösung. Die nächste Etappe steht im kommenden Sommer an, dann sollen weitere Maßnahmen zu Brandschutz- und Sicherheitstechnik umgesetzt werden. Außerdem soll das Große Haus barrierefreundlicher werden – besser gesagt: es soll ein erster Schritt in Richtung Barrierefreiheit unternommen werden. Denn für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt und auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ist das Theater eine einzige Zumutung. Investitionen in diesen Bereich sind also überfällig, weshalb es am Dienstagabend im Stadtrat für die entsprechende Vorlage durchweg Zustimmung gab. Der Rat bewilligte mehr als 300.000 Euro für diese Vorhaben.</p>
<p>Doch bei einer anderen Maßnahme, die schon bald in Angriff genommen werden könnte, hegt auch der geneigte Betrachter ernsthafte Zweifel, ob sie wirklich nötig sind. In einer kurzfristig ergänzten Vorlage, die der Stadtrat am Dienstagabend vorgelegt bekam, fand sich plötzlich ein Posten, von dem selbst gemeinhin gut informierte Ratsmitglieder erst in dieser Woche erfuhren: die Errichtung eines Wassertanks als Vorratsbehälter für die Sprinkleranlage. Die Begründung für diese Maßnahme: &#8220;Die Wassereinspeisung in die Sprinklerleitungen erfolgt unmittelbar über die Wasserversorgungsleitung der Stadtwerke. Bei Störung bzw. Ausfall der Versorgung steht kein Löschwasser zur Verfügung. Um die Löschleistung zu garantieren, ist der Speicher erforderlich&#8221;.</p>
<p><strong>Stadtwerke: Suchen nach günstigerer Lösung</strong></p>
<p><a title="Ach wär' doch nur die Tür defekt im Theater... Foto: Marcus Stölb" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/TheaterT%C3%BCr.jpg" rel="lightbox"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47603" title="Ach wär' doch nur die Tür defekt im Theater... Foto: Marcus Stölb" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/TheaterT%C3%BCr-100x150.jpg" alt="" width="100" height="150" /></a>Doch ist der Tank wirklich erforderlich? Und wenn ja, wofür? Nachfrage bei den Stadtwerken: Nach Darstellung eines Unternehmenssprechers geht es weniger um eine eventuelle Versorgungsunterbrechung, &#8220;sondern eher um das strenge Trinkwasserregelwerk&#8221;.  Die SWT sind für die Lieferung qualitativ hochwertigen Trinkwassers verantwortlich. Um die hohen Qualitätsanforderungen auch in Zukunft zu gewährleisten, müsse &#8220;laut Regelwerk die Hausanschlussleitung des Theaters verkleinert werden. Damit reicht die Kapazität der Leitung nicht mehr aus, um die dortige Sprinkleranlage zu betreiben. Aus diesem Grund wird eine Wasserbevorratung notwendig&#8221;, erklärt der SWT-Sprecher. Die Stadtwerke gewährleisten über das Trinkwassernetz eine Art &#8220;Grundschutz&#8221; in Sachen Löschwasser, der einen Umfang von 96 Kubikmeter pro Stunde über einen Zeitraum von zwei Stunden hat. &#8220;Für Objekte, die diesen Bedarf übersteigen, sind Individuallösungen erfoderlich&#8221;, heißt es, und dass Stadtwerke und Stadt schon in Gesprächen stünden, um eine günstigere Lösung zu finden.</p>
<p>Dass alles unternommen werden muss, um die Sicherheit der Theaterbesucher zu gewährleisten, steht außer Frage. Doch dass allein für diese eine Maßnahme fast 500.000 Euro veranschlagt werden, sorgte im Rat erwartungsgemäß für eine kontroverse Debatte. Zumal es noch dicker kommt: Das Amt für Gebäudewirtschaft rechnet damit, dass sich die gesamte Baumaßnahme insgesamt um fast 900.000 auf nunmehr knapp 2,1 Millionen Euro verteuern könnte.  Als Gründe werden &#8220;zusätzliche unvorhersehbare und unabweisbare Bauteilertüchtigungen&#8221; ins Feld geführt, darunter Brandschutzmaßnahmen in der Druckkammer unter dem Zuschauerraum und die besagte Erweiterung der Sprinklerzentrale mit Wasserspeicher. Ein Umbau des Bühneneingangs mit separatem Notausgang ist vonnöten, die Erneuerung des Bühnen- und des Lastenaufzuges angezeigt.</p>
<p>War auch der nun zur Debatte stehende Bau des Wassertanks unvorhersehbar? Nachfrage im Rathaus: &#8220;Im Rahmen der Erstabnahme der Sprinkleranlagenerweiterung des Theaters wurde Ende Oktober 2011 ein Gutachten durch einen staatlich anerkannten Sachverständigen erstellt, auf dessen Basis sich die Notwendigkeit eines Nofalltanks ergibt&#8221;. Die Notwendigkeit der Maßnahme ergebe sich aus der VDS Richtlinie 2109 (&#8220;Sprühwasserrichtlinie&#8221;) und der Trinkwasserverordnung 2001 mit den Ergänzungen und Änderungen von 2011. Einen Löschwassertank gebe es im Übrigen auch für die Europahalle. In anderen Großeinrichtungen wie etwa dem Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen braucht es jedoch offenbar keiner Tanklösung: &#8220;Unser Krankenhaus verfügt an zwei zentralen Stellen über Trockeneinspeisungspunkte. Hier kann unabhängig von den Wasserleitungen an zwei Seiten des Hauses Wasser eingespeist werden&#8221;, erklärte Manfred Lauer, Heizungs-Sanitär-Meister und Brandschutzbeauftragter im Mutterhaus am Dienstag auf Anfrage gegenüber <em>16vor</em>. Das Wasser käme im Notfall aus den Tankfahrzeugen der Feuerwehr. Eine derzeitig im Bau befindliche Sprinkleranlage im Kellerbereich werde aber über einen Tank versorgt, der fünf Kubikmeter Wasser fasse, so Lauer weiter.</p>
<p><strong>Egger kündigt Grundsatzentscheidung an</strong></p>
<p>Dass an einem Tank kein Weg vorbeiführt, daran wollte auch die meisten Ratsmitglieder nicht so recht glauben, die sich am Dienstagabend zu Wort meldeten. Der Rat forderte den Kulturdezernenten auf, alternative Optionen zu prüfen – was dieser zusagte. Was Egger auch versprach: Noch in diesem Jahr will er eine Grundsatzentscheidung in Sachen Theater herbeiführen. Denn beinahe hätte die offenbar kurzfristig getextete Vorlage dazu geführt, dass der Dezernent ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. Die für ihre sachlichen Redebeiträge bekannte Dorothee Bohr (CDU) etwa legte den Finger in die Wunde, als sie zu bedenken gab, dass immerzu Einzelmaßnahmen beschlossen würden, ohne das ein Gesamtkonzept erkennbar wäre. &#8220;Auf das Ziel kommt es an&#8221;, gab die Unionsfrau zu bedenken, eine Gesamtkonzeption tue Not. Und vor allem müsse geklärt werden, ob es einen Neubau geben solle, oder im Bestand saniert werde. Auch Markus Nöhl (SPD) forderte ein Gesamtkonzept, bei dem auch inhaltliche Fragen geklärt werden müssten. Während Hermann Kleber (FWG) keinerlei Bedenken gegen die Vorlage äußerte und diese als &#8220;Einstieg in ein Gesamtkonzept&#8221; lobte, verlangte Karl-Josef Gilles (FDP), dass die Frage des Wassertanks auf den Prüfstand gehöre. Das forderte auch Uschi Britz von den Grünen, die sich zugleich für den Erhalt des Standorts am Augustinerhof aussprach.</p>
<p>Die Standortfrage soll nun in diesem Jahr geklärt werden, und konnte sich Egger zu Beginn seiner Amtszeit noch grundsätzlich vorstellen, dass das Theater dereinst im Westen neu gebaut wird, so hat er sich von solchen Ideen zwischenzeitlich verabschiedet. &#8220;Wir können nicht mehr lange warten&#8221;, erklärte er mit Blick auf das noch ausstehende Gesamtkonzept. An diesen Worten wird man den Freidemokraten am Ende des Jahres messen müssen.</p>
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		<title>Marx en masse</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 23:07:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcus Stölb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit ihrem berühmten Sohn tut sich Trier mitunter schwer, doch im kommenden Jahr steht ein Ereignis an, das gebührend begangen werden soll: Am 14. März 2013 jährt sich zum 130. Mal der Todestag von Karl Marx. Kein wirklich runder Jahrestag, doch eine runde Sache soll die Ausstellung werden, die das Stadtmuseum Simeonstift plant: &#8220;Ikone Marx [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="So könnten sie aussehen, die Marx-Skulpturen, die im kommenden Jahr vor der Porta Nigra aufgestellt werden sollen." href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/marx-1.jpg" rel="lightbox"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47407" title="So könnten sie aussehen, die Marx-Skulpturen, die im kommenden Jahr vor der Porta Nigra aufgestellt werden sollen." src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/marx-1-150x101.jpg" alt="" width="150" height="101" /></a>Mit ihrem berühmten Sohn tut sich Trier mitunter schwer, doch im kommenden Jahr steht ein Ereignis an, das gebührend begangen werden soll: Am 14. März 2013 jährt sich zum 130. Mal der Todestag von Karl Marx. Kein wirklich runder Jahrestag, doch eine runde Sache soll die Ausstellung werden, die das Stadtmuseum Simeonstift plant: &#8220;Ikone Marx &#8211; Kultbilder und Bilderkult&#8221; lautet der Titel der Schau, von der Schneekugel bis zum großflächigen Ölgemälde soll die Auswahl der Exponate reichen. Für Aufsehen dürfte aber vor allem eine Installation des Aktionskünstlers Ottmar Hörl sorgen: Er will im Umfeld der Porta Nigra Hunderte Marx-Skulpturen aufstellen. Wie viele es am Ende sein werden, hängt nicht zuletzt von der Großzügigkeit potenzieller Sponsoren ab: &#8220;Ich hoffe, dass man Marx mit einer gewissen Sympathie begegnet&#8221;, sagt Hörl im Gespräch mit <em>16vor</em>.<span id="more-47365"></span></p>
<p><strong>TRIER.</strong> Wer vor seinem inneren Auge ein Bild Friedrich Engels aufrufen will, dürfte schnell an seine Grenzen stoßen. Zumindest wird es den meisten wohl weitaus schwerer fallen, als sich das Konterfei von Karl Marx ins Gedächtnis zu rufen. Mit Engels würde auch kein schwedisches Möbelhaus werben, keine Kette wie Ikea. Vor zwei Jahren baute das Unternehmen die monumentale Marx-Büste in Chemnitz, das zu DDR-Zeiten den Namen &#8220;Karl-Marx-Stadt&#8221; tragen musste, in einen PR-Gag ein. &#8220;Wie man gute Ideen erfolgreich umsetzt&#8221;, lautete der doppelsinnige Slogan. Immerhin: Den Kampagnenmachern von Apple war in der ersten Hälfte der 80er-Jahre neben Marx auch noch der Name Engels geläufig. &#8220;Es wurde Zeit, dass mal ein Kapitalist die Welt verändert&#8221;, warb das Unternehmen seinerzeit für sich und seine Produkte – und reihte neben einem MacIntosh Buchimitate von Mao über Marx bis Lenin auf – und Engels eben.</p>
<p>Wenn sich im März nächsten Jahres zum 130. Mal der Todestag von Karl Marx jährt, werden im Stadtmuseum Simeonstift auch Beispiele für die Verwendung des berühmten Trierers in der Werbewelt zu sehen sein. Die Ausstellung &#8220;Ikone Marx &#8211; Kultbilder und Bilderkult&#8221; soll einen neuen, kunsthistorisch geprägten Blick auf den Philosophen ermöglichen. Im Fokus steht eine politische Ikonografie: Wie wird Marx gezeigt und in welchem Kontext? Was wird damit indirekt suggeriert, worauf spielen die Darstellungen an? &#8220;Erstaunlicherweise hat in der Forschung bisher noch niemand versucht, einen Gesamtüberblick der bildlichen Repräsentation von Karl Marx zu geben&#8221;, erläutert die Direktorin des Stadtmuseums, Dr. Elisabeth Dühr, die Intention der Ausstellungsmacher. &#8220;Nie wurde systematisch die Frage nach den visuellen Konsequenzen dieser für die politische wie die Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts so prägenden Figur gestellt&#8221;, ergänzt sie gegenüber <em>16vor</em>. Das soll sich mit der geplanten Ausstellung ändern, kündigt Projektleiterin Dühr an, die bei der Vorbereitung der Ausstellung auf zwei Fachfrauen setzen kann: Professor Beatrix Bouvier, ehemalige Leiterin des Museums Karl-Marx-Haus, und Dr. Barbara Mikuda-Hüttel, ausgewiesene Ikonografie-Expertin, fungieren als Kuratorinnen der Ausstellung.</p>
<p><a title="Werben mit Marx und Engels. " href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/apple1984n.jpg" rel="lightbox"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47403" title="Werben mit Marx und Engels. " src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/apple1984n-150x100.jpg" alt="" width="150" height="100" /></a>Gezeigt werden auch Exponate, die &#8220;fast den Charakter von Devotionalien haben&#8221;, erläutert Dr. Sonja Mißfeldt. Die Kunsthistorikerin und Sprecherin des Stadtmuseums nennt beispielhaft Aschenbecher und Schneekugeln. &#8220;Wir werden eine breite Mischung von Hochkultur bis Trivialkunst zeigen&#8221;, kündigt Mißfeldt an. Viel konkreter will sie noch nicht werden, schließlich steht noch nicht fest, welche der vom Stadtmuseum angefragten Leihgaben anderer Häuser tatsächlich zur Verfügung gestellt werden. Nur soviel: Mehr als 100 Exponate werden gezeigt. &#8220;Das wird keine Ausstellung zu Leben und Werk&#8221;, stellt Mißfeldt klar, im Mittelpunkt stehe vielmehr die Frage, weshalb Darstellungen von Marx bis heute derart präsent seien.</p>
<p><strong>&#8220;Rot? Vielleicht. Oder ein solides Grau.&#8221;</strong></p>
<p>Ähnlich wie bei dem Guerillaführer Che Guevara oder dem Massenmörder Mao profitiert Marx bis heute von einem enormen Wiedererkennungswert: Der gewaltige Kopf, vor allem aber der weiße Rauschebart verleihen ihm etwas nahezu Unverwechselbares. So hat er Züge einer Kultfigur, und für nicht wenige ist er das bis heute. Doch Marx wurde bekanntlich auch heroisiert und propagandistisch instrumentalisiert, was sich in zahlreichen Gemälden niederschlug. Die Trierer Ausstellung will die verschiedenen Facetten abbilden und auch Werke des &#8220;sozialistischen Realismus&#8221; zeigen, beispielsweise aus der ehemaligen DDR.</p>
<p>Läuft alles nach Plan, könnte Marx im nächsten Jahr in seiner Geburtsstadt allgegenwärtig sein – zumindest im Schatten der Porta Nigra. Hunderte Skulpturen sollen im Umfeld des Welterbes aufgestellt werden. Ottmar Hörl wird sie entwerfen. Der Aktionskünstler sorgte schon bundesweit für Aufsehen; etwa mit seinen Zwergen, die den Mittelfinger oder den Hitlergruß zeigen. In Bayreuth überzog er 2004 mit seiner Installation &#8220;Wagners Hund&#8221; die halbe Stadt mit Hunderten Plastiken. Anlässlich des Dürer-Jahres drapierte er auf dem Nürnberger Hauptmarkt 7.000 Hasen, in Bremerhaven sorgte er für einen &#8220;Zwergenaufstand&#8221;. Kunst im öffentlichen Raum ist Hörls Metier. Man muss nicht schön finden, was er macht, doch zur Auseinandersetzung laden seine Installationen allemal ein. Marx ist für ihn nach eigener Darstellung eine besonders reizvolle Herausforderung, wie er im Gespräch mit <em>16vor</em> berichtet.</p>
<p><a title="Eine Dauerleihgabe der Friedrich-Ebert-Stiftung: Das um 1900/1920 von Emil Dreyer geschaffene Porträt von Karl Marx. Quelle: Stadtmuseum Simeonstift Trier" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/Karl-Marxn.jpg" rel="lightbox"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47404" title="Eine Dauerleihgabe der Friedrich-Ebert-Stiftung: Das um 1900/1920 von Emil Dreyer geschaffene Porträt von Karl Marx. Quelle: Stadtmuseum Simeonstift Trier" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/Karl-Marxn-117x150.jpg" alt="" width="117" height="150" /></a>Auf die Frage, ob er sich für den Trierer Denker auch eine Geste einfallen lasse, die eventuell sogar provoziere, antwortet Hörl: &#8220;Marx ist schon die Botschaft&#8221;. Und überhaupt: Mit Provokation habe er es nicht, zumindest wolle er nicht offen provozieren. &#8220;Es ist viel besser, wenn der Künstler die Gabe der Subversion besitzt&#8221;, sagt er. Er wolle die Betrachter nicht vor den Kopf stoßen, sondern erreichen, dass sie ins Nachdenken kommen und sich auf eine Diskussion einlassen. Und da gäbe es aus Sicht bei Marx einiges zu bereden, ist Hörl, der sich als Kind der &#8220;Frankfurter Schule&#8221; bezeichnet, überzeugt. Schließlich sei bis heute eine gewisse Verkrampftheit im Umgang mit dem Denker festzustellen, dieser werde noch immer &#8220;in Sippenhaft genommen&#8221;, weil seine Ideen von anderen missbraucht worden seien. &#8220;Das hat er eigentlich nicht verdient&#8221;, sagt Hörl, der hofft, dass man &#8220;Marx mit einer gewissen Sympathie begegnet&#8221;.</p>
<p>Etwas Sympathie für die geplante Installation erhofft er sich schon im Vorfeld. Denn wie groß die Heerschar an Marx-Skulpturen ausfällt, dürfte vor allem davon abhängen, ob sich genügend private Sponsoren finden werden. Hörl will mindestens 500 Figuren schaffen, die bis zu einem Meter hoch sein werden. Was die farbliche Gestaltung anbelangt, ist er noch unentschieden: &#8220;Rot liegt ja nahe&#8221;, sagt er, und &#8220;ich liebe Rot&#8221;. Nach einer kurzen Pause ergänzt der Künstler: &#8220;oder vielleicht ein solides Grau?&#8221;</p>
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		<title>Zum Weinen schön</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 23:32:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Valerius</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Welch ein großer Abend für das Theater Trier! Nach der Premiere von Giacomo Puccinis Oper &#8220;La Bohème&#8221; hatte man im Foyer des Mosel-Musentempels wahrlich allen Grund zum Feiern. Ein grandios spielendes Orchester unter seinem GMD Victor Puhl, in ihren Rollen mehr als überzeugende Solisten des hauseigenen Ensembles, dazu eine Inszenierung, die gerade in der Bescheidung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Svetislav Stojanovic und Joana Caspar als Rodolfo und Mimi. Foto: Marco Piecuch" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/boheme_MOP9734.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47523" title="Svetislav Stojanovic und Joana Caspar als Rodolfo und Mimi. Foto: Marco Piecuch" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/boheme_MOP9734-150x99.jpg" alt="" width="150" height="99" /></a>Welch ein großer Abend für das Theater Trier! Nach der Premiere von Giacomo Puccinis Oper &#8220;La Bohème&#8221; hatte man im Foyer des Mosel-Musentempels wahrlich allen Grund zum Feiern. Ein grandios spielendes Orchester unter seinem GMD Victor Puhl, in ihren Rollen mehr als überzeugende Solisten des hauseigenen Ensembles, dazu eine Inszenierung, die gerade in der Bescheidung der Mittel das Wesentliche eruierte – summa summarum eine Produktion, die in sich rundum schlüssig war, die durch ihre Emotionsdichte vor allem musikalisch tief unter die Haut ging.<span id="more-47522"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Es braucht wahrlich nicht die großen, vermeintlich bedeutungsschweren Stoffe, um einen großen Opernabend auf die Bühne zu bringen. Zwar mag Puccinis Oper ein wenig der Nimbus verkitschter Sozialromantik anhaften, letztlich aber versteht sich der Komponist auf das, was gerade die italienische Oper wie keine andere zu leisten vermag: er bringt mit seiner Musik die Emotionen der Protagonisten unmittelbar und damit letztlich glaubhaft zur Geltung.</p>
<p>Dass dies freilich so gelingen konnte, ist sicherlich zunächst das Verdienst von Benedikt Borrmann. Seine Inszenierung ist frei von (un-)gewollten Modernismen, spielt mithin im Pariser Quatier Latin des Fin de siècle, dem Originalschauplatz von Henri Murgers Vorlage &#8220;Vie de Bohème&#8221;. Doch gerade in der unprätentiösen Herangehensweise Borrmanns offenbart sich die ganze Stärke seiner Arbeit, ja, die Uneitelkeit des Regisseurs erst macht den Weg frei für das, was Oper letztlich ausmacht: Musik! Und im Einklang mit dieser ergibt sich wie von selbst ein rundum stimmiges Bild, wunderbar korrespondierend mit Manfred Breitenhellners als Leinwand-Kulisse gestaltetes Bühnenbild und den Kostümen Carola Vollaths, die die Handlungszeit zeitlich eindeutig definieren.</p>
<p>Da die Handlung bezüglich Ort und Zeit eng umrissen ist, bietet sie beste Voraussetzungen für einen kurzweiligen Opernabend. Vier Künstlerfreunde aus der Kaste der so genannten Bohémiens teilen nahezu alles miteinander: Freud und Leid, mäßigen Erfolg ebenso wie den ihr Leben weitgehend bestimmenden Misserfolg, dazu die kargen Einkünfte aus Gelegenheitsarbeiten, die zumeist in Form bescheidener Mahlzeiten untereinander aufgeteilt werden. Weil der Musiker Schaunard soeben zu etwas Geld gekommen ist, findet er sich mit Essen, Wein, Brennholz und Geld in der erbärmlichen Behausung des Dichters Rodolfo und des Malers Marcello ein. Zu ihnen gesellt sich auch der Philosoph Colline. Doch weil Heiligabend ist, beschließt man, den Weihnachtsabend im Café Momus zu verbringen.</p>
<p>Ein in sich schlüssiger Einstieg ins Geschehen, dem dann jedoch eine Szene voller Unlogik folgt: Rodolfo schickt seine Freunde vor, derweil er noch ein paar Zeilen zu Papier bringen will. Da klopft Mimi, eine benachbarte Mieterin an der Tür und bittet um Feuer für ihre erloschene Kerze. Weil sie nun just auch noch ihren Schlüssel verliert, suchen beide im dunklen Zimmer umherkriechend danach. Doch statt des entglittenen Türöffners entdecken beide ihre Liebe zueinander. So wie einst der Römer Julius Caesar kam, sah und siegte, kam Mimi, sah zwar nichts, aber verliebte sich sogleich. Das ist halt Oper. Um bestimmte Handlungsabläufe in Gang zu bekommen, muss manchmal etwas brachial nachgeholfen werden.</p>
<p>Doch Mimi ist krank, so dass Rudolfo sich nicht in der Lage sieht, die Schwerkranke an seiner Seite zu ertragen. Ihr Weihnachtsglück währt nur für kurze Zeit, man trennt sich, findet dann aber erneut zueinander, um – den Tod vor Augen – bis zum Ende des Winters beieinander zu bleiben. Abermalige Trennung, bis sich die Todkranke Mimi schließlich im Frühsommer in Rodolfos Mansarde einfindet, wo sie im Beisein der Freunde stirbt.</p>
<p>Svetislav Stojanovic mimt einen großartigen Rodolfo, der, zunächst ganz von seinen Gefühlen übermannt, letztlich doch an der Schwere der Bürde zerbricht. Die Liebe bis in den Tod, die grausame Realität seiner Existenz überfordert den armen Poeten. Stimmlich gibt er auch eine gute Partie ab, im Timbre zwar etwas unitalienisch-kernig, dafür aber ausgesprochen intonationssicher bis in die Höhen. Joana Caspar als Mimi verleiht Ihrer Figur jene Tragik, die nachfühlbar und echt daherkommt. Ihr anfänglich arg überspanntes Tremolo legt sich nach der Pause und lässt ungetrübte Passagen voller Wohlklang zu.</p>
<p>Absolut makellos singt und spielt Carlos Aguirre seinen Marcello. Seine Stimme verfügt über einen wunderbar runden, in sich geschlossenen Klang, bewegt sich mit Leichtigkeit in allen Lagen, dazu mit höchst ausdrucksstarker Deklamation. Szenen überbordender Eifersucht geraten ihm von ebensolcher Natürlichkeit wie auch seine Liebesbekundungen zu seiner Geliebten Musetta, gespielt von Evelyn Czesla. Diese besticht durch sinnliche wie stimmlich klare Präsenz, ein ungewöhnlich unaufgeregtes Timbre ohne übermäßiges Tremolo. Alexander Trauth als Schaunard und Pawel Czekala als Colline passen absolut stimmig ins Ensemble, geben auch ihren Figuren klare Aussagen. Auffällig an diesem Abend ist vor allem, dass keiner der Solisten durch Forcieren der Stimme aus dem Rahmen fällt. Alles ist klanglich ungemein dicht und homogen aufeinander abgestimmt.</p>
<p>Selten hat man in einer Trierer Operninszenierung eine derart konsequente Klangregie gehört. Dem taten auch die zuweilen wurlitzerartigen Ausschweifungen der Damen des Theaterchores keinen wirklichen Abbruch, wenngleich sie das Ohr aufs Schärfste strapazierten. GMD Victor Puhl ist es an diesem Abend gelungen, einen Gesamtklang zu kreieren, der die Oper in Trier durchaus – zumindest musikalisch &#8211; zu neuer, bislang ungeahnter Qualität führen kann. Dass er sich hierbei auf ein vorzügliches Orchester stützen kann, dürfte inzwischen bekannt sein. Man spürt, dass die gemeinsame musikalische Arbeit der vergangenen Jahre längst zu einer neuen Qualität des Klangkörpers geführt hat.</p>
<p>Die Streicher präsentieren sich mit sattem Wohlklang, mit Klarheit und Präzision, die Holzbläser mischen dezenten Farbton bei, und das Blech steuert markige Brillanz bei, ohne zu übertönen. Victor Puhl zeigt sich derweil als musikalischer Dramaturg par excellence. Er versteht es, dynamische wie inhaltliche Spannungsbögen zu setzen, die Balance zwischen Orchestergraben und Bühne zu wahren und mit einem changierenden Spiel der Tempi die Musik in einem stets natürlichen Fluss zu halten. So kam der typisch italienische Belcanto einmal nicht von der Bühne, sondern ganz aus dem Orchestergraben.</p>
<p>Weiteres Lob gebührt der Statisterie des Trierer Theaters, Andrea Azzurrini als Parpignol, Carsten Emmerich als Hausherr beziehungsweise Zöllner, Tim Heisse sowie dem Kinderchor des Trierer Konzertchores. So konnte denn auch der tragische Tod von Mimi die Zuschauer nicht davon abhalten, sogleich ihre Begeisterung mit frenetischem Beifall kund zu tun. Da schien alle Ergriffenheit mit dem letzten Vorhang verflogen zu sein.</p>
<p><em>Weitere Vorstellungen im Februar: Sonntag, 5. Februar, 19.30 Uhr; Freitag, 10. Februar, 20 Uhr; Dienstag, 14. Februar, 20 Uhr.</em></p>
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		<title>&#8220;Keine klassischen Puccini-Klischees&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 17:20:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Jöricke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach &#8220;Le Nozze di Figaro&#8221; (2009/10) und Leonard Bernsteins Oper &#8220;Trouble in Tahiti&#8221; (2010/11) inszeniert Benedikt Borrmann nun mit &#8220;La Bohème&#8221; zum dritten Mal am Trierer Theater. Giacomo Puccinis am 1. Februar 1896 uraufgeführtes Meisterwerk gilt als die bedeutendste italienische Oper seit Verdi. Erstmals steht der private Mensch und sein Alltag im Mittelpunkt einer Opernhandlung. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-47448" title="Benedikt Borrmann geht Stücken auf den Grund und konzentriert sich auf das Wesentliche. Foto: privat" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/porträt-bb.jpg" alt="" width="150" height="148" />Nach &#8220;Le Nozze di Figaro&#8221; (2009/10) und Leonard Bernsteins Oper &#8220;<a href="http://www.16vor.de/index.php/2010/10/04/die-grose-stille/" target="_blank">Trouble in Tahiti</a>&#8221; (2010/11) inszeniert <a href="http://www.benediktborrmann.de/" target="_blank">Benedikt Borrmann</a> nun mit &#8220;La Bohème&#8221; zum dritten Mal am Trierer Theater. Giacomo Puccinis am 1. Februar 1896 uraufgeführtes Meisterwerk gilt als die bedeutendste italienische Oper seit Verdi. Erstmals steht der private Mensch und sein Alltag im Mittelpunkt einer Opernhandlung. Die Tradition der italienischen Oper weiterführend, bricht Puccini zugleich auf in ein Zeitalter, das mehr und mehr die sozialen Verhältnisse für die Formung individueller Lebensentwürfe verantwortlich macht. Wie der Regisseur das Stück interpretiert, das an diesem Samstag um 19.30 Uhr Premiere hat, erzählte er im Gespräch mit <em>16vor</em>.<span id="more-47447"></span></p>
<p><em>16vor: Was verbindet Sie mit &#8220;La Bohème&#8221;?</em></p>
<p><strong>Benedikt Borrmann</strong>: Ich bin ja in der Oper mehr oder weniger großgeworden – ich kannte das vermeintlich. Habe aber während der Vorbereitung schon festgestellt, dass da viel Klischeedenken meinerseits war.</p>
<p><em>16vor: Was hat sich Ihnen neu erschlossen?</em></p>
<p><strong>Borrmann</strong>: Die Ehrlichkeit der Figuren, die Ehrlichkeit des Stückes, und dass es überhaupt nicht rührselig ist. Es ist ein sehr direktes und teilweise auch sehr bitteres Stück.</p>
<p><em>16vor: Wie äußert sich das in Ihrer Inszenierung? Was dürfen die Zuschauer erwarten?</em></p>
<p><strong>Borrmann</strong>: Die Zuschauer dürfen eine große Genauigkeit erwarten. Und wir versuchen, nicht in die klassischen Puccini-Klischees hineinzufallen. In meinen Augen zum Beispiel eine falsche Betroffenheit. Es gibt durchaus eine Betroffenheit, die sich aber aus einer anderen Quelle speisen muss: Betroffenheit über Figuren und deren Verhalten. Warum ist jemand, wie er ist? Warum verhält er sich, wie er sich verhält?</p>
<p><em>16vor: Ist dadurch eine insgesamt moderne Inszenierung entstanden?</em></p>
<p><strong>Borrmann</strong>: Äußerlich bleiben wir in der Zeit. Modern ist sie in der sehr, sehr genauen Beobachtung. Im zweiten Bild wird immer ein sehr schönes Paris gezeigt. Die Herrschaften haben aber gar kein Geld, fein essen zu gehen. Es sind also nicht die Prachtboulevards von Paris. Da gibt es auch Prostituierte und Zuhälter. Was mich sehr fasziniert hat, als ich angefangen habe, das Libretto zu lesen, war, dass das Wort &#8220;Paris&#8221; nur ein einziges Mal fällt. Es wird auch kein einziges Mal erwähnt, dass das Stück an Weihnachten spielt. Bei uns spielt es zwar auch an Weihnachten, aber es gibt keine Tannenbäume und Nikoläuse. Das war eine Behauptung von Puccini, dass es der Weihnachtsabend ist. Musikalisch und textlich wird darauf überhaupt kein Bezug genommen.</p>
<p><em>16vor: Caruso, Pavarotti, und Carreras haben schon die männliche Hauptrolle gesungen, Cotrubas, Sciutti und Güden die weibliche. Welches ist Ihre Traumbesetzung für Rodolfo und Mimi?</em></p>
<p><strong>Borrmann</strong>: Meine Traumbesetzung ist die, die ich hier habe.</p>
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		<title>Nuschelsuppe mit afrikanischen Gewürzen</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 00:08:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Jöricke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Obwohl viele Schriftsteller während einer Lesung bereits viel von sich preisgeben, ohne über sich zu sprechen, dachte sich der Trierer Autor und Leseveranstalter Dorian Steinhoff, dass es doch nett wäre, in einer lockeren Unterhaltung etwas mehr über den Künstler zu erfahren. Darum gründete er die Reihe &#8220;Humorprofis&#8221;, die am Dienstag in der Tufa Premiere hatte. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Kein großer Vorleser: Heinz Strunk verschluckte beim Vortragen leider viele Wörter seines lustigen Textes. Foto: Christian Jöricke" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/heinz-strunk-02.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47340" title="Kein großer Vorleser: Heinz Strunk verschluckte beim Vortragen leider viele Wörter. Foto: Christian Jöricke" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/heinz-strunk-02-150x100.jpg" alt="" width="150" height="100" /></a>Obwohl viele Schriftsteller während einer Lesung bereits viel von sich preisgeben, ohne über sich zu sprechen, dachte sich der Trierer Autor und Leseveranstalter Dorian Steinhoff, dass es doch nett wäre, in einer lockeren Unterhaltung etwas mehr über den Künstler zu erfahren. Darum gründete er die Reihe &#8220;Humorprofis&#8221;, die am Dienstag in der Tufa Premiere hatte. Erster und wohl schwierigster Gesprächsgast der bisher fünf feststehenden Komikautoren im ersten Halbjahr war Heinz Strunk. Der Verfasser des bitterlustigen Buches &#8220;Fleisch ist mein Gemüse&#8221; stellte sein aktuelles Werk &#8220;Heinz Strunk in Afrika&#8221; vor. Der Pauschalreisebericht ist ebenfalls sehr komisch geraten, weil Strunk wieder verstärkt auf eigene Erlebnisse zurückgreifen konnte. Vielleicht hätte es noch mehr Lacher gegeben, wenn er den Text beim Lesen nicht so runtergerotzt hätte.<span id="more-47331"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. &#8220;Ich biete ein abendfüllendes Programm, an dessen Ende meiner Meinung nach alles gesagt ist&#8221;, antwortete Heinz Strunk im <a href="http://www.hunderttausend.de/artikel/0d1ccd60-32a9-4cea-9591-8804f9e13860.htm" target="_blank"><em>hunderttausend.de</em>-Interview</a> vor seinem Auftritt in Trier, als er auf das geplante Bühnengespräch angesprochen wurde. Das klang bereits so, als habe er nicht viel Lust auf eine Unterhaltung. Als es am Dienstagabend im zweiten Teil der ersten Hälfte seiner Lesung zu diesem Programmpunkt kam, zeigte er das dann auch deutlich.</p>
<p>Dabei soll das kurze Gespräch den Reiz der neuen Tufa-Reihe &#8220;Humorprofis&#8221; ausmachen. Einmal im Monat werden lustige Autoren eingeladen, die nicht nur lesen, sondern auch etwas über sich erzählen sollen. Dorian Steinhoff moderiert die Veranstaltung und plaudert mit den Künstlern. Zuletzt organisierte der Trierer Autor die Lesereihe &#8220;Bemerkenswert&#8221; in der Tufa, bei der interessante junge Schriftsteller vorgestellt wurden. Leider stieß die Veranstaltung nur auf geringes Interesse.</p>
<p>Deren Nachfolger erwischte zumindest, was die Besucherzahlen angeht, einen guten Start. 150 Zuschauer sind gekommen, um Heinz Strunk aus seinem aktuellen Buch &#8221;Heinz Strunk in Afrika&#8221; lesen zu hören. Dabei ist gerade dies nicht seine Stärke, denn Strunk liest grauenvoll. Er trägt die Passagen in einem Tempo vor, als er wolle er nur noch mal schnell für sich den Text überfliegen. Der Hamburger serviert den Besuchern eine trübe Nuschelsuppe.</p>
<p>Für die respektlose, aber auch authentische Art des Vortrags gibt es mindestens drei Erklärungen: Entweder das Publikum kauft mehr Bücher, weil es das nachlesen will, was es nicht verstanden hat; oder Strunk rotzt den Text deshalb so runter, weil das noch bevorstehende Gespräch von seiner Lesezeit abgezogen wird und er nicht kürzen möchte; oder der unter seinem Anzug üppig tätowierte Fastfünfziger liest so, weil er mehr Punk ist, als man ihm ansieht.</p>
<p>Der Stimmung der vorgetragenen Auszüge wird die Diktion jedenfalls nicht gerecht, wenngleich der Ton darin ebenfalls schnoddrig ist. &#8220;Ich setze die Inspektion im Nassbereich fort: grauer, welliger Linoleumboden, graue Kacheln, Badewanne (Farbe Manhattan), mit eingefrästem Schmutzrand, marode, schwergängige Armaturen. Föhn Fehlanzeige. Shampoo Fehlanzeige, Bodylotion Fehlanzeige, lediglich ein winziges, eingeschweißtes Stück Kernseife liegt in einem Kernseifeschälchen. Ich klappe den Toilettendeckel hoch. Zum Scheißen reicht&#8217;s&#8221;, beschreibt Strunk das Bad seines Hotelzimmers in Mombasa, wo er mit seinem Freund C. Pauschalurlaub macht.</p>
<p><a title="Moderator Dorian Steinhoff traf auf einen extrem gesprächsunwilligen Heinz Strunk. Foto: Christian Jöricke" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/heinz-strunk-01.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47341" title="Moderator Dorian Steinhoff traf auf einen extrem gesprächsunwilligen Heinz Strunk. Foto: Christian Jöricke" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/heinz-strunk-01-150x100.jpg" alt="" width="150" height="100" /></a>Anscheinend ein noch stärkerer Widerwille als beim Anblick einer kenianischen &#8220;Waldnutte&#8221; überkommt Strunk, als ihn Steinhoff bittet, auf einem der roten Sessel neben dem Lesetisch Platz zu nehmen. Gleich beim ersten Thema, mit dem der Gastgeber das Eis brechen will, lässt ihn der Schriftsteller auflaufen. Strunk mag nicht über die Sportübungen sprechen, die er in seinem Reisebericht erwähnt. Er will auch nicht über seine Daddelleidenschaft reden, er möchte sich gerade über gar nichts unterhalten. Gelangweilt und genervt fläzt er sich im Sessel, reibt sich die Augen, kratzt sich an der Schläfe und ringt sich ein paar Angaben über aktuelle und zukünftige Projekte ab: Theater in Berlin (&#8220;Fahr zur Hölle, Ingo Sachs&#8221;) und Hamburg (&#8220;Fleisch ist mein Gemüse&#8221;, &#8220;Dorfpunks&#8221; und &#8220;Rust&#8221;), Kinofilm von &#8220;Studio Braun&#8221; (Komikerkollektiv mit Jacques Palminger und Rocko Schamoni) in der zweiten Jahreshälfte, Pilotfilm als Jürgen Dose für den <em>WDR</em>. Nach 15 Minuten erlöst Steinhoff sich und Strunk.</p>
<p>Nach knapp zwei Stunden heißt es Abschied nehmen –von Mombasa und Heinz Strunk. Zum Schluss spielt er auf der Querflöte &#8220;Gimme Hope, Jo&#8217;anna&#8221; von Eddy Grant, was in der Hotellobby in der Dauerschleife gelaufen sein soll. &#8220;Heinz Strunk in Afrika&#8221; ist eine moderne Version von Gerd Polts Film &#8220;Man spricht deutsch&#8221; – nur das die Protagonisten keine kleinbürgerliche Kleinfamilie sind, sondern zwei alkoholkranke, spielsüchtige Neurotiker. Gemein haben die Hauptfiguren, dass sie möglichst wenig erleben wollen. &#8220;Ich habe es gerade mal auf neun Fotos gebracht&#8221;, erzählt Strunk am Ende des Buches.</p>
<p>Am Anfang der Lesung sagte Steinhoff, dass die Premiere stets die schlechteste Veranstaltung einer Reihe sei. Zumindest was den Gesprächspart angeht, könnte er damit Recht haben. Am 27. März ist der etwas umgänglichere Satire-Dichter Thomas Gsella bei &#8220;Humorprofis&#8221; zu Gast. Desweiteren darf man sich auf <em>Zeit</em>-Kolumnist Harald Martenstein (24. April), Russendisko-Erfinder Wladimir Kaminer (29. Mai) und Poetry-Slam-Meister Marc-Uwe Kling (26. Juni) freuen.</p>
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		<title>Vom Sterben der Lieder</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 23:02:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jannis Puhlmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Schule & Campus]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit über 2000 Jahren überliefern sie mit ihrer Musik das Wissen und die Traditionen ihres Volkes. Die Manganiars, die traditionelle Kaste der Musiker und Geschichtenerzähler im indischen Bundesstaat Rajasthan, sehen sich heute zunehmend mit dem Verlust ihrer Kultur konfrontiert. Drei Kommunikationsdesign-Studenten der Fachhochschule Trier schufen mit ihrer Dokumentation &#8220;Manganiars – a traditional musician caste in times [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Tradition in Zeiten des Wandels: Ein Manganiar spielt das Harmonium. Foto: privat." href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/manga-01.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47313" title="Tradition in Zeiten des Wandels: Ein Manganiar spielt das Harmonium. Foto: privat." src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/manga-01-150x101.jpg" alt="" width="150" height="101" /></a>Seit über 2000 Jahren überliefern sie mit ihrer Musik das Wissen und die Traditionen ihres Volkes. Die Manganiars, die traditionelle Kaste der Musiker und Geschichtenerzähler im indischen Bundesstaat Rajasthan, sehen sich heute zunehmend mit dem Verlust ihrer Kultur konfrontiert. Drei Kommunikationsdesign-Studenten der Fachhochschule Trier schufen mit ihrer Dokumentation &#8220;Manganiars – a traditional musician caste in times of change&#8221; eine Momentaufnahme einer alten Tradition in Zeiten des Wandels. Am morgigen Donnerstag um 20 Uhr wird der Film im Broadway uraufgeführt.<span id="more-47312"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Alles begann mit Florian Luxenburgers Indienreise. In der verschlafenen Wüstenstadt Jaisalmer, nahe der pakistanischen Grenze, knüpfte er Kontakt mit dem österreichischen Soziologen Helmut Pachler, der sich seit 16 Jahren mit der Tradition der Manganiars beschäftigt und mit seinem Projekt &#8220;Artist Hotel&#8221; für den Erhalt dieser vom Aussterben bedrohten Kultur kämpft. Der Faszination für das Thema konnte sich der Student seither nicht mehr entziehen. Wie auch? Es geht um Musiker, die seit jeher durch die kargen Wüstenregionen Nordwestindiens ziehen und das Wissen, die Mythen und Geschichten einer ganzen Gesellschaft mit sich tragen. Ob auf Hochzeiten oder Volksfesten, die Manganiars dürfen bei keiner Festivität fehlen. Sie besingen die Lebensgeschichten der Maharadschas, die Gottheiten der Hindus, tragische Liebesgeschichten im indischen Kastensystem und sogar die Hochzeit von Alexander dem Großen in Indien. Das ist Stoff, der verzaubert. Stoff, der verfilmt werden muss, solange es noch geht, dachte sich Luxenburger und steckte nach seiner Heimkehr kurzerhand seine Kommilitonen Daniel Kreuter und Holger Reissig mit seiner Begeisterung an.</p>
<p>&#8220;Das Projekt war vor allem ein Sprung ins kalte Wasser&#8221;, verrät Daniel Kreuter. &#8220;Nicht nur, weil es unser erster Dokumentarfilm war, sondern weil keine Maßnahme und keine Vorbereitung einen vor dem Kulturschock schützt, der einen in Indien erwartet.&#8221; Bevor die Drei für die Dreharbeiten nach Indien reisten, wurden daheim noch die notwendigen Vorkehrungen getroffen. Man recherchierte das Thema ausgiebig, das Equipment wurde zusammengestellt und auch mit den Zollbestimmungen und der indischen Gesetzeslage setzte man sich auseinander.</p>
<p>Zu unvorhersehbaren Problemen kam es in den fünf Wochen Aufenthalt dann trotzdem immer wieder. Der Zug von Delhi nach Jaisalmer fiel wegen dichtem Nebel aus, die Kommunikation mit der ländlichen Bevölkerung gestaltete sich weitaus schwieriger als gedacht und die häufigen Stromausfälle erschwerten die Innenaufnahmen beträchtlich. Doch die drei Studenten wussten sich zu helfen. &#8220;Wir waren häufig gezwungen zu improvisieren&#8221;, erklärt Kreuter, &#8220;ob man spontan die Fragen der Interviews ändert oder man schnell aus zwei Glühbirnen, einem langen Stromkabel, dem Dimmer der Nachttischlampe, einem Mülleimer und einem Stück Betttuch eine Leuchte baut.&#8221;</p>
<p><a title="Dreharbeiten über den Dächern der Wüstenstadt Jaisalmer. (von links) Daniel Kreuter, Florian Luxenburger, „kleiner Maharadscha“ und Holger Reissig. Foto: privat." href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/manga-2.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47314" title="Dreharbeiten über den Dächern der Wüstenstadt Jaisalmer. (von links) Daniel Kreuter, Florian Luxenburger, „kleiner Maharadscha“ und Holger Reissig. Foto: privat." src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/manga-2-150x100.jpg" alt="" width="150" height="100" /></a>Vor allem die Gastfreundschaft, Offenheit und Herzlichkeit der Einheimischen zeichnet das Projekt aus und ermöglichte erst den Blick hinter die Kulissen, der für einen authentischen Dokumentarfilm unabdingbar ist. Ihr aufrichtiges Interesse an dem Kulturschatz der Inder öffnete den Filmern Türen, die dem Durschnittsbackpacker verschlossen bleiben. &#8220;Wir wurden zu dutzenden Abendessen und Feiern eingeladen&#8221;, schwärmt Kreuter. &#8220;Irgendwann hatten wir dort mehr gesellschaftliche Verpflichtungen als hierzulande.&#8221; Der wohl aufregendste Moment für den 31-Jährigen war der Dreh einer traditionellen muslimischen Hochzeit. Vier Stunden fuhren die Studenten dafür mit einem Jeep durch die Wüste Thar ins indisch-pakistanische Grenzgebiet. Eine Region, vor der das Auswärtige Amt Touristen abrät. &#8220;Wir wurden in diesem kleinen Wüstennest mitten im Nirgendwo abgesetzt und fanden uns in der Zeit zurückversetzt und in einer fremden Gesellschaft wieder. Das war schon ein mulmiges Gefühl&#8221;, gesteht er.</p>
<p>Nach knapp einem Jahr Arbeit und aufwändiger Nachbearbeitung ist die Dokumentation nun fertig. Vier Protagonisten geben einen Einblick in den Alltag der Manganiars und skizzieren die verschiedenen Fassetten des Musiker-Daseins zwischen Tradition und Moderne. Ihre Folklore, eine berauschende Kombination aus Rhythmik und hypnotischen Melodien, bietet dazu den Soundtrack. So hilft ein junges Medium, ein altes zu konservieren. Denn die Lieder und Geschichten der Manganiars sind kein Bollywood-Material. Gesellschaftlicher Wandel und technischer Fortschritt verdrängen das alte Kulturgut zunehmend aus dem öffentlichen Leben und machen es immer schwerer für die Manganiars von ihrer Musik zu leben. So soll auch ein Teil des Erlöses des Films den Musikern für die Reparatur und den Neukauf von Instrumenten zukommen.</p>
<p>Wahrscheinlich ist es dann auch nicht das letzte Mal, dass wir von den drei Studenten hören. Den Weltenbummler Florian Luxenburg hat es nämlich nicht lange in Trier gehalten. Er ist wieder auf Weltreise. Einen kleinen Zwischenstopp hat er auch in Jaisalmer eingelegt, um den Film dort einem erlesenen Kreis von Einheimischen vorzuführen. &#8220;Wer weiß, vielleicht bringt er ja Ideen für ein neues Projekt mit&#8221;, spekuliert Florian Kreuter. &#8220;Ich wär&#8217; mit Sicherheit dabei!&#8221;</p>
<p><em>Premiere von &#8220;Manganiars&#8221; morgen um 20 Uhr im Broadway; weitere Vorstellung am Sonntag um 16.45 Uhr; Preis € 4,50, Infos und Trailer unter <a href="http://www.manganiars-movie.blogspot.com" target="_blank">www.manganiars-movie.blogspot.com</a>.</em></p>
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		<title>Ein neuer Dante entsteht</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 00:05:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klauspeter Bungert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Während Kulturinstitutionen, die lange Jahre selbstverständlich waren, diskutiert und in den Strudel einer ausgereiften Bestands- und Legitimationskrise hineingezogen werden, setzt ein emeritierter Romanistikprofessor der Trierer Universität in der Ruhe einer Altbauwohnung im Umkreis von Triers berühmtester Barockkirche sich für die Vermittlung literarischer Schätze ein. Zur Frankfurter Buchmesse im Herbst erscheint der dritte und letzte Band [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="&quot;Wer dem Maßstab, den die Besten erreichten, sich nicht stellt und nie den lähmenden Selbstzweifel kennenlernte, wird das Beste selber nie erreichen&quot;, sagt Hartmut Köhler. Foto: privat" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/hartmut-k%C3%B6hler.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47289" title="&quot;Wer dem Maßstab, den die Besten erreichten, sich nicht stellt und nie den lähmenden Selbstzweifel kennenlernte, wird das Beste selber nie erreichen&quot;, sagt Hartmut Köhler. Foto: privat" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/hartmut-köhler-150x112.jpg" alt="" width="150" height="112" /></a>Während Kulturinstitutionen, die lange Jahre selbstverständlich waren, diskutiert und in den Strudel einer ausgereiften Bestands- und Legitimationskrise hineingezogen werden, setzt ein emeritierter Romanistikprofessor der Trierer Universität in der Ruhe einer Altbauwohnung im Umkreis von Triers berühmtester Barockkirche sich für die Vermittlung literarischer Schätze ein. Zur Frankfurter Buchmesse im Herbst erscheint der dritte und letzte Band der Neuübersetzung von Dante Alighieris &#8220;La Commedia&#8221; (&#8220;Die Göttliche Komödie&#8221;) von Hartmut Köhler.<span id="more-47127"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Vor genau fünf Jahren teilte der Verlagsleiter von Reclam Stuttgart dem inzwischen doppelt so lang in der Römerstadt wohnenden Romanisten mit, er strebe für sein Unternehmen eine eigene Übersetzung von Dantes berühmtem Epos in hundert Gesängen an. Wer das machen solle, fragte Köhler. Ja, er! Köhler besann sich nicht. Das war ein Auftrag nach seinem Gusto. Weit über ein Jahr brauchte er für jeden Band. Die Teile &#8220;Inferno/Hölle&#8221; und &#8220;Purgatorio/Läuterungsberg&#8221; sind erschienen, das &#8220;Paradies&#8221; bedarf noch einiger Eingriffe, in fünf Wochen gibt es Druckfahnen und weitere Durchsichten folgen. Viel zu tun bis zum Herbst.</p>
<p>Köhler bestätigt, dass es ihm bei seiner Übersetzertätigkeit, für die er Preise erhielt, (keineswegs um diese, sondern) darum geht, Spitzenwerke der Literatur dem Publikum ohne Anbiedern nahezubringen. Was nützt es, Dante als Krone der italienischen Dichter und seine &#8220;Commedia&#8221; als Grundlage und frühe Gipfelleistung der Literatur seines Landes nennen zu hören? Ungeachtet eines halben Hunderts deutscher Übersetzungen dürften nicht viele Leser hierzulande das Werk wirklich kennen. Wer wie der Unterzeichnete anhand einer älteren Übersetzung bis ins Paradies vorgedrungen sei, gehöre vermutlich schon zu den seltenen Ausnahmen. Was bedeutet der Ruhm eines Werks unter solchen Voraussetzungen anderes als eine nachgesprochene Formel und ein Ärgernis allen, die mit Klassifizierungen nichts am Hut haben und es als eine lästige bildungsbürgerliche Altlast empfinden, die Lobeshymnen der Altvorderen zu wiederholen?</p>
<p>Aber Dante ist lesenswert, seine Faszinationskraft trägt, seine Darstellung erstaunt. Ja, derb und von unmittelbaren Temperamentsausbrüchen sei sie, da brauche man keinen draufzusetzen, so Köhler.</p>
<p>Die Ausgabe, deren erster Teil inzwischen die Fachmedien durchlaufen hat und mit höchsten Empfehlungen ausgestattet wurde, beansprucht zu lesen mehr Zeit, als die Vorbereitung auf diesen Artikel zulässt. Köhler sieht von einer Nachbildung des Danteschen Versmaßes (Terzinen) ab und entscheidet für eine Prosa, die genau und subtil die gedanklichen Wendungen wiedergibt. Verständlichkeit und Plastizität der Übersetzung werden von der Fachpresse wie von Kunden beispielsweise auf der <a href="http://www.amazon.de/Commedia-Die-g%C3%B6ttliche-Kom%C3%B6die-Italienisch/dp/3150107504/ref=sr_1_6?ie=UTF8&amp;qid=1327361825&amp;sr=8-6" target="_blank">Amazon-Seite</a> übereinstimmend betont, der am Seitenende mitgelieferte Kommentar als hilfreich und benutzerfreundlich gerühmt (&#8220;fast noch spannender als das Meisterwerk selbst&#8221;, so eine vereinzelte Kundenstimme bei Amazon).</p>
<p>Köhlers Vorgehen ist sich gleich geblieben, wie der Blick auf seine Übersetzungen von Molières &#8220;Tartuffe&#8221; und &#8220;Misanthrope&#8221; und Corneilles &#8220;Cid&#8221; zeigt (auch so ein grandioses Werk, das kaum jemand kenne). Der 1986 in der zweisprachigen Reclam-Reihe erschienene, verschwenderisch kommentierte &#8220;Tartuffe&#8221;-Band übersetzt die Verse ebenfalls in Prosa. Köhler sagt, er habe die Übertragung als Musterstück für seine Studenten angefertigt, für die Verwendung als Bühnenfassung sei sie nicht sprechbar genug.</p>
<p>Beim stillen Lesen zeigt sie indessen Vorzüge, die der des Französischen mindermächtige Molière-Freund nicht entbehren möchte: sie schmiegt sich den Gedanken des Dichters an wie eine dicht, aber nicht beengend anliegende zweite Haut. Es treten Nuancen zutage, die in Versübersetzungen, formalem Effekt zuliebe, verblassen. Köhlers unprätentiöse Arbeit kommt dem Gemeinten näher, die Charaktertypen schälen sich profilierter heraus. Etwa der Valère als jugendlicher Held und Liebhaber gegenüber dem gleichaltrigen Damis, der, direkt, aufbrausend, den Typus des zornigen jungen Mannes verkörpert. Oder die tartuffomane Mutter Pernelle, in Köhlers Prosa weniger ungestüm loslegend als anderswo, dadurch aber eben auch noch die Dame von Welt, die Distanz dadurch ausdrückt, dass sie ihre Kritik mit Wendungen durchsetzt, die überbrücken und hinhalten. Weniger Pointe ist hier mehr Pointe.</p>
<p>In Gesprächen, die in kulturell interessierten Privathäusern derzeit häufig stattfinden, bildet die Krise der Institutionen ein aktuelles Thema. Strömen die Menschen in Sportarenen, wenn sie dort keine Höchstleistung erwarten? Es stimmt, im Sport sind Höchstleistungen einfach messbar. Mit modernen Stoppuhren auf Hundertstelsekunden genau. Um bei Höchstleistungen in Literatur, Musik, Bildender Kunst, Wissenschaft, Schauspiel, Operngesang mitzukommen, bedarf es eines differenzierteren Zugangs. Selbstverständlich gibt es diese Höchstleistungen. Wenn sie aber als elitär verschrien und durch Beliebigkeitsevents mit einfachem Wiedererkennungswert ersetzt werden, geht der gesellschaftliche Konsens über kulturelle Qualität – und am Ende der Sinn jeder öffentlich subventionierten Kultur – verloren. Wir sind diesem Zustand nahe.</p>
<p>Wer, so der Professor, dem Maßstab, den die Besten erreichten, sich nicht stellt und nie den lähmenden Selbstzweifel kennenlernte, wird das Beste selber nie erreichen. Im Gespräch werden einige Säulenheilige der aktuellen Literaturszene genannt, die schwerlich eines ihrer Bücher eingereicht hätten, wenn sie die Meisterleistungen der Jahrhunderte je verinnerlicht hätten: Meisterleistungen wie die meisterhaft übertragenen Texte von Molière, Corneille, Calderon, Dante.</p>
<p><em>Beiträge und Übersetzungen von Hartmut Köhler bei Reclam finden Sie <a href="http://www.reclam.de/search?query=hartmut+k%F6hler&amp;submit_search.x=0&amp;submit_search.y=0&amp;submit_search=Submit" target="_blank">hier</a>.</em></p>
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		<title>Der Naidoo von nebenan</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 02:10:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Jöricke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie in den meisten Hallen, in denen Tim Bendzko auftritt, war auch die Europahalle am Donnerstagabend ausverkauft. &#8220;Tim, wer?&#8221;, dürfte jetzt der ein oder andere fragen, der das Musikgeschehen im vergangenen Jahr nur am Rande verfolgt hat. Wer jedoch in den letzten Monaten auch nur sporadisch einen Radiosender mit populärer Musik gehört hat, dem wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="&quot;Muss nur noch kurz die Welt retten, danach flieg' ich nach Trier&quot;, sang Tim Bendzko seinen Hit zur Freude der Fans in leicht modifizierter Fassung. Foto: Christian Jöricke" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/bendzko.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47196" title="&quot;Muss nur noch kurz die Welt retten, danach flieg' ich nach Trier&quot;, sang Tim Bendzko seinen Hit zur Freude der Fans in leicht modifizierter Fassung. Foto: Christian Jöricke" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/bendzko-150x101.jpg" alt="" width="150" height="101" /></a>Wie in den meisten Hallen, in denen Tim Bendzko auftritt, war auch die Europahalle am Donnerstagabend ausverkauft. &#8220;Tim, wer?&#8221;, dürfte jetzt der ein oder andere fragen, der das Musikgeschehen im vergangenen Jahr nur am Rande verfolgt hat. Wer jedoch in den letzten Monaten auch nur sporadisch einen Radiosender mit populärer Musik gehört hat, dem wird die eingängige Nummer &#8220;Nur noch kurz die Welt retten&#8221; wohl nicht entgangen sein. Nicht nur mit diesem Hit sorgte Bendzko für gute Stimmung bei den 2000 Fans. Dem Konzertveranstalter hatte es jedoch schon vor dem Auftritt die Laune verhagelt.<span id="more-47188"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Ingo Popp sollte eigentlich guter Dinge sein. Die Nachfrage an Karten für den Auftritt von Shooting-Star Tim Bendzko war so groß, dass der Konzertveranstalter den Gig frühzeitig von der Tufa in die Europahalle verlegen musste. Popp ist jedoch stinksauer. Er wurde vor der Veranstaltung informiert, dass Fans 25 Tickets auf dem Schwarzmarkt erworben hatten, die online mit einer gestohlenen Kreditkarte gekauft wurden. Die Karte wurde gesperrt, der Ticketservice sah kein Geld und Popp auch nicht.</p>
<p>Um die Kartenbesitzer, deren Ticketnummern bekannt waren, ausfindig zu machen, um unter anderem Informationen über den Händler zu erfahren, wurde am Einlass etwas gründlicher kontrolliert. Die betreffenden Personen waren schnell gefunden. Der Veranstalter hätte sie abweisen können, ließ sie aber herein und verzichtete damit auf mehrere Hundert Euro. Ihn ärgerte jedoch weniger der Kartenbetrug als die Beschwerden einiger Besucher, die sich beim Einlass ein paar Minuten länger gedulden mussten. Ein Gast soll gar gesagt haben, dass es kein Wunder sei, wenn in solchen Situationen Chaos wie in Duisburg entstehe. &#8220;Das ist ein Unding, dies mit der &#8216;Love Parade&#8217; zu vergleichen&#8221;, sagt Popp und muss schwer an sich halten.</p>
<p>Beste Laune hingegen herrscht zu Konzertbeginn bei den 2000 Zuschauern. Bereits die Vorgruppe &#8220;F.R.&#8221; wird lautstark gefeiert. Dann gibt es sogar noch eine Überraschung für das Publikum und für den Rapper Fabian Römer, während er &#8220;Bester Freund&#8221; singt. Tim Bendzko und Band kommen mit einem Kuchen auf die Bühne, um dem Frontmann zum Geburtstag zu gratulieren. Bendzko und Römer waren mal WG-Mitbewohner. Später werden sie gemeinsam den Ohrwurm &#8220;Nur noch kurz die Welt retten&#8221; und &#8220;Zweifellos&#8221; singen.</p>
<p>Man sieht deutlich – und beim Jubel kann man sogar hören –, wie sich das Publikum zusammensetzt: Es ist überwiegend weiblich. Trotz vorabendserientauglichem Gesicht ist Bendzko aber kein reiner Teenie-Schwarm. Seinen zuweilen sogar tanzbaren Soul-Pop hört sowohl die 12-Jährige auf ihrer Kompaktanlage im Kinderzimmer als auch ihre 20-jährige Schwester auf dem MP3-Player auf dem Weg zum Reitunterricht und deren 38-jährige Mutter beim Aufräumen oder Autofahren. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass es sich beim Gros der Besucher nicht um Wir-sind-nur-wegen-des-einen-Hits-hier-Fans handelt. Die Zuschauer kennen das ganze Album. Es wird eifrig mitgesungen.</p>
<p>Der unprätentiöse Berliner mit dem jazzigen Gesang und der ordentlichen, leicht nasalen Stimme, sorgt für eine gute Atmosphäre. Bis auf &#8220;Schall &amp; Rauch&#8221; stellt der 26-Jährige sein komplettes Album &#8220;Wenn Worte meine Sprache wären&#8221; vor – und noch neun weitere Titel. Nach knapp zwei Stunden verabschiedet er sich mit der beschwingten Sing-along-Nummer &#8220;Keine Zeit&#8221;.</p>
<p>Nicht nur durch seine Art zu singen erinnert Bendzko an Xavier Naidoo, dem er auch in seinem Booklet dankt. Zwar sind seine Texte konkreter und frei von Esoterik, doch musikalisch haben Stücke wie &#8220;Es wird nicht einfach sein&#8221; den typischen Naidoo-Sound. Besagte Nummer liegt jedoch wiederum so dicht an &#8220;Dieser Weg&#8221;, dass sie auch parodistisch gemeint sein könnte. Naidoo scheint Bendzkos Musik jedenfalls zu mögen. Seine &#8220;Söhne Mannheims&#8221; kürten ihn vor drei Jahren bei einem Talentwettbewerb zum Sieger. Daraufhin durfte Bendzko im Sommer 2009 vor 20.000 Zuschauern auf der Berliner Waldbühne auftreten – und sein steiler Aufstieg begann.</p>
<p><em>Am 5. August ist Tim Bendzko wieder live in Trier zu hören. Für den Auftritt im Amphitheater sind noch ausreichend Karten erhältlich.</em></p>
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		<title>Gratisblatt fürs Grenzgebiet</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 23:09:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcus Stölb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Kein zweites Land in Europa verfügt über eine größere Pressevielfalt als Luxemburg. Nun gesellt sich zu den zahlreichen Tages-, Wochen- und Gratiszeitungen noch ein Monatsblatt hinzu: DeLux wird das neue Printprodukt heißen, das am Donnerstag kommender Woche erstmals auf den Markt kommt. Die Zeitung erscheint nicht nur im Großherzogtum, sondern auf deutscher und luxemburgischer Seite, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Erscheint ab nächstem Donnerstag entlang der deutsch-luxemburgischen Grenz: Das kostenfreie Monatsblatt DeLux. " href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/DeLux.jpeg" rel="lightbox"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-47138" title="Erscheint ab nächstem Donnerstag entlang der deutsch-luxemburgischen Grenz: Das kostenfreie Monatsblatt DeLux. " src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/DeLux-95x150.jpg" alt="" width="95" height="150" /></a>Kein zweites Land in Europa verfügt über eine größere Pressevielfalt als Luxemburg. Nun gesellt sich zu den zahlreichen Tages-, Wochen- und Gratiszeitungen noch ein Monatsblatt hinzu: <em>DeLux</em> wird das neue Printprodukt heißen, das am Donnerstag kommender Woche erstmals auf den Markt kommt. Die Zeitung erscheint nicht nur im Großherzogtum, sondern auf deutscher und luxemburgischer Seite, entlang der Flüsse Mosel, Sauer und Our. Hinter dem Projekt stehen der <em>Trierische Volksfreund</em> und das Escher <em>Tageblatt</em>. Gegenüber <em>16vor</em> zeigen sich die Chefredakteurinnen Isabell Funk und Danièle Fonck zuversichtlich, dass ihr Vorhaben eine Lücke schließen wird. Auf jeden Fall ist <em>DeLux</em> ein Experiment, das auch dem verschärften Kampf auf dem grenzüberschreitenden Anzeigenmarkt geschuldet ist.<span id="more-46902"></span></p>
<p><strong>ESCH-SUR-ALZETTE/TRIER.</strong> Danièle Fonck <em></em>wird jetzt grundsätzlich: &#8220;Es ist ein Irrglaube, anzunehmen, dass Zeitungen wegen der Presseförderung existieren&#8221;, kontert die Chefredakteurin des <em>Tageblatt</em> die Frage, ob <em>DeLux</em> mit staatlicher Unterstützung rechnen könne. Fonck ergänzt: &#8220;Diese Presseförderung besteht im Interesse des Pressepluralismus und ist an sehr präzise Bedingungen geknüpft.&#8221; Und was das jüngste Produkt aus ihrem Hause anbelangt, stellt sie klar: Die Zeitung erfüllt keine der Bedingungen, &#8220;das war auch nicht das Ziel&#8221;.</p>
<p>Staatliche Presseförderung, wie sie Luxemburgs Abo-Zeitungen erhalten, fließt also keine, wenn heute in einer Woche die beiden Medienhäuser <em>Trierischer Volksfreund</em> und <em>Editpress</em> mit ihrem neuen Blatt herauskommen werden. So viel lässt sich vor Erscheinen bereits sagen: Die neue Zeitung wird in mancherlei Hinsicht einzigartig sein. Zehn Ausgaben sind für 2012 geplant. Im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitungsformat" target="_blank">Berliner Format</a>, wie es auch Blätter wie <em>Le Monde</em> oder die <em>tageszeitung (taz)</em> <em></em>verwenden, wird <em>DeLux</em> erscheinen. Geplant ist eine Auflage von 70.000 Exemplaren. &#8220;Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Perl nach Vianden auf beiden Seiten der Grenzflüsse Mosel, Sauer, Our&#8221;, erläutert <em>TV</em>-Chefredakteurin Isabell Funk. Jeweils 35.000 Exemplare sollen auf luxemburgischer und deutscher Seite kostenfrei verteilt werden.</p>
<p>Ein Gratisblatt fürs Grenzgebiet? Auf einem Markt, der zumindest auf luxemburgischer Seite mehr als gesättigt scheint. Kein zweites Land in Europa kann eine größere Pressevielfalt vorweisen, als das Großherzogtum. Schon heute erscheinen hier sechs Tageszeitungen, außerdem mehrere Wochenblätter und Magazine<em></em><em></em>. Es gibt eine wöchentliche Satirezeitung und seit ein paar Jahren auch ein Boulevardblatt. Welche Blüten der Blätterwald des Großherzogtums mitunter treibt, ließ sich vor einem Jahrzehnt beobachten: Innerhalb weniger Wochen gingen der <em>Wort</em>-Verlag Saint-Paul und <em>Tageblatt</em>-Produzent Editpress mit<em> La Voix du Luxembourg</em> und <em>Le Quotidien</em> an den Start. Keiner der Konkurrenten wollte dem anderen das Feld überlassen. Die Konsequenz: Die Auflage beider Zeitungen bewegt sich seither im Bereich der 5.000er-Marke, womit <em>Voix</em> und <em>Quotidien</em> noch nicht die auflagenschwächsten sind: Das liberale <em>Lëtzebuerger Journal</em> setzt nicht mehr Exemplare ab, die kommunistische <em>Tageszeitung vum Lëtzebuerger Vollek</em> liegt mit ihrer Auflage sogar weit darunter. Mag Danièle Fonck auch etwas anderes behaupten: Ohne Presseförderung wären einige Blätter wohl kaum überlebensfähig.</p>
<p>Zumal seit dem Herbst 2008 auch ein Kampf auf dem Gratiszeitungsmarkt tobt: Kaum war Editpress mit <em>L&#8217;essentiel</em> auf dem Markt, zog Saint-Paul mit <em>Point24</em> nach. Beide Blättchen richten sich an Pendler, nicht zuletzt an die mehreren Zehntausend Grenzgänger, die täglich mit Bussen und Bahnen aus den Nachbarländern anreisen. Den Sprung über die Grenze haben diese Gratiszeitungen noch nicht geschafft, sieht man von einigen Zeitungsboxen an belgischen Bahnhöfen ab. Dem Vernehmen nach gibt es aktuell auch keine Pläne, <em>L&#8217;essentiel</em> oder <em>Point24</em> an deutschen Bahnhöfen zwischen Igel und Schweich zu verteilen.</p>
<p><strong>&#8220;Das ist Europa&#8221;</strong></p>
<p>Die neue Monatszeitung wird mit den bestehenden Angeboten wenig gemein haben. &#8220;Mit <em>DeLux</em> nehmen wir am Zusammenwachsen einer Region teil&#8221;, begründet Fonck etwas pathetisch das Vorhaben. Und Funk berichtet: &#8220;<em>DeLux</em> entstand aus der Idee einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen zwei Verlagshäusern in Zeiten, in denen Europa auf die Themen Staatenkrisen, Rettungsschirme et cetera reduziert wird.&#8221; Schon heute tauschen die beiden Zeitungen Texte aus, meist werden ältere Stücke des <em>Tageblatt</em> im <em>Volksfreund</em> recycelt. Für die Menschen links und rechts von Mosel, Sauer und Our sei die EU &#8220;eben kein abstraktes Staaten- und Wirtschaftskonstrukt, sondern Alltag. Die täglichen Pendlerströme, der Waren- und Dienstleistungsaustausch, der Kultur-, Gastronomie- und Ausflugstourismus auf ganz kleinem Raum sprechen eine deutliche Sprache. Dieses Lebensgefühl wollen wir in <em>DeLux</em> spiegeln&#8221;.</p>
<p>Doch mit dem grenzregionalen Lebensgefühl ist das so eine Sache. Zwar nutzen immer mehr Deutsche das Kulturangebot des Nachbarlands, doch für das Gros der deutschen Grenzgänger dürfte Luxemburg nach wie vor ausschließlich Arbeitsstätte und Tankstelle sein. Zumindest fällt auf, dass sich viele Pendler kaum für das interessieren, was im Großherzogtum geschieht. Umgekehrt sieht es nicht viel besser aus: Seine Landsleute hätten wenig Interesse daran, zu erfahren, was sich jenseits der Grenze abspiele, erklärt der Chefredakteur einer Luxemburger Zeitung. Einzig die Öffnungszeiten Trierer Parkhäuser oder die Eröffnung eines neuen Geschäfts sei für sie von Belang. Schwerpunkthema der ersten Ausgabe von <em>DeLux</em> wird die Frage sein: &#8220;Was kostet das Leben?&#8221;. Geplant ist ein Vergleich der Lebenshaltungskosten in beiden Ländern, von Miet- über Lebensmittel bis hin zu Freizeitkosten, kündigen die Verlage an.</p>
<p>&#8220;Wir als Herausgeber glauben an das Zusammenwachsen der Grenzregion&#8221;, sagt Fonck, &#8220;das ist Europa!&#8221; Woran sie nicht glaubt: Dass es einen Verdrängungswettbewerb geben wird. &#8220;Gutgemachte, interessante, nützliche und intelligente Zeitungen werden noch mehr Leserinteresse wecken, als das bisher der Fall ist&#8221;, ist die <em>Tageblatt</em>-Chefredakteurin überzeugt. Solcher Aussagen zum Trotz: Natürlich geht es beiden Medienhäusern auch darum, auf dem immer härter umkämpften Anzeigenmarkt weiter vorne mitzumischen. Und auch wenn <em>DeLux</em> keine luxemburgische Zeitung verdrängen wird, so wird auf doch zumindest auf dem Werbesektor die Luft dünner.</p>
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		<title>Kein Abwärtstrend im Theater</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 07:32:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Jöricke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach einigen unerfreulichen Nachrichten in den vergangenen anderthalb Jahren wie der Einstellung der Antikenfestspiele, der Spielzeitbilanz 2009/10, der ungeklärten Finanzierung der Theatersanierung und der Forderung nach drastischen Einsparungen gab es gestern bei der Präsentation der Zuschauerzahlen der vergangenen Saison eine erfreuliche Mitteilung in Bezug auf das Trierer Theater: Trotz anspruchsvollem Spielplan kamen wieder mehr Besucher. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Verwaltungsdirektorin Heidi Schaefer, Kulturdezernent Thomas Egger und Intendant Gerhard Weber stellten gestern die Besucherzahlen für die Theaterspielzeit 2010/11 vor. Foto: Christian Jöricke" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/theater-trio.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47116" title="Verwaltungsdirektorin Heidi Schaefer, Kulturdezernent Thomas Egger und Intendant Gerhard Weber stellten gestern die Besucherzahlen für die Theaterspielzeit 2010/11 vor. Foto: Christian Jöricke" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/theater-trio-150x100.jpg" alt="" width="150" height="100" /></a>Nach einigen unerfreulichen Nachrichten in den vergangenen anderthalb Jahren wie der Einstellung der Antikenfestspiele, der Spielzeitbilanz 2009/10, der ungeklärten Finanzierung der Theatersanierung und der Forderung nach drastischen Einsparungen gab es gestern bei der Präsentation der Zuschauerzahlen der vergangenen Saison eine erfreuliche Mitteilung in Bezug auf das Trierer Theater: Trotz anspruchsvollem Spielplan kamen wieder mehr Besucher.<span id="more-47108"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Euphorie klingt anders: &#8220;Ich bin nicht unzufrieden damit, aber es ist auch nicht alles Butter&#8221;, kommentiert Thomas Egger die Bilanz der Theaterspielzeit 2010/11. Langfristig wünsche er sich, dass die 100.000er-Marke ohne die Konzertbesucher übertroffen werde. In der vergangenen Saison waren es knapp 95.000. Immer wieder relativieren Einschränkungen sein Lob. &#8220;Wir haben immer noch gutes, qualitativ hochwertiges, Freude machendes Theater.&#8221; Für den stets Optimismus verbreitenden Theaterintendanten Gerhard Weber sind solche Aussagen des Kulturdezernenten dennoch &#8220;Balsam&#8221;.</p>
<p>Bei seinen Ausführungen hat Egger die schwierige Gesamtsituation der Einrichtung im Hinterkopf. In diesem Jahr muss das Theater mehrere Hunderttausend Euro einsparen, zudem ist noch unklar, wie dessen überfällige Sanierung finanziert werden soll. Hinzu kommt, dass sich der Kulturdezernent zunehmend Kritik ausgesetzt sieht, weil sich auf einigen Baustellen in diesem Bereich – wie die 2010 angekündigte Änderung der Kartenpreis-Struktur oder der Verbesserung des Marketings – anscheinend wenig tut. Egger erklärt dies damit, dass er sich lieber mehr Zeit für eine Sache lasse, die dann auch funktioniere, als schnell Entscheidungen zu treffen, die sich als falsch erwiesen. Er schließt seine Ansprache mit einem großem Versprechen: &#8220;Am Ende meiner Amtszeit werden wir ein zukunftsfähiges Theater haben.&#8221; Das wird 2018 sein.</p>
<p>Einen kleinen Schritt in diese Richtung ist dem Theater in der vergangenen Spielzeit gelungen. &#8220;Wir haben den Abwärtstrend aufhalten und die Zuschauerzahlen wieder nach oben drücken können&#8221;, verkündet Weber. Zwar liegt die Gesamtzahl der Besucher mit knapp 103.000 fast genauso hoch wie im Vorjahr, wo das <a href="http://www.16vor.de/index.php/2011/03/31/in-der-tat-nicht-prickelnd/" target="_blank">schlechteste Ergebnis in der Geschichte des Theaters</a> erzielt wurde, doch sind in dieser Zahl noch die 7000 Gäste der Antikenfestspiele enthalten, die es seitdem nicht mehr gibt.</p>
<p>&#8220;Es hätte besser sein können&#8221;, sagt der Intendant. &#8220;Aber es war ein sehr anspruchsvoller Spielplan. Das sieht man auch an den Zahlen.&#8221; So verzeichnete die deutsche Erstaufführung von Salman Rushdies &#8220;Mitternachtskinder&#8221; nur 2124 Besucher, was einer Auslastung von 42,9 Prozent entspricht. Auch die zweite deutsche Erstaufführung der Spielzeit, die Oper &#8220;The Voyage&#8221; von Philip Glass, zog nicht die Massen. 1638 Menschen (Auslastung 37,7 Prozent) sahen das Stück im Großen Haus.</p>
<p>Musicals und Operetten lassen traditionell das Publikum ins Trierer Theater strömen. Das war auch 2010/11 nicht anders. 16.104 Zuschauer (89,6 Prozent) kamen zur &#8220;Rocky Horror Show&#8221;, 10.291 (87,4 Prozent) zu &#8220;My fair Lady&#8221;. Sven Grützmachers Uraufführung &#8220;Dance around the World&#8221; war mit 5662 Besuchern (83 Prozent) das beliebteste Stück der Sparte &#8220;Tanztheater&#8221;. Ins Schauspiel lockte die meisten Gäste Brechts &#8220;Mutter Courage und ihre Kinder&#8221; (4898, 79 Prozent).</p>
<p>Beste Auslastung hatten die eigenen Konzerte im Großen Haus: So waren die Spielzeiteröffnungsgala, das Neujahrskonzert und die Operngala mit Franz Grundheber nahezu ausverkauft. Knapp 8000 Besucher verfolgten in der vergangenen Saison die Heimspiele des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier. Zusammen mit den 2645 Gästen im Studio wuchs die Zahl der Zuschauer der eigenen Aufführungen und Konzerte um 5000. Allerdings gab es mit insgesamt 374 Veranstaltungen auch 20 mehr als im Vorjahr.</p>
<p>Zu einer Halbzeitanalyse der laufenden Spielzeit ließ sich Gerhard Weber nicht verleiten. 17.000 Besucher der &#8220;West Side Story&#8221; sorgten im vergangenen Sommer jedenfalls schon mal für einen Traumstart.</p>
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		<title>Stadtmuseum und 16 VOR starten Wunschführungen</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 23:01:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Jöricke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Stadtmuseum Simeonstift hat sich auf die Fahnen geschrieben, Zeugnisse der vergangenen Jahrhunderte mit einem Bezug zur Stadt zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Weil der Name 16vor nicht zufällig auch der Geschichte Triers Rechnung trägt, möchten wir dies unterstützen. Darum veranstalten wir gemeinsam mit dem Stadtmuseum die Reihe &#8220;16vor-Führung&#8221;. Rund 14 Tage vor diesen Wunschführungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Die Themen &quot;Uhren und Zeit&quot;, &quot;Kino und Film vor 100 Jahren in Trier&quot; und &quot;Zeitgenössische Fotografie aus Trier&quot; werden zur ersten 16vor-Führung angeboten. Fotos: Stadtmuseum Simeonstift" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/16vor-F%C3%BChrung.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47052" title="Die Themen &quot;Uhren und Zeit&quot;, &quot;Filme aus Trier um 1900&quot; und &quot;Zeitgenössische Fotografie&quot; werden zur ersten 16vor-Führung angeboten. Fotos: Stadtmuseum Simeonstift" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/16vor-Führung-150x118.jpg" alt="" width="150" height="118" /></a>Das <a href="http://www.museum-trier.de/home.html?no_cache=1" target="_blank">Stadtmuseum Simeonstift</a> hat sich auf die Fahnen geschrieben, Zeugnisse der vergangenen Jahrhunderte mit einem Bezug zur Stadt zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Weil der Name <em>16vor</em> nicht zufällig auch der Geschichte Triers Rechnung trägt, möchten wir dies unterstützen. Darum veranstalten wir gemeinsam mit dem Stadtmuseum die Reihe &#8220;<em>16vor</em>-Führung&#8221;. Rund 14 Tage vor diesen Wunschführungen können Interessierte auf unserer Seite eine Woche lang über drei Themen abstimmen. Das mit den meisten Stimmen wird dann angeboten. Die erste <em>16vor</em>-Führung findet am Sonntag, 29. Januar, um 11.30 Uhr statt. Abgestimmt werden kann ab sofort.<span id="more-47048"></span></p>
<p>Folgende Themen stehen zur Auswahl:</p>
<p><strong>Uhren und Zeit in der Kunst</strong></p>
<p><a title="Pendule &quot;Ceres mit Sichel&quot; (um 1800). Stadtmuseum Simeonstift Trier" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/Uhr-Ceres-2.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47060" title="Pendule &quot;Ceres mit Sichel&quot; (um 1800). Stadtmuseum Simeonstift Trier" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/Uhr-Ceres-2-106x150.jpg" alt="" width="106" height="150" /></a>Die Zeit ist ein Thema, das Menschen seit Jahrhunderten fasziniert. Wie lässt sie sich bestimmen, wie exakt messen? Sonnenuhren, häufig zentral auf öffentlichen Plätzen aufgestellt, sind frühe Zeugnisse der ersten Versuche. Später waren Uhren an Kirchtürmen weithin sichtbar und vermittelten auch akustisch, welches Stündlein gerade schlug. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde es dann modern – und war ein Zeichen von Wohlstand und Ansehen –, seine eigene Uhr zu besitzen. Aufwändig verzierte Pendulen schmückten heimische Schreibtische und Kaminsimse, sogenannte Bilderuhren, Gemälde mit integriertem Uhrwerk, zierten die Wand. Penibel achtete man darauf, dass solch’ prächtige Objekte auch auf Porträts im Hintergrund zu sehen waren. Noch heute beschäftigen sich Künstler mit dem Thema Zeit und Zeitempfinden, integrieren es in Performances oder fragen, wie Zeit sich darstellen lässt.</p>
<p>In der Führung würden ausgewählte Uhren und Gemälde näher vorgestellt werden. Im vergangenen Jahr erhielt das Stadtmuseum eine großzügige Schenkung von 14 überwiegend französischen Kaminuhren, die derzeit im Depot lagern. Anlässlich der Führung würden einige besonders prunkvolle Exemplare eigens herausgeholt werden.</p>
<p><strong>Kino und Film vor 100 Jahren in Trier</strong></p>
<p><a title="Standbild vom Festumzug auf der Simeonstraße zum 100. Geburtstag der Kaiserin Augusta. im Jahr 1911. Stadtmuseum" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/still-festumzug1.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47054" title="Standbild vom Festumzug auf der Simeonstraße zum 100. Geburtstag der Kaiserin Augusta. im Jahr 1911. Stadtmuseum" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/still-festumzug1-150x110.jpg" alt="" width="150" height="110" /></a>Ein Film über eine Autofahrt durch die Porta zum Bahnhof klingt heute nicht so spektakulär. Wenn die Aufnahmen jedoch aus dem Jahr 1904 stammen, als Autos noch nicht zum Alltagsbild gehörten, ist dies ungewöhnlich. Der Trierer Film- und Kino-Pionier Peter Marzen zeichnet für diese bewegenden und bewegten Bilder verantwortlich. Das &#8220;Trier-Kino&#8221; im Stadtmuseum verfügt über vier Filme von Marzen, der als Wanderkinobesitzer durch die Lande zog, bevor er 1909 in Trier sein erstes ortsfestes Kino eröffnete und dort allabendlich das Publikum mit einem bunt gemischten Programm aus kurzen Trickfilmen, wilden Eisenbahnfahrten, Ansichten fremder Länder, kleinen Possen und kurzen dramatischen Szenen beglückte.</p>
<p>Die Medienwissenschaftlerin Brigitte Braun würde in der Führung die Filme kommentieren und eine Einführung in die Zeit und das Leben von Marzen geben. Die Beiträge dauern maximal sieben Minuten und stammen aus den Jahren 1902 bis 1919.</p>
<p><strong>Zeitgenössische Fotografie aus Trier</strong></p>
<p><a title="Rut Blees Luxemburg: Trier 1999 (1999). Stadtmuseum Simeonstift Trier" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/Blees-Luxemburg-Trier-1999.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-47055" title="Rut Blees Luxemburg: Trier 1999 (1999). Stadtmuseum Simeonstift Trier" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/Blees-Luxemburg-Trier-1999-150x118.jpg" alt="" width="150" height="118" /></a>Die dritte Führung hat die Stadt Trier im Fokus, denn auch zeitgenössische Fotoarbeiten findet man im Stadtmuseum Simeonstift. Im Jahr 1999 bat das Museum ausgewählte Fotokünstler, Aufnahmen von Trier zu machen. Das Ergebnis überraschte, denn entstanden sind außergewöhnliche Ansichten, die gerade nicht die typischen Motive wie Porta Nigra, Dom oder Kaiserthermen zeigen. Stattdessen spiegeln die technisch perfekten Arbeiten einen sehr persönlichen und künstlerischen Blick auf Trier wider: menschenleere Straßen bei Nacht, mittelalterliche und moderne Gebäude in der Gegenüberstellung oder eigenwillig herausgegriffene Details, die schon fast in die Abstraktion gehen. Meist muss man zwei Mal hingucken, um das eigentlich bekannte und sehr vertraute Motiv zu erkennen.</p>
<p>In der ständigen Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift sind derzeit Fotografien von Rut Blees Luxemburg, Karola Perrot und Byrd Williams ausgestellt. Zusätzlich erwarb das Museum jüngst noch weitere Arbeiten der Triererin Karola Perrot, die bislang noch nicht im Museum zu sehen waren. Anlässlich der Führung würden diese Arbeiten ebenfalls gezeigt. Ein exklusiver Blick auf ungewöhnliche Trier-Ansichten.</p>
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		<title>Kindergarten im Stadttheater</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 23:50:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathrin Schug</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur & Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Film und Theater – zwei, deren Beziehung kompliziert sein kann. Ihr jüngstes Aufeinandertreffen ist im Trierer Theater zu sehen, dort feierte am vergangenen Samstag Til Schweigers Kinohit &#8220;Keinohrhasen&#8221; in einer Regiefassung von Michael Ophelders Premiere. Ein ausverkauftes Haus und langer Applaus für eine Inszenierung, in der man das Theater nur noch erahnen konnte. TRIER. Ganz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Ludo Decker (Tim Olrik Stöneberg) und Anna Gotzlowski (Alina Wolff) &quot;trinken Kaffee&quot;. Foto: Marco Piecuch" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/DSC1614_1.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-46864" title="Ludo Decker (Tim Olrik Stöneberg) und Anna Gotzlowski (Alina Wolff) &quot;trinken Kaffee&quot;. Foto: Marco Piecuch" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/DSC1614_1-150x98.jpg" alt="" width="150" height="98" /></a>Film und Theater – zwei, deren Beziehung kompliziert sein kann. Ihr jüngstes Aufeinandertreffen ist im Trierer Theater zu sehen, dort feierte am vergangenen Samstag Til Schweigers Kinohit &#8220;Keinohrhasen&#8221; in einer Regiefassung von Michael Ophelders Premiere. Ein ausverkauftes Haus und langer Applaus für eine Inszenierung, in der man das Theater nur noch erahnen konnte.<span id="more-46863"></span></p>
<p><strong>TRIER</strong>. Ganz zu Anfang, für wenige Minuten, durfte man hoffen, dass es anders werden würde. In einem prologhaften Auftakt waren alle Schauspieler um einen kleinen Tisch in der Bühnenmitte versammelt und schwadronierten über den Film &#8220;Keinohrhasen&#8221;, über Til Schweiger und Jürgen Vogel, schoben sich spielerisch die Rollen zu: &#8220;Jemand muss mal das Kind spielen, wer spielt das Kind?&#8221; – &#8220;Erinnert ihr euch an diese erste Szene, dieses Interview mit Jürgen Vogel? Kommt, das spielen wir mal nach!&#8221; Da blitzte Spielfreude auf, da strahlten Ideen von Verfremdung und Meta-Ebenen. Es war nur ein kurzes Intermezzo, in dem man glauben durfte, dass hier ein Ensemble einen interessanten Zugang zu einer filmische Vorlage gefunden hat, die für nicht Wenige das endgültige Versinken des deutschen Films in der völligen Bedeutungslosigkeit markiert.</p>
<p>Mit der filmischen Vorlage hatte Til Schweiger vor vier Jahren Kinogeschichte geschrieben. Mehr als sechs Millionen Zuschauer rannten in die Lichtspielhäuser, um sich die &#8220;deutsche Liebeskomödie&#8221; um den rücksichtslosen Klatschreporter Ludo Decker und die verstockte Kindergärtnerin Anna Gotzlowski anzuschauen. Um es kurz zu machen: Rüpel-Reporter muss Sozialstunden in Kinderhort ableisten, trifft auf Chefin Anna Gotzlowski, die er als Kind gerne mal gründlich gedemütigt hatte. Am Ende sind sie verliebt, zwischendurch werden im Hort Hasen genäht, die keine Ohren haben. Platter als die Handlung sind nur die Zeichnungen der Charaktere. Der Psychologie einer Figur wie Anna Gotzlowski, die als erwachsene Frau immer noch den Habitus einer fünfjährigen Motzkuh pflegt, möchte man sich nicht einmal in Handschuhen nähern.</p>
<p>Wenn man nun fragt, wie das Stück in der Trierer Regiefassung von Regisseur Michael Ophelders auf die Bühne gebracht wurde, darf man ruhigen Gewissens antworten: Sehr werktreu. Die Adaption für das Theater entpuppt sich in diesem Fall als imitierende Vollplayback-Show, die sich an der Filmvorlage entlang hangelt. Die Schauspieler bedienen sich nicht nur der wörtlichen Textvorlagen aus dem Film, auch bei ihrem Spiel regiert die Imitation: Sprachduktus, Betonungen, Pausen – die Tonspur könnte auch aus dem Film stammen. Hier und da werden Wortwitze mit Lokalkolorit eingestreut, die man sich besser gespart hätte: Da war Manfred-Paul Hänig zum &#8220;Fettaufbau&#8221; in kalifornischen Fitness-Studios, da werden die Zuschauer aufgefordert, ihre Arme zu wiegen &#8220;wie Korallen in der Mosel&#8221;, da wird dem Reporter Ludo nach seiner Kündigung bei der Zeitung empfohlen, doch mal beim <em>Volksfreund</em> anzuheuern. Als zum Ende der Vorstellung bunte Ballons durch den Saal fliegen, wähnt man sich endgültig in der Kinderbetreuung angelangt.</p>
<p>Das Spiel auf der Bühne bleibt währenddessen über die gesamte Dauer der Inszenierung merkwürdig schal, Haltungen sind kaum erkennbar, die Wege wirken technisch, das Gesagte nur gesagt. Plastiktheater, ohne jede Aura, beliebig austausch- und ersetzbar. In seiner Unfähigkeit, sich von der inhaltlich und ästhetisch dünnen Vorlage zu emanzipieren, ist der Abend vor allem eines: langweilig. Keine schönen Bilder, ein überladenes Bühnenbild, Kostüme, die sich der großen Imitationsparade anschließen und sich recht uninspiriert an die Ausstattung des Filmes anlehnen. So wird die Produktion unfreiwillig zum Lehrstück darüber, wie eine Filmadaption auf der Bühne nicht glückt. Auch die Dialoge, die im Film funktionieren mögen, wenn Nora Tschirner mit Til Schweiger am Kai flaniert – auf der Bühne fehlt ihnen jede Dynamik, jede Spannung. Die Texte wirken gepresst, man hört ihnen an, dass sie nicht für das Sprechen auf der Bühne verfasst wurden. Das Schauspiel scheint dazwischen keinen Platz zu haben; was schade ist, weil man bei fast allen Darstellern weiß, dass sie es eigentlich besser können.</p>
<p>Eine Sonderstellung nimmt hier Alina Wolff ein, der Neuzugang am Theater Trier, die frisch von der Rostocker Schauspielschule engagiert wurde und an diesem Abend ihr Debüt auf der großen Bühne gab. Dass sie dies in einem derart glanzlosen Zusammenhang tun muss, ist bedauerlich. Vor allem in der ersten Hälfte spielt sie ihre verstockte und ungelenke Rolle wenig facettenreich, mit der verlässlichen bockigen Aura und den vor der Brust verschränkten Armen, die schon bei Nora Tschirner nervte. Erst nach der Pause konnte man hier und da erahnen, dass es mit dem jungen Neuzugang noch echte Sternstunden eines interessanten Spiels geben wird. Tim Olrik Stöneberg hatte weniger Probleme, sich den Womanizer-Duktus anzueignen. Die fade Til-Schweiger-Imititation ließ aber auch hier keinen Raum für Überraschungen oder Unvorhergesehenes. Die Trierer Regiefassung von Michael Ophelders vereint 24 Nebenrollen auf vier weitere Ensemblemitglieder: Manfred-Paul Hänig, Barbara Ullmann, Vanessa Daun und Christian Miedreich spielen alles, was sonst noch so anfällt: Vom Hortkind bis zum Hochzeitspaar Catterfeld-Klitschko. Eine Orgie der Verwandlungen, die stellenweise amüsant ist und auch dementsprechend vom Publikum goutiert wird – das Stück rettet dieser Kunstgriff allerdings nicht.</p>
<p>Am Ende bleibt die Frage, ob man wirklich nichts Besseres aus diesem Stoff hätte machen können. Wenn man diese auch nach langem Nachdenken mit einem Nein beantworten muss, weil die Vorlage so gar keine Fragestellung von gegenwärtiger Relevanz bereit hält, möchte man gerne anders fragen: Warum dieses Stück? Dass es Produktionen braucht, die ohne Mühe das Große Haus füllen – geschenkt. Dass es nicht immer die anspruchsvollste Gegenwartsdramatik sein kann, die das leistet, ebenfalls. Aber trotzdem tut sich ein nicht unerhebliches Problem auf, wenn man mit Abenden wie &#8220;Keinohrhasen&#8221; auszieht, die oft beschworenen &#8220;jungen Menschen&#8221; zu erreichen. Wenn man ihnen nicht mehr bieten will als bloßes Wiedererkennen, dann ist es eine falsche Versprechung, mit der man sie lockt. Und es zeigt auch, wie wenig man seinem Publikum zutraut. Ärgerlich ist eine Produktion wie diese aber auch aus einem anderem Grund: Das Welt- und Menschenbild, das in &#8220;Keinohrhasen&#8221; vermittelt wird, ist eine selten gesehene Aneinanderreihung billigster Klischees und Vorurteile, die man an dieser Stelle gar nicht mehr ausdiskutieren möchte.Im Vorabendprogramm eines Privatsenders kann man sich darüber ärgern und umschalten. Es ist aber nicht der Auftrag eines öffentlichen Theaters, diese Klischees völlig unhinterfragt zu reproduzieren, im Gegenteil.</p>
<p>Alles Dinge, über die man in Ruhe nachdenken kann während der zweieinviertel Stunden dauernden Inszenierung. Abgelenkt durch das Bühnengeschehen wird man jedenfalls nur selten.</p>
<p><em>Weitere Aufführungen im Januar: Mittwoch, 11. Januar, 20 Uhr; Dienstag, 17. Januar, 20 Uhr; Freitag, 20. Januar, 20 Uhr; Sonntag, 29. Januar, 16 Uhr.</em></p>
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		<title>&#8220;Bei den Proben habe ich mich schlappgelacht&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 23:56:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>16vor</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Keinohrhasen&#8221; von Til Schweiger und Anika Decker gehört zu den zehn erfolgreichsten deutschen Filmen. Die Bühnenfassung von Gunnar Dreßler hat am Samstag um 19.30 Uhr im Großen Haus des Trierer Theaters Premiere. 16vor sprach mit dem Schauspieler Michael Ophelders, der in diesem Stück Regie führt, unter anderem über seine ungewohnte Rolle als Regisseur, seine Bearbeitung der Vorlagen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Michael Ophelders als Graf Leicester in &quot;Maria Stuart. Für &quot;Keinohrhasen&quot; wechselte der Schauspieler die Seiten und führt Regie. Foto: Marco Piecuch" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/ophelders.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-46781" title="Michael Ophelders als Graf Leicester in &quot;Maria Stuart. Für &quot;Keinohrhasen&quot; wechselte der Schauspieler die Seiten und führt Regie. Foto: Marco Piecuch" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/ophelders-104x150.jpg" alt="" width="104" height="150" /></a>&#8220;Keinohrhasen&#8221; von Til Schweiger und Anika Decker gehört zu den zehn erfolgreichsten deutschen Filmen. Die Bühnenfassung von Gunnar Dreßler hat am Samstag um 19.30 Uhr im Großen Haus des Trierer Theaters Premiere. <em>16vor</em> sprach mit dem Schauspieler <a href="http://www.michael-ophelders.de/" target="_blank">Michael Ophelders</a>, der in diesem Stück Regie führt, unter anderem über seine ungewohnte Rolle als Regisseur, seine Bearbeitung der Vorlagen und Theater-Neuzugang Alina Wolff, die in der Komödie die weibliche Hauptrolle übernimmt.<span id="more-46764"></span></p>
<p><em>16vor: Was hat Sie dazu bewogen, bei <em>&#8220;Keinohrhasen&#8221; </em>die Regie zu übernehmen?</em></p>
<p><strong>Michael Ophelders</strong>: Zunächst einmal die Anfrage der Theaterdirektion (lacht), die mich schon als Regisseur von &#8220;Der Lebkuchenmann&#8221; kennt. Das Weihnachtsmusical hatte ich vor ein paar Jahren am Theater Trier inszeniert. Ich glaube, die Tatsache, dass das ganz gut gelaufen ist, hat sie dazu bewogen, mich zu fragen.</p>
<p>Der Film ist ganz nett. Ein nettes Schmankerl, wo man entspannt zuschauen kann. Dann habe ich aber mit der Theateradaption Bekanntschaft gemacht. Das war eine Inszenierung aus Berlin, wo vier Leute diesen Film gespielt haben. Ich habe das Textbuch gelesen und gesehen, dass viel auf der Hinterbühne stattfindet, weil die Darsteller sich dann – wegen der geringen Personenzahl – unterhalten haben. Ich finde es aber besser, wenn alles gezeigt wird. Deshalb fand ich es auch interessanter, zwei Leute dazuzunehmen und diese sechs dann alles spielen zu lassen.</p>
<p>Da ist eine schöne romantische Liebesgeschichte mit zwei Personen, die aus verschiedenen Lagern kommen – sei es wie bei Capulet und Montague in &#8220;Romeo und Julia&#8221;, da war es halt der Familienstreit, sei es wie in &#8220;My Fair Lady&#8221;, da ist es sprachlich die aus der Gosse Kommende und der Professor. Hier bei &#8220;Keinohrhasen&#8221; ist es die Öko-Dame, die Kindergärtnerin ist, und der Macho, der alle Frauen flachlegt.</p>
<p><em>16vor: &#8230;neben dem, dass er sie als Kind geärgert hat.</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Neben der Tatsache – das ist ein weiterer komödiantischer Moment –, dass sie die Chefin ist. Da ist wieder die Gewichtung: Der, der sie als Kind gehänselt hat – also als Kind der Chef war im Ring –, muss plötzlich vor ihr Kniefälle machen, weil sie die Chefin ist und seine Bewährung. Das unterstützt nochmal, dass sie aus verschiedenen Richtungen kommen.</p>
<p>Man weiß wie in jedem Hollywood-Liebesfilm als Zuschauer in der ersten Sekunde, in der sie sich begegnen: &#8220;Die kriegen sich&#8221;. Nur die beiden wissen&#8217;s noch nicht. Man hat Spaß daran zu beobachten, wie sie aneinander vorbeidriften, und am Schluss küssen sie sich. Als Zuschauer sagt man: &#8220;Ah ja, hab&#8217; ich doch gleich gewusst!&#8221; Das ist ein schöner Moment in einer romantischen Geschichte. Das ist in &#8220;Keinohrhasen&#8221; ganz gut gebaut. Und die theatralische Komik – weil man ja nicht wie im Film die Möglichkeit hat, über Schnitt, über Timing zu erzählen – lasse ich darüber entstehen, dass vier Leute die restlichen Rollen spielen.</p>
<p><em>16vor: Das sind zwei Frauen und zwei Männer.</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Zwei Frauen, zwei Männer. Alle müssen sich oft umziehen, zwei der Darsteller machen da wirklich ein Kostümfest.</p>
<p><em>16vor: Bis zu sieben Rollen nehmen die Darsteller ein.</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Und darüber entsteht im günstigsten Fall im Theater die Komik. Dass wir zwei Leute in vielen Kostümen sehen. Der war gerade noch der, dann spielt er den auch noch. Erst spielt er den Klitschko, im nächsten Moment den kleinen Jungen. Wir nehmen das, was wir im Theater zur Verfügung haben: Maske, Kostüme und Personen.</p>
<p><em><a href="http://www.unikoerper.de" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-44779" title="Werbung" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2011/11/Unikoerper_cover_web.jpg" alt="" width="150" height="188" /></a>16vor: Dadurch sind es</em><em> viel weniger Darsteller als im Film.</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Herr Schweiger hat halt Klitschko. Schweiger ist natürlich auch nicht dumm. Er holt die Prominenz in den Film und dann rennen alle rein. Die haben wir nicht.</p>
<p>Was wir machen könnten, wäre, jemanden aus dem Ensemble zu suchen, der dem Jürgen Vogel oder dem Klitschko relativ ähnlich ist und den so schminken, dass er möglichst echt ist. Aber das ist ja nicht komisch. In dem Film ist es komisch, dass der Jürgen Vogel sich schminkt und den veräppelt. Wenn wir aber jemanden hätten, den wir so schminken, als wäre er Jürgen Vogel, der&#8230; Also ist es doch besser, jemanden zu haben, der sagt: &#8220;Ich bin Klitschko&#8221;, &#8220;Ich bin Jürgen Vogel&#8221;, &#8220;Ich bin noch der&#8221; und &#8220;Ich bin auch der&#8221;.</p>
<p><em>16vor: Der nun auch gar nicht so aussieht&#8230;</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Der überhaupt nicht so aussieht! Dass man als Zuschauer außerdem eine Lust daran hat, zuzuschauen; dass der Darsteller Lust und Freude hat, das zu machen. Dann kann es komisch werden. Ich habe sechs Wochen mit den Kollegen geprobt und mich schlappgelacht. Als Regisseur bin ich Zuschauer. Da habe ich gemerkt, dass der Text gar nicht so unkomisch ist. Und vor allen Dingen ein Argument fürs Theater. Jeder, der sich in der Stadt fragt, sollen wir Theater haben oder nicht, soll sich den Film angucken und dann ins Theater kommen.</p>
<p><em>16vor: Das bringt mich zu meiner nächsten Frage. Weil &#8220;Keinohrhasen&#8221; eher ein Jugendstück ist: Sollen mehr junge Leute für das Theater interessiert werden?</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Es ist eine Schwellenangst da, dass man sagt: &#8220;Theater ist immer so schwer, ist so klassisch, da habe ich mich in der Schule schon gelangweilt und dann soll ich ins Theater&#8230;&#8221; Mit dem jüngeren Stoff möchte man die Schwellenangst überwinden. Man muss sich allerdings darauf einlassen, dass Til Schweiger und Jürgen Vogel nicht dabei sind.</p>
<p><em>16vor: Sie sind für die Trierer Regiefassung verantwortlich. Heißt das, Sie haben das Drehbuch verändert?</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Ich habe das noch verändert, ja. Es gab ein Stück, das in Berlin gelaufen ist&#8230;</p>
<p><em>16vor: &#8230;von Gunnar Dreßler?</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Genau. Die Berliner haben die Fassung für vier Personen gespielt. Ich habe aus dem Original-Drehbuch und aus dieser Fassung für vier Personen dann eine Fassung geschrieben, die sechs Personen umfasst. Ich konnte dadurch, dass ich zwei Leute mehr habe, einige Szenen wieder reinnehmen, die ich witzig fand, die ich rührend fand. Aber dafür musste ich nochmal eine Extrafassung schreiben.</p>
<p><em>16vor: Sie führen mit &#8220;Keinohrhasen&#8221; zum zweiten Mal am Theater Trier Regie. Regisseur waren Sie aber auch schon früher.</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Ja, in Tecklenburg. Damals war ich in Osnabrück engagiert und Tecklenburg ist so ein kleines Städtchen im Teutoburger Wald, das ein riesiges Freilichttheater hat. Die machen jeweils ein Kinderstück, ein Musical und eine Operette im Jahr. 2000 habe ich dort &#8220;Räuber Hotzenplotz&#8221; und 2001 &#8220;Pinocchio&#8221; inszeniert. Das ist ein großes Ding, da passen 1500, wenn es ganz voll ist, 2000 Kinder rein.</p>
<p><em>16vor: Wie liegt Ihnen die Regiearbeit?</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Ach, das müssen die anderen beurteilen. Mir macht diese Arbeit Spaß. Und vor allen Dingen, das mal von der anderen Seite zu sehen, die Anforderungen, die Herausforderungen von der Regie-Seite mitzukriegen. Zudem finde ich es interessant, als Schauspieler da zu sitzen und sich zu fragen: &#8220;Wie wäre ich jetzt auf der Bühne?&#8221; Und ich muss sagen, ich muss Einiges an mir kritisieren und korrigieren, wenn ich wieder Schauspieler bin. Jeder sollte mal der Chef sein und umgekehrt. Ein Küchenchef sollte auch mal die Koteletts anbraten und der, der die Koteletts anbrät, sollte sich mal damit auseinandersetzen, was es heißt, die Logistik eines Sechs-Gänge-Menüs für 70 Leute an einem Abend auf die Beine zu stellen. So sollte auch jeder Schauspieler mal Regie geführt und jeder Regisseur mal auf der Bühne gestanden haben. Um sich in die andere Seite reinzuversetzen, um zu denken: &#8220;Aha, wie kann ich denn helfen? Ich kenne die Problematik, ich kenne die Anforderungen, dann lass uns zusammenarbeiten, lass uns einen Konsens finden!&#8221;</p>
<p><em><a title="Die beiden Hauptdarsteller Tim Olrik Stöneberg und Alina Wolff. Foto: Marco Piecuch" href="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/keinohrhasen-neu.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-46798" title="Die beiden Hauptdarsteller Tim Olrik Stöneberg und Alina Wolff. Foto: Marco Piecuch" src="http://www.16vor.de/wp-content/uploads/2012/01/keinohrhasen-neu-150x103.jpg" alt="" width="150" height="103" /></a>16vor: Bis auf die Hauptdarstellerin sind die Darsteller alle langjährige Kollegen. Als Regisseur steht man hierarchisch etwas darüber. Wie ist es, mit den Kollegen jetzt in einer anderen Funktion zu arbeiten?</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Ich glaube, durch die Tatsache, dass in Trier ein relativ homogenes Ensemble besteht – die Leute können ganz gut miteinander –, wirft das nicht große Probleme auf. Ich versuche auch nicht, mich da hierarchisch drüber zu setzen. Gerade weil ich die andere Seite kenne, versuche ich, mich als Regisseur so zu verhalten, wie ich es mir als Schauspieler wünschen würde. Natürlich ist jede Person verschieden, aber ich glaube, ich bin da eher ein diplomatischer Mensch und versuche, Dinge über Diplomatie und Harmonie zu lösen. Ich versuche, Überzeugungsarbeit zu leisten, die manchmal anstrengend für alle Beteiligten ist. Demokratie ist meiner Meinung nach anstrengender als Diktatur. Aber auch ein spannenderer Prozess, weil dann hoffentlich am Schluss ein Produkt entsteht, hinter dem alle entsprechend stehen können.</p>
<p>Ich kann mich auch nicht hinstellen und plötzlich sagen, ich bin hier der große Zampano, denn die kennen mich ja alle (lacht)! Die Regiearbeit sollte ein gemeinsames Entwickeln sein, so die Zeit da ist. Ich muss halt vorher meine Aufgaben machen, die Vorbereitungen, die Idee, die Konzeption und das Bühnenbild. Wenn ich meine Hausaufgaben gemacht habe, dann arbeiten wir größtmöglich zusammen. Der Job für die Kollegen ist, den Text auswendig zu lernen, das umzusetzen und die Energie zu haben. Die Zusammenarbeit ist mir dann am liebsten.</p>
<p><em>16vor: Alina Wolff ist neu am Theater und spielt die Hauptrolle in &#8220;Keinohrhasen&#8221;. Können Sie zu ihr etwas sagen?</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Ich bin von dieser jungen Frau sehr überzeugt. Sie bringt sehr viel mit und ist eine sehr, sehr talentierte Schauspielerin. Man hat den Text, schwarze Buchstaben auf weißem Papier, das sie sehr schnell zu einem schönen Leben bringt. Bei ihr sieht man beim Zuschauen, dass die Sachen von innen kommen, sie bringt innere Prozesse auf die Bühne. Das macht es spannend und schön zuzuschauen. Sie ist eine gutaussehende Frau, die über ihre Uneitelkeit sehr komisch sein kann. Das erinnert mich an Leute wie Anke Engelke, an hübsche Frauen, die durch ihr Inneres komisch sind.</p>
<p><em>16vor: Das muss sie bei dem Stück auch, weil sie am Anfang hässlich ist.</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Weiß Gott! Sie muss von Anfang an – nicht wie ein hässliches Entlein, vielleicht wie eine Eliza Doolittle –, eine Entwicklung mitmachen. Und das aber uneitel! Das ist sehr wichtig für den Beruf und da wird sie, glaube ich, einen guten Weg machen.</p>
<p><em>16vor: Ist bei der Premiere mit weiteren Überraschungen zu rechnen?</em></p>
<p><strong>Ophelders</strong>: Es wird auf alle Fälle über das hinausgehen, worauf wir in dem Gespräch eingegangen sind. Überraschend ist die Personallösung. Das ist, hoffe ich, die Komik für die Leute, die den Film kennen. Für sie wird es eine Überraschung sein, wer welche Rollen spielt und in welche Situation eintaucht. Und da werden auch Requisiten und Dinge auf der Bühne erscheinen – ho, mein lieber Herr Gesangsverein! Es gibt auch einen kleinen Prolog, der zur Handlung hinführt. Man muss den Film auch nicht gesehen haben, weil die Handlung die Geschichte trägt, von zweien, die sich von früher kennen, die sich jetzt langsam kennen lernen und ein Tohuwabohu von Charakteren, die um sie herum spielen.</p>
<p><em>16vor: Dankeschön für das Gespräch. (flo)</em></p>
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