Kennen Sie … den Olewiger Obelisken?

Dort, wo sich "Riesling-Weinstraße" und "Brettenbach" kreuzen, steht der Olewiger Obelisk. Eine durch acht Pfosten gehaltene Kette umgibt das Monument, das sich mit seinem weißen Anstrich auffällig von seiner Umgebung abhebt. Foto: Bettina LeuchtenbergObelisken kennen wir vor allem aus dem alten Ägypten, aus Rom oder Paris. In ihrem Ursprungsland entstanden die hochaufragenden Monumente als steingewordene Strahlen des Sonnengottes Re und standen immer zu zweit vor den ihm geweihten Tempeln. Durch den Schattenverlauf konnten die Ägypter die Zeit ablesen. Aus einem einzigen Granitblock wurde die eckige, sich nach oben verjüngende Säule gefertigt. Die meist vergoldete Spitze in Pyramidenform spiegelte das Sonnenlicht wider.

TRIER. Rom ist die Stadt mit den meisten ägyptischen Obelisken in Europa. Ihren Weg hierher fanden die oft mehrere hundert Tonnen schweren Stücke auf dem Schiffsweg. Die römischen Kaiser brachten sie als Zeichen ihrer Macht von ihren Feldzügen mit oder errichteten sie später nach ägyptischem Vorbild selbst. Der berühmte, mit Hieroglyphen versehene Obelisk von Luxor, der die Pariser Place de la Concorde schmückt, ist im Unterschied dazu keine Raubbeute, sondern ein ganz offizielles Geschenk der ägyptischen Regierung an den französischen König Louis Philippe (1773-1850).

Spätestens zu dessen Lebzeiten wurde der Obelisk in Europa zu einem besonderen Monument, mit dem man entweder besonderer Menschen gedachte, gewonnene Schlachten dokumentierte oder naturwissenschaftliche Neuerungen würdigte. Auf Friedhöfen finden sich Obelisken zum Gedenken an Kriegsopfer oder auch für Familien. Die Monumentenform war modern, auffällig und beliebt. Und so entstand auch in Trier der Obelisk, der gegenüber dem Weindorf Olewig zu Füßen der Weinberge steht. Vor dem Ausbau der Umgehungsstraße stand das Monument in einer Baumgruppe in der Nähe des damaligen Klosters St. Xaverius. Vor genau 40 Jahren wurde es dann gut sichtbar in den Weinberg gesetzt.

„Unserem Lehrer“ ist der Obelisk gewidmet. So steht es inmitten eines Blätterkranzes auf der Sockelseite, die der Straße zugewandt ist. Erst wenn man die Inschrift auf der Rückseite liest, findet man Details: „Dr. J. P. W. Stein aus Trier wirkte 15 Jahre als Lehrer der Mathematik am Gymnasium zu Trier und starb d. 17. Maerz 1831 im 35. Jahre seines Alters.“

Der so überaus geehrte Johann Peter Wilhelm Stein wurde 1795 in Trier geboren und sein Name taucht in den Medien auf, seit er zehn Jahre alt war. Denn die Trierer Schulen haben den besonders hervorragenden Eleven der Stadt jährlich Preise verliehen und diese mit Ehrenmeldungen bedacht. Der junge Stein wurde so zwischen 1805 bis 1810 für seine Leistungen in den Fächern Latein, Französisch, Religion, Physik und Geometrie ausgezeichnet. Im Fach Mathematik bestand er schließlich den Concours pour l’admission und konnte ein Studium an der Ecole polytechnique in Paris aufnehmen. Ausgebildet für den französischen technischen Staatsdienst, arbeitete er bis zu Abdankung von Napoleon als „ingénieur géographe“ in der Armee. Zurück in Trier wurde er ab 1816 mit gerade 21 Jahren als Professor beziehungsweise Lehrer an seiner alten Schule, dem königlich-preußischen Gymnasium, heute Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, angestellt. Während es üblich war, dass ein Lehrer mehrere Fächer unterrichtet, wurde Stein fast ausschließlich im Fach Mathematik eingesetzt.

Ein Ausschnitt aus dem Band "Geographische Trigonometrie" aus dem Jahr 1825.Schon nach zwei Jahren erhielt Stein von einem Schulrat ein Zeugnis ausgestellt, in dem ihm bescheinigt wurde, er habe „ein angeborenes Talent zum Lehren und ein vorzügliches Streben, sich wissenschaftlich auszubilden; der Lehrer Stein ist in seinem Fache, der Mathematik, wohl unterrichtet, und er würde mit der Zeit etwas Vorzügliches leisten können, wenn ihm nicht eine gründliche Kenntnis der alten Sprachen und die philosophische Bildung gänzlich abginge“.

Das Spektrum des Fachs Mathematik legte er gemäß seiner Ausbildung recht weit aus, denn neben Arithmetik und Geometrie unterrichtete er auch die Feldmesskunst. Und dies nicht nur, indem er – wie in seiner Zeit üblich – vorne an der Tafel stand und dozierte, während die Schüler mitschreiben mussten. Er bezog seine Schüler in den Unterricht ganz aktiv ein, ließ diese Lösungswege erarbeiten und regte deren selbsttätiges und selbstständiges Arbeiten an, wie Guido Groß in seiner Festschrift zum 150. Todestages von Johann Stein ausführt. Und um in der Natur zu messen, ging er ins Freie und machte praktische Übungen. Da die vorhandenen Lehrbücher seinen Ansprüchen nicht gerecht wurden, publizierte Johann Stein ab 1820 nicht nur Lehr-, sondern auch diverse Fachbücher. Mehrere Auflagen hatten beispielsweise seine Ausführungen zur Arithmetik, in dessen Vorwort er in der Ausgabe von 1825 schreibt: „Um dem Wunsche mehrerer Lehrer, welche mit Recht für die unteren und mittleren Klassen ein ausführlicheres Handbuch verlangten, nachzukommen, habe ich die gegenwärtige zweite Auflage gänzlich umgearbeitet und durch die Anordnung derselben zu erreichen gesucht, dass sie nicht nur für alle Klassen eines Gymnasiums, sondern auch für die Bürger-Schulen und selbst für die Volksschulen, in den Händen eines geschickten Lehrers, einen geeigneten Leitfaden darbiete.“

Sein Ziel war also die Bildung junger Menschen aller Schulformen mit Methoden, die zu seiner Zeit als innovativ und besonders galten. Dies war wohl auch der Anlass für seine ihn verehrenden Schüler, ihm nach seinem frühen Tod das für seine Zeit hochmoderne Denkmal zu erbauen. Dr. Johann Stein hinterließ sechs Kinder, vier von seiner ersten Frau, die kurz nach der Geburt des jüngsten Kindes starb, sowie zwei seiner zweiten Frau. Die Witwe Catharina Schlink erhielt aus Dankbarkeit den Werken ihren Mannes gegenüber für sich und die sechs Kinder eine Wohnung mit vier Zimmern und Küche im Gymnasium. Sie eröffnete einen Manufakturwarenladen und überlebte ihren Mann 48 Jahre.

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