Kennen Sie… den Zewener Turm?

Das mittelalterliche Turmhaus in Zewen steht seit hunderten von Jahren zwischen Trier und Luxemburg. Als Burg gebaut, diente es als Wachturm, Zollstation, Bauernhof und Wirtshaus. Der ursprüngliche Eingang im ersten Stock und die wenigen Wandöffnungen wurden im 19. Jahrhundert durch Türen im Erdgeschoss und großflächige Fensteröffnungen in der ersten Etage ergänzt. Das unter Denkmalschutz stehende Haus ist heute in Privatbesitz.

TRIER. Der Zewener Turm hebt sich deutlich von der ihn umgebenden Ein- und Mehrfamilienhäusersiedlung ab. Zwischen weißen Rauputzfassaden mit braungläsernen Baumarkttüren, grünweißer Plattenabdeckung und monumentaler Säulenarchitektur jüngster Bauzeit ist der Turm ein Ruhepol für das Auge. Er strotzt mit seiner natursteinfarbenen Schlichtheit den architektonischen Launen der nachfolgenden Jahrhunderte. Dass er dabei selbst nicht so ganz aus dem Ei gepellt ist, steht ihm gut.

Schon die Römer siedelten in der Ebene zwischen Mosel und den etwas höher liegenden Wäldern. Eine gepflasterte Überlandstraße verband Luxemburg und Trier und führte an der – Zewen den Namen gebenden – Ebene vorbei. Im Mittelalter war hier ein Ort, in dem Weinbau betrieben wurde und – so wie heute – Gemüse- und Obstbauern die Stadt versorgten. Genau an dieser Straße wurde um 1200 das Turmhaus errichtet. Das Baumaterial war der einheimische rote Sandstein. Mit grob gehauenen Bruchsteinen erreicht der Turm auf einem Grundriss von sechs mal sechs Metern vier Geschosse. Die Mauern selbst zeugen mit einer Stärke von 1,10 Metern von Wehrhaftigkeit. Zusätzlichen Schutz bot ein Graben, welcher den Turm vor Eindringlingen feite. Wenige Wandöffnungen dienten der Beobachtung und Verteidigung von Feinden. Wie im Mittelalter üblich, befand sich der Eingang im ersten Obergeschoss. Die Giebelseite mit der rundbogigen Türöffnung richtet sich gen Ortskern. Sowohl der Eingang als auch die Schießscharten des Turms auf dieser Seite sind mit gehauenen Eckquadern mit abgeschrägten Kanten aus Sandstein umrahmt. Heute sind ein Teil der Schießscharten vergrößert und zu Fenstern ausgebaut. Den Originalzustand kann man im dritten Geschoss noch gut erkennen. Auch die Türen im Erdgeschoss sowie die großflächigen Fensteröffnungen der ersten Etage, die sich zur Wasserbilliger Straße hin öffnen, stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Die Veränderungen tragen der abwechslungsreichen Geschichte des Zewener Turms Rechnung. Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz berichtete 1954, dass der Turm die einfachste Form einer Wasserburg darstelle, womit er sowohl Wohn- als auch Wehrzweck in einem Gebäude vereinte. Er war für lange Jahre der Wachturm der Grenze zwischen dem Kurstaat Trier und Luxemburg. In der Folge des Dreißigjährigen Krieges und des Krieges zwischen Louis XIV. und den Generalstaaten wurde Trier wiederholt eingenommen und auch zu großen Teilen zerstört. Eine der Belagerungen nahm ihren Gang vom Zewener Turm aus, wo sich am 15. Juni 1684 französische Truppen unter Marschall Crequi mit einer Delegation der Stadt Trier zu Verhandlungen traf. Josef Fisch hat diese Begegnung und die Geschichte des Turms im Neuen Trierischen Jahrbuch 1978 ausführlich rekonstruiert. Die Trierer mussten innerhalb von zwei Stunden einen Zugang zur Stadt gewährleisten oder alternativ alle Kosten der Heeresverpflegung sowie der Abrissarbeiten tragen. Crequi blieb einen Monat in der Stadt, riss Türme ab, schleifte die Festungsbauten und füllte alle Stadtgräben auf, infolgedessen sich die Stadt nicht mehr sichern konnte.

Bis zum Jahr 1715, als die Franzosen das Gebiet verließen, stand der Zewener Turm offen und ungenutzt mitten im Feld, an der Straße. Erst dann wurde er repariert und bekam eine neue Funktion. Genau wie der zweite mittelalterliche Turm in Zewen-Oberkirch, der nicht erhalten ist, diente er als Zollstelle. Zusammen mit Ackerland wurde er als Lehen an Franziskus Neuhäuser vergeben, der den Turm aus eigenen Mitteln instand setzte. Nach dessen Tod kaufte dessen Frau Magdalena ein weiteres am Turm liegendes Grundstück an, um hier unter anderem einen Viehstall anzubauen. 1794 marschierten nochmals Franzosen ein. Die Revolutionstruppen schlossen die Zollstation, da sowohl Luxemburg als auch das Rheinland als französische Departements administrativ territorial neu geordnet wurden. Im Zuge der Auflösung des Kircheneigentums und des Kurstaates wurde der Turm 1804 mit den dazugehörigen Nebenbauten und Ländereien verkauft und wechselte mehrere Male den Besitzer. Er wurde als Wohnhaus und auch als Wirtschaft genutzt.

1936 wurde er in der Liste der Kunstdenkmäler der Rheinprovinz im Landkreis Trier besonders erwähnt. Wenige Jahre vorher hatten Denkmalpfleger den Turm ausgemessen, Zeichnungen hergestellt und ihn fotografisch dokumentiert. Ein Granateinschlag im Frühjahr 1945 zertrümmerte das Dach. Zehn Jahre lang war der Turm Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt, bis er ein neues Dach erhielt. In dem wiederhergestellten Anbau aus dem 19. Jahrhundert lebt heute eine Familie, die sich der Geschichte und Bedeutung des Turms bewusst ist und dafür sorgt, dass die Substanz erhalten bleibt: Als Zeichen der Geschichte der Großregion.

“Kennen Sie Trier?” – auf einen Blick:

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2 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Hans-Willi Triesch schreibt:

    Ich fände es fantastisch,könnte man dieses Bauwerk, welches die Zewener auch in ihrem Wappen haben, wieder aus seinem Dornröschenschlaf erwecken. Seit 1980 habe ich auch im Rahmen meiner kommunalpolitischen Arbeit versucht eine Möglichkeit gemeinsam mit dem Eigentümer zu finden, das älteste Bauwerk des Stadtteils mehr in den Focus der Öffentlichkeit zu rücken. Man Traum wäre es gemeinsam mit der Denkmalpflege so eine Aktion à la Frankenturm oder Balduinsbrunnen ins Leben rufen zu können.
    Meine Anregung beim Lokalreporter beim Trierischen Volksfreund vor ca. 4 Jahren unter Aushändigung meines ” Ordners vom Turm” fand seinerzeit leider keine Resonanz.
    Ich bedanke mich für diesen Artikel daher ganz besonders.

  2. Paul S schreibt:

    Danke für den interessanten Artikel. Ich hoffe der Turm bleibt erhalten- aber bitte nicht zu sehr herausgeputzt. Man darf Denkmäler ruhig mal altern lassen, die Patina steht ihnen gut, wie Frau Leuchtenberg richtig anmerkte.

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