Krimi aus dem Trierer Westen

Der Kriminalroman von Stephan Brakensiek und Sabine Schneider „Die schöne Tote im alten Schlachthof“ ist im Emons-Verlag erschienen, hat 272 Seiten und kostet 10,90 Euro. Bild: emons-verlag.deDas Autorenduo Sabine Schneider und Stephan Brakensiek hat mit seinem vor wenigen Monaten erschienenen Erstlingswerk “Die schöne Tote im alten Schlachthof” einen Krimi im westlichen Stadtteil von Trier angesiedelt. Mit viel Lokalkolorit und einem spannenden Plot ist die Europäische Kunstakademie das Zentrum des ersten Mordes, dem zwei weitere folgen. Die beiden Verfasser stammen zwar nicht aus Trier, arbeiten aber hier. Brakensiek ist Akademischer Mitarbeiter im Fach Kunstgeschichte an der Universität und Kustos der Graphischen Sammlung. Sabine Schneider studierte an der Uni Angewandte Geographie/Fremdenverkehrsgeographie und ist als Verwaltungsangestellte an der Kunstakademie beschäftigt. Der Ausgang der Handlung ihres Krimis lässt eine weitere literarische Zusammenarbeit der beiden Autoren vermuten.

TRIER. Rudolph Ferschweiler ist ein Kommissar, der aus Trier-West stammt und nach dem Besuch der Kurfürst Balduin-Hauptschule ein Gymnasium besucht, um im Polizeidienst stetig aufzusteigen. Als Leiter der Mordkommission ist er schließlich am Ende seiner Karriere angekommen und verrichtet mehr oder weniger aufmerksam seinen Dienst. Er hat weder Interesse an schlecht gedruckten Urkunden seiner Kollegen noch an Kunst und Kultur.

Der Schlachthof in der Aachener Straße war zu Zeiten seiner Kindheit noch voll im Betrieb, und er hat hier nicht nur die Rinder brüllen hören, sondern wurde nach einem kleinen Diebstahl sogar einmal aufgegriffen. Ansonsten ist sein Lebenswandel redlich. Er wohnt in einem Trier-Wester Hochhaus, aus dem nachts auch schon mal Fernsehapparate geworfen werden und der Nachbar regelmäßig Frau und Tochter vermöbelt.

Er nimmt das Leben wie es ist und scheint Neuerungen eher kritisch gegenüberzustehen. Und so muss er seinen neuen Assistenten Wim de Boer auch erst einmal vorsichtig kennenlernen. Der sportliche Zugezogene – der Sohn einer Deutschen und eines Niederländers stammt aus Krefeld – ist Oranje-Fan und isst so komische Dinge wie “Kroket en frietjes” oder “Kipsalat met pindasaus”, was so gar nicht zu den bodenständigen Vorlieben Ferschweilers für Lyoner, Teerdich und Viez passt. Wie in vielen Krimis lebt die Komik von den gegensätzlich gezeichneten Ermittlern und taucht oft unerwartet in Situationen auf, so dass dies teilweise ein wenig konstruiert wirkt.

Die schöne Tote, die dem Kriminalroman den Titel gibt, ist die Tochter einer so wohlhabenden wie angesehenen Winzerfamilie von der Mosel, die auch im Dressurreiten zu bedeutendem Ansehen gekommen ist. Welch ein Zufall, dass Wim de Boer mit dem nicht im geringsten geschockten Vater der Toten in ein fachkundiges Gespräch über Hippologica einsteigen kann, während Ferschweiler sich der aufgelösten Mutter widmet und hier wichtige Details über das Leben der von zahlreichen Allergien geplagten Tochter Melanie Rosskämper erfährt.

Gestorben ist die Nymphomanin an einem anaphylaktischem Schock in einem Atelier des Schlachthofes. Schnell wird klar, dass dies ein Mord war, denn die Putzfrau aus Konz, welche die Tote gefunden hat, wird später von einem Spaten erschlagen aufgefunden. An beiden Tatorten entdecken die Kriminaltechniker Stummel einer ägyptischen Zigarette, die den Handlungsraum von Eifersuchtsdramen innerhalb der Kunstakademie schnell in ein Drogenmilieu ausweiten, welches auch im benachbarten Luxemburg spielt.

Während sich Ferschweiler in seinen Befragungen in der Akademie nicht nur über die extrovertierten Künstler und deren Kunst wundert, scheint de Boer auch hier in seinem Element zu sein. Er kennt nicht nur die berühmten Dozenten aus der Kunstszene, sondern erklärt dem verdutzten Ferschweiler auch so manches aus der Kunst- und Kulturgeschichte. Für den nicht des Trierischen mächtigen Leser ist es äußerst praktisch, im anhängenden Glossar Wörter wie “Doas”, “Flabbes”, “quant” und “Schmull” erläutert zu bekommen. Im selben Verzeichnis ist dann auch für nicht kunstaffine Leser die “Informelle Kunst” erläutert – welch eine Kombination.

Obwohl sich Ferschweiler und de Boer zum Ende des Bandes recht sicher sind, wer nach dem Tod eines studentischen Dealers als Dreifachmörder in Frage kommt, dreht sich das Blatt noch unvermittelt und spannend. Denn es ist eine Frau, die dem ansonsten der Kneipenbesitzerin Rosi treuen Ferschweiler ganz unprofessionell den Blick vernebelt hat und welche die beiden erst nach einer Schießerei in Luxemburg auf der Karte haben – zumindest für einen der Morde.

Der eloquente de Boer, der für so manche Überraschung während der Vernehmungen gesorgt hat, versagt jedoch im praktischen Einsatz und kann nicht verhindern, dass Ferschweiler mit einer Schussverletzung in ein Luxemburger Krankenhaus eingeliefert werden muss. Als er ihn mit Tränen in den Augen am Krankenbett besucht, wird klar, dass die Beiden zusammenpassen und sicher noch weitere Fälle unterhaltsam lösen können.

Brakensiek, Stephan und Sabine Schneider: Die schöne Tote im alten Schlachthof. Köln, Emons. 2012

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2 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Klauspeter Bungert schreibt:

    Bevor zuviele Leser sich den Krimi erklären lassen, sollte die Verfasserin vielleicht überlegen, die Inhaltsangabe herauszunehmen. Bei einem mehr oder minder ganz vom Inhalt lebenden Buch wirkt die Wiedergabe der Essenz verkaufsschädigender als ein Verriß.

  2. Peter Moog schreibt:

    Als 4 Jähriger war ich oft mit meinem Opa dort zum Viehmarkt (dienstags). Hier habe ich auch die Schlachtungen gesehen…

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