Karl im Comic

Maier, Corinne & Simon, Anne: Marx. München, Knesebeck. 2013. 19,95 Euro.Es scheint fast unmöglich, das ereignisreiche Leben und umfassende Wirken von Karl Marx auf 64 gedruckte Seiten zu packen – vor allem dann, wenn dies zeichnerisch geschehen soll. Die Französinnen Corinne Maier und Anne Simon wagen mit der Graphic Novel “Marx” (Knesebeck, 2013) trotzdem den Versuch. Das Ergebnis: eine Biographie mit Literaturexkurs im Schnelldurchlauf. Die Geburtsstadt des Philosophen und Gesellschaftstheoretikers nimmt in dem Werk leider nur eine kleine Rolle ein. Auch für das Nachwirken seines gedanklichen Erbes bleibt nur wenig Platz.

Als Bronze-Plastik, Spardose, auf einem T-Shirt, als Plüschfigur oder in Form eines USB-Sticks – Karl-Marx-Fans haben allerlei Möglichkeiten, sich oder die eigenen vier Wände mit ihrem Idol zu schmücken. Auch in gedruckter Form dürfen die Gedanken des bekanntesten Trierer Bürgers in keinem Buchregal fehlen. Für Marx-Neulinge bietet sich als Einstieg natürlich eher leichte Kost an – beispielsweise das Leben und Wirken des großen Gesellschaftskritikers in zeichnerischer Form, wie derzeit zu finden in der Graphic Novel “Marx” von Corinne Maier und Anne Simon aus dem Knesebeck Verlag.

Ganz neu ist die Idee nicht, das Gedankengut des Philosophen in Bilder zu verpacken, denn mit “Le Capital” und “Capital in Manga” sind derzeit zwei weitere Werke auf dem Markt, die das Marxsche Erbe vereinfacht zu Papier bringen. Verantwortlich für den Inhalt der neuen Publikation, die neben den Schriften des Trierers auch seinen Werdegang und das Familienleben unter die Lupe nimmt, ist Corinne Maier, ihres Zeichens Psychologin, Historikerin und Soziologin. Sie sorgte mit dem Sachbuch “Die Entdeckung der Faulheit” vor einigen Jahren für einen handfesten Skandal. Ihre Analyse der Zustände in Großunternehmen und die daraus resultierende Erkenntnis, dass man auch mit geringstmöglichem Einsatz große Erfolge erzielen kann, sorgten für reichlich Gesprächsstoff – und für die Kündigung durch ihren damaligen Arbeitgeber. Gemeinsam mit der noch jungen Zeichnerin Anne Simon, mit der sie bereits im vergangenen Jahr Sigmund Freud ein grafisches Denkmal setzte, nahm sie sich nun der Marxschen Vita an.

64 Jahre auf 64 Seiten – eine Biographie im Galoppschritt. Um eines bereits vorwegzunehmen: Die Stadt Trier hat nur einen kurzen Auftritt. Der Jugend von Karl Marx wird nur wenig Platz eingeräumt. Porta Nigra und Dom? Fehlanzeige! Stattdessen erfährt der Leser, wie sich der kleine Karl bereits in jungen Jahren gegen Vorschriften auflehnt und zarte Bande zu seiner späteren Gattin knüpft. Danach geht’s rasant weiter: Bonn, Berlin, Paris, Brüssel – sein Studium und die ersten Schritte ins Arbeitsleben werden in wenigen Bildern zusammengefasst.

Corinne Maier geht natürlich auch auf die Gedanken des Titelhelden ein. Die wichtigsten Thesen aus dem “Manifest der kommunistischen Partei”, eine vereinfachte Erklärung des Kapitalismus und eine Fülle an Ideen, die Marx in seinem Werk “Das Kapital” vereint – ein derart schwerer Stoff, zusammengefasst in wenigen repräsentativen Sätzen, ist lediglich für Kenner der Materie ein Genuss. Alle anderen dürfen trotzdem hier und da schmunzeln, etwa über Szenen aus dem Familien- und Eheleben sowie über eine angedeutete Affäre, die bis zum heutigen Tage Rätsel aufgibt.

Statt Marx als Held und Revolutionär zu feiern, geht die Autorin einen anderen Weg: Viele Misserfolge prägen seinen Werdegang. Finanzielle Nöte, Todesfälle in der Familie und die fehlende Akzeptanz seiner Schriften sorgen für einen faden Beigeschmack. Auch die aufkommenden Selbstzweifel werden thematisiert. Für das Nachwirken seines gedanklichen Erbes bleibt in der Graphic Novel nur wenig Platz. Zwei Seiten, um die Umsetzung seiner Schriften im Kommunismus zu behandeln, müssen ausreichen. Zum Abschluss darf der Philosoph nochmals als eine Art Superheld gegen den personifizierten Kapitalismus antreten.

Viel Stoff und wenig Raum

Knapp 64 Seiten sind nicht genug, um alle Thesen zu behandeln und alle Erlebnisse zu schildern. Ein Einblick in die Vita des Philosophen gelingt trotzdem. Beinahe alle Stationen seiner schier ewig dauernden Suche nach einer Lösung für das gesellschaftliche Ungleichgewicht finden Erwähnung, dazu ergänzend einige familiäre Momente, die bei allen Versuchen, Marx näherzukommen, oftmals auf der Strecke bleiben. Positiv zu erwähnen sind auch die anschaulichen Zeichnungen von Anne Simon, deren karikaturistischer Stil die schwere Thematik auflockert. Kurzum: “Marx” stellt wahrlich keine Pflichtlektüre für’s Studium dar, denn schließlich werden viele Ereignisse nur angerissen oder in abgewandelter Form dargestellt. Als Geschenk für Trier- beziehungsweise Marx-Fans ist die bilderlastige Geschichtsstunde aber durchaus geeignet.

Maier, Corinne & Simon, Anne: Marx. München, Knesebeck. 2013. 19,95 Euro.

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