Juncker platzt wegen Knöllchen der Kragen

Ist Trier bald seinen einzigen noch lebenden Ehrenbürger los? Jean-Claude Juncker erwägt nach Informationen von 16vor, den Titel zurückzugeben. Offiziell ist von Überlastung die Rede, der Premier werde seiner ganzen Auszeichnungen nicht mehr Herr, heißt es am Krautmarkt, Luxemburgs Regierungsviertel. Doch hinter den Kulissen kursiert eine andere Begründung für den in der Stadtgeschichte bislang einmaligen Vorgang: Demnach ist Juncker verärgert darüber, dass er wegen Falschparken ein Knöllchen zahlen soll. “So geht man mit einem Ehrenbürger nicht um!”, ließ er Klaus Jensen ausrichten. Der OB bemüht sich um Schadensbegrenzung, doch für die Baudezernentin ist die Sache klar: “Auch ein Herr Juncker darf nicht mal eben so auf einem Trierer Radweg parken”. Schon werden Namen für einen neuen Ehrenbürger gehandelt.

TRIER. Ende Oktober, während eines Heimspiels der Eintracht, verteilten Mitarbeiter des Straßenverkehrsamts munter Knöllchen. Insgesamt 129 Fahrzeughalter mussten ein Verwarngeld zahlen, weil sie regelwidrig auf dem Radweg in der Zurmaienerstraße geparkt hatten. Für Verärgerung bei den Fans des Fußballviertligisten sorgte vor allem, dass es keine Vorwarnung gegeben hatte. Schließlich war das Falschparken auf dem Radweg in den vergangenen Jahrzehnten stillschweigend geduldet worden (16vor berichtete mehrfach).

Was bislang niemand wusste: Unter den Verwarnten findet sich auch ein prominenter Name aus dem Nachbarland: Auf dem Rückweg von einem Trierer Tierarzt, der sich regelmäßig um seinen Neufundländer Plato kümmert, war Jean-Claude Juncker in einem Schnellrestaurant eingekehrt. Weil dessen Parkplatz voll belegt war, stellte er sein Fahrzeug kurzerhand auf dem Radweg ab – so, wie es rund 128 andere Autofahrer auch getan hatten. Plato blieb in Junckers dunkelblauen BMW zurück. Als der Premier zurückkehrte, steckte unter dem Scheibenwischer seines Wagens das Knöllchen: 15 Euro sollte er an die Stadt zahlen, deren Ehrenbürgerwürde er mit sich rumschleppt.

Juncker dachte zunächst, die Sache rasch aus der Welt schaffen zu können. Wieder in Luxemburg, wies er sogleich seinen Referenten an, ein Schreiben an den OB aufzusetzen. In dem Brief, der 16vor vorliegt, heißt  es: “Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, lieber Klaus, als einziger noch lebender Ehrenbürger Triers möchte ich dich herzlichst bitten, das einzige mir aus dieser Ehrbezeigung heraus zustehende Privileg – eine kostenlose Grabstätte samt ebenfalls kostenloser Beisetzung in Trier – um die Möglichkeit zu erweitern, auch gratis auf Trierer Radwegen zu parken”. Juncker schließt sein Schreiben “in der Hoffnung, dich, lieber Klaus, nicht in eine unangenehme Situation gebracht zu haben”.

Ein frommer Wunsch, denn dem Stadtchef ist die Angelegenheit dem Vernehmen nach sehr unangenehm. Was den Fans der Eintracht sagen, wenn die Verwaltung für den erklärten Jeunesse Esch-Anhänger Juncker eine Ausnahme machen würde? Dass sich die Sache unter der Decke halten ließe, glaubte der OB von Anfang an nicht. Also spielte er auf Zeit, sagte Juncker eine erneute Prüfung des Vorgangs zu und ließ es damit erst einmal bewenden. Bis sich vorvergangene Woche das Vorzimmer des Premiers meldete: Der Regierungschef habe nun eine Mahnung erhalten, das Straßenverkehrsamt verlange jetzt 20 Euro. Indirekt, bestätigen Insider, habe Juncker dann damit drohen lassen, dass er nicht um jeden Preis Triers Ehrenbürger bleiben müsse – Trittenheim, Traben-Trarbach und Trondheim hätten auch schon angefragt, es gebe also Alternativen. Der enge Mitarbeiter des Premiers wird mit den Worten zitiert: “Wenn ihr auch noch euren letzten Ehrenbürger verlieren wollt’, dann macht nur weiter so”. Und Juncker beließ es nicht mit Drohungen: Als die CDU am vergangenen Samstag in der Europahalle ihre Abschlusskundgebung abhielt, blieb er demonstrativ fern und ließ sich von der Kanzlerin entschuldigen. Deutlicher habe Juncker seine Verärgerung nicht übermitteln können, erklärte hernach ein gemeinhin gut informierter Trierer Unionsmann aus der Bundestagsfraktion, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Jensen war nun alarmiert, am vergangenen Montag setzte er das Thema auf die Tagesordnung der Stadtvorstandssitzung. Der OB plädierte dafür, dem Ehrenbürger einen Gutschein des Zoofachgeschäfts Lambert zukommen zu lassen, im Gegenwert des Verwarngelds. Dafür könne Juncker dann Hundefutter kaufen, was auch Plato, den Neufundländer auf der Rückbank, besänftigen dürfte, so Jensens Kalkül. Doch da wollte die zuständige Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani nicht mitspielen: “So weit kommt es noch! Auch ein Herr Juncker darf nicht mal eben auf einem Trierer Radweg parken”, polterte die resolute Christdemokratin nach übereinstimmenden Darstellungen von Sitzungsteilnehmern, “ich darf das ja auch nicht in Luxemburg”.

Feuerwehrdezernent Egger dachte derweil schon laut über potenziellen Ersatz nach und warf den Namen Désirée Nosbusch in die Runde. Die 46-Jährige sei nicht nur – wie Juncker – im Süden Luxemburgs geboren, sie sehe auch noch besser aus und habe besonders in dem Streifen “Der Fan” eine gute Figur gemacht. Außerdem könne die Tourist-Information mit Nosbusch werben und bei der Gelegenheit auch gleich noch die schmucke Homepage der TIT aufhübschen. Bürgermeisterin Angelika Birk lehnte Eggers Vorstoß indes entschieden ab: “Was hat Nosbusch, was ich nicht habe?”, fragte sie pikiert, der junge Kollege schaue offenbar nur auf Äußerlichkeiten. Birk, die Juncker bislang lediglich aus dem Fernsehen kannte, schlug stattdessen Camillo Felgen vor. Den habe sie schon gekannt, als sie noch zur Schule ging, so Birk. Außerdem habe sie Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren, schwärmte die Grüne.

Allerdings kommt Felgen für die Rolle als letzter lebender Ehrenbürger Triers seit dem 16. Juli 2005 nicht mehr in Betracht.

Und wer es bisher noch nicht gemerkt hat und trotzdem weiterlesen möchte – das war ein Beitrag der Redaktion zum 1. April 2011.

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27 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Karin schreibt:

    Erst das Schnellrestaurant und dann auch noch der Gutschein für ein Zoofachgeschäft! Super!

  2. Stephan Jäger schreibt:

    Gegen derart offene Feindseeligkeit helfen nur wirtschaftliche Sanktionen!

    Ab heute sollte Benzin an Trierer Tankstellen billiger verkauft werden, als hinter der Grenze.

    Die Liebe zu unserer Stadt scheint ja ohnehin eher platonisch gewesen zu sein.

  3. Jens hör uff zu stippen, du bist hier nicht in Berlin schreibt:

    April, April! Köstlich!

  4. Laaangweilig schreibt:

    Warum gibt man sich soviel Mühe für so einen lahmen 1. April-“Gack”… Bitte Üben…

  5. Wie immer schreibt:

    Boah! Wie schlecht! 1. April? Genau suuu sieht et aus!

  6. Ali_Mente schreibt:

    Da sieht man wieder, von welchen abgehobenen und arroganten Gestalten Europa geleitet wird und OB Jensen kriecht auch noch auf deren Schleimspur.
    Zu Fr. Birk sage ich besser nichts, um keine Beleidigungsklage zu riskieren…..

  7. Marlene Lorig schreibt:

    Es ist schon erstaunlich, was sich die Stadt Trier (meine Geburtsstadt) immer wieder neu einfallen läßt um Bürger zu gängeln. Es gibt ernste und wichtige Probleme die vertagt und “auf die lange Bank geschoben, bzw. kaum angefasst” werden. Geld wird z.T. aus dem Fenster geworfen, in Bauprojekte gesteckt deren Sinn und Zweck zweifelhaft ist. Hier hat der Bürger trotz Protest kaum Möglichkeiten sich zu wehren (Parkverordnung). Was man jetzt mit der Parksituation in TR erlebt ist einfach nur eine Zumutung, der Eindurck entsteht immer mehr, dass sich hier “Leute” einfach nur profilieren möchten, vielleicht um zu belegen, dass sie etwas arbeiten. Egal wie sinnlos und bürgerfeindlich eine Sache ist, sie wird “durchgesetzt”. Ich für meinen Teil bin seit dieser wirklich unsinnigen Parkverordnung AM BESTEHENDEN SYSTEM GAB ES NICHTS ZU BEKLAGEN (die einem auch noch als Positivum verkauft wird), kaum noch in der Stadt, Sch weich und Wittlich sind auch sehr interessant, Ärzte, Friseur, Modegeschäfte, Café-Besuch, man steht nicht unter Streß, hat ein Einkaufserlebnis und ist gern gesehen.
    Die größte Frechheit der Stadt TRIER ist, dass Parkplätze z.T. bis 20.00 Uhr kostenpflichtig sind, ich denke ans Theater, wenn da noch eine Parkgebühr Augustinerhof dazu kommt, wird der Theaterbesuch auch uninteressant.

    Ich kann Herrn Juncker sehr gut verstehen wenn er die Stadt meidet. Es ist schade, aber —so kann man es auch machen—-

  8. ed.dunkel schreibt:

    april, april…

    sehr amüsante geschichte! :-))

  9. kingofberus schreibt:

    Super. Ich hätt’s fast gefressen. Juncker im McDonalds, herrlich!!

  10. Daniel Kerpen schreibt:

    “Trittenheim, Traben-Trarbach, Trondheim”, nicht schlecht die Alliteration! Vielleicht sollte jeder “Falschparker” heute einen 1. April-Aufschlag zahlen (oder -bonus erhalten)?

  11. Jutta Albrecht schreibt:

    skandalös – was die Thematik und das Verhalten manch’ betroffener Trierer Protagonisten anbelangt….lol
    Genial,wie, der “Würde” des heutigen Tages entsprechend – dieser Artikel verfasst wurde. Chapeau!!

  12. Martin schreibt:

    April, April :-) Gute Idee!

  13. Hautzenthiel schreibt:

    Noch eine nette 1.Aprilstory ( siehe Artikel Sei(t)zstraße).. :-) Das der gute Hans-Claus Jucker beim Burger King speist und seinen Hund in Trier?? untersuchen lässt – schließe ich einfach mal kategorisch aus.. :-) Aber ich war wieder durchaus amused…

  14. revilo schreibt:

    sehr sehr schön, so kann der April starten !! :-)

  15. kneilewatz schreibt:

    Netter Scherz! Aber schon dass Juncker selbst seinen Hund, alleine ohne Chauffeur nach Trier zum Tierarzt fahren sollte, ist ein bisschen viel verlangt zu glauben.

  16. hd21 schreibt:

    wow…wes Geistes Kinder!?

  17. Studentin schreibt:

    Wer so kleinlich ist, dass er nicht mal eben die 15 € zahlt, die ihm zu Recht aufgebrummt wurden, hat es nicht verdient Trierer Ehrenbürger zu sein. Für so einen “Ehrenbürger” kann man sich nur schämen..

  18. Pietro schreibt:

    Danke, 16vor :)

  19. Frank Goebel schreibt:

    [vor die Stirn klatsch]
    Ich gebe zu: Bis “Désirée Nosbusch” habe ich jedes Wort geglaubt: In Trier wäre das alles schließlich nicht undenkbar.

    Sehr schön, aber leider zu schön, um wahr zu sein.

  20. schuker schreibt:

    Sehr gelungener Artikel :-) Habe einige Male schmunzeln müssen. Da hat sich jemand viel Mühe gegeben. Der TV hat wieder mal mit der jährlichen Story gelangweilt, dass die Porta Fenster erhalten soll.

  21. Matthias schreibt:

    So macht der erste April Spaß, tolle Idee mit kreativer Gestaltung.

  22. reko schreibt:

    Vor vielen jahren fragte schon mal jemand:
    “Was hat Desiree Nosbusch, was ich nicht habe?” und die “Titanic” antwortete:
    “Zwei Möpse und ein Bärchen!”, eine antwort, die im falle von Frau Birk nun wirklich nicht gepasst hätte.

    Sehr schön geschrieben!

  23. Feuerwehrmann schreibt:

    Sehr gut! Wer Juncker kennt und die Lux-Presse verfolgt, weis das es so gut gelaufen sein könnte.
    Aber wer Trier kennt, weiß das das alles mit einem Anruf von Jensen erledigt wäre.
    Aber klasse Idee

  24. Stephan Jäger schreibt:

    @Marlene Lorig

    “Schweich und Wittlich sind auch sehr interessant,”

    *lol* Der war wirklich gut, Frau Lorig!

  25. Ambrosius schreibt:

    Einfach klasse!

  26. Andi schreibt:

    Tolle Geschichte! Hätte sie fast geglaubt! Schließlich ist Parken derzit in Trier der rfeinste Horror!

  27. Basti schreibt:

    also ich muss schon sagen, klasse Idee!!! der erste Aprilscherz 2011 dem ich gnadenlos auf den Leim gegangen bin ;)

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