IHK: Kein Geld fürs Theater

TRIER. Sollte in Trier eine Fremdenverkehrsabgabe eingeführt werden, möchte die hiesige Industrie- und Handelskammer, dass das Theater davon nichts bekommt.

“Die Parteien im Trierer Stadtrat haben den Diskussionen um den Erhalt des Theaters Trier in den vergangenen Tagen eine neue Wende gegeben”, heißt es in der Pressemitteilung. “Die durch das Gutachten zur Situation des Theaters erarbeiteten Sparvorschläge scheinen vergessen.” Unter anderem fordert die SPD-Fraktion, den unterfinanzierten Theater-Haushalt über eine Tourismusabgabe zu sanieren (16vor berichtete). Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier hält das für den falschen Ansatz.

Erst jüngst befasste sich der landesweite IHK-Arbeitskreis “Tourismus” mit Vertretern des Handels in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Thema “Finanzierung im Tourismus”. Im Laufe der Diskussion hat das Gremium für den Fall der Einführung einer Tourismusabgabe klare Forderungen formuliert, die die rheinland-pfälzischen IHKs als zwingend bindend ansehen.

“Eine wichtige Kernforderung – sollte eine derartige Abgabe eingeführt oder beibehalten werden – ist die zweckgebundene Verwendung der Mittel für Marketing und Tourismusförderung, um die Attraktivität von Stadt und Region zu steigern”, sagt IHK-Geschäftsführer Albrecht Ehses. Die Förderung von Infrastrukturmaßnahmen – wie die Sanierung eines Theaters – gehört aus IHK-Sicht nicht dazu. Für die Kammer trägt die Kultureinrichtung demnach nicht zur Attraktivität der Stadt und damit auch nicht zum Tourismus bei.

Außerdem fordert Ehses, den Unternehmen, die eine Tourismusabgabe zahlen, ein Entscheidungs- und Mitspracherecht sowie Einfluss bei der Mittelverwendung einzuräumen. So etwas könne nur ein Fachgremium leisten, das alle betroffenen Branchen mitberücksichtige und mit der Stadt gemeinsam ein schlüssiges und transparentes Konzept erarbeite.

“Doch bevor es darum geht, neue Abgaben einzuführen und die Unternehmen weiter zu belasten, ist der städtische Haushalt auf der Ausgabenseite noch kritischer zu prüfen und der Rotstift deutlicher anzusetzen”, so der IHK-Geschäftsführer. Allzu häufig würden schwierige Entscheidungen vertagt. “Besonders mit Blick auf die Finanzsituation des Theaters ist für uns nicht nachvollziehbar, dass jetzt fraktionsübergreifend der gerade erst begonnene konstruktive Diskussionsprozess zu einer Umstrukturierung des Hauses wieder auf Eis gelegt wird.”

Anm. d. Red. (19.09.2013): Herr Ehses weist darauf hin, dass die IHK sich – anders als die Überschrift vermitteln könnte – nicht zum “Geld für das Theater” allgemein äußere, sondern zur Verwendung der Finanzmittel aus einer Tourismusabgabe. “In dem Presseartikel ist es uns wichtig, zu verdeutlichen, dass eine derartige Abgabe nicht dazu dienen darf, Infrastrukturmaßnahmen zu finanzieren – festgemacht am Beispiel der Sanierung des Theaters, sondern zweckgebunden für touristische Maßnahmen vorwiegend im Marketingbereich einzusetzen ist. Keineswegs heißt dies, dass das Theater nicht zur Attraktivität der Stadt beiträgt.”

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6 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Sven Teuber schreibt:

    “Für die Kammer trägt die Kultureinrichtung demnach nicht zur Attraktivität der Stadt und damit auch nicht zum Tourismus bei.”

    Unglaublich. Wie bigott kann man denn sein? Erst ein Loblied auf das Theater und seine große Bedeutung für die Stadt singen und wenn dann die Rechnung kommt, was uns das Theater wert ist, gleich wieder in die Büsche schlagen. Was wäre denn dann für die IHK ein Ansatz, um das Theater zu erhalten? Hierauf bleiben die Lobbyvertreter leider eine Antwort schuldig. Was ist eigentlich aus dem Top freiwilliger Kulturmittel der Hoteliers geworden, der den Kultureuro ersetzen sollte? Wissen Sie nicht? Kein Wunder, denn davon war nach erfolgreicher Klage auch nichts mehr zu hören. Wer Kultur in einer Gesellschaft will, muss auch sagen, was dies wert ist und wie es bezahlt wird. Alles andere sind Lippenbekenntnisse.

    Sven Teuber
    SPD Fraktionsvorsitzender

  2. Jana Halberg schreibt:

    Die mittelalterliche Instution IHK macht ihrem Namen mal wieder alle Ehre !
    Schämen sollte sie sich.
    Aber ohne die IHK geht ja leider nichts…

  3. V.Clemens schreibt:

    Herr Teuber, das müssen Sie sich so vorstellen wie mit den Grundschulen: Erst ganz laut und jedem versichern, alle bleiben offen(Stichwort kurze Beine=kurze Wege), dann eine schule mal probehalber schließen und dann ankündigen, das auch andere nicht sicher sind.
    Das Prinzip müssten Sie und Ihre Genossen doch wohl kennen? Oder?

  4. Markus Nöhl schreibt:

    Keine Angst, meine Herren der IHK. Der “konstruktive Diskussionsprozess” wird ja weiter geführt. Nur haben sich inzwischen etliche Fraktionen gegen die Umwandlung in ein Bespieltheater gewendet. Wir werden aber weiterhin daran arbeiten, das Theater für die Zukunft fit zu machen, daher auch der 14 Punkte-Katalog der SPD-Fraktion.

    Nur ein Punkt zur Fremdenverkehrsabgabe: Seit dem Ende der Antikenfestspiele ist das Theater nicht mehr im sommerlichen Tourismusgeschäft unterwegs. Dies wollen wir wieder ändern. Daher ist es sinnvoll, Geld aus der Tourismusförderung auch für touristische Angebote des Theaters zu nutzen. Insbesondere in einer Kulturstadt wie Trier, die ihren Tourismuswert aus dem kulturellen Angebot zieht!

    Markus Nöhl
    kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion

  5. Teneka Beckers schreibt:

    Die Herren von der IHK möchten das Geld sicherlich lieber in den Straßenbau stecken, das ist dich auch viel sinnvoller!

  6. Petra Kewes schreibt:

    Für Unternehmen ist es beim Anwerben von Fachkräften wichtig, dass der Standort auch eine Attraktivität besitzt, mit der bei auswärtigen Interessenten gepunktet werden kann.
    Und gerade die kulturelle Landschaft unserer Stadt wird mitunter durch das Theater und die Menschen die dort arbeiten wesentlich gestaltet. Das zusammen mit vielen anderen Faktoren macht Trier attraktiv!
    Wenn die IHK das nicht blickt, dann sitzen dort die falschen Leute!

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